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Der enorme Medienrummel und die Werbemaschinerie hat versucht einem zu suggerieren (sogar dreister Weise offiziell in dem Teaser), mit der “Dark Materials”-Trilogie würde ein neuer “Herr der Ringe” in die Kinos kommen. Dass das kaum einer glauben wollte, war natürlich mehr als berechtigt. Doch dass der Film wenig besser als der “König von Narnia” geworden ist, ist schon enttäuschend. Weder die Welt noch die Charaktere oder aber die Handlung konnte überzeugen: Die 105 Minuten Spielzeit sind eigentlich ja auch schon Indiz für einige Mängel gewesen.

In einer Parallelwelt, die unserer zu Beginn des 20. Jahrhunderts ähnelt, aber auch magische Elemente enthält, lebt das Mädchen Lyra in Oxford, wo unter mysteriösen Umständen Kinder von so genannten Gobblern entführt werden. Ihr Onkel macht sich auf eine Expedition in den Hohen Norden, um dem rätselhaften “Staub” auf die Schliche zu kommen. Nachdem Lyra ein Alethiometer (der titelgebende Kompass) erhält, welches allein sie nach der Wahrheit der Dinge befragen kann, gelangt sie ebenfalls nach Norden, um die gefangenen Kinder zu retten. Dabei begleitet sie ihre Seele in Tierform (jeder Mensch in dieser Welt besitzt eine solche), trifft auf sprechende Panzerbären, Hexen und viele Gefahren…

Dakota Blue Richards (Lyra) bietet dabei leider wenig Identifikationsgrundlage; sie ist störrisch, arrogant und unvorsichtig ohne Ende. Und sie hat eine ziemlich nervige Synchronstimme, ihr Dämon ebenfalls. Andere Darsteller wie Nicole Kidman, Daniel Craig oder gar Eva Green und Sam Elliot bekommen leider extrem wenig Leinwandzeit (und auch Daseinsberechtigung; insbesondere Greens und Elliots Charaktere habe ich nicht verstanden) und können gar keine großen Leistungen abliefern. Schade, denn dies führt unter anderem dazu, dass es ein reiner Kinderfilm geworden ist. Dies merkt man auch in den (wenigen) Actionszenen. Sehr kindgerecht wird hier gekämpft, wer auch nur auf den Schatten eines einzigen, kleinen Bluttropfens wartet, wartet vergeblich. Bis auf eine einzige extrem brutale Sequenz bei einem Bärenkampf, die gerade aufgrund des sehr harmlosen Umfelds doch stark herausstricht, ist es sehr sonderbar, dass der Film ab 12 ist. Gerade, wenn “Narnia” oder “Harry Potter 2″ eine FSK-6-Freigabe erhalten haben, und die waren allemal brutaler und auch deutlich unheimlicher. Auch der Trailer (der noch mit der epischen Musik von “Lady In The Water” trumpfen konnte) schien mir eher auf einen erwachseneren Stil hinzudeuten, nicht zuletzt aufgrund der Darstellerwahl. Aber nichts da, manchmal kommt man sich fehl am Platz vor, wenn der Dialog auch aus “Wilde Kerle” kommen könnte. Dazu die ganze Zeit noch putzige, sprechende Tiere.

Positiv waren ein paar Landschaftsaufnahmen. Der Rest der Inszenierung wirkte sehr unzusammenhängend, unlogisch, unmotiviert und wenig verständlich. Die Effekte der zahlreichen Tiere waren auch eher unter dem Durchschnitt. Und nach dem wer weiß wievielten Mal, wo der Bär in Großaufnahme in die Kamera brüllt, kommt dann doch Langeweile auf.

Wer auf irgendwas Episches oder Düsteres oder so hofft, wird gnadenlos enttäuscht: Episch ist weder die Handlung noch die Kämpfe, die Szenerie oder die Thematik.

Am schlimmsten fand ich aber, dass alle Gruppen oder Personen nicht nur nicht wirklich Funktion hatten, sondern sich auch nicht erklärt haben und ihr Handeln meist widersprüchlich war und wenig logisch. Was sind jetzt die “Gypter”, “Panzerbären”, “Dämonen”, das “Magistrat”, “Gobbler”, “Hexen”, “Diese-da-mit-den-Wölfen” nun eigentlich genau, warum wuseln die alle überall mal mit herum und vor allem: Was wollen sie? Hin und wieder fliegen die Hexen durch die Gegend und reden von einer Prophezeiung, der politische Ansatz des Magistrats geht völlig verloren, die Ähnlichkeiten und Unterschiede zu unserer Welt sind mir nicht klar geworden (sind die Gypter unsere Ägypter?) und generell wirkte diese Welt weder komplex noch reich an Fantasy. Auch die musikalische Untermalung trägt in keiner Weise dazu bei, dass mal etwas wie Atmosphäre auftaucht.

Das Drehbuch ist lückenhaft und absolut ungradlinig. Die Handlung wirkte teilweise so, als hätte man eine Filmrolle vergessen. Man hatte stets das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Ich wusste nicht einmal, um was es jetzt in erster Linie geht. Ich dachte, das Hauptthema des Films sei das Mysterium um den “Staub”, die Hexenprophezeihung und den Kompass. Ich dachte, das Ziel wäre herauszufinden, was das nun alles genau ist und wie es zusammenhängt… nicht, dass das Kinderretten Ziel ist, dafür wurde das doch so gut wie nie angesprochen. Auch dachte ich, dass die Hexen und Gobbler nun zum Schluss zumindest erklärt werden (wenn sich schon eine gigantische Hexenarmee sammelt) und noch eine größere Rolle spielen; dass sich irgendwas zusammenbraut. Insofern war ich doch sehr verblüfft, als der Film plötzlich beendet war, ohne für mich ein wirkliches Ende zu haben. Selbst für einen ersten Trilogieteil war das sehr unzufriedenstellend (zumal das Buch angeblich noch weiter geht). Auch die ganze Nebengeschichte der Bären hatte so absolut gar nichts mit dem Hauptplot zu tun, noch hat man verstanden, was die Bären nun eigentlich sind/wollen/für eine Bedeutung in der Welt haben. Aber man hat dieser viel Zeit gegeben (verhältnismäßig in einem so kurzen Film).

Abschließend lässt sich also leider nur sagen, dass sich der “Kompass” auch in die schlechten Fantasyfilme nach “Herr der Ringe” einreiht und seinen Platz neben “Narnia”, “Eragon” und dem “Sternwanderer” (der ja immerhin die Ausrede hat, halb Parodie oder Komödie zu sein) einnehmen muss. Er war wohl aufgrund einiger Kleinigkeiten ein wenig besser als eben genannte Filme, aber leider nicht viel. Schade, ich hatte nichts Großes erwartet, aber dann doch ein klein wenig mehr.

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