Seit „Tiger & Dragon“ im Jahr 2000 auch international großen Erfolg erzielen konnte, ist das so genannte Wuxia-Genre auch in westlichen Kreisen bekannt. Die drei Filme vom Regisseur Yimou Zhang („Hero“, „House Of Flying Daggers“, „Der Fluch der goldenen Blume“) sind wohl die bekanntesten und besten der neusten Generation. Bildgewalt, beeindruckende Kampfchoreografien und philosophische Fragen sind die Schlüsselbegriffe dieses besonderen Genres.

Wuxia-Filme beschreiben, um Wikipedia zu zitieren, „chinesische Schwertkämpfer, Schlachten, Soldaten- und Reiterkämpfe, die meist an historischen oder pseudohistorischen Schauplätzen spielen. Das Genre besitzt starke phantastische Elemente“. Diese übernatürlichen Fähigkeiten sollen durch lange Übung und Meditation erreicht worden sein, so beherrschen Kämpfer beispielsweise unmögliche Zielgenauigkeit, Kraft, können Wände hinaufgehen oder ähnliches. Dabei begründet sich dieses Genre mit vielen asiatischen Glaubensvorstellungen, Moralbildern und traditioneller Philosophietheorie und Volkskultur, die z.B. in „Matrix“ sehr ähnlich eingesetzt wird.

Obwohl also oft moralische und philosophische Themen angeschnitten werden, sollte man die Wuxia-Filme dennoch nicht mit dem Verstand, sondern in erster Linie mit dem Auge betrachten. Bildgewaltige Schlachten, virtuose Schwertduelle, geniale Bildkompositionen, hervorragende Farbspiele, aufwendige Ausstattung und atemberaubende Landschaftsaufnahmen beherrschen dieses Genre.

In meinen Augen bleibt „Hero“ der erste und beste der drei Filme von Yimou Zhang. Das ungeheure Ausmaß an unterschiedlichen visuellen Szenerien, ob es nun Einzelkämpfe, gewaltige Heere oder einfach nur Landschaften sind, ist hier enorm. Keine Minute wirkt langatmig, die Schauspieler sind klasse und auch die besondere Erzählweise macht den Film durchweg gelungen und spannend. Auch sind hier noch sehr wenige Computereffekte, was das Ganze deutlich glaubhafter macht.

„House Of Flying Daggers“ konzentriert sich nun weniger auf groß angelegte Schlachten, sondern ist unerwartet persönlich und beschreibt in erster Linie ein Dreierliebesverhältnis, ohne dabei wieder auf viele bildgewaltige Kampfszenen zu verzichten. Besonders stechen hier wohl die Sequenzen im Bambushain in die Augen. Leider wurde teilweise in Sachen Computereffekte übertrieben, was manchmal schon ein wenig unglaubwürdig ist, selbst für einen Wuxia-Film. Wobei positiv angemerkt werden muss, dass nie Menschen animiert worden sind, sondern nur Gegenstände wie Waffen, die durch die Luft sausen. Dennoch ist der Film auf jeden Fall sehenswert und eine optische Delikatesse.

Mit „Der Fluch der goldenen Blume“ ist nun der dritte Zhang-Wuxia erschienen, der vermutlich der pompöseste und bunteste Film ist, den ich je gesehen habe. Anfangs fragt man sich bei den vielen Intrigen am Kaiserhof, ob auch ein paar Kämpfe in dem Film vorkommen. Zum Schluss bekommt man die Antwort: Eine enorme Schlacht, die teilweise an Helms Klamm erinnert, bringt einem zum Augenöffnen. Doch obwohl der Film sicherlich immer noch visuell ein Hingucker ist, kommt er Anfangs nicht so recht in Schwung und bleibt somit wohl der schwächste Teil der, wenn man sie so nennen will, Trilogie. Außerdem fehlt hier die Schauspielerin Ziyi Zhang, die ja fast schon das Monopol der weiblichen Hauptfigur im Wuxia-Genre hat. Positiv fand ich allerdings die Anwendung der Computereffekte, die im Gegensatz zum Vorgänger selten zu erkennen waren.

Mit Martial-Arts-Filmen hingegen kann ich gar nichts anfangen. Ich weiß zwar auch da die körperliche Arbeit zu würdigen, aber das war es auch schon. Vermutlich zieht mich bei den Wuxia-Filmen das (pseudo-)historische, fantastische Element an. Schwertkämpfe finde ich klasse, Faustkämpfe hingegen doof.

Mein Fazit ist also, dass bei den drei Filmen zwar eine Kurve nach unten zu erkennen ist, aber alle drei ein visueller Genuss und auf jeden Fall sehenswert sind, interessiert man sich für asiatische Kampfkünste, Philosophie oder will man sich einfach nur optisch fesseln lassen. Dies gelingt den Filmen auf jeden Fall.

Nun bin ich gespannt, ob sich noch einer für diese Filme begeistern kann oder ob ihr diese als Humbug abtut. Vielleicht findet ihr ja andere Wuxia-Filme besser oder mögt Martial-Arts lieber?