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Ob der ungünstig gewählte Filmtitel „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ bereits ein schlechtes Omen war? Ja, und wenn man ehrlich ist, nur eins von vielen. Doch nach anfänglichem Mosern hat man sich mit der Zeit dann immer mehr wieder auf den Film gefreut, die Trailer sahen nett aus… und dann kamen die ersten schlechten Kritiken und man hörte böse Gerüchte über Aliens. Somit hat man vor dem Kinobesuch seine Erwartungen noch einmal gehörig heruntergeschraubt. Um so respektabler ist die Leistung der Beteiligten, dass der Film dann noch einmal so viel schlimmer geworden ist, als man befürchten konnte.

Inhaltlich spielt der Film in den Fünfzigerjahren, Indiana Jones muss den Russen dabei helfen, den sagenumwobenen Kristallschädel aus der Maya-Kultur zu finden und diesen nach El Dorado zu bringen. Dabei durchlebt er atomare Explosionen, Eingeborene und Wasserfälle, und muss von seiner geliebten Exfreundin Marion erfahren, dass er einen Sohn hat.

Der Film kann einem schon ein wenig Leid tun, selten gab es von einem so großen Publikum so hohe Erwartungshaltungen einem Film gegenüber. Und die bei „Episode 1“ endeten ähnlich. Wie kann ein Film diesem Druck standhalten; eigentlich ist das unmöglich. Doch leider muss ich sagen, dass der Film auf nahezu jeder Ebene versagt, man kann nicht schönreden, dass nur die hohen Erwartungen an der Enttäuschung Schuld sind. Ich habe immer wieder versucht, mir im Kino zu sagen: „Okay, er ist nicht so gut, aber er ist doch noch ganz nett“. Es hat leider nichts mehr genützt.

Wer noch nicht zuviel über diesen Film erfahren will, sollte an dieser Stelle mit dem Lesen aufhören, ins Kino gehen und sich ein eigenes Urteil bilden.

Wo fängt man an? Vielleicht beginne ich mit der traurigsten Tatsache, die neben ein paar anderen Grundelementen das Hauptproblem des Films ist: das Drehbuch. Besonders traurig und bemerkenswert ist, dass ausgerechnet über dieses jahrelang diskutiert worden ist und unzählige Versionen immer wieder von einem der drei Hauptbeteiligten (Spielberg, Ford, Lucas) abgelehnt worden ist. Wenn ich mich nicht irre, ist es eins der teuersten Drehbücher aller Zeiten gewesen. Man hat danach schon erwartet, dass es zumindest nicht abgrundtief schlecht ist. Leider ist es das so ziemlich.

Während die Thematik um den Kristallschädel und die Szenerie um Lateinamerika eine nette Idee ist, ist die genauere Skriptgestaltung furchtbar. Bereits die Grundthematik, dass der Schädel außerirdisch sein soll, passt nicht ins „Indiana Jones“-Universum. Dass gleich zu Beginn des Film die Alien-Leiche aus dem Rosswell-Absturz gezeigt wird, fährt einem wie ein Schlag ins Gesicht. Anscheinend nimmt die befürchtete „Alien“-Thematik im Film mehr Raum ein als das befürchtete Ende, gegen das man sich seelisch schon gewappnet hatte. Doch selbst das Ende war noch zusätzlich schlimmer, als man gedacht hat: nicht nur, dass man neben beweglichen Kristallskeletten dann tatsächlich auch noch ein außerirdisches Lebewesen sehen muss, der absolute Tiefpunkt des Films bietet dann auch noch ein klischeehaftes UFO, das aus den einstürzenden Tempeln bricht und… nein, nicht ins Weltall fliegt, sondern in eine allmächtige interdimensionale Welt. Dass sie „interdimensionale Wesen“ genannt werden, täuscht nicht über die Tatsache hinweg, dass es Aliens mit einem UFO waren. Wieso muss Spielberg diese nun auch noch in einem „Indiana Jones“-Film unterbringen, in dessen Welt passen diese schlichtweg nicht hinein. Das hat nichts mit leicht übernatürlichen, mythologischen Elementen zu tun, das ist einfallsloser Sci-Fi. Auch der Schädel an sich bietet nicht das, was die anderen Gegenstände der alten Filme waren. Den Schädel findet man schon sehr früh und nutzt ihn als Schlüssel und dafür, um Ameisen von sich abzuhalten. Den Gral kann man vielleicht nicht mehr überbieten, aber bei den Schädeln und deren Umsetzung fehlte die große Bedeutung und Macht.

Okay, meiner Meinung nach war die Grundidee mit den Aliens also absolut furchtbar. Aber damit hätte man sich vielleicht noch in irgendeiner Form arrangieren können, wenn das Drehbuch ansonsten wenigstens in sich stimmig gewesen wäre. Leider ist es das auch in keiner Form. Der Anfang legt gleich mau los. Das Paramont-Logo blendet in einen Erdhaufen mit einem animierten Präriehund, der sich vor Jugendlichen, die sich mit Russen ein Autoduell liefern, versteckt. Das soll „Indiana Jones“ sein? Kein gelungener Auftakt. Doch gehen wir ein Stück weiter zur ersten Actionsequenz, wo der Film seine Bewährungsprobe hat und zeigen muss, wie sehr er fesseln kann. Leider kommt diese nicht in Schwung und endet sogar in einer absolut lächerlichen Einstellung, in welcher Jones in einem Kühlschrank durch eine Atombombe durch die Luft geschleudert wird. Da hilft auch nicht mehr, dass „Howdy Doody Time“ ist. Man fühlte sich fast schon ein wenig wie bei der unsäglichen Anfangssequenz von „Episode 3“. Man merkt, dass man seine Erwartungen noch mal senken muss.

Bei diesem Anfang kristallisieren (Wortwitz!) sich gleich zwei weitere Probleme des Films heraus. Das erste: die Zeit. Das Ambiente der 50er/60er Jahre mit Rock and Roll, Elvis-Tollen, Aquarellfarben, Agentenspionage, Atomtests und roten Fliegen mit weißen Punkten will nicht so recht zu Indiana Jones passen. Man hat gehofft, dass man die Zeit nicht zu sehr reflektiert, aber gerade am Anfang wird dies stark getan. Punkt zwei: Harrison Ford ist doch zu alt. Nicht falsch verstehen, für seine 65 Jahre bietet er erstaunliche Leistungen, aber der Indy, den man sehen muss, ist doch eine ganze Stange schwerfälliger und langsamer als der, den man gewohnt ist und auch als der, den man durch die Trailer erwartet hat. Gerade in der Anfangssequenz ist dies so. Auch als Marion dann auftaucht, sieht sie noch einmal deutlich älter aus als erwartet und hat von ihrem alten Wesen nichts beibehalten dürfen.

Damit gelangen wir zum nächsten Problempunkt: die langweiligen Charaktere. Gerade nach so vielen Drehbuchversionen hat man schon gedacht, dass die Charaktere ein wenig interessanter, unvorhersehbarer und vielschichtiger sein werden. Insbesondere Indys Sohn bekommt auch erstaunlich wenig Persönlichkeit, besonders gegen Ende des Films. Gerade, da er doch anscheinend die Hauptperson für zwei weitere Filme sein wird, hatte ich schon gedacht, dass er ein wenig mehr ins Rampenlicht rückt oder Individualität entwickelt. Aber er bleibt nur einer in einer ganzen Truppe ohne Persönlichkeit, die mit Indy durch Pyramiden laufen. John Hurt kann einem fast schon ein wenig Leid tun, er darf im Film nur einen verwirrten Irren spielen (wieso galt als Fakt, er werde Abner Ravenwood spielen!?). Mit Ray Winstone kommt auch an keiner Stelle Sympathie auf, man fragt sich nur, wieso Jones ihn am Ende auch noch retten will. Dass die Russen ebenso eindimensionale Feinde wie die Nazis sein werden, hat man ja erwartet, aber auch Cate Blanchett als Irina Spalko hat einen wahnsinnig langweilen Charakter bekommen, der obendrein noch nicht einmal wirklich böse wirkt. Vielleicht war es theoretisch eine raffinierte Idee, Marion Ravenwood wieder auftauchen zu lassen, praktisch nicht. Ihr wurde ein so trauriges Verhalten ins Drehbuch geschrieben, das leider so absolut überhaupt nichts von ihrem alten, rauen Wesen hat. Sie und Indy haben sich nur gezankt wie Helen Mirren und John Voigt in „Das Vermächtnis des geheimen Buches“. Wenn das keine Beleidigung gegenüber den lieb gewonnen Charakteren von Indiana Jones ist, weiß ich auch nicht.

Neben den Charakterbeziehungen kommt auch der trockene Wortwitz zu kurz. Während der dritte Film vielleicht schon grenzwertig viel Humor hatte, bietet der vierte Teil zu wenig. Der Film hat weder die Leichtigkeit von Teil eins und drei, noch die Ernsthaftigkeit vom umstrittenen Film zwei. Hier fehlt dem Film eine gute Grundausrichtung. Generell ist ein großes Manko, dass der ganze Film schlecht inszeniert ist. Große Kulissen mit Zahnrädern erzeugen keine Spannung, wenn sie schnell abgehakt werden. Und eine Verfolgungsjagd kann noch so lange dauern, aber wenn sie nicht spannend ist, bringt dies nichts. An vielen Stellen hätte eine Tempoerhöhung oder eine andere bessere inszenatorische Maßnahme schon ein wenig mehr aus dem Stoff herausgeholt. Aber zu oft ging man in alten Ruinen, ohne dass es spannend war. Man hat stets erwartet, dass eine einfallsreiche Falle aktiviert wird und Indy und Co. um ihr Leben fürchten müssen… es passierte nichts.

Ich weiß nicht mehr, welcher der ganzen Drehbuchschreiber gesagt hat, die falsche Herangehensweise wäre, dauernd auf die anderen Filme zurückzugreifen. Aber er hatte recht. Man hätte mit diesem Film einen neuen „Indiana Jones“ ins Kino bringen sollen, ohne dauernd Altes aufzufrischen. Aber man geht in die Kistenlagerhalle, sieht sogar die Bundeslade, wird auf Indys Vater hingewiesen, holt Marion und ihre Beziehung zu Indy in den Film zurück und zeigt gleich dreimal ein Abbild von Marcus Brody. Alleine das waren mindestens zwei zu viel.

Bleibt noch Komponist John Williams. Ich muss gestehen, dass ich seine Art zu komponieren generell nicht besonders mag, sofern es keine Themen sind. Diese kann er sehr einprägsam schreiben, seine untermalende Filmmusik hingegen lässt meiner Meinung nach stark zu wünschen übrig. Aber auch er leistet in diesem Film auch für seine Verhältnisse keine gute Arbeit. Viel zu oft und in unwichtigen Momenten erscheint das „Indiana Jones“-Thema. Auch er verwertet viele altbekannte Themen, mir fast schon zu oft. Der Gedanke eines neuen „Indys“ ist auch bei ihm nicht recht gefruchtet. Als einziges neues einprägsames Thema sind drei aufwärts steigende Noten zu hören, die als Kristallschädelthema immer wieder vorkommen. Ich finde dies ein wenig schwach, ist es doch genau das gleiche Thema wie das der Bundeslade, nur halt andersherum. Von Einfallsreichtum kann leider auch in Sachen musikalische Untermalung nicht die Rede sein. Spannung, Atmosphäre oder dergleichen kommt in diesem Film auch unter anderem wegen der Musik nicht auf, beispielsweise in der endlosen Verfolgungsjagd.

Kommen wir nun zu einem weiteren immensen Störfaktor. Man hat gesehen, was ein George Lucas aus einer neuen „Star Wars“-Trilogie gemacht hat und weiß, dass auch Steven Spielberg Fan von Special Effects ist. Also befürchtete man zunächst das Schlimmste: Animierte Indys und unechte Orte durch Bluescreen. Dies ist leider wahr geworden. Umso frecher sind die dreisten Behauptungen von Spielberg, man habe sich ja extra Mühe gegeben, alles nach der alten Schule und ohne viele Computereffekte zu machen. Über wie viel mehr haben die Herren Spielberg und Lucas denn bitte nachgedacht? Am traurigsten waren die zahlreichen Aufnahmen vor Bluescreen mit weicher Auswahlkante um die Figuren, selbst an absolut unnötigen Stellen wie gleich am Anfang vor der Kistenhalle. Die große Befürchtung, Indiana an kaum realen Orten wie beispielsweise die Brücke im zweiten Teil zu sehen, hat sich leider größtenteils bewahrheitet. Auch die vielen Studio-Sets haben nicht immer meinen Geschmack getroffen. Aber wenn Indy dann durch eine Scheibe zwanzig Meter tief fällt, schlecht animiert durch die Gegend schwingt, in einem Kühlschrank tausende Meilen durch die Luft geschossen wird, sein Sohn sich mit einer Horde Affen von Liane zu Liane schwingt, oder dauernd riesige Autoteile das Gefährt von Indy teilen, ohne dass einer der Insassen auch nur einen Kratzer abbekommt, kann man da noch von wenig animiert sprechen? Und leider hat ILM wieder einmal bewiesen, dass sie die Führungsposition in Sachen Special Effects verloren haben, denn die Effekte sahen zudem meist auch noch schlecht bis mittelmäßig aus. Dieser Punkt stößt sicherlich besonders übel durch die Behauptungen von Spielberg und Co. auf.

Was nun hat der Film an Positivem zu bieten? Es bleibt leider nicht mehr viel übrig. Die Schauspielerwahl finde ich sehr gelungen, mit einem guten Drehbuch hätte da sicherlich etwas draus werden können. So sind sie zwar alle bemüht, aber können gegen das miese Skript und ihre langweiligen Rollen nicht ankommen. Shia LaBeouf ist mir sogar ganz sympathisch, aber wenn er gegen Ende nichts mehr sagen darf, hilft das leider nichts. Am meisten tut mir Karen Allen Leid, zu was ihre Rolle verkommen ist. Einige schöne Kulissen, die man zwar alle hätte besser inszenieren können, gibt es immerhin zu sehen. Und an manchen Stellen macht auch Harrison Ford als Jones Spaß, schließlich ist er einfach Indy.

Ich denke, man könnte noch ewig weiter über diesen Film reden, mir liegt noch einiges auf dem Herzen (wie die Hochzeit, die Neuinterpretation von Jones, US-Patriotismus, derbe Aussprüche, zu ähnliche Orte, Präriehundgags usw.), aber irgendwann muss Schluss sein. Insgesamt kann ich also nur sagen, dass ich enttäuscht bin, obwohl ich meine Erwartungen durch alles vorher gehörte schon so niedrig wie möglich gehalten habe. Sicherlich gibt es auch vereinzelt ein paar gelungene Momente im Film (es ist immerhin noch ein aufwendiger Abenteuerblockbuster), die man nach einiger Zeit eventuell genießen kann, im Moment klappt das bei mir noch nicht.

Es ist schon ein wenig traurig, dass die Mutter aller Abenteuerfilme so versagen musste, und man jetzt vom Abklatsch mehr erwarten kann als vom Original. Denn wenn Spielberg und Co. nicht in der Lage sind, aus den gelungenen Computerspielvorlagen interessante Themen herauszugreifen und daraus einen guten Film zu machen, dann dürfen das gerne andere machen. „Die Mumie 3“ sieht doch stark aus wie „Indiana Jones und die Legende der Kaisergruft“, insofern freuen wir uns halt auf diesen Abenteuerfilm, der eigentlich nur besser gelingen kann als „Indy 4“.

Ich fasse noch einmal zusammen. Die Grundstory mit den Außerirdischen ist miserabel, Harrison Ford ist doch sehr alt und es wurde auch zu wenig mit seinem Alter gespielt, um dieses auszugleichen. Die Charaktere bleiben alle sehr eindimensional und rein funktionell. Das Hauptproblem ist das Drehbuch, was an manchen Stellen lächerlich, an anderen einfach nur nicht spannend, konfus und absolut uninspiriert ist. Spannung und Wortwitz bleiben zu oft auf der Strecke, der Film wird nicht sympathisch. Teilweise macht der Film Spaß, nur leider sehr selten. Man hätte traurigerweise aus fast allem mehr herausholen können. Ich kann mir vorstellen, dass auch einige Gefallen an dem Film finden können, ich denke allerdings, dass gerade die Fans höchstens mäßig begeistert sein werden.

Bitte, hört jetzt einfach auf und lasst es sein, meine Herren Spielberg, Ford und Lucas. Ihr habt es verlernt, gute Filme zu machen. Ihr habt mit „Indiana Jones 4“ wie mit der neuen „Star Wars“-Trilogie einen Mythos zerstört, der es nicht verdient hat. Ihr habt Indy ins Grab gebracht. Lasst es nun bitte gut sein und schändet dieses nicht noch mit weiteren Filmen…