untergang.jpgGeht es nur mir so oder verfolgt euch auch das Gefühl, dass Kino immer mehr das Besondere verliert und Filme kaum noch die Individualität besitzen wie früher? Nach “Indiana Jones 4″ habe ich mich wirklich gefragt, ob ich denn heute einfach nur zu kritisch an das Ganze herangehe oder ob heute wirklich nur noch Filme für eine Masse produziert werden, denen Logik und gute Stories vollkommen egal sind.

Filme sind Massenware, Meisterwerke rar geworden, alles war schonmal da, nicht ohne Grund werden derzeit alle alten Ideen wieder rausgekramt, fortgesetzt oder mit Remakes gestraft. Ist die Filmindustrie dem Untergang geweiht und muss man seine Ansprüche und seinen Verstand heute wirklich auf ein Minimum drosseln, um noch unterhalten zu werden?

Gerade Leute wie Steven Spielberg oder George Lucas waren während meiner Kindheit Pioniere in der Filmwelt, ihre Filme waren wegweisend und vermutlich die ersten großen Blockbuster. Doch heute kann man niemanden mehr mit Special Effects locken, früher bin ich mitunter nur deshalb in Filme gegangen, heute ist es nichts Besonderes mehr, im Gegenteil, offensichtliche Computeranimationen sind mitunter eher ein Armutszeugnis, gute Animationen sollten heute gar nicht mehr von realen Szenen zu unterscheiden sein. Da beeindruckt einen die Verfolgungsjagd am Ende von “Death Proof” um einiges mehr, schließlich wurde sie real gedreht, so etwas haut einen mehr vom Hocker als peinliche Effektfahrten wie in “Indy 4″ oder “Speed Racer”.

Ein schönes Beispiel für die Tatsache, dass Filme oft jedes individuellen Charmes beraubt werden, merkt man gerade bei uns an der schon peinlichen Titelvergabe. Filme für Männer bekommen neuerdings nur noch Filmtitel wie “Tödliche Versprechen” oder “Tödliche Entscheidung”, Filme für Frauen werden mit dem Prädikat “…zum Verlieben” ausgestattet. Die Originaltitel sind oft viel interessanter, aber offensichtlich erhofft man sich mit dieser Titelvergewaltigung mehr Leute ins Kino zu ziehen.

Steven Spielberg meinte nach dem Floppen von “Indy 4″ in Cannes, er würde Filme für das Publikum drehen, nicht für die Kritiker. Meiner Meinung nach sind aber gerade Fans die größten Kritiker, man kann doch für plumpe Unterhaltung nicht das letzte bisschen Originalität opfern. In vielen Foren konnte man schon früh lesen, dass Aliens in einem “Indy”-Film allen Fans nicht in den Kram passen würden und welcher “Star Wars”-Fan immer schon einen fliegenden R2-D2 sehen wollte, erschließt sich mir auch nicht.

Wobei Spielbergs Filme ja nie frei von Filmfehlern waren, gerade “Jäger des verlorenen Schatzes” wird mir immer im Gedächtnis bleiben als der Film, der mit seiner von Schnittfehlern triefenden Anfangssequenz dazu führte, dass ich heute nahezu nicht mehr in der Lage bin, Filmfehler zu ignorieren. Aber irgendwie wirken die Fehler von früher verzeihbar und mitunter sogar amüsant, heute hingegen könnte man doch von einem routinierten Regisseur erwarten, dass ein verfilmter Filmfehler wie “Krieg der Welten” so gar nicht in die Kinos kommen kann. Eigenartigerweise hat mir von Spielbergs letzten Arbeiten “Catch Me If You Can” noch am besten gefallen, weil es sich hier um eine einfach, nette, lustige Story handelte, ohne sich in wilder Effekthascherei zu verlieren.

Ich bin allerdings auch nicht der Mensch, der nur auf Independentfilme abfährt, auch die müssen nicht immer gelingen, ich liebe schon große Blockbuster. Aber während früher vielleicht alle zwei Monate ein solcher in die Kinos kam, wird uns heutzutage fast wöchentlich einer geboten. Die Budgets sind inzwischen so gigantisch, dass unheimlich viele Filme die Charakteristiken eines Blockbusters mitbringen, aber leider nur noch selten die Qualität.

Doch wohin entwickelt sich das Kino? Kann man uns nochmal so aus dem Hocker hauen wie seinerzeit die “Herr der Ringe”-Filme oder die ersten Teile von “Matrix” und “Fluch der Karibik”? Werden sich mehr Filmemacher auf das Konzept von “Batman Begins” oder “Casino Royale” konzentrieren, wo man beeindruckenderweise zur Abwechslung mal auf eine realistischere Darstellung von Popcornkino-Charakteren gesetzt hat? Oder wird das Kino irgendwann nur noch aus Remakes, Fortsetzungen sowie Computerspiel- und Comicverfilmungen bestehen?

Die Filmwelt ist eine Welt geworden, in der Geldgier fast jede Form von Individualismus zerstört hat. Ein Film kostet viel, also muss er auch viel einbringen, da geht man halt kein Risiko ein. Und wenn das Verwursten von 80er Serien und Horrorfilmen schon mal geklappt hat, kann man da ja auch noch hundert weitere Versionen drehen. Kult hat heute keine Bedeutung mehr, vermutlich können wir froh sein, dass uns geplante Neuauflagen wie z.B. von “Zurück in die Zukunft” erspart geblieben sind.

Doch nach meinem ganzen Gemecker stellt sich mir natürlich die Frage, ob es nur mir so geht und ich einfach nicht genug in der Lage bin, mich fallen und primitiv unterhalten zu lassen oder ob sich die Filmwelt wirklich so sehr zum Negativen entwickelt hat. Ich bin gespannt auf eure Sicht der Dinge…

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