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„The Dark Knight“, der zweite Teil der neuen Filmreihe um Batman, hat einen größeren Erfolg, als man gedacht hat. Doch der Film war schon vor dem Kinostart regelmäßig in der Presse. Anfang des Jahres starb der Schauspieler Heath Ledger, der in dem Film den „Joker“ verkörperte, durch eine Überdosis Pillen. Kritiker prangerten an, dass Zuschauer nur reingingen, um die Wiederauferstehung des toten Schauspielers Ledgers zu sehen. Weswegen der Film trotz „Totenmesse“ einer der besten Filme des Jahres ist und für mich persönlich die gelungenste Comicverfilmung aller Zeiten und weswegen man wegen Heath Ledger den Film trotzdem sehen sollte, wird in dieser Kritik erklärt.

In Gotham City ist ein neuer Staatsanwalt namens Harvey Dent. Er ist nicht korrupt und will die Mafia der Stadt zur Anklage bringen, doch seine Mittel sind begrenzt. So verbündet er sich mit den beiden einzigen anderen unbestechlichen Männern, Polizeioffizier Gordon und Batman. Die Kriminiellen fühlen sich bedroht und bald heuert das Mafiaoberhaupt jemanden an, der weder Grenzen noch Regeln hat. Den Joker, doch einmal losgelassen, kann man ihn nicht mehr kontrollieren. Er will die Stadt brennen sehen.

Im folgenden Text versuche ich möglichst nichts über den Film verraten, da man das aber nicht vermeiden kann, sollte keiner das lesen, der nicht den Film kennt, oder zumindest sich des Risikos bewusst zu sein, gespoilert zu werden.

Regisseurkollege Kevin Smith beschrieb den 152 Minuten langen Film als „episch“ und er hat recht. Dabei muss auch der letzte Rest der Klischees einer Comicverfilmungen gehen. Es fängt an mit Gotham City selbst. Die noir-markante Stadt muss einer realitischeren Version weichen. Flotte Sprüche und ein knalliger Style sind nun auch vollkommen ausgelöscht. Die Action im neuen Teil ist spektakulärer, die Handlung dichter und düster, dabei starke Melodramatik, die Kämpfe nicht so schnell geschnitten und die aufkommende Spannung intensiver. Die Geschichte, die sich um Gotham City und deren Bürger dreht, besitzt unzählige Handlungsfäden, die alle oft parallel verlaufen. Dabei ist nicht eine Person im Mittelpunkt, um vier Personen dreht sich die Geschichte. Batman, Dent, Gordon und den Joker. Letzterer besitzt unglaublich erschreckend grausame und doch komische Sätze im Film.

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Jeder Film steht oder fällt mit dem Bösewicht. Hier ist dieser besonders wichtig, da diese Figur schon seit 70 Jahren als Nemesis Batmans fungiert. Keiner hat ihn mehr gequält, durch keinen musste er mehr Verluste erleiden als durch den Joker. Dieses Paar ist eins der bekanntesten der Popkultur. Im Film gibt es zwei gute Dialoge zwischen beiden, die diese Beziehung in den Comics gut andeutet. Der eine kann den anderen wegen Moral und Ethik nicht töten und der andere will es gar nicht, weil er so viel Spaß mit ihm hat. Das Gute kann nicht ohne das Böse existieren.

Als Nolan den Joker neu erfunden hat, hatte er sich mit Heath Ledger, dem Schauspieler des Charakters, getroffen, um gemeinsam, dabei möglichst nahe an den Comics, einen neuen Joker zu erfinden. Einer, der zu Nolans Stil passt und der Figur in den heutigen Comics ähnelt. Nolan hatte den Joker immer mit einer Naturgewalt verglichen, Ledger meinte, er würde ihn an „Alex“ aus „Uhrwerk Orange“ leicht anlehnen. Dabei ist ein Joker schlußendlich entstanden, der mit der Nicholson-Version aus Tim Burtons Batman nichts mehr gemein hat. Es ist ebenfalls eine gute Idee, die Herkunft des Jokers wie auch seine eigentliche Identität unbekannt zu lassen, statt sich dem Comicoriginal „The last laugh“, die in die ähnliche Richtung geht wie „Batman 1“ von Burton von 1989, anzupassen.

Heath Ledger spielt den Joker dabei einfach klasse. Weil der Joker unberechenbar ist, wahnsinnig ist, weil er auf nichts aus ist als Zerstörung und Leid, weil der Joker das Urböse selber ist. Es kann nichts Böseres geben als ein Wesen, das nur auf Schmerz anderer aus ist, man selber es aber nicht bedrohen kann. Und all das verkörpert Heath Ledger. Er spielt ihn perfekt. Man sieht es allein, wenn man ihm in die Augen schaut. Die ganze Zeit angespannt, immer in Bewegung und dieses Augenpaar sagt schon mehr aus als das ganze Gesicht von anderen Schauspielern, die zwar angesagt sind, aber leider nicht talentiert.

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Auch die anderen Schauspieler spielen durchweg sehr gut. Jeder hat eine größere Rolle bekommen. Einzig Christian Bale ist schlecht weggekommen, denn als Bruce Wayne hat er diesmal noch weniger Möglichkeiten, um zu glänzen und als Batman kommt er nicht an die schauspielerischen Leistungen von Heath Ledger als Joker ran. Auch Aaron Eckhart in einer sehr großen Rolle spielt überzeugend. Seine zweite Rolle als Two-Face ist recht kurz ausgefallen, doch das reicht auch. Ich bin der Meinung, dass der Charakter Two-Face keinen eigenen Film tragen kann und die Thematik mit der Rache an den Verrätern war sehr überzeugend. Maggie Gyllenhaal spielte die Figur der Rachel, die Katie Holmes im ersten Teil spielte, so souverän, dass es schade ist, dass sie nicht schon im ersten Teil da war.

Während der erste Teil die Angst thematisierte, geht es in „The Dark Knight“ um Chaos und Wut. Der Joker selber verkörpert das personifizierte Chaos, doch auch Batman hat mit diesen Themen zu tun. Es passieren Ereignisse, die er nicht verhindern kann. Während er im ersten Teil noch Bruce Wayne war, der eine Maske trug, um das Böse zu jagen, verhält es sich jetzt anders. Am Anfang des Films steht er dem immer noch ähnlich gegenüber, doch er begreift, was er werden muss, um Freaks wie den Joker und er ihn selber zu jagen. Er hat die Wahl und entscheidet sich für dieses Leben. Die Existenz des Bruce Waynes wird nun vollkommen zur Maske, jetzt, wo er auch die letzten Wünsche des anderen Egos aufgeben musste, dient dieser nur noch als Alibi und um ihm diesen finanziell aufwendigen Rachefeldzug organisieren zu können. Ich hoffe, dass man diese Thematik im dritten Teil noch weiter behandelt.

Doch es geht dabei auch um Terror. Sprenganschläge, Massenpanik, erst wird ein Krankenhaus evakuiert, dann eine ganze Stadt und ein Joker, der mit Drohungen und Geiselnahme einem Terroristen ähnelt, dabei dient der totale Überwachungsapperat als Rettung für den Helden. Nolan gab in Interviews die absichtliche Behandlung solcher Themen im Film zu. Es steht zum Glück nicht zu sehr im Mittelpunkt.

Die Anspielungen auf die Vorlagen, nämlich die Comics, kommen subtil, aber gekonnt herüber. Dabei stammen sie aus den bekannten Werken (Year One, Halloween, Dark Victory) Batmans, die alle in den ersten Jahren spielen und so passiert es, dass der neue Film eher zu diesen Werken dazu gehört und sich perfekt einreiht, als wäre er schon immer mitgeschrieben worden. Sei es der Wahlspruch Dents, die Geburt von Gordons zweitem Kind (Barbara Gordon, später Batgirl, Opfer des Jokers und Orakel) oder die vielen Charaktere wie Maroni, der Mafiaboss oder die Polizistin Ramirez, die man aus den Werken schon kennt. Anderseits setzt sich der Film auch mit vielen Themen auseinander, die in den Comics oft vorkommen, wie z.B. die „Helfer Batmans“ und dem Verhör des Jokers durch Batman.

Die Maske des Jokers ist dabei wirklich gelungen. Die Maske von Two-Face gefällt mir etwas weniger. Sie ist zwar recht „hart“ in der Umsetzung, aber da hier CGI-Effekte am Werk waren, wirkt es nicht echt. Man hätte auf die Effekte verzichten sollen, zur Not dann auch nicht ganz so drastisch, aber dafür würde es echt aussehen. Der Score überzeugt auf ganzer Länge, egal bei welcher Szene. Die Action ist besonders gut, da sie größenteils echt inzeniert wurde und nicht aus dem Computer entstand, so hat man u.a. auch einen Lastwagen horizontal mit Drahtseilen umgeworfen.

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Generell ist dieser Film etwas Besonderes, weil er einen perfekten Balanceakt vollbringt. Er ist vollgestopft mit Themen, ist sowohl voller Action, besitzt aber auch viele ruhige Szenen und sehr intensive Psychospiele. Er schafft es, all das in sich zu vereinen und einen fast perfekten Film abzugeben, der unglaublich spannend wie auch atmosphärisch ist.

Sicherlich hat der Film einige kleinere Logikfehler und ich war auch mit der Maske von Two-Face nicht zufrieden, aber wenn man überlegt, was dieser Film alles an Klasse hat, wirken die kleinen Mängel unbedeutend. Was übrig bleibt, ist eine Comicverfilmung, an die einen Kinofilm erst einmal rankommen muss. Unglaublich spannend mit einem wahnsinnig gutem Plot und nur fähigen bis grandiosen Schauspielern.

Es wird interessant, das in einem dritten Teil fortzusetzen. Christian Bale hat angeblich schon früher für drei Teile unterschrieben, die meisten anderen Schauspieler sind einem weiteren Teil wohl auch nicht abgeneigt, einzig Gary Oldman hat schon oft gesagt, dass er definitiv keine Lust mehr auf seine Rolle hat. Nolan hat sich noch nicht eindeutig geäußert, ob er einen dritten Teil drehen würde. Der Regisseur müsste wieder auf dem Regiestuhl sitzen und mit seinem Bruder auch das Drehbuch schreiben, ansonsten sehe ich schwarz. Ein neuer Regisseur würde scheitern, egal, wie gut oder engagiert er wäre.

Fazit: So fesselt man Zuschauer! So inzeniert man einen Kinofilm! Das ist Kino! Schlicht: Grandios! Umwerfend! Großartig!

Bildergalerie (zum Vergrößern anklicken)


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