SchauspielerInnen zwischen Jugendwahn und Botox

Auch wenn dieser Artikel das Themenspektrum dieses Blogs vermutlich lediglich streift, ist er dennoch sicherlich aktuell wie nie und meiner Meinung nach dringend nötig. Der immer krasser zunehmende Jugend- und Schönheitswahn in Werbung und Medien macht schließlich auch vor Hollywood nicht halt. Dies hat einen Teufelskreis zur Folge, dass nahezu keine einzige Schauspielerin dem Weg zum Schönheitschirurgen widerstehen kann; spätestens wenn die 35-Jahre-Grenze überschritten ist, scheint man zu glauben, Botoxgesichter seien attraktiver als Falten…

Sicherlich sind Jugend- und Schönheitswahn nicht nur durch Filme entstanden und stehen in einer Wechselwirkung zu diesen, grundsätzlich wird durch die Gesamtheit der Medien wohl aber das in unserer Gesellschaft vorliegende Schönheitsideal erstellt, provokant gesagt diktiert. Neben der Werbung (an dieser Stelle ist der Film „39,90“ zu empfehlen) trägt also natürlich auch der Film seinen Teil bei.

Ich habe mir letztens zu „The Strangers“ Bilder mit Liv Tyler angesehen und dachte mir nur: Oh nein, sie hat doch nicht etwa an ihren Lippen rumpfuschen lassen – doch genau danach sieht es aus (siehe hier) Wir sprechen hier von einer 31-jährigen, die sich immer konsequent gegen Schönheitschirurgie ausgesprochen hat und nun anscheinend doch völlig unbegreiflicher Weise eine Collagenspritze ihren Weg zu ihren Lippen gefunden hat – und diese in ein Schlauchboot transformiert hat. Warum nur? Doch als ich dann noch Christina Applegate in „The Rocker“ und Meg Ryan in einem Trailer zu „The Woman“ sehen musste (und bei beiden einen gigantischen Schreck bekommen habe), dachte ich, es sei an der Zeit, einen Flimmerblog-Artikel über das Ausmaß von Schönheitsoperationen an Schauspielerinnen zu schreiben.

Natürlich beschränkt sich dieser Wahn nicht nur auf den weiblichen Teil in Hollywood, gerade Schauspieler wie Mickey Rourke oder Patrick Swayze liefern den Gegenbeweis. Wenn ein George Clooney seine Augenpartie bearbeiten lässt, sieht das Resultat aber wenigstens nicht ganz so schlimm aus wie die Botoxgesichter vieler älterer Schauspielerinnen, die keinerlei Mimik mehr besitzen, dafür einen schön künstlichen Glanz. Man muss fairerweise natürlich auch sagen, dass gerade die Frauen (auch im Allgemeinen) unter einem deutlich höheren Schönheitsdruck stehen und gerade sie unter dem Jugendwahn und Altersängsten leiden. Während in unserer Gesellschaft bei Männern Alter durchaus Reife und Attraktivität ausstrahlen kann und Falten oder gar graue Haare erst einen gewissen Charme erzeugen können, gilt bei Frauen meist das Gegenteil und bereits ab 30 machen sich die Schauspielerinnen Sorgen über vernünftige Rollenangebote; spätestens ab 40 ist der attraktiv-sein-Zug dann für sie aber meist abgefahren.

Und es werden immer jüngere Schauspielerinnen engagiert, gerade volljährig oder um die 20 ist völlig normal – oder (wie im Fall von Keira Knightley beim Dreh zu „Fluch der Karibik“) muss die Volljährigkeit noch nicht einmal gegeben sein. Dass da viele Schauspielrinnen Panik kriegen, ist nachvollziehbar. Das Problem ist nur: Man kann das Alter nicht aufhalten. Kleine Veränderungen, meist Hautstraffungen, Augenoperationen und dergleichen, können lediglich für ein paar Jahre die Schauspielerin jünger wirken lassen, doch irgendwann sehen diese dann nicht nur älter aus, sondern wie ein psychopathisches Kunstwerk. Es muss also ein Wandel in den Köpfen der Menschen und dann in den Filmen bzw. generell Medien geben. Denn egal wie verlockend diese ganzen Hautstraffungsoptionen sein mögen – sie sind eigentlich immer die falsche Wahl. Wenn das Gesicht zur Maske wird, läuft etwas falsch.

Erschreckend ist aber auch, dass neben dem ganzen Jugendwahn auch der Schönheitswahn im Allgemeinen unvorstellbar groß ist. So findet man auch unter den jüngeren Schauspielerinnen kaum eine, die noch völlig natürlich ist. Injektionen in die Lippen oder Implantate in die Brüste sollen wohl den Marktwert steigern – bei den Ergebnissen, die man da sieht, ärgern sich die Damen vermutlich selber hinterher, auch noch Geld für so eine Verunstaltung ausgegeben zu haben. Denn ironischer Weise haben es die meisten einfach nicht nötig und scheinen nicht zu wissen, dass das puppenhafte Model-Aussehen nur Reize, aber keine Ausstrahlung oder Sympathie erzeugen kann. Die kleinen Abweichungen vom Ideal sind gerade die Dinge, die Persönlichkeit ausmachen.

Doch egal ob Jennifer Connellys Augen, Salma Hayeks Nase, Brittany Murphys Lippen oder Tara Reids Brüste – man wird kaum eine weibliche Schauspielerin finden, deren Körper noch im Naturzustand ist. Besonders beliebt sind natürlich Vergrößerung der Oberweite, Nasenverkleinerungen und – vermutlich das Schlimmste von allem: Gesichtsstraffungen durch Botox und Konsorten. Denn selbst wenn die Falten dadurch weniger werden, verlieren diese Gesichter nicht nur jegliche Natürlichkeit; sie verlieren auch jegliche Mimik. Was auf Bildern also noch halbwegs funktionieren kann, fällt dann spätestens in einem Film auf, wenn die bekannte Schauspielerin auf einmal im Gesicht ungewohnt ausdruckslos bleibt.

Es gibt leider wenig Schauspielerinnen, die sich gegen Schönheits-OPs und dergleichen aussprechen – und dem dann auch treu bleiben. Denn wie man gerade im Fall von Liv Tyler spekulieren kann, ist es eine Sache, in jungen Jahren zu sagen, dass man so etwas vehement ablehnt und niemals machen würde, und eine andere, wenn man dann etwas älter ist. Oder gar noch ein wenig älter. Cate Blanchett ist ein Positivbeispiel, die sich bis zum heutigen Tag geben Schönheitschirurgie ausspricht und den Weg zum „Verschönerer“ scheut. Weiter so! Wenn sie lächelt, lächelt das Gesicht noch mit. Auch Keira Knightley kommt mit ihrer nicht vorhandenen Oberweite anscheinend bestens zurecht und scheut sich nicht, diese regelmäßig zu präsentieren. Ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Auch scheint es außerhalb von Amerika noch nicht ganz so schlimm zu sein – hier mag ich falsch liegen, aber mir scheint es so, als wenn Hollywood die Hochburg des künstlichen Aussehens ist.

Auch wenn ich damit nun doch ein wenig in die Klatschspalte gerate: Unter diesem Link kann man sich überzeugen, dass SchauspielerInnen nach der Operation i.d.R. nicht gerade besser aussehen (insbesondere, wenn sie außerhalb des Films sind und weniger verschleiert/retuschiert werden kann).

Besonders unverständlich finde ich Brustvergrößerungen, Lippeninjektionen und Botoxkuren, die in noch quasi keinem Fall irgendwas verbessert haben. Finger weg davon! Daher mein Apell: Liebe zukünftige Nicole Kidmans, ich kann auch nichts dafür, dass die Gesellschaft euch zu solchen Körperverstümmelungen verleitet. Aber bitte, bleibt natürlich, denn nichts ist unattraktiver als ausdruckslose, künstliche Puppen. Ehrlich. Und ihr denkt doch nicht, dass ihr mehr Angebote bekommt, wenn ihr wie gemeißelt ausseht? Falten sind in jedem Fall die bessere Alternative.

Soviel zu meinem Statement bezüglich Hautstraffung, Plastischer Chirurgie und dergleichen. Doch was haltet ihr von diesen Dingen? Bin vielleicht nur ich falsch gepolt und ihr seit der Meinung, dass Schauspielerinnen durchaus durch Brustimplantate, Botox und vergrößerte Lippen attraktiver werden?

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3 Kommentare

  1. Ich stimme Dir vollkommen zu. Sicher werden Dir auch noch mehr zustimmen und auch wenn selbst über dem großen Teich alle Welt gegen Schönheits-OPs wettern würde, es würde doch nichts bringen. „Sex sells“ wird immer zählen. Das selbe ist doch bei uns auf den Fernsehzeitschriften zu finden. Egal welche man nimmt, überall starren einen die Mädels an. Dabei interessiert mich die abgebildete Tussi nicht die Bohne, ich will wissen, was im Fernsehen läuft.
    Aber so ist das leider. Wir kämpfen auf verlorenen Posten und der Schönheitsdruck in Filmen ist nur ein weiterer Kritikpunkt am aktuellen Hollywood-Trend. Wo sind die Zeiten hin, als noch Frauen wie Sissy Spacek ihre Glanzstunden hatten. Sie entspricht ja nun beileibe nicht dem Schönheitsideal, aber ihre Rolle als Außenseiterin in „Carrie“ hat sie mit Leib und Seele verkörpert. Heute sind doch selbst die Highschool-Mauerblümchen und Außenseiterinnen noch bildhüsch, die gesamte Grundstimmung des Films geht doch dabei flöten …

    Ach, was reg ich mich auf. Nicht mehr lange, und ich boykottiere nicht mehr nur Remakes sondern sämtliche US-Amerikanischen Filme.

  2. Ja, das ist mittlerweile echt schlimm geworden. Gerade bekannte Schauspieler von früher erkennt man teilweise gar nicht mehr wieder, da sich ihr ganzes Gesicht durch die Operationen zum Negativen gewandelt hat. Ein schlimmer Trend, der sicherlich nicht so schnell abnehmen wird. Wer sich gerne in dieses Thema vertiefen möchte, dem sei auch die Serie „Nip/Tuck“ geraten, die sich mit äußerst schwarzem Humor und triefendem Sarkasmus dem Thema Botox und Schönheitsoperationen widmet.

  3. Der Jugendwahn besteht leider nicht nur in Hollywood, sondern auch hier in Deutschland und anderen Ländern. Mittlerweile auch nicht nur unter Schauspielern, sondern durch die Medien auch bei vielen anderen. Als „ältere“ Schauspielerin hat man kaum noch eine Chance ein Engagement am Theater oder eine Fernsehrolle zu bekommen. Es ist ein Teufelskreis, und man fragt sich wer ist Schuld daran? Die Welt besteht nicht nur aus jungen, schönen Menschen (Frauen) Eigentlich sieht es doch so aus, dass sich der Zuschauer gern identifizieren möchte, dass kann er aber nicht mehr, wenn ihm ständig „Gleichaltrige“ mit glatten Gesichtern vorgesetzt werden. Die meisten Schauspieler können sich eine Schönheitsoperation nicht leisten, da sie an der Armutsgrenze leben, daher wird die Chance eine Rolle zu bekommen immer geringer. So kommt es, dass man immer dieselben glatten Gesichter im Fernsehen sieht. Es gibt einige sehr wenige Ausnahmen, wie Hannelore Elsner und Jutta Speidel, sie sind wirklich schön, denn in ihren Gesichtern geht etwas vor!!!

    Angélique Duvier/ Schauspielerin

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