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Anderthalb Jahre ist es her, dass Lübeck zur großen Filmkulisse geworden war, für seinen wohl bekanntesten Autoren und dessen berühmten in Lübeck spielenden Roman “Buddenbrooks”. Wochenlang wurden Straßen und Gebäude in Beschlag genommen, auf alt getrimmt und mit vielen Lübecker Komparsen in tollen Kostümen das alte Lübeck wiedererweckt. Ich war damals auch dabei und so zogen mich in erster Linie drei Sachen ins Kino: Die Tatsache, dass ich als gebürtiger Lübecker meine Heimatstadt auf der großen Leinwand sehen wollte, die Hoffnung, ebenfalls kurz auf dieser zu sehen zu sein und dazu noch, dass ich gerade erst in den letzten Monaten die Romanvorlage gelesen hatte und auf eine Umsetzung dieser gespannt war.

Die Buddenbrooks sind eine über Generationen erfolgreiche Kaufmannsfamilie in Lübeck, hoch geachtet und aus den besten Kreisen. Der alte Konsul hegt die Hoffnung, dass seine Kinder diese Tradition fortsetzen, damit nicht die neuen Aufkömmlinge mal den Handel übernehmen werden. Tochter Tony hält sich zwar an die Vorgaben ihres Vaters, sorgt aber für einen Eheskandal nach dem anderen, Sohn Christian verbringt seine Zeit lieber im Theater oder im Club, nur Sohn Thomas setzt alles daran, um zum Wohle der Familie die Traditionen und den Erfolg des Handelsunternehmens fortzusetzen. Dies gelingt ihm auch nach dem Tod des alten Konsuls, doch nicht nur die Probleme seiner Geschwister und das vorläufige Ausbleiben eines Stammhalters setzen ihm und dem Unternehmen zu…

Die Romanvorlage war lang, sehr lang. Sicher auch interessant, aber trotzdem ein Buch, durch das man sich aufgrund des Umfangs und des Stils wirklich durchkämpfen musste. Daher war ich gespannt, wie man diese umfangreiche Vorlage in eine Filmversion drücken würde. Ich habe zwar die Filmversion mit Liselotte Pulver aus den 50ern mal gesehen, allerdings vor dem Roman, so dass mir natürlich der Vergleich fehlte. Bei Heinrich Breloers neuer Version wurden zwar Nebencharaktere gestrichen und vieles gekürzt, aber auf nahezu keine Schlüsselszene verzichtet. Allerdings wirkte der Film für mich sehr gehetzt, da der Regisseur versuchte, so viel wie möglich vom Buch in seine Version zu pressen. Zudem wirkte der Film am Anfang etwas TV-Film-mäßig, schon alleine, weil die Darsteller so hölzern die Dialoge des Buchs aufsagen mussten und sich halt nicht weiter entfalten durften, doch das wurde schnell besser. Am Ende konnte man sagen, dass alle ihre Rollen großartig gespielt haben und das bis in die Nebenrollen. Armin Müller-Stahl gab einen großartigen Konsul, Iris Berben eine perfekte Konsulin, Mark Waschke spielte den arbeitswütigen Thomas großartig, Jessica Schwartz die naive Tony ebenfalls und August Diehl spielte den etwas aus der Reihe fallenden Christian einfach einzigartig mit einer gekonnten Mischung aus Elend und Wahnsinn.

Kommen wir nun zu meiner Heimatstadt Lübeck (Na gut, fast, ich wohne ja in Bad Schwartau). Die war so großartig in Szene gesetzt, dass ich immer wieder beeindruckt war, wie gut man die Straßen auf alt getrimmt, Straßenschilder entfernt und Geschäfte verändert hatte. Immer wieder sah man die Kirchentürme, die Hinterhöfe, die Steinstraßen und das Holstentor, war am Brodtener Ufer, auf dem Rathausmarkt und natürlich viel vor dem Buddenbrookhaus. Hier und da mussten Bildausschnitte zwar ungünstig gewählt werden, da man eben nicht alles verstecken konnte, und die Szene, in der eine Kutsche auf das Holstentor zufährt, hätte man vielleicht etwas mehr variieren sollen und sie nicht fast identisch an drei Stellen des Films einsetzen sollen. Aber ansonsten war ich begeistert davon, wie man Lübeck in diesem Film in so vielen Einstellungen wiedererkennen konnte.

Ach ja, ich habe mich in den Szenen, wo ich als Komparse dabei war, übrigens auf die Schnelle nicht erkennen können, dafür waren die Szenen einfach zu schnell geschnitten. Vielleicht kann ich auf der DVD ja etwas genauer schauen und außerdem soll ja auch noch eine 30 Minuten längere Fernsehfassung an Weihnachten 2009 ins Fernsehen kommen, man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben. Allerdings war ich froh, dass “meine” Szenen in der ersten halben Stunde des Films kamen, so war die Anspannung danach wenigstens vorbei und ich konnte den Film genießen.

Abschließend muss ich sagen, dass ich zwar begeistert war, mich aber irgendwas gestört hat, was ich nicht genau in Worte fassen kann. Vor allem ist mir aufgefallen, dass die Verfilmung der recht trockenen Vorlage vermutlich nicht jedem gefallen wird und auch mich vielleicht weniger begeistert hätte, wenn ich nicht in erster Linie aus den am Anfang genannten drei Gründen ins Kino gegangen wäre. Gerade als Lübecker sollte man den Kinobesuch aber wagen, die Schauspieler spielen großartig, die Ausstattung ist beeindruckend und die Hansestadt eine tolle Hauptdarstellerin. Regisseur Heinrich Breloer, der zusammen mit seinem Darsteller Armin Müller-Stahl bereits in seiner tollen Film-Dokumentation “Die Manns”, in der dieser Thomas Mann spielte, zusammen gearbeitet hatte, merkt man seine Begeisterung Thomas Mann gegenüber an, allerdings hätte es dem Film vielleicht gut getan, den Darstellern mehr Raum für eigene Interpretationen zu geben und nicht so pedantisch durch die Vorlage zu hetzen.

Doch ich kann mir vorstellen, dass Leuten, die das Buch nicht kennen, die Handlung alles andere als gehetzt vorkommen wird. Der Stoff ist eben nicht der für einen Actionfilm, und es ist bei den “Buddenbrooks” schwer, sich mit einem der Hauptcharaktere voll zu identifizieren und einen davon als zentrale Person zu erkennen. Doch ich sage euch, das ist im Buch noch um einiges schwieriger…

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