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Ja, “Twilight” war kitschig und sicher bewusst auf eine weibliche Zielgruppe ausgelegt, aber trotzdem war der Film gar nicht so schlecht, wenn man eben keinen typischen Vampirfilm erwartet hat. Doch Autorin Stephenie Meyer konnte es ja nicht lassen und musste drei Fortsetzungen folgen lassen, die jetzt auch in kurzer Folge den Weg auf die Leinwand finden. Wer meint, dass das zweite Buch endlich weniger Kitsch und mehr Action bietet und dass ein Mann auf dem Regiestuhl der Reihe einen etwas anderen Stil verpassen würde, wird seinen Augen nicht trauen: “New Moon” besteht fast nur aus kitschigen, langgezogenen Dialogen und jungen Typen mit nackten Oberkörpern. Und wieder wurden alle spannenden Teile des Buches auf ein Minimum gekürzt.

Bella und ihr Vampirfreund Edward sind glücklich, bis Bella ein Zwischenfall an ihrem Geburtstag sie fast das Leben kostet. Edward beschließt daraufhin, dass es für Bella besser wäre, wenn er und seine Familie verschwinden würden. Bella kommt mit der Trennung überhaupt nicht klar, flüchtet sich zuerst in Einsamkeit und dann in leichtsinnige Aktionen. Einen guten Freund findet sie in Jacob, der allerdings ein ähnliches Geheimnis wie Edward in sich trägt…

Oh man, wie originell, Werwölfe. Die Autorin der Bücher Stephenie Meyer zeigt wieder einmal, dass ihr einziges Talent darin besteht, die Liebesverwirrungen weiblicher Teenager in Worte zu fassen, wenn es um Horror geht, vergreift sie sich nicht nur an Grundsätzen der Horrorwelt, nein, wirklich originell ist sie auch nicht. Wenn die Hauptdarstellerin sich einen neuen Typen suchen muss, der aber wie schon der Vampir genauso geheimnisvoll sein soll, dann ist er ein… hmm, kurz überlegen… klar, ein Werwolf! Immerhin glitzern die nicht, und haben auch kein brennendes Fell, aber trotzdem hätte man sich da doch irgendwas Originelleres ausdenken können, oder?

Aber wer denkt, aus Vampiren und Werwölfen muss sich doch was machen lassen, sollte nicht zu viel erwarten. Wer nicht auf tiefschmalzige Liebesdialoge steht, muss auf jeden Fall noch auf junge, durchtrainierte, nackte, männliche Oberkörper stehen. Beides nicht? Hmm, dann bleibt dieses Mal wirklich nicht viel. Die Kampfszene mit den Werwölfen und dem Vampir wird sofort abgebrochen, als sie anfängt, cool zu werden. Generell hat man das Gefühl, einen Film komplett in Zeitlupe zu schauen, wenn diese nicht tatsächlich angewendet wird, hängt man in Dialogen, die sich so zäh und schmalzig hinziehen, dass man eigentlich nur noch vorspulen möchte.

Ok, die Buchvorlage wurde wie schon beim ersten Teil recht gut umgesetzt, die Darsteller Kristin Stewart, Robert Pattinson und neu als Jacob dabei Taylor Lautner passen schon gut in die Rollen, auch die Nebendarsteller entsprechen der Vorlage. Warum Regisseur Chris Weitz allerdings offensichtlich das Ziel verfolgt hat, die letzten verbleiben männlichen Zuschauer von “Twilight” mit schon fast bösartig kitschigen Momenten aus der Filmreihe zu vertreiben, bleibt mir echt schleierhaft. Wäre man dem Stil vom ersten Teil treu geblieben, hätte man vielleicht nicht alle verprellt. Aber wenn schon meine Freundin, übrigens ansonsten ein großer Fan der Bücher und der ersten Verfilmung, meint, der Kitsch wäre nicht mehr auszuhalten gewesen, hat hier wohl einer wirklich weit über das Ziel hinaus geschossen.

Wer allerdings nach “New Moon” immer noch Lust auf mehr hat, muss sich nicht lange gedulden, der dritte Teil “Eclipse - Biss zum Abendrot” startet bereits am 15. Juli 2010.

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