„Shutter Island“ – Leo unter lauter Irren!

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Scorsese, dessen Name unter Cineasten seit jeher Begeisterung ausstößt, arbeitete bei „Shutter Island“ wieder mit Leonardo DiCaprio zusammen. Der Film um einen U.S. Marshal, der den Fall einer verschwundenen Geisteskranken auf einer Insel untersucht und dabei merkt, dass auf der Insel etwas nicht stimmt, ist wieder aufgrund eines komplexen Plots und dem Vermischen verschiedener Genres wunderbar gelungen.

1954: Der Marshal Teddy Daniels untersucht mit seinem Partner den Fall der verschwundenen geisteskranken Gefangenen auf der Insel Shutter Island, auf der eine Anstalt für Geisteskranke gebaut wurde. Nach dem ersten Befragen stellen beide schnell fest, dass nicht nur der Direktor der Anstalt lügt, sondern auch alle anderen Angestellten. Der Fall wird immer mysteriöser, doch es passieren noch andere unerklärliche Dinge und dann hat Teddy auch noch ganz eigene Ziele.

Der Thriller überzeugt wie Scorseses letzter Film „Departed“ wieder auf ganzer Linie. Dabei ist es nicht, wie im Trailer angepriesen, ein Thriller mit Schockeffekten oder gar ein Horrorfilm, sondern eher ein ruhiger Thriller, der auch gerne zum vielschichtigen Drama wird, das Genre „Noir“ streift und dabei sogar als halber Geschichtsfilm fungieren kann. Denn die Handlung ist vielschichtig und präsentiert sich vordergründig als ein mysteriöser Thriller ganz im Stil eines Neo Noirs, der dabei stark auf die Figur des Teddy eingeht und nach Belieben ins Drama wechselt. Vom Subtext her thematisiert der Film gekonnt die Thematik des Verdrängens, der Schuld und der dazugehörigen Sühne. Vergleicht dabei das ganze noch als Höhepunkt mit den schrecklichen Taten in Dachau vor Jahrzehnten. Doch durch die 50er, in denen der Film spielt, dreht es sich auch um den Wandel der Gesellschaft. Um wissenschaftliche Neuerungen wie die Atombombe und politische Bedrohungen, die die amerikanische Gesellschaft fürchtet, dies thematisiert der Film an einigen Stellen so genau wie zuletzt „Watchmen“.

Ein Film, der von den Plots gut an „Prestige“ oder auch an „Sixth Sense“ heranreicht und dies geschickt einfädelt. Genauso gut präsentieren sich die Darstellungen der Schauspieler, an vorderster Front die von DiCaprio und Kingsley, auch wenn letzter aufgrund seiner Rolle kaum aus sich rauskommen darf. Der Film selbst ist für den Regisseur erstaunlich sperrig und independent geworden. „Shutter Island“ ist sehr eigen und es ist umso erstaunlicher, dass er dafür momentan so viele Leute in das Kino lockt. Ein packender Film, der mit seiner eigensinnigen und schwer verdaulichen Thematik sowie einer grandiosen Inzenierung begeistern wird, einzig die an alte „Noir-Filme“ erinnernde laute und aufdringliche Musik am Anfang wirkt fehl am Platz. Dazu kommt der Film sehr ruhig und gemächlich daher, man sollte eine andere Erwartungshaltung an den Film haben und keine große Suspense erwarten. Genrefreunde des Thrillers werden daher vielleicht enttäuscht sein, Cineasten des Independent-Dramas werden vielleicht gar nicht reingehen.

Ein nicht anders erwartet guter Film, der allerdings erstaunlich eigenwillig und sperrig wurde. Statt Suspense und leichter Thematik stürzt uns Scorsese in den Tod und in die Verdrängung. Statt spannenden Thriller eher ein intelligentes Drama.

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9 Kommentare

  1. Man sollte keinen Horrorfilm erwarten, denn das ist „Shutter Island“ nicht. Drama oder gar halber Geschichtsfilm ist nun aber zweifelsfrei ein wenig überzogen; es ist schon ein reiner klassischer Psycho-Thriller. Aber ein guter, der zwar nicht so unfassbar komplex und tiefgründig ist, wie man vielleicht erst denken würde, aber dennoch in dieser Hinsicht mehr zu bieten hat als die meisten Blockbuster. Er hat keine umwerfend neuen Ideen, sondern vermischt viel Bekanntes. Dennoch schafft es Scorsese trotz der Überlänge und vielleicht einigen Längen, das Interesse am Film aufrecht zu erhalten und zu fesseln.

    Die Pluspunkte sind ganz klar die gute Inszenierung (trotz wirklich ein wenig zu reißerischen B-Movie-Scores teilweise und nicht so schönen Greenscreenaufnahmen vor dem Meer) und die wieder einmal sehr gute schauspielerische Leistung des etwas pummeliger gewordenen DiCaprios. Der macht besonders in der zweiten Filmhälfte enormen Spaß und stellt wieder einmal unter Beweis, ein guter Schauspieler zu sein. Auch die anderen machen ihre Sache gut, auch wenn nicht immer viel Spielrraum da ist, wie z.B. für Mark Ruffalo. Auch Michelle Williams, als Chloe O’Brian aus „24“ bekannt, überzeugt und zeigt, dass sie mehr kann als grimmig gucken.

    Der Film ist sehr verwirrend gemacht und wechselt ständig den roten Faden und das Thema. Dass der Film so erfolgreich ist, ist bei einem Publikumsmagneten-Regisseur wie Scorsese, besonders seit „Departed“, eigentlich nicht verwunderlich, DiCaprio sorgt wohl ebenfalls für so einige Kinobesuche. Und alles in allem ist der Film schon recht massentauglich. Von der Dramaturgie ähnlich lang und ungeradlinig wie „Aviator“.

    Alles in allem wurde ich nicht enttäuscht und habe einen guten Film gesehen, der vielleicht kein Meisterwerk ist, aber nicht mehr oder weniger als ein guter Film! Das gibt von mir 4 Sterne.

  2. Ok, erstmal dies, Michelle Williams hat in „Dawson’s Creek“ mitgespielt und war die Ehefrau von Heath Ledger, wieso die hier so überzeugt mit Mary Lynn Rajskub aus „24“ verwechselt wird, will sich mir so absolut gar nicht erschließen.

    Dem Rest kann ich mich nur anschließen, der Film ist spannend und interessant inszeniert, die Schaupieler können überzeugen, wobei Leonardo DiCaprio eigentlich seit Jahren keinen Rohrkrepierer mehr zu bieten hatte.

    Ja, die Musik war an manchen Stellen zu übertrieben, was mich aber mehr gestört hat, waren die teilweise echt miesen Schnitte. Dreht man bei Scorsese immer nur mit einer Kamera und schneidet dann frei nach Schnauze, auch wenn die Darsteller danach völlig anders stehen und sich auch total in Mimik und Gestik von der Voreinstellung unterhalten?

    Sind aber nur Kleinigkeiten, die 4 Sterne gibt es auch von mir!

  3. Hm, das ist peinlich. Dachte, es wäre die „24“-Frau, die nur etwas dicker geworden sei, ich sie schon länger nicht mehr gesehen habe und sie ein wenig besser und anders spielt… ;)

  4. Leider nicht, obwohl man ihr die optische und schauspielerische Weiterentwicklung natürlich gegönnt hätte. ;)

  5. So, ich habe den Film jetzt auch gesehen und bin begeistert, trotz der manchmal etwas willkürlich wirkenden Szenenschnitte.
    DiCaprio gehört nun wirklich nicht zu meinen Lieblingsschauspielern, aber er bringt hier eine überzeugende Leistung, wie die anderen Schauspieler übrigens auch.
    Ob nun Horror-, Geschichtsfilm oder Drama oder anderes ist mir ziemlich egal. Für mich ist das einfach ein hervorragender Psycho-Thriller, den ich mir sicher noch einmal ansehen werde.

  6. Ich habe den Film nun auch auf DVD gesehen und denke, dass die Atmosphäre im kino gigantisch gewesen sein muss …
    Es ist wirklich ein großartiger Thriller… brillante Story, einfach super.

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