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Ich erwarte von Regisseur Christopher Nolan („Memento“, „Prestige„, „The Dark Knight„) inzwischen eine Menge, da mich bis jetzt jeder Film von ihm begeistern konnte. Und ein Science-Fiction-Actionthriller schien wie geschaffen für den düster-dramatischen Stil des Ausnahmeregisseurs. Als aber ausschließlich nur unfassbar positive Kritiken mit Bestnoten zu dem Film auftauchten und er momentan in der IMDb auf sage und schreibe Platz 3 der am besten bewerteten Filme steht, hatte ich Angst, dass die entstehenden Erwartungen in nie erreichbare Sphären abdriften. Mit Glück habe ich den Film in der Sneak Preview in Münster bereits im englischen Original sehen können und kann sagen, dass Nolan aber in der Tat ein neuer Geniestreich gelungen ist!

Inhalt

Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) ist ein begnadeter Dieb im Stehlen von Informationen aus dem Unterbewusstsein. Doch durch dieses kriminelle Leben wird er auf der ganzen Welt gesucht und hat alles verloren, was er liebte. Aber ein letzter Auftrag könnte ihm zurück zu seinem alten Leben verhelfen, allerdings nur, wenn ihm die sogenannte Inception gelingt: Anstatt Ideen aus Träumen zu stehlen, müssen Cobb und sein Spezialistenteam welche in einen Geist einpflanzen. Doch das Team trifft dabei auf einen Gegner, den nur Cobb hat kommen sehen…

Kritik

Mit seinem bahnbrechenden Erfolg „The Dark Knight“ hat Nolan die Möglichkeit und das Geld bekommen, das Blockbusterkino zu revolutionieren, indem er zwar mit „Inception“ einerseits einen handwerklich perfekten Actionthriller mit großartiger Visualität abliefert, der andererseits aber Komplexität innehat, mit innovativen Ideen und Einfallsreichtum punkten kann und dem Publikum stetes Mitdenken abverlangt. Ein deutliches Zeichen gegen das ansonsten herrschende Big-Budget-Kino, welches bloß alle Risiken auszuschließen versucht und innovative, anspruchsvolle Ideen zugunsten von stumpfer Trash-Massenware aufgibt. „Inception“ ist die perfekte Verbindung von massentauglichem Eventkino und Arthouse. Am ehesten ist der Film vermutlich mit „Matrix“ zu vergleichen, nicht nur thematisch.

Nolan wird überall als Regie-Gott gefeiert und man muss sich tatsächlich eingestehen, dass er schlichtweg ein Genie ist. Und es tut gut zu sehen, dass er damit nicht nur großen Erfolg bei den Kritikern verbuchen kann, sondern der Film tatsächlich auch finanziell einschlägt und somit hoffentlich ein Signal an Hollywoods Studios senden kann.

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Alleine die Tatsache, dass das diesmal alleine von Christopher Nolan geschriebene Drehbuch keine Adaption eines Buches, Comics oder Videospiels, geschweige denn eine Fortsetzung oder Remake ist, ist heutzutage schon etwas Besonderes. Dass es auch noch sehr innovativ, verstrickt (wenn auch vielleicht nicht ganz so kompliziert wie „Memento“ oder „Prestige“) und rundum gelungen ist, kann begeistern! Trotz seiner Länge von etwa zweieinhalb Stunden wird „Inception“ nie langweilig und bleibt bis zum Schluss spannend. Doch alleine die Grundidee um Traummanipultionen ist interessant und thematisch auch noch nicht in Hollywood breitgetreten; der Film erinnert stellenweise höchstens neben „Matrix“ an „Dark City“ oder „Strange Days“.

Die Darsteller geben ebenfalls alles; Leonardo DiCaprio beweist wieder einmal, dass er ein guter Schauspieler ist und wer immer noch Vorurteile gegen ihn durch Rollen wie die in „Titanic“ hat, hat anscheinend schon länger keine Filme mehr mit ihm gesehen. Es ist erstaunlich, dass er seit langem fast ausschließlich in guten Filmen mitspielt und schauspielerisch durchaus überzeugt. Auch Ellen Page, von der ich anfangs nicht recht wusste, ob sie mir gefällt, ist letztlich glaubhaft. Aber auch der Rest des Casts macht seine Sache ebenfalls gut, auch z.B. Marion Cotillard besitzt eine starke Präsenz (vielleicht auch rollenbedingt).

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Doch natürlich gibt es neben der interessanten Handlung auch erstklassige Bilder zu sehen: Visuelle Highlights bieten dem Auge jede Menge; alleine die Szenen in der Schwerelosigkeit sind grandios, generell ist vieles leicht surrealistisch und erinnert an den Künstler Escher. Obwohl der Film Genres wie Drama, Thriller und Science-Fiction kreuzt, gibt es gerade am Schluss auch jede Menge erstklassige Action zu bestaunen.

Insbesondere ist die Optik natürlich wieder einmal auch dadurch grandios, dass man dem Film Nolans Phobie gegen digitale Effekte erneut anmerkt und man erkennen kann, dass Nolan sehr großen Wert auf realistisches Aussehen legt. Dinge werden nur animiert, wenn es nicht anders geht und auch dann nur in einer umwerfenden Qualität, dass man sich nicht einmal sicher ist, ob man gerade eine Animation gesehen hat oder nicht. Man kann ihn quasi als Anti-Lucas bezeichnen. Für die Drehs hat Christopher Nolan auf der ganzen Welt gedreht und dies sieht man dem Ergebnis auch an. Ich persönlich kann diese Haltung nur aus vollem Herzen befürworten, vielleicht kann er ja so einen Trend gegen die immer häufiger und schlechter aussehenden Visuellen Effekte einläuten.

Positiv ist auch, dass im Vorwege relativ wenig über den Film preisgegeben worden ist und auch die Trailer wenig von der Story verraten und man sich ebenfalls genug visuelle Highlights für den Film aufgespart hat. Nicht nur deshalb ist „Inception“ auch wieder einmal wenig vorhersehbar, durchgehend packend und kann immer wieder überraschen. Abgerundet wird das Ganze durch den pompösen Soundtrack von Hanz Zimmer, der theatralisch und schwer durch den Film schmettert.

Ebenfalls positiv hervorzuheben ist auch, dass der Film dem gegenwärtigen (fast ausschließlich der Geldmacherei dienenden) 3D-Trend widersteht und ohne (Pseudo-)3D mit Aufpreis im guten alten 2D daherkommt. Daumen nach oben!

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Natürlich könnte man Christopher Nolan vorwerfen, irgendwo immer ein ähnliches Konzept zu fahren – so hätte der (wieder einmal großartige) Soundtrack von Hans Zimmer auch für „Batman 3“ komponiert sein können und der Stil ist erneut ernst und der Film von der gesamten Aufmachung her dramatisch-bombastisch. Das ändert aber nichts daran, dass der Mann einfach geniale Filme zustandebringt, und vorhersehbar ist „Inception“ dadurch auch noch lange nicht. Man kann sich also letztlich auf „Batman 3“ freuen; denn wenn es einer schafft, auch diesem Film etwas Eigenes zu geben und ihn nicht nur die anderen zwei Batman-Filme kopieren zu lassen, dann Nolan.

Fazit

„Inception“ ist wieder einmal ein sehr guter Film, bei dem nahezu alles stimmt. Nicht mehr (allzu große Erwartungen können nie befriedigt werden), aber ganz bestimmt auch nicht weniger! Eine innovative Idee wurde inszenatorisch virtuos umgesetzt und bombastisch mit dem wieder einmal großartigen Score von Hans Zimmer untermalt. Der Film ist teures, aufwendiges Big-Budget-Kino mit komplexer Handlung. Ein Film, an dem man letztlich eigentlich nichts wirklich kritisieren kann, rein handwerklich ist Nolan ohnehin perfekt. Ein Film, der große Erwartungen nicht enttäuscht und der den um ihn gemachten Rummel im Großen und Ganzen wert ist. Letztlich kann ich nur sagen: Genießt die Zeit im Kinosessel, bis schließlich wie für Nolan typisch erst vor dem Abspann der Titel eingeblendet wird.

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