„Twilight 5: Breaking Dawn, Teil 2“ – Endlich vorbei!

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Das Beste vorab: Es ist endlich vorbei! Nachdem man die mäßige vierte Buchvorlage der Teenie-Vampir-Schnulze noch auf zwei Teile ausweitete, um noch mal so richtig abzukassieren, hat die kitschige Geschichte auch auf der Leinwand endlich ihr Ende gefunden. Ein letztes Mal habe ich das Schicksal der wenigen Männer geteilt, die sich im Kino inmitten von Frauen jeglichen Alters, die wie kleine Mädchen schluchzen und quietschen, fragen, wie eine so miese und kitschige Handlung überhaupt jemals Fans bekommen, geschweige denn diesen Hype bei den weiblichen Wesen auslösen konnte. Ich habe es bis zum Ende nicht verstanden, auch wenn ich wacker durchgehalten habe.

Bella ist jetzt Vampir und ihre Tochter ist halb Mensch und Vampir und altert ungewöhnlich schnell. Jacob steht auf das Baby und alle sind eigentlich glücklich, aber die bösen Volturi wollen Bellas Kind lieber umbringen, weshalb Edwards Sippe andere Vampire um sich scharrt, um sich dem bösen Vampirclan in den Weg zu stellen.

Für alle, die den Film noch sehen wollen und das Buch nicht kennen, hier die Warnung, dass ich ab jetzt spoilern werde!

Männer und Frauen sind verschieden, das ist nicht neu, wirkliche Fans dieser Filmreihe wird man aber wohl nur auf weiblicher Seite finden, denn die weichgespülte Handlung der Buchvorlage trieft auch auf der Leinwand nur so vor Kitsch, Peinlichkeiten und literarischen Kniffen, für die sich andere Autoren außer vielleicht noch Rosamunde Pilcher schämen müssten. Für das „große Finale“ werden nun alle Register gezogen, damit die weiblichen Fans weinend und glücklich nach Hause können, der verschmähte Jacob bekommt Bellas Baby-Tochter, was natürlich in dieser romantischen Story so gar nichts Pädophiles hat, nein, Bellas Vampireigenschaft ist Beherrschung, natürlich stellt sie ab der ersten Sekunde keine Gefahr für Menschen dar und wenn man sich beim Blutschlürfen zwischen Puma und Reh entscheiden kann, darf das Reh natürlich glücklich weiterhoppeln. Die schnell alternde Renesmee (Oh man, alleine für diesen Namensabfall sollte die Autorin gevierteilt werden!) bremst natürlich, sobald sie im besten Alter ist, sonst wäre sie ja ruckzuck tot, alle haben sich lieb, alles ist schön und so billig konstruiert, dass man sich nur schütteln kann.

Warum ich den letzten Teil trotzdem gar nicht so schlecht bewertet habe? Weil er sich im Gegensatz zur Buchvorlage getraut hat, dass es wenigstens für ein paar Minuten mal so richtig fies zur Sache geht. Der bekloppteste Schachzug der Buchvorlage besteht nämlich darin, dass sich jede Menge Vampire mit „X-Men“-Fähigkeiten auf einen atemberaubenden Kampf vorbereiten, der dann …mal eben abgesagt wird und alle wieder nach Hause gehen. Diese schon für ein Buch echt peinliche Nummer konnte man auf der Leinwand so natürlich nicht bringen. Was dort dann aber abgeht, hat selbst mich verblüfft, denn plötzlich werden minutenlang Köpfe abgerissen und Körper zerquetscht oder zerteilt, dass ich mich gefragt habe, was die Macher dazu bewegt hat, wirklich so brutal vorzugehen, dass die eigentliche Zielgruppe sich vermutlich fragen musste, ob sie schreiend das Kino verlassen soll, zumal jede Menge heißgeliebter Hauptpersonen mal eben geopfert wurden. Selbst ich empfand die Gewaltorgie für diese Filmreihe um einiges zu brutal. Aber trotzdem wurde ich dann doch damit überrascht, dass man plötzlich wieder vor dem Gemetzel war und realisierte, dass alles nur eine Vision dessen gewesen war, was passieren würde, wenn sich beide Seiten auf einen Kampf einlassen. Somit wählt man auch bei dem Film das gleiche Ende wie im Buch, aber immerhin wurde man nicht komplett ohne ein actionreiches Finale nach Hause geschickt.

Zur „Entschädigung“ für die Kitsch-Fans musste man dann noch einen Zusammenschnitt der rührseeligsten Szenen aus den anderen Filmen und einen viel zu langen Abspann durchhalten, bis man endlich aufatmend das Kino verlassen konnte. Kristen Stewart, Robert Pattinson und Taylor Lautner haben sich mit ihren Rollen sicher eine goldene Nase verdient, schauspielerisch wird es aber lange dauern, bis man sie abseits dieser Filmrollen jemals wirklich ernst nehmen wird.

Was soll’s, viele Frauen sind glücklich, die Filmemacher, Schauspieler und die Autorin reich, immerhin gibt es Menschen, die von dieser Filmreihe profitiert haben. Ich gehöre leider nicht dazu.

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