„The Bling Ring“ – Glamour, Party, Drogen, Raub

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Sofia Coppola lässt nach. Obwohl ich nicht zu den (zahlreichen?) Sofia-Coppola-Hassern gehöre und „Lost in Translation“ einer meiner Lieblingsfilme ist, kann ich mittlerweile auch nicht mehr zuviel mit ihren Filmen anfangen, denen man zumindest immer eine atmosphärische Dichte anrechnen konnte. „The Bling Ring“ setzt nun das lethargische Nichts-passiert vom zwar nicht weniger anstrengenden, aber konzeptionell sehr gelungenen „Somewhere“ fort, verzichtet nun aber gänzlich darauf, den Figuren auch nur einen Hauch von Sympathie zuzugestehen. Das macht diese zarte „Spring Breakers„-Version nicht gerade interessanter.

Inhalt

Die Jugendlichen Rebecca (Katie Chang), Mark (Israel Broussard), Nicki (Emma Watson), Chloe (Claire Julien) und Sam (Taissa Farmiga) wollen vom Glamour ihrer angebetenen Promis etwas abhaben. Daher fassen sie den Plan, nachts in Hollywoods Promi-Luxusvillen einzubrechen und später auch jede Menge Designerkleidung und -schmuck zu stehlen. Doch die Luxus-Diebe prahlen auch noch auf Partys mit ihren Einbrüchen, was spätestens, als sie von einer Überwachungskamera aufgenommen werden, zum Problem wird …

Rezension

Coppolas Filmen konnte man stets eine stimmige, melancholische Atmosphäre sowie einige interessante konzeptionelle Ideen zugestehen. Ich bin zwar ganz froh, dass Coppola nach „Somewhere“ wieder zur richtigen Kamera gegriffen hat, dafür bietet der Film ansonsten kaum mehr als ein paar Momentaufnahmen einer Gesellschaft, von der man bloß kein Teil sein möchte. Zynisch könnte man sagen, bei Coppola geht es immer um verwöhnte Reiche, die sich beklagen, wie schlecht es ihnen geht. In „The Bling Ring“ geht es nun nur noch um verwöhnte Reiche. Die sich nicht mal leidtun.

Während „Lost in Translation“ und auch der experimentelle „Somewhere“ ein sensibles Fingerspitzengefühl bewiesen haben, Einsichten hinter die Luxus-Fassade der Designerwelt zu geben, ist „The Bling Ring“ im Wesentlichen einfach nur irgendwann zuende. Dass in dieser Celebrity-Welt, in der sämtliche Straftaten als Kavaliersdelikt angesehen werden, so einiges im Argen liegt, ist spätestens nach den ersten zehn Minuten des Films klar.

Aber im Gegensatz zu Coppolas anderen Filmen wird keinem der Figuren auch nur ein Hauch von An- und Verstand oder Reue zugestanden (am ehesten wohl noch dem Jungen, der als einziger zumindest anteilig aus einem Außenseiter-Motiv mitmacht). Daher lassen einen die Figuren und Geschehnisse weitgehend kalt. Da aber auch die Handlung höchst repetitiv ist und der Film auch atmosphärisch oder inszenatorisch kaum Interessantes bietet, bleibt nicht mehr viel, was man dem Film abgewinnen kann.

Es bleibt eine kritische Darstellung der Glitzer-glitzer-bling-bling-Selbstdarstellung-Mentalität. Aber dafür braucht man kaum einen 90-Minuten-Film, der seine Figuren nur plakativ einsetzt, um beim Zuschauer ein kontinuierliches Kopschütteln zu erzeugen. So bekommt man einen inhaltsleeren Dialog nach der nächsten Party nach dem nächsten Drogentrip nach dem nächsten Einbruch geboten. Diese Monotonie mag gewollt sein; leider gelingt es Coppola nur selten, ironisch-satirische Spitzen zu setzen. Schnell geschnittene Partybilder und Facebook-Selbstdarstellung hat man in Filmen nun schon öfter gesehen und ist zumindest inszenatorisch bei „Spring Breakers“ interessanter gewesen.

Einer der wenigen tollen Momente ist vielleicht jener zum Schluss, in der es Emma Watsons Figur absolut misslingt, den Interviewern deutlich zu machen, wie sehr sie aus den Geschehnissen gelernt hat. Hier wird die volle Borniertheit und Arroganz der Partypromis treffsicher auf den Punkt gebracht. Generell geben die wenigen Interviews mit den Jugendlichen mehr Einblicke in ihre Charaktere als der gesamte restliche Film. Die meiste Zeit hingegen fragt man sich nur, warum kein Promi in seiner Luxusvilla eine ordentliche Alarmanlage hat.

Auch habe ich das Gefühl, der Film kommt (unabhängig vom ähnlich angelegten „Spring Breakers„) ein wenig zu spät; das große mediale Interesse am Privatleben einiger Partystars wie Paris Hilton, Megan Fox oder Lindsay Lohan scheint bereits abgeklungen zu sein. Dass Coppola nun genau diese zum Spottziel ihres Films macht, wirkt ein wenig nicht mehr ganz den Zeitgeist treffend.

Für ihren nächsten Film darf Sofia Coppola meinetwegen gerne wieder weniger auf langwierige, inhaltslose Momentaufnahmen und mehr auf interessante Figuren und Geschichten setzen. Und gerne auch mal in einer anderen Welt als der der Reichen.

Fazit

Selbst Fans von Sofia Coppola dürften mit „The Bling Ring“ zumindest ein wenig enttäuscht werden. Wieder geht es um verzogene Reiche, deren Straftaten in Momentaufnahmen abgehandelt werden, ohne dass den Figuren ein Innenleben zugestanden wird. Es bleibt bei einer oberflächlichen Kritik an die Luxuswelt Hollywoods, die leider nur selten ironisch-satirische Spitzen setzten kann.

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