„Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“ – The Last Goodbye

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Nun heißt es Abschied nehmen – nicht nur vorerst von Mittelerde im Kino, sondern auch endgültig von der Hoffnung, dass die „Hobbit“-Trilogie ähnlich grandios wie „Der Herr der Ringe“ werden könnte. Wenn man ehrlich ist, hat man nicht mehr viel erwartet. Man kennt z.B. die künstliche CGI-Visualität, dürftige Handlungsstränge sowie Over-the-Top-Action nun schon aus den zwei Vorgängern. Und so lässt man sich von „Die Schlacht der fünf Heere“ nett unterhalten und hat dabei fast vergessen, was die Trilogie für ein Potenzial gehabt hat. Alles in allem besitzt der Film ein paar gute Momente und einige Fremdschäm-Szenen, plätschert aber im Großen und Ganzen vor sich hin, bis man schließlich realisiert: Das war’s.

Inhalt

Es sieht nicht gut aus: Smaug (Benedict Cumberbatch) terrorisiert Seestadt und Gandalf (Ian McKellen) ist Gefangener des Nekromanten. Und schließlich tauchen auch noch so einige Parteien auf, die etwas vom Goldschatz des Erebors abhaben wollen: Thranduils (Lee Pace) Waldelben, Eisenberge-Zwerge, Menschen, Orks und einiges Getier mehr. Während Thorin (Richard Armitage) immer mehr der Drachenkrankheit verfällt, muss Bilbo (Martin Freeman) entscheiden, wie er die beginnende Schlacht um den Erebor beeinflussen will …

Rezension

Nachdem ich bereits relativ ausführlich zu „Eine unerwartete Reise“ und „Smaugs Einöde“ geschrieben habe, was bei den „Hobbit“-Filmen grundsätzlich alles misslungen ist, kann und will ich zum dritten Film eigentlich gar nicht mehr so viel ergänzen. Große Überraschungen gab es keine.

Gone Girl

Nach zwei Enttäuschungen bin ich dem dritten Teil relativ gelassen entgegengetreten – besonders großes Interesse oder Hoffnung auf eine Rückkehr zur „Herr der Ringe“-Qualität war nicht mehr da. So habe ich mich vorher auch schon ordentlich zugespoilert, sodass ich im Kino keine Enttäuschungen mehr hatte und auch den dümmsten Szenen gelassen entgegenlächeln konnte. Alles in allem hat mich der Film dann nett unterhalten. Wäre es irgendein x-beliebiger Marvel-Kram wäre das okay, für einen Mittelerde-Film vom „Herr der Ringe“-Team leider viel zu wenig.

Es bleibt keine Story mehr übrig

Der Film bleibt ein zusammengeschustertes Werk mit vielen inkonsequent erzählten Nebengeschichten. Dass ursprünglich nur zwei Filme geplant waren, kann auch mit noch so viel zusätzlichen Legolas-Tauriel-Greenscreen-Szenen nicht vertuscht werden: Das Smaug-Intro wird lächerlich schnell vor der Titeleinblendung abgefrühstückt, ähnliches gilt für die schwache Auflösung in Dol Guldur mit Sadako-Galadriel. Niemand kann mir erzählen, dass diese Szenen nicht besser ausgestaltet gewesen wären, hätte man von Anfang an einen Dreiteiler geplant. Auch wird eine Schlacht groß angekündigt, die alles in allem ebenfalls recht kurz ausfällt und sich sehr schnell zu Showdown-Kämpfen auf dem Rabenberg reduziert. Und plötzlich unerklärlich vorüber ist.

Die gesamte Erzählstruktur wirkt nicht durchdacht und das Pacing ist durchgehend schlecht. Zu viele Szenen sind zu kurz oder unnötig in die Länge gezogen. Leider hat man auch das Gefühl, die Dialoge sind schnell in der Mittagspause geschrieben worden – „Rätsel in der Finsternis“- oder „Smaug-Bilbo“-Momente gibt es in diesem Film nicht. Wenn Love-Guru-Thranduil zum Schluss „Because it was real“ zu Tauriels Liebe sagt, fühlt man sich im falschen Film und kann nicht glauben, dass das gleiche Drehbuchteam im „Herr der Ringe“ so großartige und teils tiefgehende Dialoge (auch welche, die nicht im Buch stehen) zustande gebracht hat – z. B. das tolle Gespräch Gandalfs mit Pippin über die Grauen Anfurten.

Ich glaube entgegen den ganzen „Das Buch gibt keinen Stoff für 3 Filme her“-Rufen nach wie vor, dass man daraus drei ordentliche Filme hätte machen können, wenn das von Anfang an geplant gewesen wäre. So sieht man aber sehr deutlich, dass ein Drittel des ursprünglichen Zweiteilers mit Füllmaterial aufgestockt wurde – sodass inhaltlich nicht mehr viel zu erzählen ist. Dass kaum neue Orte und keine neuen Figuren hinzukommen, verstärkt den Eindruck.

Gone Girl

Bilbo trägt den Film im Alleingang

Während schon in Teil 1 und 2 deutlich wurde, wie perfekt Martin Freeman als Bilbo gecastet wurde, wird es in „Hobbit 3“ nochmal richtig bemerkbar: Er trägt alle emotionalen Höhepunkte. Er schafft es dabei, die ulkige Art von Bilbo mit einer Ernsthaftigkeit und Emotionalität zu verbinden, die trotz des schwachen Drehbuchs berühren kann. Weshalb auch die letzten zehn Minuten mit zu den besseren gehören – als man gar nicht mehr erwartet hat, dass einen der Film noch irgendwie emotional beteiligen kann.

Der Rest des Casts macht seine Sache auch weitgehend gut – wobei es bis auf Billy Conolly als Dain Eisenfuß keine Neuzugänge mehr gibt. Dieser ist nicht mehr als eine Witzfigur ohne Charakter. Lee Pace ist ein weiteres Mal ein großartiger Thranduil, von dem man nun auch etwas mehr sehen darf. Ian McKellen spielt zum 6. Mal souverän den Zauberer, Richard Armitage darf ganz solide ‚drachenkrank‘ werden und gibt eine erstaunlich gut gelungene Verabschiedungsszene mit Bilbo zum Schluss. Luke Evans Bard ist eine sympathische gut ausgefüllte Figur, die leider ab irgendeinem Moment im Film nicht mehr vorkommt. Positiv überrascht hat mich Alfrid, der als einzige ausgedachte Figur interessant wird und trotz viel Raum und Gags nicht nervt.

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Sterile Kämpfe

Die Visualität des Films ist künstlich und animiert, auch wenn immer mal wieder ein tolles Set (Thal) oder sogar ein echter Außendrehort (Flüchtlinge am Seeufer) zu sehen sind. Ganz so schlimm, wie der Trailer befürchten ließ, sieht der Film nicht aus. Aber CGI-Orks wirken nicht bedrohlich, CGI-Elben nicht beeindruckend und CGI-Kämpfe generell unecht. Man hatte öfter das Gefühl, ein Videogame zu spielen.

Die (kurze) Schlacht bleibt weitgehend uninteressant, nicht nur erzählerisch, auch optisch gibt es kaum neue Ideen. Dafür werden die finalen Zweikämpfe mit Azog und Bolg ewig in die Länge gezogen. Und wenn ich noch einmal Deus-Ex-Machina-Adler aus dem Nebel fliegen sehe, die alle Probleme lösen, werde ich echt wütend. (Und schon interessiert das Gundabad-Heer niemanden mehr.) Beorn fliegt kurz vom Himmel – unnötigster Charakter ever.

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Legolas und Tauriel ruinieren viel

Die Liebesgeschichte (hat man in „Smaugs Einöde“ noch gehofft, es bleibt bei Andeutungen und Flirterei) zwischen Zwerg Kili und Tauriel ist so unbeschreiblich erzwungen, unglaubwürdig, kitschig und doof, dass sie vermutlich wirklich niemandem gefällt. So ein unnötig viel Raum einnehmender Blödsinn! Ich hatte nie was gegen eine ausgedachte Elbin, um die Frauenquote zu pushen, aber die Rolle ist und bleibt miserabel konstruiert.

Und auch Legolas, der sicherlich nicht weniger Screentime als Bilbo hat, schadet dem Film enorm. Der im Gegensatz zum „Herr der Ringe“ hier als muskelbepackter Proll auftretende Unsympath mit digitalem Facelifting wirkt völlig deplatziert. Seine animierten Stunts sind nur noch routiniert und/oder lächerlich (runterfallende Steine, Fledermaus) und es ist nichts mehr von seinem Charme der Ring-Trilogie übrig geblieben. Schade, dass PJ die Story-Löcher durch die späte Dreiteilung mit Legolas und Tauriel füllen wollte – dadurch wird der Film nicht besser.

Gone Girl

PJ hat keinen, der ihm „lass das mal“ sagt

Anstatt dass Peter Jackson die Dinge des Buches ordentlich ausbaut (z. B. Beorn oder kämpfendes Zwergen-Herr), packt er jede Menge komischer Viecher in die Schlacht, die dem beim „Herr der Ringe“ angestrebten Realismus völlig entgegenstehen und den Film zu „Narnia“ werden lassen.

Müssen alle auf irgendwelchen CGI-Tieren reiten (Riesenhirsch, Riesenschwein, Riesensteinbock) und müssen zigtausend doofe Kreaturen in die Schlacht gemischt werden, obwohl sie da nicht nur nichts zu suchen haben, sondern das Ganze auch lächerlich machen? Werwürmer? Eistrolle? Katapulttrolle? Trolle mit Steinhut, um die Wand einzureißen? Trolle mit Stöckern als Gliedmaßen? Riesenfledermäuse?

Es handelt sich um die Schlacht der 5 Heere! Adler, Beorn und Warge (im Film nicht) neben Menschen, zwei Ork-Heeren, Elben und Zwergen – hat das tatsächlich nicht gereicht? Man sieht erstmals ein Zwergen-Heer – wie toll und erfrischend hätte man da eine Schlacht inszenieren können; aber es bleibt bei einem animierten Haufen mit Dain Eisenfuß vor Greenscreen dazwischen – echte Masken und Kämpfe sucht man vergebens. Alleine das ist eine vertane Chance!

Gone Girl

Nichts wird vernünftig aufgelöst

Peter Jackson hat sich die Kritik, dass „Rückkehr des Königs“ viel zu viele Enden hatte, wohl zu Herzen genommen und der „Hobbit“-Trilogie einfach mal mehr oder weniger gar keines verpasst. Plötzlich ist die Schlacht vorbei, Bilbo geht nach Hause und fast alle angeschnittenen Handlungsstränge bleiben ungelöst. Wer wird König unter dem Berg? (Dain.) Was ist mit den Seestadt-Menschen? (Sie bauen unter ihrem neuen Anführer Bard Thal wieder auf.) Was ist mit dem Arkenstein? Was ist mit Thranduils weißen Steinen oder seiner komischen angedeuteten Narbe? Was wird aus der Beziehung Tauriel-Legolas? Was wird überhaupt aus Tauriel? Was ist mit Radagast/Beorn/Sauron etc.?

Nicht einmal die größte Brücke zum „Herr der Ringe“ wurde geschlagen – dass Balin nach Moria geht (wo die Gefährten dann um ihn weinen). Wenn man bedenkt, dass ursprünglich ein „Hobbit“- und ein „Brücken“-Film geplant war, ist es schon beeindruckend, wie wenig sich die Lücke zu „Gefährten“ schließt. Bilbos Heimweg war dann wiederum angenehm unaufgeregt und recht schön gemacht.

Der Ring wird zum Logikloch

Dass Gandalf deutlich macht, dass er um den Ring Bescheid weiß, ist zwar insofern logisch, dass er sonst ein Trottel gewesen wäre – andererseits ist er nun ein viel größerer Trottel, da der Dol-Guldur-Nebenplot zeitgleich stattfindet und sie im Film auch nicht müde werden, von Sauron als Gefahr, den Ringen und vor allem dem EINEN Ring zu sprechen. Dass Gandalf nun in 60 Jahren nicht auf die Idee kommt, sich Bilbos Ring mal genauer anzuschauen, ist schlichtweg doof. Generell erschließt sich nicht, wieso Bilbo den Ring benutzen kann, ohne dass die Ringgeister oder zumindest Sauron irgendwas davon mitbekommen, so stark wie Sauron hier bereits gezeigt wird.

Auch weitere Brücken zum „Herr der Ringe“ werden nicht so recht geschlagen – die Streicher-Sache mit Legolas ist nicht gerade glücklich, scheinen sich die beiden in „Gefährten“ kaum zu kennen und Aragorn ist eigentlich zum Zeitpunkt des „Hobbits“ noch ein Kind in Bruchtal.

Gone Girl

Enttäuschende Musik

Auch bleibt der Soundtrack vom „Hobbit 3“ mehr als enttäuschend. Was Howard Shore in der Ring-Trilogie kreiert hat, ist wahnsinnig durchdacht und großartig. Im „Hobbit“ bleibt auch sein Werk sehr blass. Neben dem netten Seestadt-Thema aus Film 2 gibt es tatsächlich nicht einmal ein einprägsames Titelthema für Film 3. Wirklich sehr enttäuschend. Billy Boyds Abspannlied hat mir hingegen ganz gut als Trilogie-Abschluss gefallen.

Und jetzt ist Peter Jackson George Lucas

Der „Hobbit 3“ lässt einen weitgehend kalt. Und das ist eigentlich das Traurigste: Die ganzen gemachten Fehler machen einen nicht wütend oder ärgern einen. Es ist bitter, wie egal mir der Film als Tolkien- und Herr-der-Ringe-Fan ist. Die Begeisterung ist verebbt. Die Welt von Mittelerde wurde von ihrem Thron der Filmtrilogien gestoßen und wird zum mittelmäßigen Goldesel-Franchise. Erinnert an ein anderes Franchise? Richtig. Die Hobbit-Filme sind die neuen Star-Wars-Prequels.

Gone Girl

Während die Ring-Trilogie nach wie vor zu den beeindruckendsten Filmen gehört, denen ich (trotz ihrer Schwächen) auch heute noch Großartigkeit zugestehen würde, wirkt die Hobbit-Trilogie weitaus weniger durchdacht, detailverliebt und als Gesamtwerk nicht stimmig, dafür eher kalt berechnend, künstlich und schlecht zusammengeschustert.

Dennoch kann man nun Frieden machen mit der Reihe. „Hobbit 3“ ist nicht schlecht. Er ist nur einfach auch nicht besonders gut. Von dem Genie der Ring-Trilogie ist nicht mehr viel übrig – die Hobbit-Filme sind nett und unterhalten, mehr nicht. Wenn man sich diese Enttäuschung eingestanden hat, kann man sich von den Filmen aber unterhalten lassen und sich immer dann freuen, wenn kurz der Geist der Ring-Trilogie aufblitzt. Denn gute Momente gibt es immer mal wieder, besonders häufig durch das tolle Spiel von Martin Freeman.

Gone Girl

Fazit

Der letzte Teil der Hobbit-Trilogie ist ein großer Flickenteppich, der kaum Haupthandlung hat, dafür aber viele Nebenhandlungen, die alle nicht wirklich zufriedenstellend behandelt werden. Die Visualität ist recht künstlich, CGI-Elben/Zwerge/Orks erzeugen einfach keine Emotionen und die Schwerter bleiben stets blitzblank. Martin Freeman ist großartig und die Seele des Films, aber die vielen Schwächen kann er nicht ausgleichen. Es gibt kaum wirklich miese Szenen, aber auch kaum wirklich tolle. Der Film läuft so durch, bis man schließlich Billy Boyds Abschiedslied hören kann. Für einen Durchschnittsfilm ok, für einen Mittelerde-Film schade. Aber mehr hat man nach den Vorgängern auch nicht erwartet.

Und woher zur Hölle kamen die Steinböcke?!

Bildergalerie (zum Vergrößern anklicken)

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8 Kommentare

  1. Im Großen und Ganzen kann ich bei diesem Film nur von einer großen Enttäuschung sprechen. Dagegen war das bunte Disney-Gemetzel der beiden ersten Filme noch erträglich. Schade, die Chance für diese Filme wurde nicht genutzt, es ging doch schon einmal so viel besser.
    Nur Mittelmaß – leider.

  2. Danke für diese drei guten Rezensionen. Ich stimme in ALLEN Punkten überein, so spare ich mir die Mühe, den Inhalt zu zerpflücken.
    Aber etwas anderes werfe ich in den Raum – eine Frage hängt für mich persönlich immer noch in der Luft: WELCHEN EINFLUSS (und in welchem Maß) hatte das Studio? *Wer die Kohle hat, der darf ein Wörtchen mitreden*
    All unsere Unzufriedenheit legen wir auf PJ und sein kreatives Team (was sehr gute Arbeit leistet).
    Wie hat sich aber im Endeffekt der Einfluss des Mainstream-Filmgiganten MGM auf die Filme ausgewirkt?
    MGM trägt m.M.n. immer einen Dunstkreis um sich, der arg nach Hollywoodkitsch, überzogenem Heldenpathos, Action-Tsunamis und Disneysüßkram stinkt (ebenso auch der andere US-Gigant „20th Fox“).
    „Lord of the Rings“ entstand noch unter Einfluss der verhältnismäßig kleinen Indie-Filmfirma New Line Cinema. Und PJ selbst konnte man auch als „Indie-Regisseur“ mit „seinem ihm eigenen seltsamen Sinn für Humor“ bezeichnen. HdR war ein pures Herzensprojekt von ihm. Er und das ganze Team hat damals einheitlich an einem Strang gezogen – das Ergebnis: eine unvergessliche Trilogie!

    Aber dann kam MGM ins Spiel (auf die Schwierigkeiten, Klagen, bevor überhaupt Hobbit produziert werden konnte usw. gehe ich jetzt nicht ein)…

    Als ich zum ersten Mal erfuhr, dass MGM der Hauptgeldgeber sei, bekam ich bereits ein ungutes Gefühl – und musste schlagartig an den alten erfolgreichen Klassiker von Polanski denken: „Tanz der Vampire“, von 1967.
    Was das mit dem Hobbit zu tun hat? Nun, mal sehen, ob ich es sinngemäß noch zusammenkriege:
    Vor etlichen Jahren las ich mal einige interessante Hintergrundinfos zur Entstehungsgeschichte des Klassikers „Tanz der Vampire“ (Drehschluss 1966). Ein paar grobe Details:
    Polanski suchte einen Geldgeber für sein fertiges Projekt. Am Ende war es MGM. Einer der Filmstudios in UK, wo gedreht wurde, war ein brit. MGM-Ableger.
    Polanski legte den Verantwortlichen das fertige Manuskript vor – was kam dabei heraus?
    Das Studio war nicht zufrieden, sie verlangten (!!) von Polanski, dass die Handlung umgeschrieben wird, weil in dem jetzigen Zustand (und jetzt der „Hammer“): der Film zu „EUROPÄISCH“ sei, und in dieser Form beim damaligen amerikanischen Publikum nicht gut ankommen würde!! Man kann sich sein Teil dabei denken…
    Na ja, der Film wäre in ihren Augen wohl nicht genug hollywoodlike. :-))

    Sie verlangten (!!), dass der Film mehr witzige Momente, noch mehr „Slapstick“ bekommen sollte, das US-Publikum soll sich „leicht“ unterhalten fühlen (anscheinend war ihnen der „europ. Slapstick“ zu sperrig).
    Tanz der Vampire ist eher eine Vampir-Persiflage und Polanski hat hervorragend mit Vampir-Klischees gearbeitet, aber er hat auch wunderbarer hintergründiger Humor eingebaut – teilweise verzerrt ins herrlich Groteske. Aber kein einziges Mal ist er abgedriftet ins Dämliche, Überdrehte, kein sülziger oberflächlicher Kitsch (Hollywood ist voll davon!). Der Film kam auch nicht „polternd“ und übermäßig überdreht daher.

    Polanski hat sich aber ERFOLGREICH (!!) quergestellt und er wollte die jetzige Version unverändert in den Kinos veröffentlichen.
    Am Ende hat es so ausgesehen: „Tanz der Vampire“ („The Fearless Vampire Killers“) kam in Europa in der unveränderten Version in die Kinos – es wurde ein Erfolg!
    Für das amerikanische Kinopublikum aber wurde der Film leicht überarbeitet , es gab andere „witzigere“ Kinoplakate, auch der Titel wurde verändert/erweitert in „The Fearless Vampire Killers or Pardon Me, But Your Teeth Are in My Neck“ – so hat man wohl versucht, mit dieser Holzhammer-Methode das US-Publikum darauf hinzuweisen, dass es sich um eine Komödie handelt…
    Der Film ist aber in den USA gefloppt (die Amis haben wohl unseren europäischen „schrägen“, teils subtilen Humor nicht verstanden :-))

    Ich frage mich heute: war MGM damals das europäische Publikum wurscht?? Warum sollte Polanski sein Film hauptsächlich aufs US-Publikum zuschneiden? Warum muss dieser MGM-Filmgigant seine Vorstellungen von „Unterhaltung und Kultur“ stets 1:1 auch „der alten Welt“ aufzwängen?? Ist das US-Publikum das „Bessere“? Wohl kaum , aber der Gusto des US-Bürgers ist bekanntlich anders…

    Wäre nach Drehbuch-Änderung (im Sinne des US-Gustos) „Tanz der Vampire“ auch ein Erfolg in Europa geworden? Kann man nicht mehr sagen…
    Für mich ist „Tanz der Vampire“ eine gelungene Mischung aus britischem Gruselfilm (á la „Hammer“), tscheschischem Märchen und deutschem Heimatfilm. ^^
    ————–
    Meine inneren Fragen bzgl. „DerHobbit“ hängen immer noch im Raum:

    – in wie weit konnte sich PJ & Team gegen den US-Giganten durchsetzen, wie groß (oder klein) war am Ende sein Einfluss auf Drehbuch, Handlungsstränge etc. ?
    – welche Hobbit-Szenen sind auf 100% oder zum großen Teil auf MGM-MIST gewachsen (was kitschige, überdrehte Szenen angeht)?
    – ist im Hintergrund Ähnliches abgelaufen wie damals rund um TdV?
    – was konnte MGM durchsetzen? Die überflüssige Kili-Tauriel-Romanze? Die fremdschämende Heilszene? Die Legolas-Super-Mario-Treppe? Der disneymäßige Hasenschlitten und die kitschige Igel-Heilszene? Der singende Goblin King? Bei der Szene mit dem singenden Goblin King fühlte ich mich in ein unterdurchschnittliches Hollywood-Musical versetzt – mal wird gesprochen, mal wird geträllert….
    Nichts gegen Gesangparts in den Filmen, aber bitte nicht so fürchterlich dämlich, doof und platt umsetzen! Bei „Misty mMuntains“ hat es doch auch wunderbar geklappt!

    Fazit: für mich persönlich kann ich sagen: diese Hobbit-Filme haben den typisch europäischen Tolkien-Flair verloren! Für mich prangt auf dem Hobbit-Etikett zu groß und übermächtig das Logo des US-Giganten und der Einfluss ist zu spüren. Es ist buchtäblich ein Hollywood-Schinken!
    Die HdR-Trilogie strahlt diesen Tolkien-Flair noch aus (trotz einiger „Ungereimtheiten“) – den Flair einer alten sagenumwobenen Zeit; man glaubte, alte vergangene Kulturen aus der „alten Welt“ wären zum Leben erweckt worden, man tauchte in diese greifbare „reale Welt“ gerne ein.
    Dazu kam natürlich noch der Bonus des „Noch-Nie-Dagewesenen“…2001 durften wir eine filmische Sensation erleben!
    Zum Glück hatte PJ wenigstens darauf geachtet, dass fast nur brit. Film/Theater-Darsteller gecastet wurden, bzw. mit brit. Akzent (mit kleinen Ausnahmen), darunter waren auch keine echten großen typischen (ausgelutschten) Hollywood-Visagen.
    Was Besetzungen angeht, hat das verantwortliche Team um PJ ein glückliches Händchen bewiesen – egal ob bei LOTR oder Hobbit, stets perfekte Besetzung bis in die kleinsten Rollen…

    Der wohltuende Independent-Hauch der kleinen neuseeländischen Firma New Line Cinema ist nun verflogen und auch PJs Herzblut (was Tolkien’s Hobbit angeht), fließt zäh vor sich hin.
    Eine große Portion von zeitgemäßer Political Correctness wurde hineingemanscht: Frauenquote, toughe multi-taskingfähige Heldin, Multikulti in Seestadt – fehlen nur noch ein Behinderter (Bifur mit der Axt im Kopf ?) und ein Homo in Mittelerde…
    Mit einer finanziellen und ideologischen Impfspritze des „Pharmagiganten“ MGM versetzt, vergärte sich der „Der Hobbit“ zu einem unausgereiften Gesöff. Am besten auf Ex und Hopp schnell konsumieren…

  3. Nachtrag:
    „Herr der Ringe“ war Haute Cuisine – „Der Hobbit“ ist Fast Food…

    Wer weiß, was wirklich sich hinter den Kulissen abspielte;
    ist PJ zu einer lenkbaren Marionette geworden?? Je größer der Erfolg und je höher man auf der Karriereleiter nach oben steigt, desto mehr wird man „in gewissen L-Kreisen“ zu einer lenkbaren willigen Marionette.
    Wer sich gegen den Mainstream stemmt und „sein eigenes Ding“ durchziehen will, dem werden entweder die finanz. Mittel verweigert oder man wird denunziert, öffentl. demontiert, das Marketing fällt dürftig aus, das „Produkt“ wird wenig oder kaum gepusht…
    .
    .
    Ok, die „unbedarfte liebe Hobbit-Seele“ hat sich an Sauron äh Satan verkauft…“ein Ring sie zu knechten…“

  4. Ein interessanter Gedanke! Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Peter Jackson mehr Druck vom Studium bekommen hat als zu „Herr der Ringe“-Zeiten, z. B. doch drei und nicht nur zwei Filme zu machen oder unbedingt eine Lovestory einzubauen. Aber die teilweise nicht gelungenen Designs oder einige Kommentare von Peter Jackson aus dem Bonusmaterial lassen mich glauben, dass der Großteil tatsächlich von ihm gewollt und letztlich misslungen war. Viele Probleme des „Hobbits“ deuten sich auch in anderen Filmen vom Jackson-Team an, „King Kong“ oder „The Lovely Bones“ waren z. T. ganz unterhaltsam, aber auch weit entfernt davon, grandiose Filme zu sein. Aber spannend wäre es tatsächlich, mehr über die Hintergründe zu erfahren. Aber falls es da große Meinungsverschiedenheiten gab, ist Peter Jackson – im Gegensatz zu anderen Regisseuren wie z. B. dem von „Der goldene Kompass“ – nicht bereit, dies öffentlich zu machen, sondern er stellt sich hinter jede einzelne gemachte Entscheidung und behauptet zumindest, dass er es alles so wollte.

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