„Boyhood“ – Linklaters großartiges 12-Jahre-Filmprojekt

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Das Erwachsenwerden eines Kindes zu verfilmen ist kein neues Konzept, allerdings hat Richard Linklater tatsächlich über 12 Jahre an seinem filmischen Meilenstein gedreht und damit tatsächlich dem Altern seiner Darsteller beigewohnt. Das Älterwerden mit all seinen Hürden, die ein Kind bzw. ein Teenager nehmen muss, kommt daher so realistisch rüber wie selten zuvor, nicht zuletzt weil Hauptdarsteller Ellar Coltrane auch seine eigenen Erfahrungen und Gefühle mit in das Drehbuch einfließen lassen durfte. Das Ergebnis ist in jeder Hinsicht absolut sehenswert und gleichzeitig ein wirklich beeindruckendes Highlight der Filmgeschichte.

Mason lebt mit seiner Mutter und seiner Schwester zusammen, trifft sich aber auch immer wieder mit seinem Vater. Mit allen durchlebt er während seiner Kindheit viele Höhen und Tiefen, bis er letztendlich zu Hause auszieht und zur Uni geht.

Schon seine improvisierten Filme der „Before“-Reihe waren filmische Besonderheiten, doch über 12 Jahre jedes Jahr mit den gleichen Darstellern ein paar weitere Szenen für einen Film über die Initiation eines Jungen zu drehen, ist wirklich einzigartig. Neben den Kindern Ellar Coltrane und Lorelei Linklater erlebt man auch Patricia Arquette und Ethan Hawke in Bestform, alle haben dem Regisseur bis zum Ende beigestanden, obwohl man in der Filmbranche keine Verträge über sieben Jahre machen darf und so natürlich nicht klar war, ob jemand bei diesem Mammutprojekt vor der Fertigstellung den Rücken zudrehen würde. Doch alle blieben am Ball, brachten ihre Ideen und Emotionen in das sich ständig verändernde Drehbuch ein und halfen so, einen wirklich bewegenden und originellen Film zu produzieren.

Obwohl „Boyhood“ eigentlich ein Episodenfilm ist, fügen sich die jährlich gedrehten Episoden perfekt aneinander an, auch wenn sie nicht unbedingt aufeinander aufbauen. Der Film stellt kein Abarbeiten typischer Schlüsselszenen des Erwachsenwerdens dar, er zeigt einfach eine wunderbar ausgewählte Sammlung von Begegnungen, Emotionen und Entwicklungen, die so einen sehr gefühlvollen Einblick in die Hürden der Kindheit gewähren. Zudem werden gekonnt aktuelle politische oder mediale Ereignisse wurden in die Handlung mit eingebaut.

„Boyhood“ ist an sich schon ein wunderbarer Film, den sich jeder ansehen sollte, aber der Hintergrund, wie er entstanden ist, macht ihn tatsächlich zu einem Meisterwerk.

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