„Fargo“ – Starke erste Staffel!

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Die lose an den gleichnamigen Coen-Film von 1996 angelehnte erste Staffel von „Fargo“ überzeugt durch die großartig eingefangene Atmosphäre der titelgebenden schneebedeckten amerikansichen Kleinstadt mit ihren einfältigen Bewohnern, tollen Schauspielern (allen voran Martin Freeman und Billy Bob Thornton), sich durch Ruhe und Unaufgeregtheit auszeichnende Spannung, eine kluge Handlungsstruktur, ein wenig Absurdität und schwarzen Humor. Wer atmosphärische Thriller mag und von ein paar härteren Szenen nicht abgeschreckt wird, sollte sich „Fargo“ nicht entgehen lassen!

Inhalt

Die Kleinstadt Fargo erlebt 2006 eine merkwürdige Serie an Verbechen. Ausgelöst werden sie durch einen Wildunfall des stillen wie effizienten Auftragkillers Mavlo (Billy Bob Thornton), dessen Weg kurze Zeit später zum traurigen Versicherungsvertreter Lester Nygaard (Martin Freeman) führt. Nach ungewollten Verkettungen der Ereignisse müssen schließlich Deputy Molly Solverson (Allison Tolman) und der unbedarfte Officer Gus Grimly (Colin Hanks) aus der Nachbarstadt den ihren Lauf nehmenden Verbrechen im verschneiten Fargo hinterhergehen, in die nicht nur Malvo und Nygaard involviert sind …

Rezension

Obwohl (mit den gleichen Worten der Filmvorlage) zu Beginn jeder Folge eingeblendet wird, dass die Serie auf wahren Begebenheiten basiert, ist dies nicht der Fall. Sie greift stattdessen den „Fargo“-Film tonal und inszenatorisch auf und übernimmt einige Motive, spielt jedoch zu einer ganz anderen Zeit in Fargo, so dass wir es mit neuen Figuren zu tun bekommen (obwohl es eine gelungene inhaltliche Verknüpfung zum Film gibt). Gerade die Atmosphäre und die Begrenztheit einiger Bewohner Fargos sowie die beiläufige Darstellung von Gewalt ohne Dramatik haben den Film ausgezeichnet und finden sich auch in der Serie wieder.

Während ich mit dem Film nicht so richtig warm geworden bin, lädt er nicht gerade zum Mitfiebern ein (eine Handlung gibt es kaum), kann die Serie hingegen die benannten Stärken des Films mit großartigen Figuren und Darstellern ergänzen, so dass es einem durchgehend am Herzen liegt, zu erfahren, wie es weitergeht. Dabei ändern sich auch Sympathien, es gibt unerwartete Wendungen und nicht zu wenige Tote, während ein makaberes Ereignis auf das nächste folgt. Die an sich düstere Handlung wird dabei allerdings unaufgeregt und mit (situations-)komischer Note aufgewertet, so dass die Grundstimmung weit entfernt von einem „True Detective“ oder gar „Hannibal“ liegt.

Martin Freeman spielt seine Rolle fantastisch. Er beginnt als Looser-Versicherungsheini (wie man ihn kennt), entwickelt sich dann aber in eine andere Richtung. Und Billy Bob Thornton gibt vermutlich einen der coolsten Killer, die man in letzter Zeit auf dem Bildschirm sehen konnte. Seine wenigen, aber zielsicheren Sätze, gepaart mit tiefem Blick in die Augen seines Gegenübers lassen einen niemals an seiner Gefährlichkeit zweifeln. Seine lockere Art, auch unerwartete Probleme zu lösen, tut ihr Übriges.

Aber auch Allison Tolman und Colin Hanks auf der Ermittlerseite ziehen schnell die Sympathien des Zuschauers auf ihre Seite und bieten eine Menge Identifikationspotenzial. In Nebenrollen überzeugen zusätzlich wieder einmal Bob „Better Caul Saul!“ Odenkirk und Keith „Wild Bill Hickok“ Carradine.

Ein Markenzeichen der Serie ist sicherlich die große Einbeziehung des Ortes: Das Setting in Schnee und Eis führt zu einer tollen Atmosphäre, die die Gewalt kontrastiert. Auch der schwarze Humor, der zwar nie so stark ins Zentrum rückt wie z. B. in den dänischen Thrillern à la „Flickering Lights“, ist dennoch ein Kernbestandteil von „Fargo“. Hinzu kommt der geschickt konstruierte Handlungsverlauf der Serie und eine Titeleinblendung, die einen jede Folge aufs Neue freut (nicht zuletzt durch die an den Film angelehnte Musik).

Dass die Coen-Brüder als Produzenten beteiligt sind, merkt man der Serie durch ihren Stil und die durchaus tarantinoesquen Elemente an. Den Film muss man dabei keinesfalls vor der Serie gesehen haben; auch ich habe ihn erst danach gesehen und war fast enttäuscht, wie viel weniger dieser zu bieten hatte.

Einzig allein das Serienende schafft es nicht ganz, die Qualität der vorangegangenen Folgen aufrecht zu erhalten und ist nicht hundertprozentig gelungen. Eine zu große Enttäuschung bietet es jedoch auch nicht und rundet die Staffel trotzdem ab. Wie „True Detective“ ist die Serie anthologisch konzipiert; sprich: In Staffel 2 werden wir es mit anderen Figuren und anderen Geschichten zu tun bekommen. Wenn die Qualität beibehalten wird, kann man trotzdem wieder getrost einschalten.

Fazit

Die Serie „Fargo“ greift das Beste des namensgleichen Films auf und fügt jede Menge Gelungenes hinzu. So kann die Geschichte über die gesamte Laufzeit von 10 Folgen unterhalten, amüsieren und zum Mitfiebern einladen. Tolle Musik, ein klasse Setting, großartige Darsteller bis in die Nebenrollen, eine absurde, verkettete Kleinstadt-Crime-Geschichte und ihre gelungene Inszenierung machen „Fargo“ zu hochwertiger Unterhaltung!

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