Sind ‚Soft Reboots‘ eine gute Sache?

2015 war nicht nur ein interessantes Kinojahr, sondern mit „Star Wars 7“, „Jurassic World“, „Mad Max 4“ oder „Terminator 5“ auch ein Jahr der ‚Soft Reboots‘: Filme, die einerseits inhaltlich an die vorherigen Teile anknüpfen (Sequel/Prequel), andererseits aber in weiten Teilen eine Wiederholung des Originals bzw. einen Neustart des Franchises darstellen (Remake/Reboot). Das ist von den großen Studios natürlich ein raffinierter Schachzug, aber kommen tatsächlich auch gelungene Filme dabei heraus?

So einfach ist das nicht zu beantworten, denn diese ‚softe Rebooterei‘ kann sowohl Vorteile als auch Nachteile haben.

Auch wenn der Begriff ‚Soft Reboot‘ (auch ‚Warm Reboot‘) nicht klar definiert oder trennscharf von anderen Begriffen abgegrenzt werden kann, finde ich die Bezeichnung sehr passend für eine Vielzahl neuerer Hollywoodfilme. Zu nennen wären da J.J. Abrams „Star Trek“ (in weiten Teilen Reboot/Prequel, durch den Parallelweltenkniff und den alten Spock letztlich aber doch kompatibel mit den vorangegangenen Filmen), „X-Men: Days of Future Past“, „The Thing“, „Star Wars: Das Erwachen der Macht“, „Jurassic World“, „Terminator: Genisys“ und „Mad Max: Fury Road“.

Vermieden wird so ein ‚harter Reboot‘, der keine Kontinuität zu den vorangegangenen Teilen des Franchises besitzt und somit auch keine alten Darsteller vorkommen können (und viele alte Fans vergrault werden könnten). Beim Soft Reboot wird das Franchise zwar ebenfalls neu erfunden, i. d. R. in der Wiederholung des ursprünglichen Konzepts/Inhalts oder der Figurenzeichnung, aber mit neuer Ausrichtung / neuen Hauptdarstellern / neuer Tonalität. Trotzdem wird an die bisherige Story angeknüpft und diese nicht nivelliert.

Das führt im besten Fall zu jeder Menge Nostalgie und liebgewonnen Figuren und Darstellern. Wieder X-Wings! Wieder eine Verfolgungsjagd eines Lasters in der Wüste! Wieder ein Dinosaurierpark! Wieder Harrison Ford, Patrick Steward und Ian McKellen! Die Filme fühlen sich vertraut an und ohne, dass die vorangegangenen Filme ignoriert werden, bekommt man eine neue Interpretation des geliebten Stoffes.

Gleichzeitig ist das natürlich auch irgendwo feige. Man traut sich kein wirkliches Reboot zu und anstatt etwas Neues aus dem Stoff zu entwickeln, kopiert man einfach profitables Altbekanntes. Insofern können Soft Reboots zwar gelungen sein – aber es kommt sehr darauf an, was man daraus macht. So würde ich die Einbindung des alten Spock und der Parallelwelten in „Star Trek“ als sehr gelungen bezeichnen, bietet es eine nette Geste an die Fans, ohne die neue Ausrichtung des Franchises oder dem Film zu schaden. Im Gegenteil, dies war eine kluge inhaltliche Bereicherung.

Bei „Jurassic World“: Grundsätzlich super Ansatz, aber dann doch dämlich viele unnötige Übereinstimmungen mit Film 1 (insbesondere durch die Geschwister), obwohl doch kluge Ansätze im Film vorhanden waren, den ursprünglichen Gedanken weiterzuentwickeln. Schade, ein wenig mehr Mut und weniger Klon von Film 1 hätte „Jurassic World“ sicherlich gut getan.

Bei „Star Wars“ ist hingegen sehr enttäuschend, dass man eine (ohne es als solches zu bezeichnen) Art Soft Reboot zu „Episode 4“ gemacht hat. Man hätte sich eine Vielzahl an interessanten Szenarien für die Zeit 30 Jahre nach Vernichtung des Imperiums überlegen können, um letztlich nur alles auf Null zu setzen und krampfhaft die gleiche Situation wie zu Beginn von „Episode 4“ zu konstruieren. Sehr schade und viel Potenzial verschenkt.

„Terminator 5“ hatte ebenfalls – gerade, da die Zeitreisen immer integraler Teil des Franchises gewesen sind – den interessanten Ansatz, viele Elemente und gar Szenen von „Terminator 1 und 2“ zu wiederholen und ihnen eine neue Note zu geben. Das Ergebnis war nur leider sehr verworren und schlecht umgesetzt. Auch hier wirkten die Wiederholungen dann eher wie Fanservice, als dass sich daraus ein neuer, spannender Film ergeben hätte.

Gerade auch „X-Men: Days of Future Past“ hätte ein tolle Zusammenführung aller Figuren sein können, war aber einfach nur platter Fanservice, der inhaltlich nicht überzeugen konnte.

Und „Mad Max 4“ könnte man fast als normales (spätes) Sequel bezeichnen, wenn es keinen Hauptdarstellerwechsel gegeben hätte und der Film nicht nur eine ausgebaute Version des Finales von Teil 2 gewesen wäre. Hier hat das Konzept tatsächlich sehr gut funktioniert.

Alles in allem sehe ich Soft Reboots als Chance, die bisherigen Filme zu ehren und inhaltlich klug an sie anzuschließen, liebgewonnenen Darstellern einen Cameo-Auftritt zu geben und dem Franchise trotzdem einen frischen Hauch zu verpassen. Aber die Gefahr, einfach nur ein plattes, faules Remake unter dem Deckmantel einer einfallsreichen Fortsetzung in die Kinos zu bringen, scheint sehr groß. Viele der Filme, die große Erwartungen geweckt haben, letztlich aber eher mau waren, haben mich allerdings sehr skeptisch gestimmt, sodass ich mittlerweile eher eine kluge Fortsetzung oder ein Hard Reboot sehen möchte als diese merkwürdige Mischung. Die ganzen Reboots sind grundsätzlich weitgehend überflüssig, aber gerade „X-Men: First Class“ konnte deutlich mehr überzeugen als „X-Men: Days of Future Past“.

Aber dies ist den Studios sicherlich zu riskant, weshalb auf Halbgares gesetzt wird. Und was, wie man bei „Star Wars 7“ und „Jurassic World“ sehen kann, mehr als rentabel ist.

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Ein Kommentar

  1. Ein neuer Beitrag: „Independence Day 2“ ist ebenfalls ein Soft Reboot. Sehr ähnlich wie „Jurassic World“ spielt er zeitlich nachTeil 1 und stellt neue Figuren vor, stellt aber im Wesentlichen die Story und viele Momente des Originals erneut dar.

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