„You Are Wanted“ – Serienthriller nur für Fans von Matthias Schweighöfer!

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Das ist sie also, die erste deutsche Amazon-Serie. Ein Hackerthriller, bei dem Deutschlands beliebtester Schauspielbubi Matthias Schweighöfer nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch noch bei Regie, Produktion und Musik die Finger mit im Spiel hat. Das Ergebnis versucht den Stil amerikanischer Vorlagen zu kopieren, doch neben ein paar gelungenen Aufnahmen will hier eigentlich gar nichts funktionieren. Die Handlung trieft nur so von Klischees und erfindet das Wort Logiklücke noch mal völlig neu. Schweighöfer spielt in der ernsten Rolle besser als gedacht, passt aber irgendwie trotzdem nicht, die Nebendarsteller Alexandra Maria Lara, Karoline Herfurth und Tom Beck können nicht gegen das schlechte Script anspielen, versuchen es aber auch nicht wirklich. Sunnyboy Matze und die Amazon-Werbetrommel werden allerdings wieder genug Fans finden, denen Effekthascherei und künstliche Spannung reicht, um über die zahlreichen Schwächen von „You Are Wanted“ hinwegzusehen.

You Are Wanted

Inhalt

Lukas Franke (Matthias Schweighöfer) ist Hotelmanager und Familienmensch, als plötzlich Hacker anfangen, seine Identität zu verändern und ihn in den Fokus der Polizei bringen. Als auch seine Frau (Alexandra Maria Lara) ihm nicht mehr traut, versucht Franke die Hacker zu finden und seine echte digitale Identität zurück zu bekommen und alle Lügen aus der Welt zu schaffen. Dabei hilft ihm Lena (Karoline Herfurth), die ebenfalls von den Hackern erpresst wird. Und diese sorgen weiterhin dafür, dass sie den beiden und auch der Polizei immer einen Schritt voraus sind und alles so drehen, wie es ihnen passt.

Review

Die Grundidee ist in unserer immer digitaler werdenden Welt eigentlich gar nicht schlecht, wenn auch nicht neu. Doch wenn man eigentlich keine Ahnung vom Hacken und den digitalen Möglichkeiten hat, sollte man kein Drehbuch schreiben. Vorteil ist allerdings, dass es bei den meisten Zuschauern ebenso ist. Hier müssen Hacker in düsteren, höhlenähnlichen Räumen sitzen und tausende von Codezeilen über die Monitore flitzen. Da kann die Polizei eben noch ein Telefon in Sekundenschnelle orten, lässt diese Möglichkeit aber danach einfach ungenutzt, obwohl das gleiche Telefon fröhlich weiter genutzt wird. Ein als Terrorist gesuchter kann sich in unserer uninteressierten Welt auch ganz einfach mit Mütze und Sonnenbrille durch Berlin bewegen oder sogar unverkleidet ins BKA kommen und dort agieren, ohne dass jemand überhaupt Interesse zeigt. Ich will nicht sagen, dass in ähnlichen US-Formaten nicht genauso vorgegangen wird, das ist aber keine Entschuldigung.

Kommen wir zu Matthias Schweighöfer, dessen spezielle Art ich zu Anfang seiner Karriere eigentlich noch zu schätzen wusste, doch als er nur noch diese eine Rolle immer wieder spielte, wurde es nervig. Wie sein Vorbild Til Schweiger musste er dann auch seine schlichten Komödien selber inszenieren und durfte sich fortan auch Regisseur nennen. Den Gipfel des Nervigsein erreichte er dann mit seinem Werbespots für den Amazon Prime Stick, was auch keine gute Vorlage für die Serienzusammenarbeit mit dem Onlineshop war. Überraschenderweise sollte es sich dann bei der Serie allerdings um einen Thriller und nicht wie erwartet um Komödienklamauk handelt, das war dann tatsächlich wieder etwas interessanter. Doch letztendlich hat Amazon qualitativ mit Schweighöfer hinter und vor der Kamera absolut aufs falsche Pferd gesetzt, aber leider steht der Erfolg nicht immer in Relation zur Qualität. Also wird man bei Amazon wohl schon gewusst haben, was man da tut.

Dabei spielt Schweighöfer für seine Möglichkeiten gar nicht so schlecht, das liegt aber vermutlich in erster Linie, dass alle anderen noch schlechter spielen, das allerdings auch aufgrund ihrer sehr facettenlosen und klischeebeladenen Charaktere. Und auch, wenn ab der dritten Folge überhaupt mal sowas wie Tempo in die Serie kommt, verulkt sich die Handlung mit jeder Wendung immer wieder selber. Da helfen auch nicht die serientypischen Rahmenhandlungen, die immer einen später in der Handlung stattfindenden Dialog häppchenweise einstreuen, um zu verwirren und das Chaos noch größer zu machen. Denn diese lassen die Handlung wirklich eher noch absurder werden anstatt einen mit großen „Teasern“ noch heißer auf den weiteren Verlauf zu machen.

„You Are Wanted“ ist letztendlich ein (immerhin nur) sechsteiliges Sammelsurium an versucht spannenden Szenen, die aneinandergereiht aber oft nicht so wirklich Sinn ergeben wollen. Die Charaktere sind alle unsympathisch und machen es schwer, sich hier überhaupt für das Schicksal von irgendjemandem zu interessieren. Spätestens als Franke tatsächlich einen Seitensprung gestehen musste, war er bei mir untendurch, interessanterweise ist Fremdgehen bei in den Schweiger- und Schweighöferfilmen aber immer nur als unwichtiges Kavaliersdelikt gesehen worden, so ist es hier irgendwie auch.

Fazit

Die erste deutsche Serie von Amazon fällt mit Pauken und Trompeten durch. Trotz hohem Aufwand und bekannten deutschen Schauspielern stolpert der Thriller über seine unlogische Handlung und seine billigen Klischees. Alle Charaktere handeln völlig unlogisch und nutzen ihr IT-Potential in keiner Form aus. Matthias Schweighöfer kann weder als Darsteller noch als Regisseur wirklich überzeugen. Man kann nur hoffen, dass nicht irgendjemand auf die Idee kommt, aus der eigentlich abgeschlossenen Handlung noch „You Are Wanted Staffel 2“ stricken zu wollen.

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