„Okja“ – Geniale und düstere Riesenschweinerei!

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Nach „Snowpiercer“ hat der südkoreanische Regisseur Joon-ho Bong jetzt seinen zweiten Film mit größtenteils US-Schauspielern gedreht, „Okja“ ist allerdings eine Netflix-Produktion, die aber durchaus Kinopotential hätte. „Ein Schweinchen namens Babe“ war gestern, wenn hier ein Mädchen sein Lieblingsschwein retten will, hat das außer dem Knuddelfaktor des tierischen Hauptdarstellers nichts mehr mit dem Kinderfilm gemeinsam. „Okja“ ist eine bitterböse Abrechnung mit der Fleischindustrie, die einem mit dem immer düsterer werdenden Szenario mehrfach den Magen umdreht. Neben den großartig spielenden Stars Tilda Swinton, Jake Gyllenhaal, Paul Dano und Steven Yeun bietet die größte Leistung allerdings die kleine Seo-Hyun Ahn, die so authentisch spielt, das es einem schon weh tut, bei allem, was ihr wiederfährt. Beeindruckend animiert ist aber auch das Riesenschwein Okja, bei dem man mit der Zeit wirklich vergisst, dass es nicht echt ist, wenn es gerade durch einen Supermarkt kracht. Absolut empfehlenswert, eine großartige Netflix-Produktion, die unter die Haut geht.

Inhalt

Der Lebensmittelkonzern Mirando mit Geschäftsführerin Lucy Mirando (Tilda Swinton) hat genmanipulierte Riesenschweine entwickelt, will sie aber als Ökoschweine vermarkten und lässt einige von ihnen bei einfachen Bauern rund um die Welt aufwachsen. Eins davon ist Schweinedame Okja, die in den Bergen Südkoreas bei Mija (Seo-Hyun Ahn) und ihrem Großvater lebt. Als sie von Mirando und dem seltsamen Tierforscher (Jake Gyllenhaal) im Alter von zehn Jahren abgeholt und nach New York gebracht werden soll, versucht Mija sie zu befreien. Überraschend bekommt sie Unterstützung von Jay (Paul Dano) und K (Steven Yeun), die mit ihrer Tierschutzorganisation die Machenschaften von Mirando aufdecken wollen. Doch auch für deren Ziel geht Okja weiter durch die Hölle.

Review

Was so niedlich in den Bergwäldern mit dem dicken herumtollenden Riesenschwein und seiner kleinen Menschenfreundin anfängt, wird im Laufe des Films immer bitterer. Joon-ho Bong lässt kein gutes Haar an der Fleischindustrie und dem Kapitalismus, aber auch die militanten Tierschützer kommen nicht ungeschoren davon. Mit einer Mischung aus bunten und pechschwarzen Bildern schickt er das Schwein und das Mädchen von einem Tiefpunkt zum nächsten auf eine grauenvolle Odyssee, bei der dem Zuschauer bis zum Ende nicht sicher ist, welches Schicksal der Film letztendlich für Okja bereithält.

Was neben dem intelligenten und tiefgründigen Plot, den einprägsamen Bildern und den genialen Effekten am meisten beeindruckt sind die Darsteller. Die kleine Seo-Hyun Ahn ist ein wahrer Glücksgriff, sie spielt die Mija unglaublich eindringlich, tapfer und zielstrebig, aber doch aufgrund ihres Alters auch extrem verletzlich. Ihr Gegenüber ist eine mal wieder grandiose Tilda Swinton in einer Doppelrolle, aber auch Jake Gyllenhaal zieht als Karrikatur seiner selbst alle Register als überdrehter Tierforscher, ein armseeliger Bösewicht, der sich nach ein bisschen Restruhm sehnt. Auf der anderen Seite überzeugen Paul Dano und Steven Yeun als Tierschützer aus Überzeugung, die allerdings auch bereit sind, für ihre Ziele das Leid anderer in Kauf zu nehmen.

„Okja“ ist sicher kein Film für die breite Masse und für Kinder wohl extrem verstörend, aber absolut sehenswert. Der Film hinterlässt einen bitteren Beigeschmack und vermittelt seine Botschaft sehr konsequent, vor allem durch seine wirklich überzeugende Machart.

Fazit

„Okja“ zeigt, dass Netflix ganz oben in der Filmwelt mitmischen will. Der Film bietet neben der harten Kosumkritik auch viel fürs Auge und fürs Herz, wirklich tolle schauspielerische Leistungen und ein Filmschwein, das man trotz seiner Größe einfach ins Herz schließen muss.

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