„Bullyparade – Der Film“ – Wenig originelle Resterampe!

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Ich verstehe bis heute nicht, wie Michael „Bully“ Herbig ein Geniestreich wie „Der Schuh des Manitu“ gelingen konnte. Der Großteil der Gags zündete, teilweise auf eine originelle Art, die man bis dahin noch nicht gesehen hatte. Allem zugrunde lag die TV-Show „Bullyparade“, eine Witzeshow mit Bully, Christian Tramitz und Rick Kavanian, deren weitere Kinoableger „(T)Raumschiff Surprise“ und „Lissi und der wilde Kaiser“ dann nicht mal mehr ansatzweise die Qualität des ersten Kinofilms erreichen konnten. So gingen die drei Schauspieler getrennte Wege, nur um sich jetzt Jahrzehnte später noch einmal zusammenzutun, um dem einfach gestrickten deutschen Kinogänger mit mittelmäßigen Gags gelungenen Humor vorzugaukeln. Wie schon in der „Bullyparade“ funktionieren eine Gags ganz gut, andere verpuffen total. Einen wirklich Schenkelklopfer sucht man allerdings vergebens. Der Episodenfilm kann einen hier und da zum Schmunzeln bringen, mehr ist allerdings nicht drin.

Inhalt

Quer durch die Zeit springend können wir erleben, wie Ossis in der Zeit zurückreisen, um die Öffnung der Mauer zu verhindern, wie Winnetou den verschollenen Old Shatterhand als Trauzeuge sucht, nur um von einem Kopfgeldjäger mit Handpuppe verfolgt zu werden, wie Kaiserin Sissi und ihr Franz in Bayern ein gruseliges Schloss aufsuchen, wie Lutz und Löffler an der New Yorker Börse scheitern und nicht zuletzt wie die Raumschiffcrew Captain Kork, Mr. Spuck und Schrotty auf einem Frauenplaneten für Ordnung sorgen und dabei gleichzeitig ihre Männlichkeit einbüßen.

Review

Die Optik sitzt, offensichtlich hatte man genug Geld für diesen Film. Doch auch wenn der minutenlange Anhang mit misslungenen Szenen zeigt, dass die Darsteller sichtlich Spaß beim Dreh hatten, fragt man sich, warum die Witze so mittelmäßig daher kommen. Dass „Bullyparade – Der Film“ kein neuer „Schuh des Manitu“ werden würde war fast genauso klar wie die Tatsache, dass das anspruchslose deutsche Publikum den Film trotzdem zu einem Erfolg machen würde. Was erstaunlicherweise bei der Kinofassung von Bullys „Winnetou“ grandios geklappt hatte, funktionierte bei „Sissi“ und „Raumschiff Surprise“ schon deshalb nicht, weil diese in der „Bullyparade“ von der kurzen Laufzeit der Gags profitierten und offensichtlich nicht für volle Lauflänge ausgelegt waren. Entsprechend hätte es hier wieder funktionieren können. Zudem hatte man auch die Chance, ein paar andere gelungene Charaktere aus der TV-Show einzubauen.

Doch das Ergebnis ist einfach enttäuschend. Die „Traumschiff“-Episode funktioniert noch am besten, doch auch hier wartet man auf wirklich originelle Gags. Letztendlich sind die Gags zwar neu, der Humor hat sich aber nicht weiterentwickelt. Da waren sogar viele der alten Gags noch um einiges witziger. Der beste Gag aus meiner Sicht war ein Dialog zwischen einem US-General und seinem Lieutenant über die Definition von Ausländern, wenn man selber ja eigentlich der Einwanderer ist, ein Ausländer aber wohl eher der Indianer wegen der dunklen Hautfarbe sein müsste. Hier bietet der Film schon fast einen Hauch aktueller Sozialkritik, das war es dann aber auch.

Man hätte sich allerdings die ganzen Gastauftritte schenken können, wenn sie letztendlich nichts bringen. Sky Dumont macht auch hier seine Sache gut, schließlich hatte er auch bei „Der Schuh des Manitu“ einen Großteil der guten Gags auf seiner Seite, aber Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Peter Maffay oder Lena hätten sich ihre kurzen Einstellungen doch sparen können. Da macht Jürgen Vogel als Kinski-Verschnitt noch die beste Figur, weiterbringen tut er den Film aber auch nicht. Und die Liste der Gaststars könnte man hier noch um einige weitere ergänzen.

Letztendlich kann man den Film durchaus anschauen, wenn man auch die „Bullyparade“ mochte, der Film ist nicht unbedingt schlecht, aber bei dem Potential hätte man immerhin ein paar wirkliche Schenkelklopfer dazwischen haben müssen. So kann man hier und da nett schmunzeln und die einzelnen Episoden dann doch schnell wieder vergessen. Bully, Tramitz und Kavanian harmonieren defintiv noch, aber wenn man keine guten Gags mehr schreiben kann, bringt das leider auch nichts. Und wenn man hier zum ersten Mal auf das Team der „Bullyparade“ treffen sollte, wird es wohl noch schwerer, der Gags etwas abzugewinnen.

Trotzdem werden die Deutschen wieder zahlreich in die Kinos rennen, auch diesen „Bully“-Film zu einem Erfolg machen und sich einreden, dass der Film doch irgendwie ganz lustig war. Wer Bully aber in Bestform sehen möchte, sollte lieber zum x-ten Mal „Der Schuh des Manitu“ schauen oder sich noch mal die besten Klassiker aus der „Bullyparade“ reinziehen.

Fazit

Ein wenig Nostalgie beim Wiedersehen alter Freunde aus der „Bullyparade“, ein paar nette Gags zum Schmunzeln, mehr hat die späte Kinoversion der TV-Show leider nicht zu bieten. Bully, Tramitz und Kavanian sind immer noch ein gut funktionierendes Dreiergespann, doch wenn die Gags einfach nicht zünden wollen, hilft das leider auch nicht weiter.

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