„Thor 3: Tag der Entscheidung“ – Zonk, der Kalauer-Gott!

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Ich habe mich bei den Filmen aus dem MCU selten so schwer mit einer Bewertung getan wie bei diesem hier. Man kann sicher sagen, dass die „Guardians of the Galaxy“ dem oft etwas vor Pathos triefenden Superhelden-Kosmos die Prise Humor und Selbstironie verpassten, die ihm bis dahin größtenteils fehlte. Was bei „Doctor Strange“ noch als gesunde Mischung funktionierte, wurde bei „Spiderman“ dann schon grenzwertig. „Thor 3“ ist jetzt das bombastische Endprodukt der Verlustigung des MCU! Dabei kann man auch nicht sagen, dass die unzählbaren Slapstick-Einlagen, die gaglastigen Wortgefechte, die ins Unendliche übertriebende Situationskomik und die coolen Sprüche alle ihr Ziel verfehlen, aber es ist einfach nicht ok, einen komplexen Filmkosmos und seine Charaktere nur noch auf das zu reduzieren, was offensichtlich bei den letzten Filmen das Publikum am meisten überzeugen konnte. Hoffen wir mal, dass das MCU nicht an dieser Überdosis Humor letztendlich qualvoll krepiert.

Inhalt

Eigentlich hatte Thor (Chris Hemsworth) seine Heimat Asgard gerade wieder vor dem Untergang gerettet und seinen Bruder Loki (Tom Hiddleston) enttarnt, der sich lange Zeit als ihr Vater Odin (Anthony Hopkins) ausgab und so Asgard regierte. Doch als sie den Göttervater zurückholen wollen, erfahren Sie von ihrer bösen großen Schwester Hela (Cate Blanchett), die ihren Anspruch auf Asgards Thron geltend machen und dann einen brutalen Eroberungszug durch alle anderen Welten führen will. Thors und Lokis Versuch sie aufzuhalten schlägt fehl und Thor findet sich auf einem seltsamen Müllplaneten wieder, wo ihn der etwas verrückte Grandmaster (Jeff Goldblum) als Gladiator kämpfen lässt. Doch sein erster Gegner ist überraschenderweise sein alter „Kollege“ Hulk (Mark Ruffalo).

Review

„Thor 3“ ist nicht wirklich relevant für die Gesamtstory des MCU, man muss die anderen Filme auch nicht kennen, um seinen Spaß zu haben, aber genau das ist irgendwie verkehrt. Wäre der Charakter Thor seit seinem ersten Film nicht schon immer so eng mit der Gesamthandlung verknüpft, könnte man das noch verkraften, vor allem auch, weil „Thor 2“ wohl mit den ernstesten Film der ganzen Reihe darstellte, war ein wenig mehr Witz und Entspannung überfällig, aber was die Macher zu dieser Gag-Orgie gebracht hat, ist mir echt schleierhaft. Ich werde hier sicher nicht sagen, dass die vorherigen Marvel-Filme so handlungsintensiv waren, aber bei „Thor 3“ wird wirklich jedes interessante Handlungselement in Sprüchen und Gags ertränkt. Davon sind einige richtig gut, einige andere noch durchaus witzig, aber ein Großteil eben absolut überflüssig und insgesamt einfach zu viel.

Wie der englische Titel sagt, geht es hier eigentlich um Ragnarok, den Untergang Asgards. Da wird auch hin und wieder ein kleines Fass aufgemacht, rückblickend betrachtet wurde hier aber nicht wirklich was draus gemacht. Das gilt aber auch vor allem um Marvels ersten weiblichen Bösewicht, von Cate Blanchett einfach großartig gespielt, mit enormem Potential, ebenfalls mit viel Tamtam in den Ring geworfen und dann trotz ihrer Kräfte nicht unbedingt effektiv eingesetzt. Wann auch, die über zwei Stunden wurden ja in erster Linie für Humor, Effekte und noch mehr Humor benötigt. So blieb der wirklich interessante Charakter weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Auch der Gastauftritt von Benedict Cumberbatch als Doctor Strange und die Einführung von Jeff Goldblum als Grandmaster wurden in erster Linie für Slapstick-Einlagen und Sprüchevorlagen genutzt, auch hier wäre mehr drin gewesen. Selbst „Smash“-Hulk wirkte hier noch mehr auf seine Dummheit und seine Gekloppe reduziert, gar nicht zu sprechen von seinem eigentlichen Ich Bruce Banner, der sein dämliches Verhalten sogar wörtlich verteidigen muss, dass es nämlich auf die lange Zeit als Hulk zurückzuführen wäre. Ob aus der von Tessa Thompson gespielten Sauf-Walküre noch ein ernst zu nehmender Charakter werden kann, bleibt abzuwarten. Allein Idris Elba als Heimdall ist der letzte Charakter, der offensichtlich nicht in die Verwitzungsfabrik geschickt wurde und so die wenigen düsteren Szenen bereichert.

Ich glaube, der Film hätte mich mit seinem Humor voll mitreißen können, wenn es Regisseur Taika Waititi eben nicht übertrieben hätte. Auch der übermäßige Einsatz von Rockmusik und Synthiesounds im 80er-Stil fühlte sich einfach nicht richtig an. „Thor 3“ war unterhaltsam, als eigenständiger Film vielleicht ein absolutes Action-, Effekt- und Gagfeuerwerk, das sich aber irgendwie trotzdem die ganze Zeit falsch anfühlte.

Wenn nächstes Jahr die „Avengers“ ein weiteres Mal gemeinsam aufeinander treffen, wird man sehen, ob der Gagwahn es selbst bis dahin geschafft hat oder ob man dann sehnsüchtig auf diesen lockerleichten Film zurückschaut, der einen den Pathos der Haupthandlung einen Zeitlang vergessen ließ.

Fazit

Gags, Gags und noch mal Gags! „Thor 3“ hätte der lustigste Film des MCU sein können, wenn er es mit seinen Kalauern im Sekundentakt nicht übertrieben hätte. Wem die Marvel-Reihe bisher immer zu düster und anspruchsvoll gewesen sein sollte, der dürfte hier endlich voll auf seine Kosten kommen. Für alle anderen dürfte der Film sich trotz des fetzigen Soundtracks, der bombastischen Effekte und der schier unerschöpflich laufenden Humormaschine irgendwie nicht richtig anfühlen.

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