Kurz kritisiert 19: Von Jürgen, Conni und Sartana!

Die Liste meiner Kurzkritiken ist immer länger geworden, jetzt versuche ich sie endlich mal abzuarbeiten. Dieses Mal sind ein paar neuere Filme wie „Jürgen – Heute wird gelebt“, „Conni & Co 2“, „Churchill“, „Killing Hasselhoff“, „The Bye Bye Man“, „Zoom“, „Spotlight“, „Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand“, „Equals“, „Song To Song“, „Power Rangers“ sowie die Klassiker „Sartana – Noch warm und schon Sand drauf“, und „Eraserhead“ mit von der Partie.

Jürgen – Heute wird gelebt (D 2017)

Man kann Heinz Strunk mögen oder nicht, er ist in jedem Fall ein Unikat. Nach seinem später auch verfilmten Meisterwerk „Fleisch ist mein Gemüse“ und dem Kultfilm „Fraktus“ folgten noch viele weitere großartige Romane von Strunk, doch erst „Jürgen“ wurde wieder ein Film. Da Strunk auch die Hauptrolle spielt und dabei großartig von Charly Hübner unterstützt wird, macht der Film über zwei ältere Freunde, die nicht gerade erfolgreich versuchen, beim anderen Geschlecht zu landen und die es am Ende sogar auf eine Single-Reise nach Polen verschlägt, wirklich Spaß. Der Roman ist trotzdem etwas besser.

Conni & Co 2 – Das Geheimnis des T-Rex (D 2017)

Nachdem Emma Schweigers erster „Conni & Co“-Film wohl nicht in seinem Sinne war, übernahm Papa Til Schweiger beim zweiten Teil selber die Regie. Auch dieser Film ist ein netter Kinderfilm, hat für mich aber auch nicht viel mehr mit der Vorlage zu tun als der erste Teil. Emma ist eben in erster Linie Emma und nicht Conni, dieses Mal immerhin ab und zu mit roter Schleife. Dafür gibt hier ein Dinoskelett! Aber der Rest plätschert so vor sich hin, tut niemandem weh, aber tut auch nicht not. Vor allem der typische Til-Schweiger-Soundtrack nervt!

Churchill (GB 2016)

Winston Churchill ist sicher eine der interessantesten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, das sollte auch bei einer Verfilmung so rüberkommen. Dieser Film behandelt zwar nur die Tage rund um den Angriff der Alliierten in der Normandie, aber Churchill selber kommt nicht wirklich gut weg. Er war sicher ein schwieriger Mensch, aber so wie Brian Cox ihn hier spielt, müsste er weinerlicher, engstirniger und weltfremder Mensch gewesen sein, der um alles den Angriff in Frankreich verhindern wollte. Neben der befremdlichen Darstellung Churchills zieht sich der Film unheimlich und ist einfach nicht interessant. Da helfen auch die schönen Aufnahmen der englischen Küste nicht. Hoffen wir mal, dass Gary Oldman in der gleichen Rolle nächstes Jahr in „Die dunkelste Stunde“ mehr überzeugen kann.

Killing Hasselhoff (USA 2017)
Nicht zuletzt in seiner Serie „Hoff The Record“ hat David Hasselhoff gezeigt, wie gut er darin ist, sich selber auf die Schippe zu nehmen. Dass dieser Film über einen Versager, der in einer Wettrunde darauf gewettet hat, dass David Hasselhoff als nächster Star das Zeitliche segnet und dann dabei nachhelfen will, keine Granate werden würde, war klar. Doch als Hasselhoff-Fan kann man ihn auch mal nebenbei laufen lassen. „The Hoff“ bekommt hier auf jeden Fall die Chance, sein Kultimage völlig überzogen auszuleben, was ihm in der Neuauflage von „Baywatch“ so gar nicht gegönnt wurde. So funktionieren immerhin ein paar der Gags ganz gut, aber wer mit Hasselhoff nichts anfangen kann, sollte von diesem Film ganz klar die Finger lassen.

The Bye Bye Man (USA 2016)

Und wieder Horrorfilm-Massenware mit einem immerhin recht unheimlichen Monster, dazu aber mit einer doch zu schlichten Grundhandlung. Um die böse Kreatur in Schach zu halten, darf man nicht an es denken und seinen Namen niemals jemand anderem nennen, sonst wird der auch heimgesucht. Dann gibt es böse Visionen, die die Betroffenen gerne mal zu Kurzschlusshandlungen führen, bei denen es dann hier und da den nächsten Toten gibt. Das klingt irgendwie nicht so knülle, ist es auch nicht. Da helfen auch Doug Jones und Carrie-Anne Moss nicht weiter.

Zoom – Good Girl Gone Bad (KAN 2016)

Wenn ein Film schon mit seiner seltsamen Handlung überzeugen kann, dann aber auch erzählerisch alle Grenzen springt, dann ist das schon etwas Besonderes. Der Film mit Alison Pill, Jason Priestley, Tyler Labine und Gael García Bernal handelt in erster Linie von einer Frau, die Sexpuppen herstellt, und gerne größere Brüste hätte, die sich nach der Operation jedoch als eher hinderlich erweisen. Nebenbei zeichnet sie Comics über einen Regisseur, einem Womanizer, dem sie eben mal den Penis schrumpfen lässt. Der Regisseur dreht wiederum einen Film über ein Model, das lieber Schriftstellerin wäre. Ihr erster Romanentwurf handelt von einer Frau, die Sexpuppen herstellt, und gerne größere Brüste hätte… Der Film ist verrückt, frech und die verdrehte Handlung macht richtig Spaß. Auf jeden Fall ein Geheimtipp!

Spotlight (USA 2016)

Dieser Film über eine Gruppe Journalisten, die trotz heftigen Widerstands wegen Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ermitteln und dabei ungeahnte Dimensionen von Vertuschung und Duldung von pädophilen Neigungen entdecken, ist trotz des mit Michael Keaton, Mark Ruffalo, Rachel McAdams und Liev Schreiner hochkarätig besetzten Casts völlig an mir vorbei gekommen. Neben der hochbrisanten, auf einer realen Geschichte beruhenden Handlung und den wirklich toll spielenden Darstellern ist der Film zudem wirklich sehr spannend inszeniert. Mit welcher Macht sich die katholische Kirche widersetzt und welche Ausmaße die Vorwürfe immer mehr annehmen, führt einem wieder vor Augen, wie man mit übermäßiger Macht immer wieder seine dunklen Seiten vertuschen kann und im Fall der katholischen Kirche diese sogar in gewisser Weise akzeptiert. Ein toller Journalistenfilm mit einem brisanten, interessanten Thema!

Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand (D 2016)

Wer schon den „Hundertjährigen“ mochte, der bekommt hier eine nette Fortsetzung voller weiterer verrückter Gestalten und Geschichten mit dem besonderen Charme, den eben nur nordische Filme haben. Dieses Mal jagt der alte Mann mit seinen Freunden der verschollenen Formel für eine Superlimonade hinterher, die im Kalten Krieg fast zum Sieg der Russen geführt hätte. An den ersten Teil kommt der Film zwar nicht ran, bietet aber genug verrückte Ideen, um als Fortsetzung noch gut zu funktionieren.

Equals – Euch gehört die Zukunft (D 2016)

Noch so ein Film über eine düstere Zukunft, der letztendlich doch über die eigene Logik stolpert. Kristen Stewart, Nicholas Hoult und Guy Pearce spielen ihre Rollen in der Geschichte über einen Mann und eine Frau, die in einer Zukunft ohne Gefühle plötzlich Zuneigung empfinden und diese geheim halten müssen, zwar solide, aber irgendwie fehlen dem Film wirkliche Gefühle und auch die Handlung will irgendwann nicht mehr so ganz funktionieren. Wie „What Happened To Monday?“ wird hier zwar ein nettes, düsteres Zukunftsszenario geboten, das sich aber trotzdem nicht als Kult etablieren können wird.

Song To Song (D 2016)

Bei einem Musikfilm mit Michael Fassbender, Ryan Gosling, Rooney Mara, Natalie Portman, Cate Blanchett und Val Kilmer hatte ich tatsächlich Großes erwartet, doch Regisseur Terrence Malick ist nicht unbedingt jemand für eine gradlinige Story. So war ich tatsächlich nicht in der Lage, über zwei Stunden wahllos zusammengeschnippelte Aufnahmen von fertigen Leuten und ihren Beziehungsproblemen mitten in der Welt der Musikindustrie zu folgen. Die Aufnahmen sind sicher künstlerisch wertvoll, die Schauspieler kommen absolut echt rüber, aber die Machart war so gar nicht mein Fall! In meinen Augen nur anstrengend!

Power Rangers (D 2016)

Ja, es muss schon Langeweile gewesen sein, die mich dazu getrieben hat, diesen Film zu sehen, doch irgendwie wollte ich sehen, was man aus der grauenvollsten TV-Serie der 90er heutzutage machen würde. Und immerhin spielen Bryan Cranston und Elizabeth Banks mit! Großes Plus für den Film über eine Gruppe Teeanger, die durch magische Ringe aus dem All Superkräfte bekommen, ist ganz klar, dass er besser ist als die Serie. Die war aber so unterirdisch schlecht, dass das leider auch kein positives Urteil ist. So dürfte es keinen geben, dem man diese seltsame Neuauflage empfehlen können dürfte, die nicht nur mit einer miesen Handlung voller Logiklöcher und blödsinniger Wendungen daher kommt, sondern auch den Stars Cranston und Banks nicht unbedingt zu Glanzpunkten in ihrer Karriere verhilft. Also blöd, ja! Hätte man vorher wissen können, jahaaa!

Sartana – Noch warm und schon Sand drauf (D 2016)

Als Fan von „Die Ärzte“ und Bela B. bin ich kürzlich über das geniale Hörspiel „Sartana“ gestolpert, das auf der deutschen Synchro dieses Films basiert. Die kam damals vom Kultmeister Rainer Brandt, dem wir auch die typischen Sprüche aus den Bud Spencer-Filmen verdanken. So musste ich auch die Vorlage mal sehen und hatte auch bei dem bitterbösen, respektlosen Italo-Western mit Gianni Garko meinen Spaß. Wer auf den fiesen Stil des Italowestern steht und für wen eine Brandt-Synchro eine Bereicherung ist, der sollte sich auch diesen Klassiker mal gönnen. Und danach dann Belas Hörspiel! Ich habe mir mit „Sartana kommt…“ dann sogar noch einen weiteren Film aus der Filmreihe angesehen, auch der hat Spaß gemacht.

Eraserhead (D 2016)

Kaum ein Regisseur dreht so absurd wie David Lynch, das gilt nicht nur für seine Kultserie „Twin Peaks“, sondern auch für seine Filme wie „Blue Velvet“, „Mulholland Drive“, „Lost Highway“, „Inland Empire“, alle auf ihre Art genial, aber doch so seltsam und schlecht zu durchschauen, dass die Interpretationsmöglichkeiten unendlich erscheinen. Kürzlich hatte ich mir schon seinen Klassiker „Der Elefantenmensch“ angesehen, mit „Eraserhead“ bin ich jetzt ganz zu seinen Anfängen durchgedrungen. Danach wundert mich allerdings gar nichts mehr, denn schon dieser Film ist so verrückt, völlig abseits der Norm, seltsam langsam, mit verschiedenen Realitätsebenen, psychedelischer Musik,d donnernden Hintergrundgeräuschen und einer so bitterbösen Handlung, die sich einem absolut nicht erschließen will. Der vom Lynch-Veteranen Jack Nance gespielte Hauptcharakter ist ein Sonderling, der aus Versehen seine Freundin schwängert und so in eine ungewollte Rolle als Ehemann und Vater gedrängt wird. Doch vor allem das gruselige Neugeborene, das so aussieht, als wäre es aus einer toten, gehäuteten Katze zusammengebastelt worden, und ständig schrille Schreigeräusche von sich gibt, ist einfach nur Psycho! Als Lynch-Fan hält man auch diesen Horrortrip durch, aber danach würde man den Film doch gerne wieder ungesehen machen. Für alle, die dem Phänomen David Lynch immer noch auf die Spur kommen wollen, ist dieser Film allerdings Pflichtprogramm. Zudem sollte man sich danach mal über die verrückten, jahrelangen Dreharbeiten informieren, alleine das ist schon wieder so verrückt, wie es nur bei einem Wahnsinnigen wie Lynch sein kann.

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