„Justice League“ – Erwartungsgemäß enttäuschend!

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Ok, nachdem „Wonder Woman“ tatsächlich Spaß gemacht hat und nicht dem pathostriefenden, effektüberladenen Stil von Zack Snyders „Man of Steel“ und „Batman v Superman“ gefolgt ist, musste man dem vorprogrammierten Rohrkrepierer „Justice League“ immerhin eine Chance geben, obwohl wieder der Name Zack Snyder auf dem Regiestuhl stand. Erwartungsgemäß banal, langweilig und wieder viel zu düster kam dann aber auch dieses „Avengers“-Gegenstück von DC daher. Offensichtlich hat auch Joss Wheadon nicht mehr viel retten können, der den Regieposten übernahm, als Snyder aus traurigen familiären Gründen aussteigen musste. Warum es jetzt überall heißt, der Film würde mal etwas lockerer daher kommen und sich viele Fans (unfassbarerweise) sogar noch einen Director’s Cut von Zack Snyder wünschen, will sich mir nun gar nicht mehr erschließen. Die wenigen, nicht wirklich lustigen Sprüche gleichen den wieder total übertrieben düsteren Ton des Films kein Stück aus. DC zeigt hier leider erneut, dass man mit Superhelden ohne Charakter und Identifikationsbezug eben nicht wirklich unterhaltsam die Welt retten kann.

Inhalt

Superman (Henry Cavill) ist tot, Batman (Ben Affleck), der erst kurz vor dessen Ende begriffen hatte, dass die Zusammenarbeit mit Superman der richtige Weg war, versucht jetzt, ein Team aller verbleibenden Superhelden zusammenzustellen, um einer erneuten weltgefährdenden Gefahr nicht ungeschützt gegenüber zu stehen. Wonder Woman (Gal Gadot) hilft ihm bei dem Versuch, den langhaarigen, muskulösen Atlanter Aquaman (Jason Momoa), das Result eines missglückten technischen Experiments Cyborg (Ray Fisher) und den superschnellen Flash (Ezra Miller) von der Zusammenarbeit zu überzeugen. Das muss schnell gehen, denn der neue Gegner Steppenwolf (Ciarán Hinds) hat bereits begonnen, die Vernichtung des Planeten in die Wege zu leiten. Für den übermächtigen Gegner würde Batman gerne den Mann aus Stahl wiederbeleben und wagt ein riskantes Experiment.

Review

Wäre „Justice League“ nicht schon voll im Gange gewesen, hätte man sich vom Stil von „Wonder Woman“ vielleicht eine Scheibe abschneiden können, wobei der Charakter vielleicht der einzige aus der DC-Superhelden-Vereinigung ist, der einen ähnlich den Marvelcharakteren sowas wie Sympathie entwickeln lassen könnte. Ben Affleck spielt den Batman wieder zynisch und grummelig wie zuvor, Aquaman ist ein Selbstdarsteller, der außer Frauenherzen schmelzen nicht viel zu bieten hat, Flash versucht als Sprücheklopfer und Jungspund sein Glück, nervt aber fast die ganze Zeit, und Cyborg versucht heulend die Probleme mit seinem Vater zu verarbeiten, der ihn mit außerirdischer Technologie ausgestattet hat. Der Film nimmt sich keine Minute Zeit, die Charaktere sinnvoll einzuführen oder sie irgendwie interessant erscheinen zu lassen. Man fühlt sich wie in den Superhelden-Filmen von früher, in der die Charaktere halt Kräfte hatten und irgendein Bösewicht im Effektgewitter vom Zerstören der Erde abgehalten werden musste. Pathos statt Tiefgang, müde Sprüche statt wirklichem Humor, banale Familienprobleme statt wirklichen Identifizierungsmöglichkeiten.

Versuche ich es mal möglichst positiv: „Justice League“ ist besser als „Man of Steel“ und „Batman v Superman“, die waren aber auch so daneben, dass das nicht wirklich schwer war. Wieso Zack Snyder nach den beiden Filmen weitermachen durfte, bleibt mir echt schleierhaft. Daher sollte man es als Glücksgriff sehen, dass Joss Wheadon immerhin ein wenig Einfluss auf das Ergebnis hatte, immerhin hatte der bei der Konkurrenz Marvel mit „The Avengers“ das Glanzstück abgeliefert, das bei mir die Begeisterung für das MCU überhaupt erst entfesselt hat. Allerdings wirken die Sprüche, die hier wohl als Auflockerung dienen sollen, absolut deplatziert und zünden auch nicht. Da ist die Antwort von Bruce Wayne / Batman auf die Frage, was seine Superkraft ist, nämlich „Ich bin reich!“, schon der gelungenste aus der Sprüchekiste. Man muss den Witzelevel sicher nicht übertreiben wie bei „Thor 3“, aber im MCU sind die Charaktere einfach facettenreicher, sie leben, sie funktionieren, gerade weil man sie zu kennen glaubt, weil bewusst darauf gesetzt wird, dass man sie mag und sich mit ihnen identifizieren kann. Das fehlt hier völlig. Auch Wonder Woman wirkt trotz ihres tollen Solo-Films wieder blass und unspektakulär. Eine Amazone unter unreifen Machos, traurig!

Und auch wenn jetzt viele „Spoiler!“ schreien, die Rückkehr von Superman war auch alles andere als logisch oder gelungen. Da wird völlig sinnlos eine Technologie eingesetzt, die keiner versteht, für einen Moment scheint ein fieser, fauchender Superman dabei rauszukommen, der aber schnell durch das Erscheinen von Lois Lane (Amy Adams) wieder zum Schnurren gebracht wird. Ja, klar, die Liebe rettet alles! Diese Wendung war schon in den 80ern nicht mehr originell!

Kommen wir noch kurz zu den Effekten, die natürlich wieder vollkommen übertrieben zum Einsatz kommen. Erschreckendenerweise sind die aber auch noch wirklich billig und schlecht! Jeder Spezialeffekt wirkt eher wie für ein Computerspiel aus den 90ern als für einen Kinofilm aus dem Jahr 2017!

Ich könnte jetzt noch schnell was zum Bösewicht Steppenwolf sagen, der ebenfalls optisch eher einem Computerspiel zugeordnet werden dürfte, aber auch der hatte nichts zu bieten, seine Beweggründe schwanken zwischen unlogisch und völlig egal, also belassen wir es dabei. Immerhin hat man die peinliche Aktion vermieden, seinen ersten Angriff mit „Born To Be Wild“ zu unterlegen.

Was bleibt also von der „Justice League“? Insgesamt ist dies ein Superheldenfilm nach Schema F. Wer verpasst hat, dass man Superheldenfilme heute eigentlich viel überzeugender umsetzen kann, der kann sich zurücklehnen, sich an billigen Effekten ergötzen, einer lahmen Handlung folgen, nicht wirklich überzeugenen Charakteren zujubeln und über nicht witzige Sprüche lachen. Vor 20 Jahren hätte so ein Film vermutlich auch mich noch in seinen Bann gezogen, heute scheint für DC der Zug abgefahren zu sein. Wie man sich nach der „Dark Knight“-Trilogie von Christopher Nolan wieder so in die zweite Reihe manövrieren konnte, will sich mir einfach nicht erschließen. Ich werde die kommenden Filme aus filmkritischen Gründen natürlich weiter verfolgen, aber mir graut jetzt schon vor Solo-Filmen von Aquaman, Flash oder Cyborg. Da muss schon wirklich ein Genie auf den Registuhl Platz nehmen, um diesen unsympatischen Hackfressen ein wirkliches Format zu geben.

Fazit

Ich habe von DCs neuem Versuch, sich mit dem Erfolgsgegner Marvel im Kino zu messen, schon vorab nicht viel erwartet. Das Resultat deckte sich voll mit meiner Erwartung: Völlig unspektakulär und langweilig, erneut zu düster, trotz deplatzierter Sprüchezunahme, voll mit Charakteren, die einem egal sind, zusammengewürfelt in einer Handlung, die so banal heute niemanden mehr überzeugen dürfte. Vielleicht wird „Justice League“ ein letzter Weckruf für DC, immerhin scheint der Film ja tatsächlich weit hinter den Erwartungen zurück zu bleiben, vielleicht ist er auch der endgültige Anfang vom Ende. Vielleicht kann ein zweiter „Wonder Woman“-Film noch punkten, aber ansonsten freue ich mich dann doch eher wieder auf den nächsten „Avengers“-Film!

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