„Fargo“ – Staffel 3 zeigt Ewan McGregor in groteskem Doppelrollenspiel

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Nachdem die anthologisch erzählte Serienversion des Coen-Klassikers „Fargo“ in Staffel 1 Martin Freeman und Billy Bob Thornton als ungleiche Widersacher im Jahr 2006 gegeneinander hat antreten lassen, hat Staffel 2 das erste Blutbad um Fargo herum im Jahr 1979 verarbeitet. Die dritte Staffel – wieder mit komplett neuen Figuren und eigenständiger Geschichte – führt uns diesmal ins Jahr 2010 und spinnt die merkwürdige Geschichte um das ungleiche Zwillingspaar Ray und Emmit Stussy, beide von Ewan McGregor gespielt. Das Gerüst der einzelnen Staffeln ist langsam erkennbar, und doch kann die Serie auch ein drittes Mal überzeugen.

Inhalt

Emmit Stussy (Ewan McGregor) wird als „Parking Lot King of Minnesota“ gezeigt, als erfolgreicher Immobilienmogul sowie Familienvater. Seine Bruder Ray (Ewan McGregor) hat es weit weniger gut getroffen: Nach der Schule ging es für ihn nur noch bergab. Als übergewichtiger Bewährungshelfer mit lichtem Haar hadert er mit seinem Schicksal und macht seinen Bruder Emmit für sein Unglück verantwortlich. Sein einziges Glück sieht er in der Kriminellen Nikki Swango (Mary Elizabeth Winstead), die ihn anscheinend trotz seiner Unpässlichkeiten liebt. Der Bruderzwist wird jedoch erst richtig angefeuert, als der schmierige V. M. Varga (David Thewlis) in die Stadt kommt, was alsbald auch die örtliche Polizistin Gloria Burgle (Carrie Coon) auf den Plan ruft …

Review

Die erste „Fargo“-Staffel war ein unerwarteter Serien-Coup, der trotz neuer Figuren und neuer Geschichte sein hohes Niveau in der zweiten Staffel aufrechterhalten konnte. Umso gespannter war man, ob das auch ein drittes Mal klappt. Und das tut es durchaus – wenn auch mit kleineren Abstrichen. Die „Fargo“-DNA ist sofort greifbar, und das liegt nicht nur an der unverkennbaren Visualität von winterlichen, tristen Staßen um eine Kleinstadt.

Denn so langsam kristallisiert sich ein typisches Schema für die Serie heraus: Traurige, aber eigentlich unschuldige Gestalten werden plötzlich in kriminelle Machenschaften gezogen, denen sie allerdings nicht gewachsen sind. Dabei geraten sie in Kontakt zu abgebrühten Profi-Kriminellen von außerhalb, die unerwartet die Kleinstadt auf den Kopf stellen und eine eigene Agenda verfolgen. Die Dorfpolizei ist unwillig und unfähig, nur ein Mitarbeiter kämpft für die Gerechtigkeit gegen seine Vorgesetzten an.

Dieses grobe Handlungsgerüst wird auch für die dritte Staffel angewandt, wodurch leichte Ermüdungserscheinungen auftreten und die fesselnde Unvorhersehbarkeit etwas nachlässt. Gerade zur ersten Staffel gibt es doch so einige Parallelen. Und doch fesselt einen auch die dritte Staffel nach einer Eingewöhnungszeit, denn sie kann durchaus auch eigene Akzente setzen.

Das liegt insbesondere wieder einmal an den großartig skurrilen, aber nicht unglaubhaften Figuren sowie den fantastischen Darstellern, die diese verkörpern. Allen voran natürlich Ewan McGregor, der gleich beide Hauptfiguren der Serie so gut spielt, dass man von Anfang an Ray und Emmit als zwei unterschiedliche Personen wahrnimmt. Die Illusion, dass es sich um zwei verschiedene Figuren handelt, klappt nicht nur durch das unterschiedliche Äußere, sondern McGregor spielt die beiden so nuanciert, dass sie durchgehend klar unterscheidbar sind. Gerade bei dem abgehalfterten Ray verlässt McGregor dabei auch mal seine typischen Routinen.

Aber auch alle anderen machen ihre Sache wirklich gut: Mary Elizabeth Winstead als Rays sexy, undurchsichtige und abgebrühte Freundin Nikki Swango, Carrie Coon als idealistische Polizistin, die mit ihrem eigenen Leben zu kämpfen hat, oder Michael Stuhlbarg als Emmits enger und vertrauter Partner. Doch wirklich herausragend ist David Thewlis als mysteriöser Geschäftsmann Vargas. Vergessen ist der freundliche Remus Lupin – Thewlis verkörpert Varga nicht nur äußerlich als eine der abstoßendsten Figuren, die man jemals im Fernsehen sehen konnte. Diese widerliche Gestalt bringt einen in einigen Szenen – passend nach ihrer ekelhaften Brechroutine – fast selbst zum Übergeben. Wer eine solche Wandlungsfähigkeit zeigt, ist einfach ein überragender Schauspieler. Wie u. a. Freeman und Dunst in den Vorgängerstaffeln, zeigt Thewlis hier, was er noch so alles draufhat.

Neben diesen komplexen, interessanten und teils einfach absurden Figuren und Figurenpaaren hat die verworrene Handlung erneut jede Menge Absurditäten und schwarzen Humor zu bieten. In Sachen Gewalt, Situationskomik oder Skurrilität steht die dritte Staffel den zwei Vorgängern in nichts nach. Und so fiebert man letztlich doch dem zwangsläufig eskalierenden Finale entgegen.

Neben raffinierter Figurenzeichnung und Handlungsprogression ist auch die technische Brillanz zu betonen. Auch die dritte „Fargo“-Staffel erreicht in Sachen Kamera, Ton, Setdesign und Schnitt Höchstniveau. Diesmal mit leichtem Grünton wird erneut die „Fargo“-Stimmung eingefangen und traumhaft gut visualisiert. Und so wird auch die dritte Staffel zu einem in sich abgeschlossenen, stimmigen Gesamtkunstwerk, das einen zwar nicht mehr so unerwartet mitreißt wie seine Vorgänger, aber nach wie vor ausgesprochen gut unterhält.

Also geht das Warten auf eine weitere Staffel wieder los, wobei eine solche ungewiss ist: Denn trotz des Erfolgs wurde eine 4. Staffel von „Fargo“ bisher nicht angekündigt. Die Showrunner haben bestätigt, dass diese erst realisiert werde, wenn man eine gute Idee habe. Momentan wird daran aber nicht besonders intensiv gearbeitet. Falls eine vierte Staffel kommt, wird man darauf also diesmal deutlich länger warten müssen.

Fazit

Auch „Fargo 3“ bietet ein sehr hochwertiges Serienerlebnis. Erneut gelingt das coeneske Storytelling mit schrägen, wenngleich glaubhaft tiefgründigen Charakterzeichnungen und einer absurden Crime-Handlung, die mit viel makabren Einfällen zur unausweichlichen Gewalteskalation führt. Das sehr hohe technische und darstellerische Niveau lassen einen zufrieden auf eine weitere Staffel hoffen.

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