„Dark“ – Erste deutsche Netflix-Produktion ist düster!

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„Babylon Berlin“ hat gerade erst gezeigt, dass auch in Deutschland Serien in internationalem Format gedreht werden können, da präsentiert auch Netflix seine erste deutsche Produktion, die ebenso ein internationaler Erfolg werden dürfte. „Dark“ mag zwar in Grundzügen an „Stranger Things“ erinnern, hat aber trotz entführter Kinder, Mystery-Grusel und seiner 80er-Komponente eigentlich gar nichts mit der US-Serie gemeinsam. Denn hier ist alles düster, alle Charaktere haben dunkle Geheimnisse, Sympathieträger sucht man fast vergebens und sowas wie auflockernder Humor wurde ersatzlos gestrichen. Stattdessen gibt es ein wirklich konfuses Puzzle über mehreren Zeitebenen, ein mysteriöses Höhlensystem, ein Atomkraftwerk und dazu sehr viele Lügen. Die Mysteryserie versteht es, einen mit seinem Mindfuck-Konstrukt bis zum Finale bei der Stange zu halten, mit einer einzigartig düsteren Optik und tollen Bildern und einem wahrhaft depressiven Sound. Die Serie erinnert in vielerlei Hinsicht an „Donnie Darko“, der Zeitreise-Aspekt hier ist zudem sehr interessant und spannend und letztendlich sogar ziemlich rund. „Dark“ mag mit seiner Düsternis zwar insgesamt schon etwas übertrieben, ist aber in jedem Fall sehenswert!

Inhalt

Als in der deutschen Kleinstadt Winden 2019 ein Junge auf mysteriöse Weise verschwindet, ist das nur der Anfang. Tote Vögel fallen vom Himmel und häufige Stromausfälle sorgen für eine spürbare Anspannung bei allen Bewohnern. Als als nächstes der kleine Sohn von Polizist Ulrich Nielsen (Oliver Masucci) verschwindet, versucht dieser energisch mit Kollegin Charlotte Doppler (Karoline Eichhorn) den Vorkommnissen auf die Spur zu kommen. Doch das ist nicht leicht in einer Stadt, in der jeder so einige dunkle Geheimnisse und Leichen im Keller hat, auch das weit abgesperrte Atomkraftwerk wirft viele Rätsel auf. Der Schüler Jonas Kahnwald (Louis Hofmann), dessen Vater sich vor kurzem das Leben genommen hat, findet heraus, dass alles in Verbindung mit einem Höhlensystem nahe der Stadt steht und alles in ähnlicher Form schon mal passiert ist, nämlich 33 Jahre zuvor im Jahr 1986.

Review

Dass es eine Verbindung zwischen dem Jahr 2019 und 1986 gibt, wird schnell klar, doch die Serie ist gut darin, einem immer wieder Happen hinzuwerfen, sodass man sich zwar wieder näher an der Auflösung fühlt, aber im nächsten Moment merkt, dass man das große Ganze immer noch nicht geblickt hat. Alles hängt zusammen, alles ist verbunden, aber wie und warum ist hier das Mysterium. Und selbst, wenn man die Verbindung sieht, bleiben trotzdem viele Fragen offen. „Dark“ fordert den Verstand und bietet ein Konstrukt, das alle Logik zu sprengen scheint, und doch greift letztendlich alles ineinander. Wer Lust auf einen wirklich düsteren Zeitreisethriller hat, für den ist „Dark“ absolutes Pflichtprogramm.

Ich weiß, ich verwende den Begriff „düster“ wirklich oft, aber der ist eben wirklich Programm hier, was auch der Serientitel schon andeutet. Egal, in welcher Zeit, in der Stadt Winden ist es immer trotzlos, dunkel und regenerisch, selbst wenn die Sonne scheint, ist es gefühlt nicht hell. Dazu gibt es zwar viele Charaktere, aber wirklich keiner davon ist sauber, alle verschweigen sich etwas, alle sind über dunkle Geheimnisse aus der Gegenwart oder der Vergangenheit miteinander verbunden, und trotzdem ist der Cast wirklich toll. Neben der grandiosen Optik, die fast immer nur dunkle Brauntöne mit ein paar herausstechenden Farbnuancen kombiniert und dem (manchmal fast schon zu bedeutungsschweren) bitteren Sound, lebt auch diese Serie von den Schauspielern. Auch hier nimmt man recht unverbrauchte Gesichter, keine besetzten Darsteller, für die zudem aufgrund der Zeitebenen tolle jüngere bzw. ältere Gegenstücke gefunden wurden. Und auch, wenn man hier wieder in die Nostalgieschublade greift und vieles 1986 spielt, sind in dieser Serie auch die 80er alles andere als bunt und fröhlich.

„Dark“ ist im Herzen eine deutsche Serie, die Ängste und die Schwere sind typisch deutsch, die Charaktere natürlich auch, trotzdem merkt man der Serie an, dass sie bewusst für die internationale Vermarktung ausgelegt wurde. Interessant ist allerdings, dass man wohl in den USA tatsächlich angefangen hat, deutsche Serien im Originalton mit Untertiteln zu schauen, was dort wohl sogar die Technik vor neue Herausforderungen gestellt hat, schließlich sind Untertitel in den USA tatsächlich noch Neuland. Es ist aber trotzdem toll, dass Serien wie „Dark“, „Babylon Berlin“ oder „Deutschland 83“ dafür sorgen, dass auch deutsche Serien endlich international mithalten können.

Die erste Staffel von „Dark“ ist eine runde Sache, sie könnte so auch für sich alleine stehen, aber die offenen Punkte am Ende sorgen auch hier dafür, dass man schnellstmöglich wissen will, wie es weitergeht. Und in diesem Fall in zweifacher Hinsicht, „wann“ es weitergeht. Aber keine Panik, eine zweite Staffel wurde bereits in Auftrag gegeben.

Fazit

Die erste deutsche Serienproduktion von Netflix ist ein bizarrer Zeitreisetripp, dessen Name „Dark“ wirklich in jeder Hinsicht Programm ist. Die Serie hat aber nichts mit DeLoreans oder Spaß in den 80ern zu tun, hier geht es in erster Linie um die Abgründe in den Menschen und die düsteren Geheimnisse, die alle über die Zeit hinweg miteinander verbinden. „Dark“ ist ein absoluter Geheimtipp, der aber schon sehr speziell ist, dafür aber mit hohem Suchtpotential. Wer einmal angefangen hat, wird schwer wieder aufhören können.

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