„Star Wars: Die letzten Jedi“ – Unvorhersehbarkeit macht noch keinen guten Film

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J.J. Abrams hatte sich mit „Episode 7“ geschickt, aber feige mit einem halben „Episode 4“-Remake aus der Affäre gezogen. Rian Johnsons „Episode 8“ musste nun aber liefern – und er wurde nicht müde zu betonen, dass sein Film ja ach so clever, frisch und unerwartet sei. Doch nach Sichtung des Films muss man feststellen: Der Film macht stellenweise Spaß, liefert tatsächlich kein Nostalgie-Fest ab und traut sich Eigenständigkeit, erfüllt aber sämtliche selbst auferlegte Ziele keinesfalls. Das blutrot als düsterer Mittelteil mit schockierenden Enthüllungen angekündigte Meisterwerk entpuppt sich leider als ambitionierte, aber lückenhaft geschriebene Blockbuster-Massenware, die eine kluge Ausgestaltung der Handlung, Figuren und Mythologie vermissen lässt. Der Film überspielt mit plumpem Slapstick und Effekten, dass er erzählerisch ziemlich planlos herumeiert und wenig zu bieten hat. „Star Wars“ ist zur Disney-Routine geworden – und langweilig.

Inhalt

Während der Widerstand um Generalin Leia (Carrie Fisher), Poe Dameron (Oscar Isaac) und Admiral Holdo (Laura Dern) verzweifelt von der Sternzerstörerflotte der Ersten Ordnung um Supreme Leader Snoke (Andy Serkis) und General Hux (Domhnall Gleeson) durch das Weltall gejagt wird, versuchen Finn (John Boyega) und die Technikerin Rose (Kelly Marie Tran), in einer Geheimaktion eine Chance auf Sieg im anscheinend hoffnungslosen Kampf zu finden. Abseits davon findet Rey (Daisy Ridley) auf dem Wasserplaneten Ahch-To in Luke Skywalker (Mark Hamill) nicht gerade den Lehrer, den sie erwartet hat. Dafür scheint sie eine immer engere Verbindung zu Kylo Ren (Adam Driver) zu entwickeln …

Review

Rezensiert wird hier die 2D-Version im englischen Originalton, zur Synchronisierung kann ich somit nichts sagen. Und hier wird gnadenlos gespoilert! Alle, die den Film noch nicht gesehen haben, sollten die Review also besser nicht lesen.

Planlos ohne Trilogie-Konzept

Zwei Jahre lang wurde der Film als raffinierte Weiterführung von „Force Awakens“ beworben, während die Fans über sämtliche offene Fragen wild spekulieren konnten. Die Schwierigkeit bei „The Last Jedi“ lag also von Anfang an darin, mit diesen vielen losen Enden zufriedenstellend umzugehen und dabei trotz der ganzen Fan-Theorien sogar zu überraschen.

Und es wird leider überdeutlich, dass es überhaupt kein Konzept für eine Trilogie gibt. Das schadet J.J. Abrams und seinem Film im Nachhinein ziemlich, da eindrücklich erkennbar wird, dass hinter den Ansätzen aus „Episode 7“ keine konkreten Ideen gesteckt haben.

Regisseur und Drehbuchschreiber Rian Johnson durfte seine Filmstory ohne jegliche Vorgaben von Disney oder Abrams schreiben, was zwar unerwartet mutig von Disney ist, aber jetzt ziemlich negativ auffällt. Denn er wusste anscheinend mit den vielen offenen Enden des Vorgängers nichts Besseres anzufangen, als sie schlicht abzukappen: Die in „Force Awakens“ angeteaserten Mysterien führt er allesamt ins Nichts, sie werden gar nicht erst aufgegriffen oder unbedeutend abgehakt.

Dass Rian Johnson Snoke mal schnell opfert, ist zwar überraschend und man kann auch dankbar sein, dass er aus ihm nicht einen Imperator 2.0 macht, aber dass er weder erklärt, wer Snoke überhaupt ist, wie er an die Macht gekommen ist, wieso er so stark im Umgang mit der Macht ist und welche Motivation ihn überhaupt antreibt, ist absolut unverzeihlich. Ganz zu schweigen von den Rittern von Ren, die mit keinem Wort mehr erwähnt werden.

Ähnliches gilt für die Auflösung, dass Reys Eltern unwichtige Nobodys sind. Schön und gut, aber dass er damit völlig offen lässt, warum Lukes Lichtschwert in „Force Awakens“ nach Rey ruft und ihr Momente des Skywalker-Vermächtnisses zeigt, oder aber auch nur, warum sie ohne Ausbildung mächtiger im Umgang mit der Macht als alle bisher gesehenen Jedi zusammen ist, hinterlässt einen faden Beigeschmack. Ist das unerwartet? Ja. Macht das den Film zu einem gelungenen Film? Keinesfalls.

„This was a cheap move“ – mit dieser Feststellung von Luke im Film lassen sich die erzählerischen Nicht-Qualitäten und unerwartbaren Twists von „The Last Jedi” ziemlich gut zusammenfassen. Dass Johnson die immerhin liebevoll von J.J. Abrams gestreuten Mysterien ernüchternd simpel abarbeitet, frustriert nicht nur die Fans. Diese können die Erkenntnis mitnehmen, dass sie sich deutlich mehr Gedanken um Antworten gemacht haben, als es die Filmemacher getan haben.

Endlich frische Ideen oder wieder alles abgekupfert?

Und doch muss man loben, dass „The Last Jedi“ eine eigene Identität hat und nicht nur die alte Trilogie kopiert und auf Nostalgie setzt. Plumper Fan-Service wie R2-D2s Leia-Projektion hält sich in Grenzen. „Episode 8“ wagt Eigenständigkeit und traut sich auch unerwartete Entwicklungen. Es ist auch der erste „Star Wars“-Film ohne Lichtschwertduell und ohne den Satz „I have a bad feeling about this“. Rian Johnson bietet neue Ideen und Ansätze, die der Theorie nach gut sind, aber dann leider in der konkreten Ausgestaltung scheitern – nicht zuletzt, da er den Film völlig überfrachtet.

Und dennoch sind einige Parallelen zu „Das Imperium schlägt zurück“ und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ dann doch überdeutlich. Die separaten Handlungsstränge, in denen einerseits die Rebellen ihre Basis aufgeben müssen und verzweifelt vor dem Imperium fliehen, während ein junger Jedi-Anwärter auf einem abgelegenen Planeten ein Jedi-Training beim letzten Jedi auf der Welt bekommt, die Walker-auf-weißem-Grund-Szene oder der Verrat durch eine zwielichtige Figur verweisen klar auf „Episode 5“. Insbesondere das Thronsaal-Verhör inklusive dem Töten des Oberbösewichts durch seine Rechte Hand während einer Jedi-Folterung ist wiederum fast unverändert „Episode 6“ entnommen.

Die neuen Orte um den Casino-Planten Canto Bight, den Salz-Planeten Krait, aber insbesondere Lukes Rückzugsplanet Ahch-To sind schön anzusehen und fühlen sich nach „Star Wars“ an. Auch die Tatsache, dass viele neue Kreaturen vorkommen, passt zum Franchise. Der Umgang mit den Orten und Wesen ist dann wiederum eine andere Sache. Gerade die in der Realität aufwändig umgestaltete Stadt Dubrovnik hat mich als Canto Bight ziemlich enttäuscht, hat man davon in dem ganzen CGI-Überbau kaum mehr etwas erkennen können. Da sahen die Setbilder besser aus als das Ergebnis im Film. Generell musste ein neuer Gesindel-der-Galaxis-Ort (diesmal für die Reichen) nicht schon wieder sein – erst recht nicht auch noch mit der typischen Cantina-Musikuntermalung. Der Ansatz, dass auch der Widerstand von fragwürdigen Quellen mit Waffen beliefert wird, hat jedoch einen angenehm kritischen Blick auf Leias Widerstandskampf ermöglicht.

Stillstand bei der Figurenentwicklung

Doch unabhängig von den Rahmenbedingungen ist die Frage zentral, inwiefern der Film eine gute Geschichte zu erzählen hat, in der sich die Figuren auf interessante Weise weiterentwickeln. Doch trotz der langen Laufzeit und der Zerfaserung in viele Nebenplots entwickeln sich die Figuren kaum weiter.

Finn will sich mal wieder davonstehlen, bis er lernt, dass man uneigennützig für ein höheres Wohl kämpfen kann – die gleiche Entwicklung hat er schon in „Episode 7“ durchgemacht. Dafür bekommt er eine Alibi-Beschäftigung, die für die Haupthandlung unwichtiger nicht sein könnte, und darf Love Interest einer neuen Figur werden, die ihn recht sympathisch begleitet, aber bis zuletzt uninteressant bleibt. Ihr romantisches Love-Finale samt Pseudo-Sterbeszene könnte doofer nicht sein. Für einen Moment hielt ich es für möglich, dass sich Finn tatsächlich Independence-Day-like opfert, und das wäre eine tatsächlich mutige und konsequente Entscheidung gewesen – scheint man eh nicht zu wissen, wie man die Figur sinnvoll in die Haupthandlung einbinden soll.

Einzig Poe Dameron hat eine klare Charakterentwicklung vom Hitzkopf zur Führungsposition: Im Gegensatz zum Vorgängerfilm gewinnt er klar an Profil. Auch wenn man bei seinen Szenen das Gefühl nicht loswird, als dienten sie eben ausschließlich als Daseinsberechtigung für ihn, und nicht, weil sie der Handlung dienen.

Rey bekommt einen halbherzigen Ausbildungsversuch spendiert und wurde an die Dunkle Seite der Macht herangeführt, widersteht ihr aber dann doch wieder und steht am Filmende als mächtige Hoffnungsträgerin da – wie eigentlich schon am Anfang des Films.

Kylo Ren ist wohl die interessanteste Figur der neuen Trilogie und zugleich hervorragend gespielt von Adam Driver, aber leider wird auch er in „The Last Jedi“ kaum weiterentwickelt. Zwei interessante Möglichkeiten hätte es gegeben: Er hätte als Anti-Luke innerhalb der Trilogie all seine guten Seiten verlieren können und zum absoluten Bösewicht werden können (klarer Schritt in die Richtung: das Töten von Han Solo in „Episode 7“), oder er hätte sich von der Dunklen Seite distanzieren und mit Rey zusammentun können (klarer Schritt in die Richtung: sein Verschonen von Leia und das Töten von Snoke).

Und gerade der letzte Ansatz wäre klasse! Es wäre tatsächlich erfrischend gewesen, wenn sich Rey und Kylo Ren wirklich zusammengetan hätten nach dem Motto „Snoke und Luke sind doof und können uns mit ihrem alten Wissen nicht helfen – wir bauen jetzt zusammen etwas ganz Eigenes auf!“. Leider Fehlanzeige. Gänzlich andere Wege traut sich „The Last Jedi“ dann eben doch nicht. Das Teaming von Rey und Kylo Ren im Thronsaal als „graue“ Machtnutzer ist klar der beste Ansatz im Film, wird aber dann wieder verworfen.

Am Ende ist Kylo Ren wieder (wenn auch jetzt als oberster Machtführer) der hin- und hergerissene, weinerliche Möchtegernbösewicht. Auch die Motivationen von Kylo Ren, so sehr zwischen seiner bösen Seite und der sympathischen zu wechseln, bleiben (insbesondere im Thronsaal) unverständlich. Rätselhaft bleibt auch, warum Kylo Ren überhaupt so böse wurde. Ein „Oh nein, mein Meister will mich töten – na gut, dann schlachte ich im Gegenzug halt alle Jedi ab und werde die gesamte Galaxis unterjochen“ ist ziemlich dürftig. Trotz Aufgreifen der Rückblende um Luke und Kylo Ren erfahren wir letztlich auch kaum mehr über ihre Vergangenheit.

Die neuen Figuren Admiral Holdo (Laura Dern) und DJ (Benicio del Toro) bekommen beide einen absehbaren Twist spendiert und sind gut gespielt, bieten aber wenig mehr. Holdo ist immerhin für den eindeutig bestinszenierten Moment des Films verantwortlich, als sie sich per Lichtgeschwindigkeit-Selbstmordattentat opfert. Del Toros DJ hingegen wirkt stark konstruiert, um eine Lando-ähnliche Figur zu imitieren, bleibt aber wie sein absehbarer Verrat ohne Relevanz.

Leia bekommt mehr Zeit als Widerstandsanführerin und funktioniert auch gut in der Rolle. Doch leider bekommt sie auch eine der peinlichsten Szenen des Films: Dass sie erstmals aktiv die Macht benutzen würde, hatte man erwartet. Aber warum zum Teufel ist Rian Johnson auf die Idee gekommen, dies in einer derart peinlichen Szene zu verarbeiten? Sie überlebt allen Physik-Gesetzen zum Trotz im Weltall, um mit einer schlechten Superman-Geste feengleich zum Schiff zurückzufliegen? Und dort durch eine offene Tür zum Weltall – erneut allen Physik-Gesetzen zum Trotz – wieder ins Schiff gelassen zu werden? Herrje, vermutlich der Tiefpunkt des Films.

Und warum hat man Captain Phasma erneut als Nemesis von Finn zurückgeholt, obwohl der Film wahrlich keinen Figurenmangel hat und man wieder nichts mit ihr anzufangen wusste? Wohl der schwächste groß angekündigte Badass-Charakter ever.

R2-D2, C-3PO und Chewbacca sind mittlerweile allesamt nur noch Comic-Relief-Nebenfiguren ohne Funktion, doch leider traut man sich immer noch nicht, sich endlich von ihnen zu trennen. Zumal man mit BB-8 ja auch noch einen weiteren Droiden-Witze-Sidekick hat, der regelmäßig für den ganz besonders feinsinnigen Humor zuständig ist.

Der Umgang mit Luke Skywalker

Doch die klar spannendste Figur ist die von Luke Skywalker. Scheitern oder Erfolg des Films hingen vom Umgang mit Luke zusammen: Dies musste sein großer Film werden. Doch gerade die Handhabung seiner Figur polarisiert die Zuschauer wohl mit am meisten. Und das aus gutem Grund, ist es nicht nur der erste richtige Auftritt von ihm seit 30 Jahren, sondern auch sein letzter. Rian Johnson scheint das zu wissen und gibt Luke auch Raum, allerdings scheint er, um es mit Mark Hamills Worten zu sagen, die Figur von Luke „fundamental falsch verstanden zu haben“.

Endlich wissen wir, was sein kunstvoll am Ende von „Force Awakens“ aufgebauter, schicksalsschwerer Blick bedeutet: Nichts. Er wirft das Lichtschwert für einen müden Gag weg, kennt Rey nicht und hat ansonsten in seiner Abwesenheit nichts gemacht, außer – neuer Lacher – grüne Milch aus Rieseneutern zu pumpen.

Luke Skywalker wird schlichtweg als feige dargestellt. Er hatte keinen wirklichen Grund für sein Verschwinden. Er sieht eine Gefahr darin, Jedis auszubilden, da sie böse werden können. Nun okay, aber dann vielleicht erstmal Kylo Ren besiegen und dann irgendwo rumgammeln? Sowohl sein kurzer Impuls in der Rückblende, Kylo Ren töten zu wollen, als auch sein grundloser Rückzug passen nicht zur Heldenfigur des Luke Skywalker.

Und trotzdem hätte ich mich mit der Entscheidung abfinden können, dass Luke als beschämter, gebrochener Jedi neuinterpretiert wird. Nur leider untergraben seine unpassenden One-Liner auch diesen Ansatz. Dann trainiert er doch Rey (Warum?) und will der Welt doch wieder helfen (Warum?). Aber dabei bloß nicht den Hintern vom Planten bewegen. „Die Zeit der Jedi muss enden“ oder „Du wirst nach mir die letzte Jedi“ sein? Bücher verbrennen oder Jedi-Orden aufrechterhalten? Lukes Figur ist in „The Last Jedi“ nichts Halbes und nichts Ganzes.

Aber dass man weder seine Motivationen ordentlich ausgestaltet, noch ihm einen würdigeren Abgang verleihen konnte, in dem er vielleicht noch ein letztes Lichtschwertduell hätte fechten dürfen und wirklich aktiv ins Geschehen eingreift, ist bedauerlich. Schließlich hat nichtmal er den eingeschlossenen Trupp gerettet, sondern die Glitzerfüchse. Wieso sollte gerade seine Projektionssache nun so motivierend für alle in der Galaxis sein (es war nahezu niemand anwesend)? Warum hat er sich mit gefärbtem Bart dargestellt, sodass für alle Beteiligten klar sein müsste, dass da etwas nicht stimmt? Warum hat er sich für einen Ablenkungsmoment geopfert? Warum hat er die anderen nicht eingeweiht?

Und wo war Lukes grünes Lichtschwert? Warum zeigt er sich im Finale mit seinem bereits zerstörten blauen Lichtschwert? Ich habe mir sämtliche Erklärungen durch den Kopf gehen lassen und habe einfach nichts gefunden. Solche kleinen Unstimmigkeiten durchziehen leider den ganzen Film.

Und dann stirbt er, natürlich unter zwei untergehenden Sonnen. Als wäre dieses Motiv nicht nach 7 Filmen mittlerweile ziemlich totgeritten. Sein Tod an sich ist nachvollziehbar, hat man schon bei „Force Awakens“ festgestellt, dass alle Figuren in Lukes Schatten stehen, sobald er die Leinwand betritt. Ihn sterben zu lassen, damit die neue Generation scheinen kann, macht Sinn. Dennoch schade und eine Verschwendung der Figur. Man hätte wirklich viel mit ihr anstellen können, was effektiver als ihr Auftritt in „Episode 8“ gewesen wäre.

Warum die Macht-Mythologie uninteressanter wird

Generell ändert Rian Johnson das Wesen der Macht mit diesem Film grundlegend. Dass er neue Facetten dieser zeigt – die Macht-Verbindung zwischen Rey und Kylo Ren, Lukes Projektion oder die Fähigkeit von Machtgeistern, in die reale Welt einzugreifen (Yoda erzeugt einen Blitz) – ist ja grundsätzlich mutig und zu begrüßen.

Doch durch das Marketing versprochen wurde einem ein grundneuer Mythologie-Ansatz, der unser bisheriges Verständnis von Jedi, Sith und der Macht allgemein auf den Kopf stellt. Dass bereits mit Snoke und Kylo Machtnutzer eingeführt worden sind, die keine Sith sind (auch nach diesem Film bleibt unklar, worin der große Unterschied liegt), und in „Rogue One“ die Whills eingeführt worden sind, ließ darauf hoffen, dass hinter Lukes „Die Zeit der Jedi muss enden“ eine kluge Idee um die Neuausrichtung des Macht-Gleichgewichts liegt.

Die Rede war davon, dass Luke sämtliche Jedi-Tempel abgeklappert ist und uralte Bücher studiert hat, um etwas Neues zu schaffen. Diese Idee, das Wesen der Macht tiefer zu ergründen und sich vom Jedi-Orden abzuwenden, der oft genug gescheitert ist, ist interessant gewesen. Und dann kommt raus, dass Luke die Bücher nicht einmal gelesen hat. WTF? Er hat also gar nichts ergründet.

Der große Kniff soll anscheinend die Botschaft sein, dass nun jeder mächtig im Umgang mit der Macht sein kann, unabhängig von der Abstammung und der Ausbildung. Nun gibt es einfach (viele?) Leute, die einfach so alles Mögliche durch die Macht können. Dadurch wird das Wesen der Macht aber nicht spannender. An Superhelden-Filmen mangelt es ja momentan wahrlich nicht, doch etwas anderes scheinen die Machtnutzer in „Star Wars“ künftig nicht mehr zu sein.

Und warum Luke Rey schließlich „letzte Jedi nach ihm“ nennt, ist dann völlig rätselhaft – ich denke, es geht doch gerade nicht mehr darum, eine Jedi-Ausbildung zu haben (hatte sie ja auch nicht wirklich)? Welch unausgegorenes Skript.

Auch der Auftritt von Yoda wirkte schließlich unnötig. Erstens sah die Puppe fürchterlich aus, und zweitens fragt man sich, warum er der Crazy-Yoda aus „Episode 5“ ist, den er dort ja nur zunächst als Täuschung für Luke gemimt hat. Yoda hält Luke auf, den Baum zu zerstören, um ihn dann (unter völlig irrem Gelächter) selbst zu zerstören. Achso. Hätte man sich auch sparen können.

2,5 Stunden zerfaserte Handlung mit schwachem Finale

Doch nicht nur einige grundlegende Entscheidungen zur Figurenzeichnung und „Star-Wars“-Mythologie hinterlassen gemischte Gefühle, sondern auch die konkrete Ausgestaltung der Handlung wirkt orientierungslos. Auch dadurch, dass Haupt- und Nebenplot lange ohne Überschneidung nebeneinanderlaufen, um erst wieder in einem Finale zusammenzukommen, das eher antiklimaktisch wirkt und keine Wucht entfaltet.

Reys und Kylo Rens telepathische Machtverbindung (mit erotischen Untertönen) ist wirklich interessant, solange sie weit voneinander entfernt sind. Wird sie auf die böse Seite gezogen oder er auf die gute? Doch nach dem eigentlichen Höhepunkt im Thronsaal wurde der Film immer langweiliger. Kylo Ren war wieder der alte und Rey taucht kaum mehr auf.

Alle spannenden Fragen des Vorgängers sind vor dem Finale auf Crait beantwortet, und zwar unbefriedigend. Die Flucht der Widerstandskämpfer zieht sich ewig (wow, was für Heckschutzschilde!). Auch der ganze Seitenstrang um Finn und Rose auf Canto Bight wirkte unnötig und der Story undienlich. johnson schaufelt so viele Figuren, Orte und Sideplots in den Film, die sogar einzeln betrachtet ihren Reiz haben, aber kann fast kein einziges Element wirklich ausgestalten oder auch nur die einzelnen Elemente zu einem schlüssigen Ganzen zusammenführen. Er versucht das unter dem Thema „Scheitern, um groß zu werden“, aber sein Film bleibt ein unausgegorenes Flickwerk.

Kleinere Logikschwächen wie die Unmöglichkeit, Bomben im Weltall abzuwerfen, kann man ja übersehen. Doch so viel mehr am Skript wirkt halbgar. Dazu gehört auch die gesamte Ausgestaltung des Schlussaktes um die Schlacht auf Crait, die eigentlich gar keine richtige Schlacht ist. Der Widerstand, der ohnehin nur noch aus ca. 10 Leuten besteht, versteckt sich hinter einer riesigen Tür (die erst viel zu spät geschlossen wird, sodass noch ein Raumschiff hindurchkrachen kann). Dann haben die Bösen eine Megakanone aus Todesstern-Technologie (die aber im gesamten Kampf vorher nicht zum Einsatz kam) irgendwie schon direkt auf dem Boden installiert. Der Rasende Falke lenkt alle (!) TIE-Fighter ab und zerstört sie mal eben offscreen, damit die tuckernden Schrottkisten des Widerstands nicht alle sofort zerstört werden. Denn die Walker stehen weitgehend nutzlos rum und können nicht mal dann eines der Schrottschiffe abschießen, wenn es direkt auf sie zufährt oder wenn es dann anschließend Ewigkeiten vor ihrer Nase zum Stehen kommt, weil darin ja gerade Liebesbekundungen stattfinden. Meh.

Das Filmende hinterlässt schließlich nicht nur aufgrund des Todes von Carrie Fisher ein großes Fragezeichen, wie ein schlüssiger dritter Film die Trilogie abrunden könnte. Man hat auch kaum Spekulationsmöglichkeiten für den nächsten Teil. Oder generell Lust auf den nächsten Teil.

Gag-Parade statt düsterem Trilogie-Mittelteil

Trotz Unvorhersehbarkeit wird der Film nicht nur durch die Handlungsschwächen nicht richtig spannend, sondern auch durch das andauernde Durchbrechen einer ernsten Tonalität durch dummen Slapstick. Erschreckend oft werden dramatische Momente durch unpassende Witze zerstört. Der Humor passt oft überhaupt nicht zum Geschehen und strahlt geradezu die Atmosphäre kinderfreundlicher Disney-Cartoons aus.

An erster Stelle sind natürlich die schon im Vorwege gefürchteten Porgs zu nennen, die in erster Linie Disney Merchendise-Masseneinnahmen generieren sollen. Damit ruinieren sie die Atmosphäre der Insel von Luke immer wieder aufs Neue. Man fühlt sich sehr an die Präriehunde in „Indiana Jones 4“ erinnert – und den Kinderhumor der Prequel-Filme und Jar Jar Binks. Dass sich Rian Johnson so sehr in Richtung der Prequel-Filme bewegen würde, hätte wohl keiner erwartet.

Neben den Porgs sorgen auch Chewbacca, die Hüterwesen, sämtliche Szenen mit den verschiedenen Wesen im Casino oder BB-8 für eine gehörige Portion unnötiger Gags, die – für Disneyfilme typisch – mit dem Holzhammer daherkommen. Feinsinnigen Humor gibt es in diesem Film nicht. Selbst der angeblich gebrochene Luke muss One-Liner raushauen und sich im Finale augenzwinkernd den Staub von der Schulter streichen.

Doch noch viel schlimmer ist, dass die Antagonisten in diesem Film geradezu offen lächerlich dargestellt werden. Gleich in der ersten Szene setzt Johnson den Ton auf Lächerlichkeit: Poe macht sich über Hux lustig, während der auch noch vor seiner Mannschaft über den Boden geschleift zur völligen Witzfigur verkommt. Snoke stirbt und Kylo Ren weiß eh nicht, was er will. Insgesamt ist die Erste Ordnung also eine große Lachnummer. Wieso sollte man auch nur einen Funken Angst oder Respekt vor den Bösen haben? Tonal ist gerade der unerwartet comedyhafte Einstieg genauso misslungen wie die Gag-Parade am Anfang von „Episode 3“ und hat mich gleich zu Beginn hart getroffen.

Der Humor ist so stark vertreten, so kindergerecht und so der ausweglosen Lage aller Figuren widersprechend und die dramatischen Momente des Films konterkarierend, dass man sich wirklich fragt, was Rian Johnson sich dabei gedacht hat. Aber denkt man an „Guardians“ oder „Thor 3“, scheint das das neue Ding bei Disney zu sein: Bloß keine zu tiefgründig angelegten Figuren oder Dramatik, sondern buntes Geknall und eine familienfreundliche Spaßparade. „The Last Jedi“ fühlte sich von der Tonalität wie ein Marvel-Film an.

„Star Wars“ ist nun vollständig disneyfiziert

Und genau diese Tonalität hat das irreführende Marketing nicht erwarten lassen! Tiefrot alle Poster, die Titelschrift, ernste Gesichter auf den Plakaten, das Spiel um die Frage, ob Luke böse sei und Rey auf die Dunkle Seite geht, finstere Trailer mit theatralischer Musik – Man hat einen düsteren Trilogie-Mittelteil im Sinne von „Episode 5“ beworben, und eben keine seichte Weltraumoper.

Neben guten Kritiker-Reviews sind die Zuschauer-Bewertungen im Netz momentan überraschend verheerend wie bei keinem andern „Star-Wars“-Film zuvor. Bei RottenTomatoes sind z. B. gerade einmal 56 % der Zuschauer-Bewertungen positiv. Vielleicht kommt Disney ja mit dem Konzept, „Star Wars“ auf belangloses Effektgewitter im Stil der Marvel-Filme zu reduzieren, doch nicht so weit.

Der Film ist nicht mies und hat gute Ansätze, aber er ist ganz bestimmt auch nicht genial und hat auf wirklich vielen Ebenen klar erkennbare Schwächen. Aber man hat das Gefühl, dass es bei „Star Wars“ kaum noch differenzierte Urteile gibt. Zwischen „bester Star-Wars-Film ever“ oder „Rian Johnson hat Star Wars ruiniert“ gibt es auch ein ehrliches „naja, ganz unterhaltsam, aber insgesamt wenig interessant – halt so wie alle Marvel-Filme“, was es in meinen Augen besser trifft.

Es ist nur bitter, dass Ausnahmefilme wie „Blade Runner 2“ trotz guter Kritiker- und Zuschauerwertungen floppen und in Hollywood immer mehr Mainstream-Oberflächlichkeit zu sehen ist. „Star Wars“ hat sich nun von allem Alten befreit und ist zum nimmer endenden Franchise geworden, dessen Haltbarkeitsdatum im künstlerischen Sinne bereits überschritten scheint. Disney spielt ‚safe‘, und fährt seit über 20 (!) Marvel-Filmen ja auch sehr erfolgreich mit dem ewig gleichen bunten Spektakel ohne großen Mehrwert.

Mal sehen, ob der – allen Anzeichen nach – katastrophal scheiternde „Solo“ ein weiterer Dämpfer für das Disney-„Star-Wars“ wird. Finanziell sicherlich nicht.

Fazit

Der Film ist ein solides Blockbuster-Spektakel mit Unterhaltungswert, aber ohne Mehrwert. Wer sich damit zufrieden gibt, kann „Star Wars 8“ sicher genießen. Wer dem Hype auf den Leim gegangen ist und ein kleines Meisterwerk erwartet, wird klar enttäuscht werden. Man kann dem Film und Regisseur Rian Johnson zugutehalten, dass er unerwartete Wege gegangen ist und keine Nostalgie abliefert, aber klug oder auch nur rund ist sein Film leider nicht. „Star Wars 8“ setzt alles auf Anfang, ignoriert weitgehend die in „Episode 7“ angedeuteten Mysterien und legt den Grundstein für künftige Star-Wars-Generationen unabhängig von der Skywalker-Saga. „Star Wars“ ist nun vollständig zum kinderfreundlichen Weihnachtsspaß geworden, von dem man besser keine besonders clevere Story mehr erwarten sollte.

Meine persönliche Erkenntnis nach drei „Star-Wars“-Filmen von Disney lautet: „Star Wars“ scheint unter Disney keine besonders interessante Zukunft mehr zu haben, sondern bietet nur noch oberflächliches Franchise-Kino nach Marvel-Vorbild. „Die letzten Jedi“ ist ein einfach unbefriedigender Film, der keinerlei Interesse an „Episode 9“ oder überhaupt irgendeinem „Star-Wars“-Film mehr weckt.

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3 Kommentare

  1. Klasse Kritik und meine Meinung wird vertreten.
    Nach diesem Film habe ich keine Lust mehr auf star wars.

  2. Gute Kritik!

    Sagt mal – jemand ne Idee was im nächsten Teil aus der Figur der Leia wird? Habe 2,5 Stunden auf den Tod der Figur gewartet… und dann stirbt Luke! Irgendwelche Theorien, nachdem Gesichtsanimation und co. bereits verneint wurden?

  3. Eigentlich kann ich mir keine andere Variante vorstellen, als dass Leia zwischen Film 8 und 9 stirbt und dies dann im Lauftext zu Beginn von Episode 9 steht, eventuell dann mit anschließender Beerdigungszene / Szene am Grab.

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