Kurz kritisiert 20: Von Psychologie, Polka und Prügeln

Dann holen wir doch mal wieder eine Reihe von Filmen nach, die für eine komplette Review nicht gereicht haben, aber trotzdem nicht unerwähnt bleiben sollten. Dieses Mal gibt es Kurzkritiken zu den Filmen „Professor Marston And The Wonder Woman“, „The Limehouse Golem“, „The Polka King“, „Sie nannten ihn Spencer“, „Colossal“, „Once Upon A Time In Venice“, „Happy Deathday“, „Paddington 2“ und „Sharknado 5: Global Swarming“.

Professor Marston And The Wonder Woman (USA 2017)

Hätten sie gewusst, dass der Erfinder von „Wonder Woman“ ein Professor mit Schwerpunkt Psychologie war, der nicht nur zusammen mit seiner Frau einen Lügendetektor erfand, sondern auch mit ihr und einer Schülerin in einer gemeinsamen Dreierbeziehung lebte, die auch Sadomaso und Rollenspiele umfasste? Dieser Film mit Luke Evans, Rebecca Hall und Bella Heathcote widmet sich dem ungewöhnlichen Dreiergespann, ihrer unorthodoxen Beziehung und den gesellschaften Problemen damit, die letztendlich dazu führen, dass William Marston seine psychologischen Erkenntnisse und gleichzeitig seine perversen Fantasien als Basis für eine neue Comicfigur nimmt, die als „Wonder Woman“ zur erfolgreichsten Superheldin aller Zeiten werden wird. Ein interessantes und amüsantes Drama und ein Muss für alle Fans von „Wonder Woman“.

The Limehouse Golem (USA 2016)

Der 1880 in London spielende Kriminalfall mit Bill Nighy und Olivia Cooke über einen brutalen Serienmörder, eine angeklagte Schauspielerin und viele Verdächtige, wirkt leider nur bedingt wie der „Jack The Ripper“-Klassiker „From Hell“. Zum einen gibt man sich zwar Mühe, das alte London aufleben zu lassen, kann hier aber aufgrund des wohl eher schmächtigen Budgets keine wirklich großen Aufnahmen bieten. Auch der Fall selber ist zwar vom Grundsatz her interessant, doch die Auflösung kündigt sich doch schon recht früh an, zudem spielen Bill Nighy und Olivia Cooke zwar solide, aber eben nicht überragend. Letztendlich ist „The Limehouse Golem“ leider nur Mittelmaß und nicht der spannende, düstere Ausflug in das verruchte England des 19. Jahrhunderts, das man erwartet hätte.

The Polka King (USA 2017)

Jack Black hat sich neben „Jumanji“ im Kino recht rar gemacht, hier spielt er in einer Netflix-Produktion den polnischen Geschäftsmann Jan Lewan, der zum erfolgreichen Polka-Star aufsteigt und dabei zahlreiche Menschen um ihr Erspartes bringt. Jack Black mit polnischem Akzent ist auf die gesamte Zeit dann doch etwas anstrengend, auch wenn die absurde und natürlich wahre Geschichte über Lewan, der an allen vorbei mit einem Schneeballsystem so viele Menschen dazu brachte, in seine Visionen zu investieren, obwohl er das ganze geliehene Geld sofort ausgab und so nie die Chance auf eine Rückzahlung bestand. Wie Lewan immer wieder vom selbst geschaffenen Desaster eingeholt zu werden scheint und dann immer noch einen drauf setzt, hat definitiv seine lustigen Momente, ein neues Highlight in Jack Blacks Karriere ist es leider trotzdem nicht.

Sie nannten ihn Spencer (D/A 2017)

Als absoluter Fan der Filme von Terence Hill und Bud Spencer habe ich mich wirklich auf diese Dokumentation über die Legende Spencer gefreut. Die Rahmenhandlung folgt zwei eingefleischten Spencerfans, der eine blond, der andere blind, auf ihrer Odyssee quer durch Europa mit dem Ziel, ihr großes Idol zu treffen. Obwohl die beiden schon sympathisch rüber kommen und irgendwie in ihrer Art und ihrem Verhalten sogar an Hill und Spencer erinnern, kann einen ihre Reise nicht die ganz Zeit mitreißen. Muss sie aber auch nicht, denn die Interviews mit den Weggefährten von Bud Spencer und vor allem die unfassbare Sammlung von Filmausschnitten aus seinen Filmen, bietet so viel nostalgischen Charme, dass der Film unendlich Spaß macht und man sich im Anschluss am liebsten eine Woche einschließen und noch mal alle Filme des Italieners mit dem tiefen Stimme, dem Bart und dem Dampfhammer reinziehen möchte. Es war längst überfällig, dass sich mal ein Film diesem unvergleichlichen Phänomen widmet, das bis heute einzigartig geblieben ist und einen immer noch lachend nach hinten kippen lassen kann. Danke, Buddy, und ruhe in Frieden.

Colossal (USA 2017)

Dieser schwer einem Genre zuzuordnende Film mit Anne Hathaway, Jason Sudeikis und Dan Stevens gehört zu diesen besonderen Filmen, die einen mit ihrer völlig verrückten Idee voll überraschen. Es geht um eine Versagerin, die in ihre Heimatstadt zurückkehrt, während gleichzeitig ein Monster Tokio angreift. Als die Frau feststellt, dass das Monster immer nur dann auftaucht, wenn sie sich an einer bestimmten Stelle im Park aufhält, und dann auch noch die gleichen Bewegungen macht wie sie, trifft sie der Schock. Sie versucht, den in Tokio angerichteten Schaden wieder gut zu machen, doch leider ist sie nicht die einzige, die sich in monströser Form auf der anderen Seite der Welt materialisieren kann. Das klingt bekloppt? Ist es auch! Aber so überdreht und absurd, dass es wirklich Spaß macht. Was nicht zuletzt einer herrlichen verkorksten Anne Hathaway zu verdanken ist.

Once Upon A Time In Venice (USA 2017)

Die großen Zeiten von Bruce Willis sind schon länger vorbei, doch es kommt immer mal wieder ein unscheinbarer Film mit ihm vorbei. So auch dieser Streifen, in dem Willis neben Jason Momoa, Famke Janssen, John Goodman und Thomas Middleditch einen Privatdetektiv spielt, der im sonnigen Venice Beach eigentlich mehr Lust auf Faulenzen als auf echtes Ermitteln hat. Doch ein Sprayer mit perversen Ambitionen, ein geplatzer Drogendeal, eine heiße Gesuchte und ein geklauter Hund sorgen dafür, dass alle Dinge sich irgendwie absurd verwickeln und Willis aus allem seinen Vorteil zu ziehen versucht. Das ist hier und da ganz amüsant, aber letztendlich nicht genug, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben. Vielleicht kehrt Bruce Willis ja demnächst mit dem Actionkracherremake „Death Wish“ zur alten Klasse zurück.

Happy Deathday (USA 2017)

Die „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Thematik ist immer eine amüsante Grundlage, wenn man das auf einen Teenieslasher anwendet, bei dem die eingebildete Hauptperson jeden Tag aufs Neue umgelegt wird und versucht, ihren Killer in ihrer Studentenwelt zu finden, in der eigentlich jeder was gegen sie hat, klingt im ersten Moment auch noch ganz nett. Doch was dann daraus gemacht wird, ist einfach nur dämlich und langweilig, mit einer Auflösung, die so gar nicht passen will. Da kann Hauptdarstellerin Jessica Rothe noch so viel schreien und bitchen, dieser Film ist einfach nur nervig. Wie man den „Murmeltier“-Effekt so vergurken kann, ist mir echt schleierhaft.

Paddington 2 (GB 2017)

Während ich bei der ersten Verfilmung des beliebten Kinderbuch-Bären nur bedingt den Zugang fand, ist die Fortsetzung einfach rundum liebenswert. Wenn Paddington ins Gefängnis kommt, weil man ihn eines Verbrechens beschuldigt, hinter dem eigentlich ein herrlich von Hugh Grant gespielter Schauspieler steckt, dem Paddingtons Ziehfamilie versucht das Handwerk zu legen, dann macht das wirklich Spaß. Neben Grant hat vor allem Brendan Gleeson als missmutiger Gefängniskoch seine besten Momente, der durch den rundum guten Bären natürlich auch sein brummiges Dasein ablegen muss. Der zweite Teil ist ein wunderschöner Film über Ehrlichkeit und Zusammenhalt, dessen warmherzige und mitunter richtig spanndene und actionreiche Handlung eine schöne Reise für die ganze Familie ist.

Sharknado 5 – Global Swarming (USA 2017)

Ich war dieses Mal immerhin so schlau, dieses unterirdische Machwerk im „SchleFaZ“-Gewand zu schauen, ohne Kalkofe und Rütten als Beistand hätte ich den inzwischen fünften Teil der Trashreihe „Sharknado“ wohl nicht mehr durchgehalten. Wie man trotz des Erfolges ein so sinnentleertes Drehbuch voller Logiklöcher und Anschlussfehler zusammenstümpern kann, ist mir wirklich schleierhaft. Hier ist auch nichts mehr kultig schlecht und überdreht witzig, inzwischen tut es nur noch weh. Man versucht schon gar nicht mehr zu hinterfragen, wieso es jetzt schon vor Jahrhunderten Sharknados gab, wieso die Trottelkombo um Ian Ziering und Dumpfbacke Tara Reid das Desaster dann überhaupt mit irgendwelchen antiken Relikten neu über die Erde hereinbrechen lässt, wieso Halbroboter Tara Reid sich von Olivia Newton-John ein Update zur pinken Schlampen-Bionic-Tusse verpassen lässt, wieso ihr Sohn anscheinend wochenlang unbeschadet seine Runden im Supersharknado dreht und und und. Besonders amüsant finde ich noch, dass das ehemalige Matthäus-Liebchen Liliana Nova sogar ihre eigenen Plakate mit Samuraischwert und Latexdress bekam, im Film aber nur ein paar Sekunden im Skidress zu sehen und dann gleich tot ist. Nein, bitte nicht glauben, dass das doch amüsant sein könnte, es ist wirklich nur noch schlimm. Wenn überhaupt, dann bitte nur mit der grandiosen „SchleFaz“-Rahmenhandlung ansehen, die tatsächlich einen Höhepunkt der Tele-5-Reihe darstellt und sogar Gaststars wie Bela B. und Olli Schulz zu bieten hat.

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