„Das Parfüm“ – Perfekt umgesetzt

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parfum.jpgVor nun mehr 20 Jahren wurde „Das Parfüm“ von Süskind geschrieben. Es galt als sehr bekannt und viele Regisseure haben sich in den zwanzig Jahren damit befasst, es zu verfilmen. Kubrick hatte nach mehren Wochen des Planens behauptet, dass dieses Buch unverfilmbar sei. Doch nun wagte es Bernd Eichinger als Produzent, sich dieses Projektes anzunehmen und setzte keinen Coppola und auch keinen Ridley Scott an den Regiestuhl, sondern einen relativ unbekannten deutschen Regisseur namens Tom Tykwer, der bis dato nur „Lola rennt“, „Heaven“ und „Der Krieger und die Kaiserin“ gemacht hat.

Ich wusste nicht, was mich erwartet, gerade bei einem Film nicht, wo die Hauptperson fast gar nicht redet und das Thema des Films das Geruchsorgan ist. Es ist zwar nur ein Film ohne interaktives Geruchserlebnis im Kinosaal, aber dafür perfekt umgesetzt. Es ist fast 1:1 umgesetzt worden, Tykwer besitzt einen guten Sinn für schöne Aufnahmen, die musikalische Untermalung war toll und die amerikanischen wie auch deutschen Schauspieler (Jessica Schwarz und Corinna Harfouch) waren überzeugend, doch allen vorran Ben Wishaw. Ben Wishaw spielt den Hauptdarsteller des Films und überzeugt mit jeder Bewegung, mit jedem Blick, mit jeder Gefühlsregung.

Noch zu sagen sei, dass der Film die Stimmung des Buchs einfängt. Aus meiner Sicht hätte der Film zwar ab 16 sein müssen, aber nun gut. Auf jeden Fall sparen sie nicht und zeigen schonungslos das Geschehen des Buches, übertreiben es aber auch nicht. Gerade bei einer recht frühen Szene des Films, wo der Hauptdarsteller sich über sein erstes Opfer neigt und an ihr riecht, schneiden sie nicht den Rest weg, sondern zeigen, wie er verzweifelt versucht, den Duft beizubehalten, den Duft weiter zu verfolgen, ihn aus jeder Pore von ihr heraus zu atmen, und so verzweifelt und gleichzeitig auch voller Glück ihre Bluse und nachher ihre Hose zerreißt.

P.S. In den Anfängen des Films entwarf im frühen 20 Jh. ein Franzose (glaube ich) sogar so etwas wie ein interaktives Kino, wo passende Gerüche in den Kinosaal strömten. Damals hatte es sich aber nicht durchgesetzt, da der Kostenaufwand nicht in Relation mit dem erhofften Gewinn stand.

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10 Kommentare

  1. Tja, da habe ich „Fluch der Karibik 2“ wohl etwas zu früh zum Highlight des Jahres ernannt, denn für mich verdient diese Bezeichnung jetzt „Das Parfum“. Ich habe vor kurzem das Buch gelesen und war begeistert und gleichzeitig gespannt, wie sie diese originelle Story und die unglaublichen Beschreibungen von Gerüchen auf die Leinwand bringen wollten. Aber schon nach wenigen Minuten war ich nur noch begeistert, für eine deutsche Produktion beeindruckt der Film durch die gigantische Ausstattung, tolle Schnitte und Kameraführung, klasse Sound, fantastische Darsteller, ja, einfach alles, was man sonst nur von großen Hollywood-Blockbustern erwarten würde. Aber zudem hält er sich unglaublich genau an die Buchvorlage und schafft es, Story und Originalität beizubehalten. Ein ganz besonderes Lob an Hauptdarsteller Ben Wishaw und Regisseur Tom Tykwer, die sich beide durch hervorragende Leistungen eine Liga nach oben katapultiert haben sollten.

  2. Tja, ich habe es dann also getan: Mir das Parfüm angeschaut. Ein wirklich schöner Film. Tolle Darsteller, tolle Bilder, Musik, Story, Kamera, alles fantastisch. Um mich aber nicht dem hochtrabenden Lob anzuschließen, ein paar Fragen (habe das Buch übrigens nicht gelesen):
    1. Müsste Jean-Baptiste nicht schon früher gemerkt haben, dass erregte Frauen besser riechen als tote?
    2. Letztlich denken alle Baptiste wäre ein Engel oder ein Messias. Ist das unsere Reaktion auf das Erscheinen eines Boten Gottes? Wie essen ihn auf? Na super, dacht ich’s mir doch!
    3. Nach einem Versuch braucht man minstestend drei bis vier Stunden, um aus einer Frau den Duft zu gewinnen. Ist da der Frauenduft nicht schon dem Totenduft gewichen? (Funktioniert übrigens echt – Ein Hund findet den Geruch aus einer großen Menschenmenge heraus)
    4. Hat euch die Orgien-Szene nicht auch an Woodstock erinnert? Jetzt wissen wir endlich, was Country Joe and the Fish damals in ihre Gitarre geträufelt haben!
    Und noch ein comment zu Bateman: Trau den 12jährigen mal mehr zu! Die Kiddis sind heute keine Kiddis mehr. Die können das ruhig sehen. Die schlagen sich doch meist selbst mit solchen Sorgen herum. Das hilft bei der Initiation!

  3. der film ist allein aufgrund der außergewöhnlichen thematik ansprechend. und er war technisch wirklich gut gemacht und konnte faszinieren. aber ich fand, dass er teilweise längen hatte und man durch den trailer etwas anderes erwartet hat – eine originelle mordgeschichte („das parfum – die geschichte eines mörders“). dieser part begann aber erst nach etwa 80 minuten des films. man merkt stark, dass die handlung aus einem buch stammt und wenig geändert wurde, denn für einen film war das ganze ein wenig ungeradlinig. dass er zum schluss noch einmal sein erstes opfer vor augen hat, fand ich sehr gut (verbindungselemente der einzelnen abschnitte), aber wie ich gehört habe, war das beispielsweise eine änderung für den film. und auch dieser film war mal wieder (wie fast alle neuen filme) unnötig lang – betonung dabei auf unnötig. aber trotzdem: ein guter film!

  4. Ich fand ihn gar nicht unnötig lang in diesem Fall. Er war hart an der Grenze damit, aber bei dieser Thematik war es noch voll okay.
    Ach, stimmt, ich finde es auch sehr positiv, dass sie das Ende mit dem Anfang/Mitte verknüpft haben. Machte wesentlich mehr Sinn!

  5. Mich persönlich hat der Film so in seinen Bann gezogen, dass ich mich über jede Minute gefreut habe, die er länger ging. War sogar verblüfft, er kam mir nämlich wie drei Stunden vor… ok, und das könnte natürlich jemandem, der den Film mit weniger Begeisterung guckt, nicht so gefallen… ;)

  6. Hab den Film nun endlich auch gesehen. Und ich bin sehr begeistert! Also definitiv mein Highlight des Jahres (bis jetzt). Es hat einfach alles gestimmt. Der Sound war beeindruckend, selten in einem so ruhigen Film so vom Bass weggepustet worden. Er war einfach in sich Stimmig. Und obwohl ich auch lieber eine halbe Stunde weniger gehabt hätte, muss ich ehrlich sagen, keine Ahnung, wo und vorallem was man da kürzen könnte. Nur verstehe ich nicht so ganz, warum Pau den Alan Rickman so hoch gelobt hat. Seine Schauspielleistung war in Ordnung und dem Film angemessen, aber er rangiert deshalb noch lange nicht in der Riege von Dustin Hoffman zB.

    Aber alles in allem, ein sehr zu empfehlender Film, kommt auf meine „sollte man gesehen haben“- Liste.

  7. Äh, das Hochloben von Alan Rickman kam von CAT, nicht von mir, ich fand seine Leistung gut, aber nicht übermäßig herausragend…

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