flimmerTEAM goes Buddenbrooks! – Drehbericht –

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So, da ist er nun vorbei, mein großer Tag beim Film! Für einen Tag stand ich als Komparse in der Rolle eines Börsianers zusammen mit Armin Müller-Stahl für die „Buddenbrooks“ vor der Kamera! Zeit für einen großen Drehbericht auf dem flimmerBLOG.

6:45 Uhr – Um die 50 Männer treffen sich in der Ziegelstraße in Lübeck, um als Börsianer eingekleidet zu werden, einer davon bin ich. Da immer nur ein paar Leute gleichzeitig drankommen, beginnt das Warten, von dem heute noch mehrfach die Rede sein wird. Ich bin nach einer guten halben Stunde dran, bekomme meine nach der Kostümprobe noch etwas angepassten Klamotten, werde noch etwas in der Maske zurechtrasiert und geselle mich zurück zu den anderen.

10:00 Uhr – Endlich Abfahrt zum Dreh. Dafür ist extra ein Bus der Lübecker Stadtwerke vorgefahren. Müde fragen wir uns, warum wir nicht alle etwas später hätten kommen können, aber egal, es geht los!

11:00 Uhr – Nach kurzen Erläuterungen der Regie-Assistentin und wieder etwas Warten geht es in die „Gemeinnützige“ in der Nähe vom Koberg, wo ein großer Raum als alte Börse hergerichtet wurde. Vorbei an vielen geschäftigen Leuten, großen Scheinwerfern und viel, viel Kabel finden wir uns an dem Ort ein, wo wir die nächsten Stunden verbringen werden. Der Regisseur begrüßt uns und erklärt uns den Drehablauf, dass wir drei Szenen drehen werden und wie wir uns zu verhalten hätten.

11:30 Uhr – Wow, Armin Müller-Stahl läuft direkt neben mir herum. Toll! Die anderen Darsteller kenne ich nicht. Kurz darauf fällt die erste Klappe. Einstellung für Einstellung wandere ich immer wieder zwischen zwei Tischen hin und her, begutachte Proben von Reis und Kaffee, male Krickelkrackel in ein kleines Buch und tue so, als würde ich mich angeregt mit dem Anbieter unterhalten, laut reden dürfen wir natürlich nicht, wenn richtig gedreht wird.

13:15 Uhr – Fünf Minuten Pause. Schwitzend aufgrund warmer und vieler Klamotten, hoher Sommertemperaturen und zusätzlichen Scheinwerfern und mit schmerzenden Füßen aufgrund nicht ganz sitzender Schuhe bin ich froh über ein paar Minuten Beine ausstrecken und etwas zu Trinken. Aber es geht sofort weiter. Die erste Szene ist noch nicht im Kasten, nach einigen Einstellungen mit einer festen Kamera am Rand des Raumes und mit einer Steadycam mitten im Geschehen, wird jetzt eine Tür ausgehängt, um von draußen einen großen Kamerakran hereinzufahren und eine Aufnahme des Geschehens von oben zu machen. Da wir trotz allem noch zu wenig Komparsen sind, werden wir immer in die Ecken gestellt, die im Hintergrund zu sehen sind. Hmmm, dürfte manchen Schnittfehler geben, aber wer achtet schon auf die unwichtigen Zylinderträger. Die Luft wird auch immer dicker, da viele dicke Zigarren rauchen. Manch einer schon seine vierte, schließlich darf die ja nicht plötzlich fehlen und eine verrauchte Atmosphäre will man ja auch.

14:15 Uhr – Mittagspause. Schon recht erschöpft gehen wir in unseren Aufenthaltsraum, um uns ein wenig Essen reinzuzwängen. Frische Klamotten und passende Schuhe sind weiterhin nicht in Sicht, aber die interessanten Erfahrungen sorgen trotzdem noch für fröhliche Gesichter.

14:45 Uhr – Wir sind schon wieder auf dem Set. In der nächsten Szene stelle ich mich mal an das andere Ende des Raumes mit einer Zeitungsattrappe. Mit ein paar Leute diskutiere ich wieder lautlos über den Verfall der Familie Buddenbrook und werfe wie alle anderen Herrn Müller-Stahl missbilligende Blicke zu, als er durch die Reihen wandert. Steht so im Script, hat er natürlich nicht verdient, aber sein Filmcharakter.

16:15 Uhr – Endlich wieder ein paar Minuten Pause. Meine Füße bringen mich um, und der Rest meines Körpers würde auch gerne einfach nur Umfallen. Tja, die Welt des Films ist hart, und schon ruft man uns wieder ans Set. Ich rechne nach, dass das wohl die dritte und letzte Szene sein müsste, aber sicher bin ich mir nicht. Während die Schauspieler wieder zwischen uns agieren, suche ich mir möglichst Stellen, an denen ich mich anlehnen kann, die letzten Einstellungen verbringe ich auf dem Stuhl des Börsenaufsehers, kritzel mit einer Feder auf Zetteln rum, die ich irgendwelchen Boten in die Hand drücke oder bin am Kokeln mit einem Wachsstift und versuche, ein Siegel auf einen kleinen Stoffsack zu drücken. Klappt nicht ganz, aber egal, gedreht wird ganz am anderen Ende des Raumes.

18:15 Uhr – Nach der letzten Schlussklappe wird noch ein wenig „Börsenatmosphäre“ tontechnisch aufgenommen und wir dürfen zurück in den Aufenthaltsraum. Ich beneide den Teil der Komparsen nicht, die auch noch eine Trauerfeier heute abend abdrehen und mit dem Bus weiter Richtung Burgtor verschwinden. Ich knöpfe erstmal Jacke und Weste auf und ärgere mich wieder, dass ich die Schuhe nicht ausziehen kann, weil die so einen Spezialverschluss haben. Dann gibt es Geld, das ist zwar toll, aber zu Hause auf dem Sofa liegen, wäre noch toller!

19:15 Uhr – Wir sind mit dem Bus wieder in der Ziegelstraße angekommen, allerdings können wieder nur fünf Leute gleichzeitig in ihre Alltagsklamotten schlüpfen. Naja, wenn wir eins gelernt haben heute, dann ist es Warten.

20:00 Uhr – Ich falle zu Hause besinnungslos auf mein Sofa, meine Füße tun weh, von Hitze, zu wenig Trinken und zu viel Zigarrenqualm habe ich Kopfschmerzen, aber alles in allem war es eine interessante Erfahrung.

// Fazit: Ich will nicht mehr zum Film, das war so stressig und gleichzeitig so langatmig. Und die Nichtdarsteller hatten noch viel mehr Stress. Ich weiß jetzt, die Dreharbeiten eines Films sind viel härtere Arbeit, als es in den „Making ofs“ so rüberkommt. Aber trotzdem will ich diese Erfahrung nicht missen, ich sehe Filme nochmal wieder mit anderen Augen. Leider muss ich noch bis Ende 2008 warten, bis „Buddenbrooks – Ein Geschäft von einiger Größe“ ins Kino kommt. Sollte ich dort allerdings nicht zu sehen sein, kommt 2009 noch eine längere TV-Fassung heraus. Und wenn man mich da auch nicht sieht, egal, Dabeisein ist alles!!

Ach ja, wer mal mein komplettes Outfit sehen will, muss nur auf das Bild oben klicken… :)

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4 Kommentare

  1. Glaub ich, dass das anstrengend war. Es wird ja immer gesagt, dass man die meiste Zeit am Set am warten ist… Aber coole Erfahrung!! Aber ich versteh nicht, wieso Du noch nicht bei IMDB gelistet bist. Ich muss da mal nachfragen…

  2. Ich habe einige Jahre Theater gespielt, leider exisitiert es nicht mehr. Beim Lesen fielen mir wieder die Proben ein, die sich oft den ganzen Tag hinzogen und im Kostüm bei Hitze nicht immer leicht waren, z. B. wenn für eine Männerrolle die Oberweite etwas abgebunden werden musste, oder bei Hitze ganz in Schwarz laufen. Bei der Aufführung war es dann vergessen. Ich vermisse das Ganze sehr. Beim Lesen war ich doch neidisch. Wenn ich in Lübeck oder Umgebung wohnen würde hätte ich mich sofort gemeldet, nicht nur wegen eines Schauspielers, den ich besonders mag. Ich hoffe, Sebastian Frey hat später nur gute Erinnerungen an die Drehtage, auch wenn es anstrengend war. Ich denke, die wenigsten wissen, wie hart Schauspieler und Musiker arbeiten. Es sieht leicht aus, darum wird es von vielen wohl auch nicht als richtige Arbeit angesehen, leider.
    Wie gesagt, wäre gerne dabei gewesen.

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