„Wächter des Tages“ – Stärken und Schwächen

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Nachdem der Film in Russland schon Anfang 2006 zu sehen war, ist der Mittelteil der russischen „Wächter“-Trilogie nun auch bei uns in den Kinos. Und obwohl der Film kaum mehr als 4 Millionen Euro gekostet hat, wirkt er deutlich teurer als der erste Teil und überrascht mit Effekten, die schon Hollywood-Niveau haben. Einiges ist besser gelöst als im ersten Teil, anderes hingegen schlechter; insgesamt kann der Film aber leider gerade mal den Unterhaltungswert seines Vorgängers halten.

Inhalt

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Bereits in einer kurzen Inhaltsangabe wird erklärt, dass Svetlana, welche im ersten Film eine eher unterzuordnende Rolle einer Verfluchten gespielt hat, sich der Nachtwache angeschlossen hat und einen ebenso mächtigen Gegenpol zum auserwählten Jungen Yegor darstellt, der für die Tagwache arbeitet. Als Antons Praktikantin kommen sich der immer noch gerne trinkende Moskauer und die Auserwählte näher und verlieben sich ineinander. Zudem gerät Anton unter Mordverdacht und die Kreide des Schicksals bietet ihm die Möglichkeit, sein Leben neu zu schreiben. Doch die Tagwache intrigiert, sodass es schließlich zu einem großen Showdown zwischen den Mächten des Lichts und der Finsternis kommen muss, wobei auch Probleme persönlicher Natur zwischen Antons Liebe und seinem Sohn eine Rolle spielen …

Review

Gleich die Anfangssequenz zweier Streitmächte, die vor langer Zeit in der Mongolei um die mächtige Kreide kämpfen, lässt den Film optisch glänzen und anmutet auch definitiv epischer an als das Intro seines Vorgängers. Diese Fülle an Effekten spiegelt sich im ganzen Film wieder, insbesondere im Finale. Auch an Actionsequenzen mangelt es nicht. Doch die Freude wird getrübt; leider verliert der Film dadurch, denn diese Sequenzen werden meist unnötig eingebracht, teils sogar von Nebencharakteren. Schönes Beispiel ist die Fahrt des Sportwagens an einem Hochhaus, die absolut sinnfrei ist und wie einige andere Szenen eher trashig wirkt. Das gab es bei „Wächter der Nacht“ nicht.

Bis auf Antons Person, die weiterhin Hauptrolle bleibt, kommt es bei diesem Film zu einer völlig anderen Rollenverteilung als in „Wächter der Nacht“: Svetlana ist weibliche Hauptdarstellerin, Tiger und Bär kommen nahezu überhaupt nicht mehr vor, aber Antons Vampir-Nachbar und sein Vater erhalten erstaunlich viel Spielzeit. So auch die Geliebte von Zavulon, dieser selbst und sein „Adoptivsohn“ Yegor. Und hier deutet sich auch schon wieder das Problem an, was dem Vorgänger zum Verhängnis geworden ist: War der erste Teil des Films doch erstaunlich geradlinig und verständlich, verfällt er dann wieder in eine Vielfalt aus Charakteren, Storylines und nicht zuletzt in einen Erklärungsmangel, der teilweise noch mehr stört als im ersten Film. Insbesondere einige Fähigkeiten der Anderen habe ich nicht mehr verstanden (Anton hat keine Visionen mehr, sondern ist Gedankenkünstler und die Eulenformwandlerin kann auf einmal Flugzeuge kontrollieren). Aber prinzipiell war die Charakterfülle nicht mehr ganz so missraten und die meisten haben letztlich irgendwas zur Geschichte beigetragen. Ich habe mich mit den Personen viel eher identifizieren können als im ersten Film und finde auch, dass gerade Anton wirklich gut gespielt hat. Nett ist auch die Idee, wieder altbekannte Personen einzubringen, so die Hexe mit ihrer Spinnenpuppe.

Das Ambiente eines heruntergekommenen Moskaus mit Wohnungen, in denen man sich kaum umdrehen kann, fasziniert wieder wie im ersten Film. Leider gab es nicht mehr ganz so viele Nachtsequenzen; diese haben zu der dunklen, speziellen Atmosphäre des Vorgängers sehr beigetragen.

Schnitttechnisch wirkt der Film nicht mehr ganz so hektisch wie sein Vorgänger, hat aber trotzdem viele optisch gut inszenierte Momente. Aber auch leider einige, bei denen ich im Kino sogar fast lachen musste: Dass eine männliche Person mit einer weiblichen den Körper tauscht, passt dann doch eher in einen „Scooby-Doo“-Film als in ein Epos. Generell waren im Film deutlich mehr humoristische Einlagen als in Film Eins, die leider auch nicht alle zünden wollten. Auch die sehr unstimmige musikalische Untermalung hat für einige Abzüge der Qualität gesorgt: teils extrem schmalzig, dann plötzlich wieder B-Movie-Metall-Gitarrenlärm.

Sehr merkwürdig war das Ende, was einem auch ein wenig Angst für Teil drei macht. Generell sehr überraschend und mit einer tollen Idee, war es für einen mittleren Trilogieteil sehr untypisch und quasi abgeschlossen. Und wenn man weiß, dass die Rechte der „Wächter-Filme“ von Hollywood gekauft wurden und Teil drei in englischer Sprache auf amerikanischem Boden gedreht wird, fürchtet man darum, dass Hauptdarsteller Konstantin Chabenski vielleicht nicht wieder zurückkommen wird. Nunja, ich warte trotzdem auf „Wächter des Zwielichts“ oder, wie er jetzt angekündigt wird, „Wächter der Dämmerung“ (was allerdings keinen Sinn ergibt). Vielleicht wird es ja nicht ganz so schlimm, wie man jetzt vermuten könnte und ein Hauch vor Originalität bleibt.

Fazit

Im Gegensatz zum ersten Teil funktioniert der Film als solcher besser, hat aber in der wieder zerstückelt wirkenden Story mehr Schwächen und peinliche Momente als sein Vorgänger. Optisch hingegen schön inszeniert, durch Erklärungsmangel aber teils noch unverständlicher als Teil Eins.

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2 Kommentare

  1. Auch den zweiten Teil habe ich mit der Einstellung „Joa, lass ich mich mal unterhalten“ angegangen. Ich fand ihn eigentlich ganz gut, allerdings an den ersten Teil kommt er nicht ran. Vorallem diese unnötige Verpulverung von SFX für völlig unnötige Szenen hab ich als störend empfunden. Bestes Beispiel das Auto an der Hauswand. Man kann auch die Tür nehmen oder vllt etwas magischeres, könnt man sich ja ma vorstellen.
    Nunja, außerdem war doch der Sprung vom ersten zu zweiten Teil doch etwas plump gelöst. Ein Erzähler aus’m off erzählt nochma den ersten Film und ohne den geringsten Unterschied schlägt genau dieser auch noch die Brücke zum zweiten Teil, als ob das schon alles längst klar gewesen war.
    Ansonsten wie gesagt… guter Film.

  2. Der erste Teil hatte diesen besonderen russischen Stil, der ihn von anderen Filmen unterschied, der zweite Teil wirkt leider oft schon wie eine halbe Hollywood-Produktion. Die SFX sind zwar deutlich besser als im ersten, aber es stimmt schon, sie sind häufig an den falschen Stellen eingesetzt und wirken selten so gut wie die tollen Bildeffekte und Schnitte im ersten Teil.

    Die Charaktere sind wieder hervorragend gespielt, nur Svetlana geht einem komplett nur auf den Nerv. Frauen werden in Filmen ja gerne auf ihre Schwächen reduziert, bekommen aber fast immer die Chance, diese mit einer großen Leistung wieder auszugleichen. Svetlana hingegen baut nur Scheiße! Erst rennt sie ungeschützt einem Attentäter nach, nur weil da eine arme Oma ist, dann geht sie verbotenerweise ins Zwielicht, dann muss der von aller Welt verfolgte Anton unbedingt mit ihr essen gehen, und schließlich ruiniert sie fast ganz Moskau durch ihre Trottelhaftigkeit. Naja, das hatte sie mit ihrem Joke „Ich verfluche mich mal selber“ ja auch im ersten Teil schon fast geschafft!

    Trotzdem ist der zweite Teil nicht schlecht. Ich schließe mich der bisher vertretenen Meinung an, dass vieles besser gelöst wurde, leider aber vieles auch schlechter.

    Fraglich ist auch, warum man im Vergleich zur russischen Version über 15 Minuten gekürzt hat, ein paar Storylines kommen in der Originalversion deutlich besser heraus.

    Tja, wie wird es jetzt weitergehen? Ich befürchte auch, dass die Amis es nicht schaffen werden, die Atmosphäre und den Stil der ersten beiden Teile beizubehalten. Hoffen wir mal, dass sie nicht erstmal Remakes derselben machen. Für den Chef der Tagwache sollten sie dann mal „Jigsaw“ Tobin Bell ersetzen, da würde kein Unterschied auffallen… ;)

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