„Pornorama“ – Routiniert nett

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Hin und wieder sind deutsche Komödien, meist jene mit Drama-Anteil, wirklich gelungen und durch ihren Realismus oft witziger als ihre albernen amerikanischen Pendants. Auch „Pornorama“ mit dem genialen Untertitel „Die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita braucht’s“ hätte so eine werden können. Der Film war nett, mehr leider nicht.

Der Film ist Ende der sechziger Jahre angesiedelt, auf dem Höhepunkt der sexuellen Revolution. Polizeianwärter Bennie (Tom Schilling) wird von seinem schwer verschuldeten Macho-Bruder Freddie (Benno Fürmann) dazu gebracht, auf den Geldzug der populären Aufklärungsfilme zu springen, um ihm somit aus seiner Misere zu verhelfen. Doch das ganze wird nicht so einfach wie geplant: Bennie ist noch Jungfrau, verliebt sich in Luzi (Karoline Herfurth), die in einer Aktivistenkommune lebt und nichts von seiner Polizeikarriere wissen darf, und sein Bruder organisiert eine Filmcrew, die von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. So spricht die Hauptdarstellerin kein deutsch und will sich nicht mal ausziehen…

Eine nette Idee wurde auch mit guten Darstellern umgesetzt, allen voran Benno Fürmann (nur wegen ihm freue ich mich auf „Warum Frauen nicht einparken können und Männer nicht zuhören“), der dem Film eine Menge gibt. Leider bewies das Drehbuch keine große Feinsinnigkeit und gab nicht so viel her, wie es hätte hergeben können. Die humoristischen Einlagen waren leider spärlicher gesetzt, als man es sich erhofft hätte, insbesondere in der zweiten Hälfte des Films, die dann doch ein wenig in unnötigen Kitsch abdriftete. Trotzdem gab es so einige Lacher, auch bei den Originalaufnahmen der Aufklärungsfilme der 60er: „Die Vagina einer Frau ist so elastisch, dass sie sich jeder Größe eines männlichen Gliedes anpasst. Ah, da kommt der Kaffee!“. Aber alles in allem bleibt der Film kleiner, als er hätte werden können; er wirkt doch recht routiniert abgedreht ohne großartige Besonderheiten. Auch die meisten Charaktere werden klischeehaft eingesetzt und nicht ausgebaut, so z.B. die dummen Polizisten oder der verpeilte Kiffer. Auch hatte ich erwartet, dass mit dem Film die Aufklärungszeit der Sechziger stärker reflektiert wird; sie diente aber nur als Kulisse.

Also: Ein netter Film zum einfach mal anschauen, was insbesondere den Schauspielern, allen voran Benno Fürmann zu verdanken ist, aber die Klasse von „Agnes und seine Brüder“ oder entsprechenden anderen deutschen Komödien kann er nicht halten.

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