„Krieg und Frieden“ von Rosamunde Tolstoi!

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Da ich den im 19. Jahrhundert erschienenen Roman von Leo Tolstoi nie gelesen habe und auch die alten Verfilmungen von 1959 und 1968 nicht kenne, dachte ich mir, es wäre eine gute Idee, den neuen ZDF-Vierteiler zu schauen, der zudem noch damit warb, dass die Zuschauer danach das Buch kennen würden. Schon nach einer halben Stunde hatte ich allerdings das Gefühl, der Roman wäre eher von Rosamunde Pilcher geschrieben worden. Ausstattung, Kamera und Schnitt konnten sich wirklich sehen lassen, aber ansonsten muss man hier wohl eher den Titel „Liebe und Schmalz“ verwenden!

Der Film spielt Anfang des 19. Jahrhunderts und schildert die Zeit des Einmarschs Napoleons in Russland. Erzählt wird aus der Sicht einzelner russischer Adliger, die zu dieser Zeit den Krieg und die Flucht aus Moskau erleiden müssen, aber auch mit schwierigen Liebesbeziehungen und höfischen Ritualen und Sitten zu kämpfen haben.

Ich habe im Anschluss an den Vierteiler mal ein wenig in der Buchvorlage geblättert und fand hier in erster Linie interessante historische und gesellschaftliche Analysen. Hier schien der Krieg allerdings im Mittelpunkt zu stehen, was man von der Verfilmung nicht sagen kann, Kriegsszenarien werden hier kurz abgehandelt, von epischen Schlachten sieht man gar nichts. Die Neuverfilmung konzentriert sich in erster Linie auf zahlreiches Liebesgeturtel und langweilige Frauen-Dialoge. Generell hat man das Gefühl, die Verfilmung sei ausschließlich für Frauen gedreht worden, fast jeder redet nur in schmalzigen Phrasen und selbst in den wenigen Kriegsszenen wird eher romantische Klaviermusik verwendet, anstatt hier endlich mal musikalisch auf den Putz zu hauen.

Auch bei den Darstellern hat man nicht unbedingt für Identifikationsfiguren gesorgt. Hauptdarstellerin Clémence Poésy (Fleur in „Harry Potter 4“) macht ihre Sache als Natasha zwar ganz gut, wirkt aber nur dumm, da sie sich nach zwei Worten Liebesphrasen sofort in jeden Typen verknallt. Auch der deutsche Darsteller, der den Pierre spielt, wirkt von Anfang an wie ein Seppel. Dass ausgerechnet er nachher Natasha bekommt, wird aus dem ganzen Film vorher nicht ersichtlich. Dann haben wir Hannelore Elstner, die als mutternde Glucke ständig für alle die falschen Entscheidungen trifft und einen dummen kleinen Jungen, dem man auch keine Träne nachweint, als er im Krieg fällt, hat er doch vorher eigentlich nur genervt. Natashas große Liebe Prinz Andrej spielt wenigstens gut, während ihre erste Liebelei mehr aussieht, als hätte er einen Biber auf dem Kopf, gut, dass es damals schon Haar-Gel gab. Wirklich Spaß macht nur Malcom McDowell als arroganter, fieser Gutsherr.

Alles in allem zieht sich die Neuverfilmung langweilig über sechs Stunden hin, Spannung will nirgendwo aufkommen und davon zu reden, die Buchvorlage 1:1 umgesetzt zu haben, ist eine Frechheit. Theoretisch glaube ich, das Tolstois Werk deutlich mehr zu bieten hat, aber nach dieser Verfilmung habe ich weder Lust auf das Buch, noch auf eine weitere Verfilmung des Stoffes. Ärgerlich, dass ich mit der offensichtlich schlechtesten Version angefangen habe.

Eine weitere Kritik findet man übrigens auf www.spiegel.de.

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Ein Kommentar

  1. Joa. sehe ich prinzipiell auch so. Habe nur die ersten drei Teile gesehen und diese auch nicht vollständig, allerdings reichten diese auch schon. Unerträglich kitschig und wenig Interessantes bietet dieser Vierteiler.

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