„I’m Not There“ – Die sechs Leben des Bob Dylan

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Bob Dylan ist sicher einer der bekanntesten Songwriter unserer Zeit, ein Biopic war also sicher keine verkehrte Idee. Sich hier eher auf künstlerische Aspekte abseits der Norm zu konzentrieren, ist bei einem Charakter wie dem von Bob Dylan sicher ebenfalls ein interessanter Ansatz. Auch die Idee, Dylan in unterschiedlichen Lebensstadien von unterschiedlichen Schaupielern, u.a. von einer Frau, spielen zu lassen, ist wieder ein grandioser Schachzug. Aber warum hatte ich am Ende des Films das Gefühl, nicht wirklich viel über das Leben von Bob Dylan zu wissen?

Die Schnitte und die künstlerische Gestaltung des Films waren klasse und die Schauspieler einzigartig. Besonders Cate Blanchett war unglaublich, eine Frau, die so gekonnt eine Männerrolle und gleichzeitig eine bekannte Persönlichkeit so großartig in Szene setzt, sollte hier auf jeden Fall ein extra Lob erhalten. Auch gesungen hat sie selber, glaube ich, zuerst hatte ich gedacht, es wäre eine Aufnahme von Bob Dylan. Gesangsmäßig fand ich auch Christian Bale nicht schlecht, aber auch Marcus Carl Franklin, Richard Gere, Ben Wishaw und der kürzlich verstorbene Heath Ledger haben ihre Sache sehr gut gemacht.

Und doch war mir nie klar, ob es sich hier um wirkliche Lebensabschnitte von Dylan handelte oder mehr Metaphern. Das Motto des Films lautete ja auch „Inspired by the many lives and the time of Bob Dylan“, ein wirkliches Biopic wie „Walk The Line“ oder „Ray“ sollte es daher wohl auch nie sein. Aber so fehlte dem Film etwas. Wenn man einen Film über das Leben einer bekannten Persönlichkeit sieht, sollte man ohne Vorkenntnisse an diesen Film herangehen können und danach eine Menge über die Person erfahren haben. Aber da hier jedoch die sechs Handlungsstränge in keiner Form chronologisch gezeigt wurden und ich viele Andeutungen, die Dylan-Fans sicher hätten entdecken können, gar nicht erkennen konnte, war ich trotz der schauspielerischen Leistungen und der tollen künstlerischen Aufbereitung des Stoffs etwas enttäuscht.

Abschließend kann man zwar sagen, dass der Film dem Songwriter künstlerisch ein gelungenes Denkmal setzt, aber inhaltlich kommt einfach nicht genug rüber, um sich wirklich mit Dylan identifizieren zu können und schon gar nicht um danach viel über ihn, sein Leben und seine Zeit erfahren zu haben.

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Ein Kommentar

  1. Das Konzept dieser „Biografie“ ist klasse. Eigentlich ist es keine Biografie, sondern eine Mischung aus realen Lebensfragmenten des Sängers und metaphorischen Einspielungen. Durch die unterschiedliche Personifizierung seiner Lebensabschnitte soll die Vielseitigkeit Dylans dargestellt werden. Der Film will dem Betrachter nichts Wahrhaftiges darstellen, sondern mehr einen Sinneseindruck zu Dylan und seinem inneren Leben erzeugen. Ein sehr experimentelles Projekt, was aber gut umgesetzt worden ist und trotz der einzelnen Abschnitte durch Überschneidungen dieser als Einheit funktioniert. Wenn man weiß, dass vieles nur metaphorisch zu verstehen ist und man so an den Film rangeht, ist er wirklich gut. Ansonsten, wenn man aber eine normale Biografie erwartet, in der Dylan nur von vielen Personen dargestellt wird, wird man enttäuscht. Schließlich weiß man letzten Endes nicht, für was es eine reale Vorlage gab und was erfunden wurde, um eine Persönlichkeit Dylans im übertragenden Sinne herauszuarbeiten. Der Film ist schon ein kleines Kunstwerk mit Raum für Interpretationen (Hin und wieder läuft eine Vogelspinne über’s Bild). Auch wurden die einzelnen Abschnitte (bzw. wohl eher parallel laufende Fassetten) nicht nur mit unterschiedlichen Darstellern besetzt, sondern auch durch völlig unterschiedliche Visualisierung deutlich gemacht. Die ganzen Dylans haben so auch alle einen Pseudonamen. Das alles ist zunächst recht verwirrend, aber wenn man sich darauf einlassen kann, macht es Spaß, sich den Film anzugucken. Schauspielern tun alle übrigens auch wirklich gut, insbesondere Blanchett. Letztenendes muss ich sagen, dass ich es klasse finde, dass man mal sowas gewagt hat. Es es keine Mainstream-Biografie geworden, sondern was anderes, aber Hut ab vor dem Konzept. Ich weiß zwar jetzt nichts von Dylans Biografie, kenne aber seine Facetten und Stadien. Ist doch auch was.

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