„Lauf um dein Leben“ – Kein großer Renner

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Diesmal gab es in der lübecker Sneak-Preview wieder einmal einen deutschen Film zu sehen. Biopics sind groß in Mode, nicht nur von berühmten Persönlichkeiten, sondern auch von bewegenden Einzelschicksalen. Doch diese Biografie schafft es nicht, den erstaunlichen Weg von Andreas Niedrig vom kriminellen Junkie zum Triathleten darzustellen, ohne in dramaturgischen Schwächen zu versinken.

Die aus vier absoluten Taugenichtsen bestehende Clique um Andreas Niedrig will sich keine Gedanken über ihre Zukunft machen, sondern lieber mit Drogen und kriminellen Deals ihrer Langeweile kurzweilige Abhilfe leisten. Doch Andreas versucht schließlich, seine große Liebe zu heiraten, mit ihr ein Kind zu erziehen und mit einem ehrlichen Job ein neues Leben zu beginnen. Doch nur nach kurzer Zeit landet er wieder bei seinen alten „Freunden“ im Drogensumpf und muss mit ansehen, wie die Drogen sich ihre Opfer suchen. Er durchlebt zahlreiche Tiefs und Rückschlage, bis er schließlich versucht, mit Hilfe seines ehemaligen Trainers wieder in Form für einen Marathon zu kommen, den Drogen zu entfliehen und seine Familie zurückzugewinnen.

Als ich erfahren habe, was für ein Film diesmal in der Sneak-Preview läuft, dachte ich nur: „Verdammt, ein Drogen- und Sportfilm interessiert mich so gar nicht“. Aber ich muss zugeben, dass der Film dann doch noch erträglicher war, als ich zunächst befürchtet hatte. Das liegt sicherlich auch mit am Hauptdarsteller Max Riemelt, der die meiste Zeit ganz gut gespielt hat. Selbst Axel Stein hat in seiner ersten ernsten Rolle überzeugen können.

Das große Problem des Films liegt dann allerdings beim Drehbuch und dessen Dramaturgie. Zu oft wirkt der Film bei einigen Szenen unfreiwillig komisch oder klischeehaft. Für die Charaktere wurde sich viel Zeit genommen, wohl schon ein wenig zu viel, denn der Film kommt nicht in Schwung. Ewigkeiten hängt die Drogenclique miteinander ab, ohne dass etwas passiert. Nach zwei Dritteln des Films fragt man sich: „Wann kommt endlich der Wandel? Oder habe ich was verpasst, geht es nicht eigentlich um einen Marathonläufer?“. Dieser Wandel kommt dann tatsächlich noch, allerdings wird hier dann stark gestrafft und der Prozess, um den es in diesem Film doch eigentlich gehen sollte, wird vernachlässigt und schnell abgehakt. Man hat sich auf den Junkie, nicht auf den „Ironman“ Andreas konzentriert.

Als Antidrogenfilm ist der Film sicherlich nicht schlecht, da er auf einer wahren Begebenheit basiert und die Ereignisse um die Drogen damit um so erschreckender sind; für eine Biografie hingegen hat man sich sicherlich zu lange auf das Unwesentliche konzentriert. Somit bleibt der Film nur ganz nett.

Ach ja, und man fragt sich, als zum Schluss ein Bild von Andreas Niedrig eingeblendet wird, wieso man Max Riemelt gecastet hat, Ähnlichkeit ist nicht vorhanden, nicht einmal die Haarfarbe stimmt.

Mein Fazit: Man kann sich den Film gut angucken und das 80er-Jahre-Ambiente wurde glaubhaft inszeniert, allerdings ist der Film streckenweise absolut langatmig und mich persönlich hat einfach auch das Thema nicht besonders interessiert.

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2 Kommentare

  1. Erstaunlich ist es auch noch, dass Uwe Ochsenknecht an zweiter Stelle im Abspann und auf Postern steht und so dermaßen selten vorkommt, was schon wieder an Dreistigkeit erinnert, abgesehen davon, dass es im wirklichen Leben von Herrn Niedrig gar keinen Trainer gab und somit Ochsenknechts Rolle imo in einer realistischen Bio. unnötig ist.

  2. Was kann man da noch sagen? Der „Ironman“-Teil kam halt viiieel zu kurz und wirkte nur lachhaft. „Ich geh paarmal joggen und werd Ironman“ *andenkopffass*. Und sonst nur hin und her zwischen Junkie und „ich würd ja gern aufhören, aber mein normales Leben kotzt mich einfach an“.
    Aber „ich renn ausm Kino“-schlimm war der Film nun auch nicht, allerdings hätte ich dann doch lieber den roten Baron gesehn ^^.
    Mein Fazit: Wer deutschen Film mag kann sich den gern antun.

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