Was ist (Neo-)Noir und was nicht?

Schon vor ein paar Monaten gab es eine eifrige Diskussion zwischen Pau, Threepwood und mir, was genau Noir ist und was nicht. Dabei stellte sich heraus, dass die Ansichten über solch ein Subgenre sehr verschieden sein können.

Ich war damals der Meinung, dass Fragmentstücke des Noirgenres (wie nicht-chronologische Erzählweise, eine böse Hauptperson oder ein abgehalfterter Cop und Ähnliches, oder auch eine sehr düstere Darstellung der Filmwelt) einen Film, wenn er denn ausreichend Fragmente von Noir (bzw. Neo-Noir) haben sollte, ihn zu einem Noirfilm macht bzw. ihn zumindest an zweiter oder dritter Stelle zu einem Noirfilm erklärt. Daher gab es damals eine große Diskussion um den Film „Reservoir Dogs“, der laut meiner Meinung ein Noir sein sollte. Unter Wikipedia findet man unter diesem Thema eine große Tabelle mit Noirfilmen (Ich vertrete zwar immer noch die Meinung, dass Wikipedia sehr ungenau und teilweise sogar falsch ist, aber hier vertritt es mal meine Meinung ;-) ). Zwar kommen hier noch wesentlich mehr Filme in die Noirtabelle rein („Roger Rabbit“, „Blade Runner“ oder „Strange Days“), imo auch Filme, die noch viel weniger Bedingungen für einen Noirfilm haben, aber sie haben meinen „Reservoir Dogs“ immerhin drin.

Seht ihr es ähnlich, dass schon Fragmente ausreichen, damit ein Film in ein Genre wie Noir zählt, oder seid ihr der Meinung, dass nur Filme wie „Black Dahlia“ Noir sind, da sie u. a. noch in der „Noirzeit“ (30er/40er?? Jahre in Amerika) spielen?

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5 Kommentare

  1. Hui, eine Genrediskussion, das kann ja nix werden… „Film Noir“ bezeichnet, wenn man es als Genre sieht (und nicht als Stilrichtung, worüber man sich streitet), lediglich die Noir-Filme des vierten und fünften Jahrzehnts des letzten Jahrhunderts. Welche jetzt genau, darüber diskutiert man auch noch. Was jetzt als sogenanntes „Neo-Noir“ bezeichnet wird, ist noch schwammiger und überschneidet sich mit anderen Genres. Dass „Black Dahlia“, „Hollywood-Verschwörung“ und Co., die dann sogar in jener „Film Noir“-Zeit spielen, als „Neo-Noir“ zu bezeichnen sind, ist vermutlich klar. Was jetzt noch, darüber kann man vermutlich ewig diskutieren und wird nichts finden, was dies vernünftig katalogisiert. Wenn du bei Wikipedia die Listen nach Genres durchgehst, wirst du auch immer wieder Filme doppelt finden, denn normaler Weise hat ein Film immer Aspekte von allen möglichen Genres. „Reservoir Dogs“ und Co. würde ich nicht zu Neo-Noir zählen, auch wenn sie ein paar Aspekte von diesem haben. Ich würde diese Filme als Gangsterfilm, also als Subgenre vom Kriminalfilm, betachten. David Lynchs Filme, insbesondere „Blue Velvet“ und „Inland Empire“, würde ich da noch eher als eine Neuinterpretation vom „Film Noir“ sehen. Dennoch finde ich es prinzipiell schwachsinnig von „Film Noir“ oder eben „Neo-Noir“ zu sprechen, wenn nicht die eindeutigen Klassiker oder eindeutige Anlehnungen an diese gemeint sind. Dafür ist diese Bezeichnung viel zu ungenau. Und von den stärksten Kennzeichen wie Farblosigkeit, Stimme aus dem Off, Großstädte, Zigaretten, Verbrechen, Rückblenden, Regen, Depressivität, Dunkelheit, Spiel mit Licht (Jalousie) etc. treffen bei Reservoir Dogs fast alle nicht zu, insofern finde ich es schwachsinnig, den Begriff „Film Noir“ bei diesem anzubringen. „Pulp Fiction“ wäre da fast noch eher ein Neo-Noir-Film, da die depressive Stimmung da noch eher rüberkommt. Aber wie gesagt, ich würde prinzipiell diese Filme nicht als „Film Noir“ oder „Neo-Noir“ einordnen, sondern höchstens sagen, dass sie einige Aspekte des Film Noir aufgreifen, aber eindeutig Gangsterfilme sind.

  2. Hui zurück! Prinzipiell finde ich auch, dass „Reservoir Dogs“ eher ein Gangsterfilm als ein „Neo-Noir“ ist, dennoch bin ich der Meinung, dass er trotzdem relativ viele Merkmale hat.
    Gerade die unchronolgische Erzählweise, die moralisch zweifelhaften Hauptpersonen, die düstere Stimmung des Films bzw. dessen Ende, gerade das es in einer Großstadt spielt etc.
    Pulp Fiction, finde ich, ist zum Teil mehr Parodie des Verbechergenres bzw. Neo-Noirs, da es sowohl vom Sinn des Films(In „RD“ tragen sie Anzüge, damit alle wegen dem Banküberfall gleich aussehen, bei PF tragen sie Anzüge bzw. Outfits um cool auszusehen) wie auch von den Dialogen, die bei PF auch eher cool teilweise sogar witzig sein sollen(und sind).
    Aber es stimmt schon, dass bei Wiki. da teilweise Filme unter Neo-Noir reingepackt werden, die eher Merkmale des Genres aufweisen. Aber das ist halt Wiki( um nochmal auf die zweifelhafte Begründung dieses Internetportals bei dem Hellblazer/Constantine Thema hinzuweisen ;-) )

  3. Ich weiß nicht, ob dir klar ist, dass es bei Wikipedia (besonders in Deutschland) eine starke Kontrolle der Texte und Autoren gibt. Vielleicht hast du ja auch die Zeilen mit den roten Kästchen gesehen, die darauf hinweisen, wenn ein Text nicht zweifelsfrei richtig ist. Und falls du den Texten nicht glaubst, dann guck‘ auf die Quellenangabe, dann siehst du, woraus die Texte zusammengefasst sind. Natürlich muss man mit einer gewissen Distanz Wikipedia nutzen, aber es es Quatsch zu behaupten, da stehe nur unseriöser Mist. Dass einige Filme doppelt in Genrelisten erscheinen, hat z.B. überhaupt nichts mit Wikipedia zu tun; viele Filme kann man einfach nicht in ein Genre packen, schau mal in der IMDb nach (wenn dir die nicht zu unseriös ist), da stehen beispielsweise auch immer mehrere Genres.

    Und „Reservoir Dogs“ hat ehrlich gesagt kaum mehr Merkmale als andere Filme, insbesondere das triste/düstere ist doch nun nicht vorhanden. Und vor allem fehlen nunmal die wesentlichen Punkte… Zigarretten kommen auch nicht nur in „Film Noir“-Filmen vor… die klaren Merkmale sind nicht vorhanden. Aber wie gesagt, ich lasse mich jetzt auch gar nicht weiter auf die Diskussion ein, da ich sie für generell schwachsinnig halte. Denn ist kein „Film Noir“ gemeint oder eine eindeutige Hommage an diese, ist der Begriff zu schwammig, als dass man irgendeinen anderen Film dazu zählen sollte; Als „Neo Noir“ oder Neuinterpretation kannst du letztlich alles auslegen.

  4. hey, fahr deine Krallen ein. Wenn du dich erinnerst, habe ich Wiki zitiert, dass sie Reservoir Dogs als Neo-Noir gekennzeichnet haben. Was ich auch schon mal bei einer Diskussion behaupetet hatte. Und in diesem Fall gibt mir mein „unseriöses“ Wiki. ja sogar recht mit „Reservoir Dogs“, denn unter wichtige Vertreter des Film Noir bzw. Neo Noir steht Reservoir Dogs drin. Mir ist auch klar, dass man Flme unter mehrere Genres zuordnen kann. Ich habe nie behauptet, dass wiki komplett unseriös ist, aber schön, dass du mein Text falsch auslegst. Also sei dir einig, ist Wiki von Fachleuten, die u. U. eine andere Meinung über das Thema haben oder Wiki ist unseriös und die haben keine Ahnung und du hast recht, denn du hast dich gerade ein bischen selbst widersprochen.

  5. Da du immer wieder darauf rumreitest, dass du Wikipedia für unseriös hälst, interpretiere ich nicht, sondern habe dich nur darauf hingewiesen, dass ich es für unnötig und überzogen halte, dies immer wieder zu behaupten, zumal du selbst Wikipedia zitierst, wenn es auf deiner Seite ist. Anscheinend muss auch ich hier kleinkariert werden und dir deine Zitate vorhalten, da du das tatsächlich anzweifelst:

    „Wikipedia ist nun mal Wikipedia. Irgendne Quelle im I-Net von irgendwelchen Leuten, wo man nicht wirklich weiß, ob die eine Ahnung haben.“

    „Aber das ist halt Wiki( um nochmal auf die zweifelhafte Begründung dieses Internetportals bei dem Hellblazer/Constantine Thema hinzuweisen ;-) )“

    „Ich vertrete zwar immer noch die Meinung, dass Wikipedia sehr ungenau und teilweise sogar falsch ist[…]“

    Ich würde auch nachgeben, wenn ich mein Unrecht sehen würde, damit habe ich kein Problem, aber ich weiß ehrlich nicht, wo ich mich nun wieder selbst wiedersprochen haben soll. Ich darf also wieder meine Sätze umformulieren, um nochmal die gleiche Aussage zu vertreten.
    Wie schon gesagt, muss man natürlich Wikipedia mit Vorsicht genießen, aber diese Übertreibungen kann ich nicht ab. Ich halte Wikipedia für aussagekräftig genug, um es in einer Diskussion als Beleg anzuführen, aber natürlich muss man da vorsichtig sein. Dennoch kein Grund, es dauernd so darzustellen, als wäre das irgendein Blog oder so, den keiner überprüft. Diese Überteibungen kreide ich dir an und habe darum einmal darauf hingewiesen, dass Wikipedia nicht dermaßen unseriös ist, wie du es darstellst.

    „Reservoir Dogs“ wird auch nicht von Wikipedia als „Film Noir“ bezeichnet (bzw. eigentlich sowieso nur Neo-Noir, aber das ist Haarspalterei), sondern wird im Hauptartikel dem „Heist-Movie“ zugeordnet, einem Subgenre des Gansterfilms. Den Film hast du lediglich in einer Liste gefunden, die einige als Neuinterpretation des „Film Noir“, also Neo-Noir bezeichnen könnten. Ich weise hier auch nochmal auf die schwammige bzw. nicht vorhandene Definition eines Neo-Noir-Films hin. Wie auch bereits gesagt, wirst du da eine Menge Filme finden, die ebenfalls in anderen Genrelisten stehen; so wird „Reservoir Dogs“ mit Sicherheit auch bei den Thrillern, Kriminalfilmen etc. stehen. Ist „Forrest Gump“ nun eine Pseudo-Biografie, ein Drama, eine Komödie… er wird überall drin stehen. Also kann man auch nicht behaupten, Wikipedia definiert ihn als Komödie.

    Ich hatte auch eigentlich gedacht, dass wir uns doch prinzipiell einig sind, dass „Reservoir Dogs“ ein Gangsterfilm ist. Also was soll dann noch dieses völlig unsinnige Hin un Her über ein Genre/eine Stilrichtung, die man nicht definieren kann und es auch keinen Sinn macht, Filme, die da eigentlich nicht reingehören, unbedingt ‚reinquetschen zu wollen. So viel von mir zu diesem Thema, das war mein letzter Kommentar in dieser absolut sinnfreien Diskussion.

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