„The Eye“ – Nicht miserabel, aber unnötig

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Mit „The Eye“ ist nun ein weiteres Remake eines asiatischen Horrorstreifens in der lübecker Sneak-Preview gelaufen. Diese erfreuen sich zur Zeit ja großer Beliebtheit, nach „The Ring“, „The Grudge“, „Pulse“, „Dark Water“, „Shutter“ und „The Call“ hat sich Hollywood also erneut ein erfolgreiches Vorbild genommen und es in Amerika nachgedreht, diesmal sogar mit der publikumswirksamen Jessica Alba. Was ist nun also vom Film zu erwarten, eine interessante Neuinterpretation oder ein totaler Flop? Keines von beidem trifft zu, der Film bleibt einfach schlichtweg überflüssig. Man hat sich wenig getraut, die wenigen Änderungen waren eher unglücklich und einen Charakter, der sogar Potential für ein wenig Tiefe hat, mit Alba zu besetzen, war auch ein Fehler. Es ist nicht die schlechteste Neuverfilmung eines asiatischen Horrorfilms, aber dennoch sollte man lieber zum Original greifen.

Inhaltlich geht es um eine junge Blinde, die durch eine Hornhauttransplantation in den erstmaligen Genuss des Sehens kommt. Doch die Freude hält nicht lange an, sie bekommt mehr zu sehen, als sie erwartet hat: feurige Visionen, längliche Monster und eine Menge Geister. Schließlich plant sie, der früheren Besitzerin ihrer neuen Augen auf die Spur zu kommen und hofft somit auf eine Erklärung der Ereignisse.

Zunächst sei noch einmal darauf hingewiesen, wie frech Amerika asiatische Erfolgsrezepte kopiert und bei uns in die Kinos bringt, während das Original mit Glück bei uns eine DVD-Veröffentlichung erlangt. Hollywood nimmt den Originalen jeglichen Erfolg, klaut dreist und ohne Innovation und bleibt dabei meist qualitativ hinter den Originalen auf der Strecke. Es ist ökonomisch sicherlich nicht das Unklügste, auf ein Erfolgsrezept zu setzten und mit fremden Ideen viel Geld zu machen, als sich selber etwas Neues zu trauen, dreist ist es auf jeden Fall.

Die Geschichte von „The Eye“ bietet sicherlich genug für einen guten Horrorfilm, doch die Möglichkeiten wurden nur bedingt genutzt. Man hat weder Innovation bei der Adaption, die nahezu 1:1 stattfindet, gewagt, noch bei der Inszenierung überhaupt. Der Film ist nicht wie „One Missed Call“ miserabel, sondern einfach nur uninspiriert und routiniert. Es gibt keine interessanten Kameraeinstellungen oder unerwartete Wendungen, auch die Dialoge sind ziemlich klischeehaft. Man hat sich weder vom Original entfernt, noch dieses ebenbürtig umgesetzt. Gerade die Sachen, die man hätte besser machen können, wurden nicht geändert. So fragt man sich zum Beispiel gegen Ende, wieso die Hauptperson auf einmal Zukunftsvisionen haben soll, bisher hat sie nur tote Menschen gesehen. Auch der Charakter des Psychiaters bleibt blass und unglaubhaft. Auch wird in dem Film viel zu viel wiederholt, ob es nun die Visionen von Feuer sind oder das Kind mit dem Zeugnis. Dies führt in der Mitte des Films zu ein wenig Langeweile. Auch, dass der Tod durch Tierwesen ausgetauscht wurde, die exakt wie die Aliens aus „Signs“ aussehen und im Finale gleich in ganzen Horden vorkommen, macht den Film nicht unheimlicher. Auch die Szene, in der zwei Räume miteinander verschmelzen, sah im Gegensatz zum Original richtig billig aus, anstatt durch bessere Optik zu glänzen. Dass die Geschichte ein wenig geändert worden ist, finde ich auch unlogisch und weniger überzeugend als im Original, dass kitschige Happy-End ist natürlich auch ein absoluter Absturz zum asiatischen Pendant.

Spoiler zeigen

Das Original von den Pang Brothers aus dem Jahre 2002 hingegen hebt sich auch von den anderen asiatischen Genrefilmen ab. Auffällig ist gewesen, dass der Film fast ausschließlich im Hellen spielt, selbst die unheimlichen Geisterszenen (die im Remake natürlich wieder nachts spielten). Und dennoch hat der Film neben einer interessanten Idee kontinuierlich atmosphärisch überzeugen können, ohne Schockmoment auf Schockmoment folgen zu lassen. Die Stärke des Films liegt sicherlich in der Tatsache, dass man sehr selten Schocks eingesetzt hat, aber der Film insgesamt stimmungsvoll ist. Man hat sich zwar auch hier bei anderen Filmen bedient, aber immerhin Bekanntes schön neu moniert und technisch gelungen auf die Leinwand gebracht.

Klingt so, als könnte ein Remake da noch ein wenig mehr herausholen – aber nein, Hollywood kopiert nur, nutzt das Potential nicht und streut Änderungen ein, die eher stören als gut tun. Die Atmosphäre wird nicht wirklich spannend oder unheimlich, die zum Original stark vermehrten Schockmomente führen zu Verschleißerscheinungen, wirken immerhin meist. Die unheimlichen Szenen des Originals wurden fast alle sogar nahezu schnittgleich übernommen, ohne sie zu erweitern. Jessica Alba beweißt wieder einmal, dass sie mit emotionalen Szenen und Rollentiefe überfordert ist, sie kann beim Zuschauer in keiner Weise auch nur irgendwie Mitgefühl erzeugen oder bei Emotionen überzeugen. Im Gegenteil, wenn sie Eis essend vor dem Fernseher sitzt, wirkt sie durch ihr Overacting sogar unfreiwillig komisch. Wenn sie mit dem Film zeigen wollte, dass sie mehr als nur gut aussehen kann, ist es ihr nicht gelungen. Sie wirkt stets bemüht, nur nützt es nichts.

Angemerkt werden muss auch noch, dass dieses Kinoerlebnis einmalig war, hat das Kino doch tatsächlich zwei Filmrollen vertauscht… Traurigerweise hat man diese fünfzehn Minuten nicht einmal vermisst und hätte sie im Nachhinein sogar gut weglassen können, was den Film ein wenig gestrafft hätte…

Insgesamt kann man also sagen, dass der Film zwar routiniert, aber nicht wirklich schlecht ist, leider aber hinter seinem Potential zurück und nur durchschnittlich bleibt. Für Neulinge im Horrorbereich, die auch das Original nicht kennen, ist der Film vielleicht nicht schlecht. Das Original hingegen gehört zu den innovativeren Vertretern des asiatischen Horrors, kann allemal mehr überzeugen als das Remake und stellt dessen Daseinsberechtigung stark in Frage.

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4 Kommentare

  1. Joa, ich würde den Film auch nicht mehr als „mittelmäßig“ bezeichnen. war ja nett, aber halt auch nicht der burner… gerade der kleine junge nervte… ich musste dabei unweigerlich an die simpsons im auto denken „sind wir gleich? sind wir gleich da?…“ ^^ dass die nun am ende alle gerettet hat – daran konnte ich mich gar net mehr erinnern. gehn die im original nicht alle drauf? ^^ naja, ich fands eh seltsam.

    Dass mit der Filmrolle war ja wohl der Hammer, aber sollte auch wirklich einmalig bleiben. Bei einer Sneak ist es ja noch ok, aber würde das bei „indiana jones“ oder bei „the dark knight“ passieren, würde mich das unheimlich ärgern.
    Ich bin ja immernoch für die Special DVD mit der Lübeck-Version von „The Eye“ ^^

  2. Ja, ein recht überflüssiges Remake. Und die Nummer mit der vertauschten Filmrolle ist schon ein Hammer! Aber vielleicht gibt es ja irgendwann noch ein Remake von „The Eye Infinity“… ;)

  3. The Eye Infinity, na vielen dank ^^

    Ich war ebenfalls recht enttäuscht, gerade vom ende. Wie schon von Gatman angesprochen hat das Original nicht mal Ansätze von einem Happy-End. Aber beim Remake muss natürlich sofort nach alter Hollywood-Manier eins her. Die Botschaft geht verloren, aber hey, Happy-End.

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