„Der Mongole“ – Dschingis Kahns Anfangszeit

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Diesmal gab es in der lübecker Sneak Preview den Historienfilm „Der Mongole“ zu sehen, der das Leben von Temudgin, besser bekannt als Dschingis Kahn, vom Kindesalter bis zu seinem Aufstieg zum Anführer der Mongolen behandelt. Abseits von Hollywood ist der Film schon etwas Besonderes und kann mit einer umwerfenden Landschaft, authentischen Kostümen und Kulissen nahezu ohne Effekte und auch ein paar netten Kampfszenen punkten. Und auch wenn der Film ein paar Mängel hat, lohnt es sich trotzdem, ihn anzusehen.

Als der neunjährige Temudgin sich eine Braut aus einem anderen Mongolenklan aussucht, ahnt er nicht, dass sein Vater kurz darauf getötet wird und Temudgin fortan aufgrund seiner Abstammung gejagt wird. Doch nach vielen Strapazen fängt Temudgin für seine Frau im erwachsenen Alter einen Krieg an und gewinnt diesen. Bis er den Beschluss fasst, die zerstreuten Mongolen zu einen und gegen seinen ehemaligen Blutsbruder in die Schlacht zu ziehen, müssen er und seine Frau jedoch immer wieder in Angst und Gefangenschaft leben…

Dass der Film nicht aus Hollywood kommt, erkennt man schnell; es ist eine Koproduktion aus Deutschland, Kasachstan, Russland und der Mongolei. Dies tut dem Film angenehm gut, allen voran durch die authentische Wirkung. Ob Darsteller, Landschaften, Kostüme oder Kämpfe, bis auf den finalen Kampf gibt es nahezu keine Computereffekte. Besonders beeindruckend sind die vielen Landschaftsaufnahmen der mongolischen Steppe, die prächtig und atemberaubend in Szene gesetzt werden. Fast der gesamte Film wurde in realer landschaft gedreht, was dem Film eine ganz besondere Wirkung verleiht. Es ist ein historisches Epos, das einmal nicht nur auf gigantische Schlachten und Kämpfe setzt, obwohl man auch davon etwas zu Gesicht bekommt, was sich nicht verstecken muss.

Da ich über Dschingis Kahn so gut wie überhaupt nichts wusste, hat mich dieser Historienfilm natürlich sehr interessiert und mir auch ein ganz anderes Bild von Kahn verschafft, als man jetzt vielleicht gedacht hätte. Die Frage ist nun natürlich, wie realitätsnah der Film ist, aber er scheint diese Anfangsperiode im Leben von Kahn sogar geschichtlich recht korrekt wiedergegeben zu haben. Ob Kahn nun wirklich so treu war und mit so guten Vorsätzen an die Mongoleneinigung herangegangen ist, sei als zweitrangig zu betrachten.

Wobei man allerdings bedenken muss, dass eine ganze Trilogie geplant ist; dies ist nur die Anfangsperiode vom Leben Temudgins. Weitere Teile kann ich mir sehr gut vorstellen und freue mich auch darauf, denn gerade sein weiteres Leben dürfte recht spektakulär und interessant werden, wenn es um die Eroberung der halben Welt geht. Mal sehen, wie Kahn sich dann entwickelt.

Was mich jedoch an dem Film ein wenig gestört hat, sind einige Längen, unter anderem am Anfang, und merkwürdige Zeitsprünge. Man hat fast das Gefühl, dass ganze Passagen übersprungen worden sind, das Ganze wirkt wenig aufgebaut, sondern eher fragmenthaft. Bestes Beispiel: Temudgin fasst den Entschluss, die Mongolen zu einigen – Schnitt – er steht mit einem Heer zum letzten Kampf bereit. Schade, dass gerade jener Zeitabschnitt, nämlich das Einen der Stämme, dann übersprungen worden ist und man sich für vieles andere ein wenig zu viel Zeit gelassen hat.

Merkwürdig, dass man über diesen Film kaum etwas hört. Durch seine kleinen Makel ist er sicherlich nicht perfekt, aber durchaus gut, interessant und selbstständig. Wer sich für andere Kulturen oder Geschichtsfilme begeistern kann, ist hier sicherlich gut aufgehoben. Wer ein irrsinniges Effekt- und Schlachtenspektakel erwartet, eher nicht.

Mein Fazit: Es ist einmal ein anderes Historienepos, das Einblicke in eine interessante Kultur und Lebensweise liefert und optisch vollkommen überzeugen kann. Es hätte ruhig noch ein wenig mehr Kämpfe geben können, und die Dramaturgie ließ teilweise doch ein wenig zu wünschen übrig. Aber dennoch ist es ein angenehm realistisch wirkender Film über einen großen Namen der Weltgeschichte.

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5 Kommentare

  1. der film hatte wirklich etwas mühe in schwung zu kommen. vorallem immer wieder diese dejà vu erlebnisse (dschingis wird gefangen – läuft weg – er wird gefangen – läuft weg…) trugen besonders dazu bei. Allerdings konnte der film doch fesseln und ein gewisse spannung erzeugen, obwohl die handlung doch etwas zusammengeschustert und zufällig wirkte. so im großen und ganzen hat mir der film aber ganz gut gefallen. die schlachten waren besonders gut und abwechslungsreich inszeniert.
    also von mir gibts nen „daumen hoch“.

  2. Jo, wir sollten nicht mehr den Fehler machen, immer auf der gleichen Seite die abschreckenden Prognosen zu lesen, die dieses Jahr ja doch zu 97 Prozent falsch waren. Man fragt sich ja manchmal schon, warum der Typ auf seiner Seite immer Filme aufführt, die in Lübeck sowieso eine Preview bekommen und daher auf keinen Fall laufen werden. Ich dachte früher immer, der hätte da Connections, aber offensichtlich würfelt der und prüft das dann nicht mal nach. Naja, blöder sind natürlich Typen wie BATEMAN und PAU, die sich von sowas trotzdem abschrecken lassen! :)

    Aber „Der Mongole“ ist auch deutschlandweit vorher noch nicht gesneakt worden, war also echt ein Überraschungsfilm.

    Wäre ja schön, wenn man sich sicher sein könnte, dass in Lübeck weiterhin tolle Independentstreifen laufen, die man sonst vielleicht übersehen hätte.

  3. Hmm, vielleicht war das Thema für mich jetzt nicht so interessant, aber irgendwie fand ich den Film mitunter recht schleppend. Keine Frage, es gab tolle Aufnahmen und der Film kann locker mit Hollywood-Standards konkurrieren, aber irgendwie konnte er mich nicht wirklich fesseln.

    Mal sehen, wie die Fortsetzungen werden…

    Und schon witzig, dass der Regisseur in einem Interview auf Spiegel.de immer noch der Ansicht ist, sein Film würde in Deutschland in Originalsprache mit Untertiteln laufen. Da hat der Filmverleih wohl anders entschieden und den Regisseur bisher nicht davon in Kenntnis gesetzt. :)

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