„Factory Girl“ – Zu oberflächlich

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Biopics sind zurzeit sehr beliebt. Nun hat es Edie Sedgwick, die quasi das It-Girl-Dasein erfunden hat, erwischt. Der Film stellt den Aufstieg von Sedgwick, ihre Zeit mit Andy Warhol und Bob Dylan und schließlich ihren großen Absturz dar, der in erster Linie von Drogen herrührt. Generell hapert es bei diesem Film jedoch leider an Ideen und Raffinessen, die Geschichte interessant zu machen. Das Gesehene wirkt bekannt, wird recht konventionell erzählt und nutzt das Potential der Figuren, aber auch der Künstlerszene und Zeit kaum.

Inhalt

Die Tochter einer reichen Familie, Edie Sedgwick, zieht in die Metropole New York und lernt dort 1965 den ausgefallenen Künstler Andy Warhol kennen, der auf Anhieb von ihr fasziniert ist. Schnell avanciert sich Sedgwick zur Stil-Ikone: Sie führt als Warhols „Superstar“-Partygirl ein schrilles, glamouröses Leben, bekommt dann aber vermehrt Probleme mit Drogen, sodass auch Warhol sie schnell wieder fallen lässt …

Review

Interessant ist die New Yorker Künstlerszene der 60er Jahre sicherlich, und die Bekanntschaften Sedgwicks mit Andy Warhol, Bob Dylan (dessen Name allerdings nicht erwähnt werden darf) und Jim Morrison sollten eigentlich für einen interessanten Film reichen. Nur leider bleibt die Handlung und die Darstellung der Szene zu oberflächlich und vorurteilsbehaftet. Gerade die berühmte „Factory“ von Warhol war wohl kaum lediglich eine Anhäufung von faul herumliegenden Künstlern, sondern Warhol wird von vielen als Workaholic beschrieben, der mit den anderen Künstlern der „Factory“ den ganzen Tag hart gearbeitet hat. Generell muss man sich auch die Frage stellen, ob Warhol wirklich so kaltblütig und eifersüchtig gewesen ist; ich wage dies zu bezweifeln.

Auch die Drogenthematik ist ja nun schon wer weiß wie oft verfilmt worden, gehört eigentlich fast immer in ein Biopic. Auch hier sehen wir also wenig Neues. Über die Zeit und Künstler erfahren wir wenig, und auch Sedgwicks kurzes Leben wird meist recht langweilig erzählt.

Sienna Miller hat sicherlich nicht allzu schlecht gespielt (teilweise eventuell ein wenig überzogen, grundsätzlich aber gut), vor allem fällt aber die Darstellung von Guy Pearce als Andy Warhol positiv auf. Sie ist zwar schwer zu beurteilen, wenn man (wie ich) nicht weiß, wie Warhol sich wirklich verhalten und bewegt hat, aber so oder so liefert Pearce auf jeden Fall eine eindrucksvolle Leistung ab und zeigt, dass er gut schauspielern kann. Die Maske unterstützt dies. Er ist vermutlich der bedeutendste Grund, warum man sich den Film ansehen sollte. Wie man auf die Idee kommen kann, Hayden Christensen eine Rolle in einem tiefgründigeren Film als „Jumper“ zu geben, weiß ich nicht. Zwar kommt er nicht allzu oft vor, kann allerdings nicht überzeugen. Die Darsteller in „I’m Not There“ haben Bob Dylan deutlich besser verkörpert, Christensen ist für Charaktertiefe einfach nicht in der Lage.

Wer erhofft, mehr über Warhol und seine Kunst zu erfahren, wird nur mäßig bedient; der Film schildert leider in erster Linie eine hervorsehbare Tragödie eines aufsteigenden und fallenden It-Girls. Und da heutzutage eben diese Thematik von Medien ausgeschlachtet wird ohne Ende (siehe Britney Spears, Amy Winehouse und Co.), kann die Handlung kaum faszinieren.

Fazit

Der Film scheint auf der Biopic-Welle mitzureiten, ohne sich allerdings bewusst zu sein, was denn eigentlich mit ihm genau dargestellt werden soll. Man hätte ruhig die New Yorker Künstlerszene klischeefreier, einfallsreicher und weniger oberflächlich darstellen können. So kratzt der Film nur leicht an einer Tiefgründigkeit und zeigt eine Story, die wir so oder ähnlich schon tausendmal gesehen haben, ohne etwas Eigenes dem Film geben zu können. Nicht schlecht gespielt, aber zu konventionell inszeniert.

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Ein Kommentar

  1. Wow, es ist schon beeindruckend mit wie wenig Talent ein Schauspieler ausgestattet sein kann. Dabei hätte Schauspielniete Hayden Christensen doch nur mal Guy Pearce und Sienna Miller zuschauen sollen, die ihre Charaktere wirklich toll gespielt haben. Welcher Idiot hat bloß Christensen mit einer Charakterrolle wie der von Bob Dylan besetzen können?!

    Sienna Miller ist allerdings selber zu sehr „It-Girl“, daher finde ich es immer schwer zu sagen, wie gut sie wirklich ist, sie hat sowohl in „Interview“ als auch in „Factory Girl“ super gespielt, aber eben doch in gewisser Weise sich selber.

    Insgesamt fand ich den Film nicht schlecht, er bietet einen interessanten Einblick in die „Factory“ und das Leben von Edie Sedgwick, aber wirklich mitreißen tut einen der Film nicht. Biopics sind derzeit sehr beliebt, aber manche Personen bieten dann vielleicht doch nicht genug, um einen herausragenden Film daraus zu machen. Andererseits bleibt die Handlung tatsächlich immer so oberflächlich, dass es wohl doch eher auf die Filmemacher und nicht auf die Vorlage zurückzuführen ist. Zudem verliert der Film jedes Mal, wenn der Hayden die Leinwand mit seinem miesen Spiel beleidigt, an Klasse…

    Und krass, dass Bob Dylan versucht hat, den Film zu verhindern, weil er sich an seiner Darstellung und der angedeuteten Mitschuld am Tod von Sedgwick gestört hat.

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