„Wolke 9“ – Sexualität im Alter

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Vor wenigen Wochen veröffentlichte ich auf unserer Seite eine Kritik zu „Sommer vorm Balkon“, nun kommt der neue Film vom Regisseur Andreas Dresen heraus. In „Wolke 9“ geht es um eine klassische Dreiecksbeziehung. Dabei ist das Alter der Charaktere über sechzig und schneidet damit eins der verbliebenen Tabuthemen im Kino an. Mit recht freizügigen Szenen erlebt man hier ein leises Liebesdrama mit älteren Menschen, welches aber wesentlich unausgereifter ausgefallen ist als „Sommer vorm Balkon“.

Inge fängt eine Affäre mit einem Mann an, der über zehn Jahre älter ist als sie und das obwohl sie seit dreißig Jahren mit Werner zusammen lebt. Als Zuschauer erlebt man den Anfang der Affäre und verfolgt Inges zweifelhafte Entscheidungen, was sie mit ihrem Liebesleben machen soll. Sie liebt ihren Werner, doch mit dem neuen Mann kommt etwas Aufregendes in ihr Leben und da spielt ihr Alter auch noch eine wichtige Rolle. Denn Inge ist über sechzig und man muss jede Entscheidung nun umso mehr überlegen.

Der neue Film von Andreas Dresen thematisiert die Liebe im Alter, die Sexualität, Beziehungen und deren Verpflichtungen wie auch den Tod. Das Spektrum ist sehr groß, doch kann „Wolke 9“ dabei leider nicht überzeugen. Die Themen, die angeschnitten bzw. behandelt werden, werden prinzipiell gut dargestellt, allerdings nicht gut umgesetzt. Der Film treibt am Anfang zu sehr und die ewig langen Einstellungen, gepaart mit dem langsamen Erzählfluss und dem spärlichen Handlungsgeschehen sorgen dafür, dass man als Zuschauer schnell die Lust am Film verliert.  Generell hätte man den Film trotz der kurzen Spieldauer straffen können. Man vermisst den Humor und die Leichtigkeit von „Sommer vorm Balkon“ oder man hätte die Szenen spannender bzw. dramatischer gestalten können. Gerade in der Mitte, wo Werner und Inge streiten, wird der Film interessant und kann von der Machart und den Dialogen überzeugen. Leider gibt es davon sehr wenige Szenen und bei den meisten anderen Szenen vermisst man gerade gute Dialoge. Andreas Dresen „Faible“ für Dialoge und eine Regieart, die seine Filme realitätsnah machen, sorgen auch für eine negative Wirkung. Die Dialoge wirken zu langweilig.

Die Schauspieler können allesamt gut spielen, retten damit aber leider nicht den Film. Man muss ihnen aber sehr hoch anrechnen, so weit in ihrer Darstellung zu gehen und sich so nackt und verletzlich zu zeigen. Ein weiteres Problem ist die nicht vorhandene Identifikation mit der Hauptdarstellerin. Sie ist einem, zumindest mir, so unsympathisch, dass es nahezu eine Qual war, ihr Treiben weiter mit Interesse zu beobachten.

„Wolke 9″ist von der Grundidee interessant. Die Auswahl der Themen ebenfalls und die Schauspieler können schauspielern.  Alles andere lässt aber meiner Meinung nach zu wünschen übrig. Rückblickend hätte ich „Sommer vorm Balkon“ statt zwei Sterne lieber drei gegeben, denn „Wolke 9“ ist ein sehr starker Rückschritt, als dass da nur ein Stern zwischen beiden Filmen liegen kann. Es schmerzt ein wenig, deutsche Filme mit interessanten Themen so schlecht zu bewerten und freue mich dafür auf „Im Winter ein Jahr“. Vielleicht wird der endlich viel besser.

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2 Kommentare

  1. Im Nachhinein muss ich einige Szenen denn doch „loben“. Die Inzenierung, wichtige Dialoge/Szenen gar nicht erst zu drehen, sondern erst ab einem gewissen Punkt dem Zuschauer zu zeigen, war nett gemacht. So stieg man bei einem wichtigen Gespräch zwischen Werner und Inge erst am Ende der Enthüllung ein.

  2. Wohl eher ein Film, der mir in 40 Jahren zusagen wird. Ich glaube, Bateman und ich waren auch die Jüngsten in dem Saal… mit Abstand.
    Also im Prinzip gabs aber auch einige tolle Dinge, was die Atmosphäre und den Stil betrifft, doch zog der sich sooo hin, dass er doch sehr am Spaßfaktor verloren hat und man sich nur noch fragte „jo… is bald ende?“
    und naja… ich muss gestehen, ich steh auch nicht so auf diese freizügigen Szenen ^^ Das war dann doch etwas zuviel des Guten. Die Schauspieler waren zwar gut, aber an manchen Stellen war es doch manchmal echt mies, was sie gebracht haben. Aber nur an ein oder zwei kleinen Stellen, wo ich auch nur die Stirn in Falten gezogen habe *g* Naja, is ganz nett maaaal zu schaun, aber nochmal brauch ich mir den nicht antun.

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