„Waltz with Bashir“ – Stilistische Animationsdoku

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In der Osnabrücker Sneak Preview gab es (nach einem „Madagaskar“-Kurzfilm) diesen Montag wohl einen der außergewöhnlichsten Filme der letzten Zeit. „Waltz with Bashir“ behandelt den ersten Libanonkrieg auf sehr unkonventionelle Art und Weise: mit einem Animationsfilm, der einem Zweidimensionalität vortäuscht und absurde mit realen Szenarien vermischt, stets visuell besticht und einen bis zum Ende warten lässt, welchen Weg dieser Film nun eigentlich einschreitet. Und dieses Filmexperiment ist gelungen.

Inhaltlich wird der Regisseur Ari Folman durch einen Traum eines Freundes, der aus den traumatischen Erinnerungen des gemeinsam durchlebten ersten Libanonkrieges herrührt, an ebendiesen erinnert. Er muss schockiert feststellen, dass er sich an diese mittlerweile lange zurückliegende Zeit so gut wie gar nicht mehr erinnern kann und reale mit erdachten Erinnerungen verschmelzen. Daher beginnt er, jegliche Personen aufzusuchen, die eventuell mit ihm damals zusammen den Kriegseinsatz erlebt haben und ihm vielleicht seine einzige Erinnerung an dieses Kriegsszenario bestätigen und erklären können…

Die Art und Weise, wie der Film inszeniert worden ist, beeindruckt unabhängig vom Thema und erinnert am ehesten vermutlich noch an „A Scanner Darkly“. Zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig, faszinieren die Bilder schon nach kurzer Zeit. Auch die eindrucksvolle musikalische Untermalung überzeugt, fügt sich perfekt ins Bild ein und stört trotz Techno-Anteil keinesfalls.

Der Regisseur Ari Folman arbeitet mit „Waltz with Bashir“ seine eigenen Erfahrungen im ersten Libanonkrieg auf; der Film ist also zu einem großen Teil autobiografisch. Und gerade die Fragestellung, ob man solch prägende Erlebnisse tatsächlich einfach vergessen kann, ist erschreckend real. Somit liegt hinter den teilweise recht surrealistischen Bildern stets eine Ernsthaftigkeit.

Dennoch sei gewarnt, dass der Film trotz dieser ungewöhnlichen Herangehensweise eines animierten, autobiografischen Dokumentarfilms, nichts für schwache Nerven ist. Der Film spitzt sich zum Ende hin immer weiter zu und die Härte wächst ebenfalls mit jeder Minute; bis sie zum Schluss in realen Aufnahmen aus dem Libanonkrieg gipfelt und dem Zuschauer verstörende Bilder von zerstörten Straßen voller Leichen präsentiert. Somit sollten zart beseitete Menschen überlegen, ob sie sich diesen Film ansehen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass dieser Film einer der bedrückendsten Filme ist, den ich in letzter Zeit gesehen habe. Die merkwürde Art und Weise, wie Kriegsfilm mit Drama, Animationsfilm, Autobiografie mit absurden Elementen kombiniert werden, trifft auf jeden Fall einen Nerv und wirkt. Sicherlich ist dieser Film nichts für die breite Masse (ich habe noch nie so viele Leute aus dem Kino gehen sehen), trotzdem fasziniert er. Ich habe länger überlegt, was ich diesem kuriosen Film geben soll, habe mich aber dann doch für 4 Sterne entschieden. Die Innovation, ein solches Thema visuell ansprechend zu verpacken, aber die thematische Härte dennoch herüberzubringen, ist meiner Meinung nach gelungen. Wer sich von der Grausamkeit und den unkonventionellen Methoden, ein reales, unverschöntes Kriegsszenario zu präsentieren, nicht abschrecken lässt, sollte sich diesen Ausnahmefilm ruhig ansehen.

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2 Kommentare

  1. Sehr extravaganter Stil, schockierendes Thema und tolle Herangehensweise, definitv ein großartiger Film, aber sicher nicht für jeden Geschmack.

  2. Habe den Film vor kurzem im Fernsehen gesehen. Ganz schön krasses Stück Geschichte und die Form der Darstellung machte den Film zusätzlich bedrückend. Am Ende als die Originalbilder eingeblendet wurden. war ich nur wütend und hab geheult. Ich werd sicher in Kürze auch was darüber schreiben…

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