“Young Indiana Jones” – George Lucas lehrt Geschichte

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Da “Die Abenteuer des jungen Indiana Jones” vermutlich nie in Deutschland auf DVD erscheinen werden, habe ich mir jetzt die drei DVD-Boxen aus UK gekauft und alle Folgen angeschaut. Und auch, wenn nicht jede Folge gelungen ist, hat mich der Ansatz beeindruckt, mit dem George Lucas diese Serie damals produziert hat. Die Serie konzentriert sich nämlich in erster Linie auf Darstellung geschichtlicher Ereignisse und historischer Personen.

Indiana Jones erlebt bereits während seiner Kindheit und seiner Jugend (1908 – 1920) viele Abenteuer. Auf einer Weltreise mit seinem Vater lernt er als Kind bereits Lawrence von Arabien, Theodore Roosevelt, Sigmund Freud und Pablo Picasso kennen. Später erlebt er die Schrecken des Ersten Weltkrieges als Soldat und Spion der belgischen Armee und trifft dabei auf Albert Schweitzer, Charles de Gaulle, Franz Kafka, Mata Hari und Ernest Hemingway. Der Krieg bringt ihn erneut um die ganze Welt, bis er am Ende als Journalist den Friedensverhandlungen von Versailles beiwohnt. Danach beginnt er ein Archäologiestudium und jobbt nebenbei als Saxophonspieler, auf dem Broadway und in Hollywood.

Wie sehr sich die Serie von den “Indiana Jones”-Filmen unterscheidet, merkt man daran, dass der jugendliche Indy zwar immer den typischen Hut trägt, aber beispielweise nie mit einer Peitsche rumfuchtelt. Natürlich konnte sich George Lucas auch hier so manche Funscene nicht verkneifen, aber inmitten der Kriegshandlungen von Verdun gibt es nicht viel zu lachen. Außerdem war die Serie für die 90er technisch sehr weit fortgeschritten, eine Person mittels Bluescreen-Technik in Archivmaterial zu schneiden, war damals noch Neuland für die Filmemacher.

Zwischen 1992 und 1993 wurden damals drei Staffeln mit insgesamt 40 Folgen produziert, diese wurden später zu 90-minütigen Fernsehfilmen zusammen gefasst und ab Ende 2007 erschienen dann die 22 Filme in den Staaten endlich auch auf DVD, ausgestattet mit vielen Stunden Bonusmaterial, in denen die geschichtlichen Ereignisse und Personen noch einmal präsentiert werden. Im Gegensatz zur Serie, die unchronologisch lief, sind die Filme auf DVD nun in der richtigen Reihenfolge. Für die Kombination von immer zwei Folgen ließ George Lucas bei der Produktion der Fernsehfilme sogar noch Übergangsszenen und eine Folge nachdrehen, allerdings fiel dem Neuschnitt der alte Indy zum Opfer, der früher als Erzähler der Folgen fungierte. Da die Rahmenhandlung immer nur zu einer Einzelfolge gehörte, passte das natürlich nicht zu Lucas’ Neuschnitt und so fiel der alte Indy der Schere zum Opfer. Wieder mal so eine Handlung für die Fans, die wohl kein Fan wollte. Man hätte die geschnittenen Szenen wenigstens als Bonusmaterial mit auf die DVDs packen sollen.

Ich persönlich war, nachdem ich die Serie Ewigkeiten nicht gesehen hatte, wirklich begeistert davon und habe die Serie geradezu verschlungen. Und auch, wenn gerade die Kafka-Folge und die mit Dracula wirklich schrecklich sind und der kleine Indy etwas nervig ist, ist die Serie trotzdem ein Meilenstein. Vermutlich wurde sie damals abgesetzt, weil die Jugendlichen eben mehr Action und verborgene Schätze bei Indiana Jones erwartet hatten, aber bei mir ist George Lucas wieder ein wenig in der Achtung gestiegen. Nicht jeder nimmt eine Popcornkino-Geldmaschine und versucht damit, Kindern und Jugendlichen Geschichte näher zu bringen. Wenn man sieht, welche Intelligenz er seinem TV-Publikum damals noch zutraute und heute lieber nur noch Hirnschrott wie “Star Wars: Clone Wars” produziert, ist das schon traurig.

Ich persönlich kann die Serie nur empfehlen, Sean Patrick Flanery spielt den jugendlichen Indy großartig und auch Corey Carrier als kleiner Indy ist für sein Alter nicht schlecht. Zudem ist der Aufwand wirklich beeindruckend, alle Szenen wurden an Originalschauplätzen auf der ganzen Welt gedreht und großartig mit Kulissen und Kostümen ausgestattet. Außerdem spielen Schauspieler wie Elizabeth Hurley, Daniel Craig, Anne Heche, Catherine Zeta-Jones, Terry Jones und Christopher Lee in Nebenrollen mit, viele noch sehr jung und am Beginn ihrer Karriere. Selbst Harrison Ford ist in seiner Paraderolle für die Rahmenhandlung eines Films zu sehen. Eigentlich sollte River Phoenix damals den jugendlichen Indy spielen, wie er es ja auch in “Indiana Jones und der letzte Kreuzzug” getan hatte, aber er wollte nicht auf die Rolle von Indiana Jones festgelegt sein. Ich persönlich finde das nicht schade, für mich wird Sean Patrick Flanery immer der einzig wahre junge Indiana Jones bleiben.

Da laut Paramount nicht für alle Folgen vernünftiges deutsches Tonmaterial existiert, gerade aufgrund des Neuschnitts, ist eine Veröffentlichung der Serie in Deutschland auf DVD leider ziemlich unwahrscheinlich.

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5 Kommentare

  1. Die Idee hat sicherlich etwas für sich, auch wenn sie kaum etwas mit Indiana Jones zu tun hat. Auch meine ich mich daran zu erinnern, dass die Ausstattung sehr gut war. Dennoch müsste ich mir nochmal ein paar Folgen angucken, um ein Urteil abgeben zu können; ich meine schon, dass so einige Folgen wirklich richtig schlecht gewesen sind… wie Mata Hari oder die Dracula-Folge. Aber insgesamt sicherlich eine interessante Serie, in die ich gerne mal wieder reinschauen würde, auch wenn ich es absolut dämlich finde, dass man die Folgen jeweils zu einem Film zusammengepackt hat… was soll das? Und schade, dass da wohl nie eine deutsche Box rauskommen wird. Aber was soll man machen, wenn der George wieder wie ein Irrer in alten Sachen herumschneiden muss und man somit Synchronisationsprobleme bekommt…

  2. Die Idee der Serie finde ich grundsätzlich interessant, allerdings mochte ich den gesamten kruden Stil davon nicht. War für mich irgendwie nichts ganzes und nichts halbes. Als Unterhaltung war es entweder zu schlecht bzw. zu langweilig und als wirkliche “Geschichtsserie” war es für mich zu wenig.

  3. Ich habe mir die Serie nun auch nochmal in der DVD-Version und -Reihenfolge vollständig angeguckt, um mir nochmal ein Urteil bilden zu können. Und im Großen und Ganzen kann ich meinem älteren Kommentar beipflichten.

    Die Idee, die Serie relativ weit von den Filmen anzusiedeln und eher Geschichte/Kultur zu transportieren, finde ich sehr gut. Auch vom Aufwand bin ich sehr beeindruckt, es wurde ja wirklich an sämtlichen Orten sämtlicher Erdteile gedreht, also genau das Gegenteil von dem getan, was George und Co. heute so machen (Bluescreen lässt grüßen). Die ganzen Orte sind meist gut in Szene gesetzt und die Zeit ebenfalls. Kostüme und Produktionsaufwand können sich definitiv sehen lassen.

    Sean Patrick Flanery ist einfach klasse in der Rolle des jungen Indy und sofort ein Sympathieträger. Auch der ganz junge Indy ist gut gecastet, ich fand ich jetzt nicht so nervig.

    Aber dennoch krankt die Serie leider an so einigem:

    Einiges kommt durch die neue DVD-Version zustande. Dass der alte Indy fehlt, lässt den Zuschauer meist im Unklaren, was in der Folge nun eigentlich Sache ist etc., gerade wichtige geschichtliche Anspielungen und Ereignisse werden in der Folge selbst nicht genauer geklärt. Da wäre es einfach besser gewesen, wenn der alte Indy was sagt vonwegen “Ich war bei dem großen Ereignis XY dabei” und dann sieht man das, als wenn man irgendwas sieht, was man so vielleicht nicht genau zuordnen kann.

    Dann finde ich es unbegreiflich, dass man immer zwei Folgen zu einem kurzen “Film” zusammengeschustert hat. Nein, das sind keine Filme, sondern jeweils immer zwei Folgen mit jeweils einem 45-minütigen Spannungsaufbau (und nun meist einer i.d.R. stümperhaften Überleitung). Zum Teil passen die Folgen auch wirklich so gar nicht zueinander. Völlig unbegreiflich, dass sowas getan wurde. 45 Minuten reicht auch gerade bei dieser Serie am Stück.

    Und dadurch, dass nun die Staffeln in chronologische Reihenfolge gesetzt worden sind, kommen einige unschöne Fehler in der Chronologie zustande. Man kann nicht alle Folgen hintereinander sehen und das ergibt dann ein Ganzes; dazwischen gibt es immer wieder nicht wirklich erläuterte Lücken (die ein alter Indy vielleicht gefüllt hätte). Am meisten aufgefallen ist mir das bei der Folge, wo sie den Diamanten im Pfauenauge finden wollen, wo sie ganz am Anfang in den Schützengräben sind (auf einmal ist da auch wieder Indys Kumpel, mit dem er seit Ewigkeiten vorher keinen Kontakt mehr gehabt hat), obwohl Indy eigentlich für den Geheimdienst arbeitet und da mal schnell der Frieden verkündet, da aber nicht mehr weiter drauf eingegangen wird, sondern die eigentliche Schatzsuche beginnt und Indy am Ende in die USA will, um Archäologie zu studieren. Nächste Folge: Dramatisch wird verkündet, dass der Krieg vorbei sei, Indy ist auf einmal wieder in Paris bei den Kriegsverhandlungen (übrigens eine der besten Folgen). Viele Folgen wollen so ohne Erklärung nicht wirklich zusammenpassen, was sehr schade ist.

    Und dann muss ich BATEMAN Recht geben, dass der Serie irgendwie die genaue Ausrichtung fehlt. Denn Action/Abenteuer ist da relativ wenig drin bzw. wenn, dann oft eher ein wenig gekünstelt, aber um kulturelles und geschichtliches Wissen zu transportieren, dann oft wieder zu wenig. Man sieht da zwar eine Menge, aber es wird kaum erklärt, was das nun eigentlich war. Zumindest ich wusste oft nicht, was davon nun in der realen Geschichte passiert ist und was nun für den Film ausgedacht worden ist, auch in Bezug auf die Personen.

    Gerade bei den Folgen des ganz jungen Indys gibt es absolut keine Action, sondern der Fokus liegt auf Kultur. Aber dies extrem kindgerecht, sodass man da leider auch nicht so viel mitbekommt (Aber die Orte sind der Hammer).

    Und es stimmt auch, dass viele Folgen wirklich nicht so gut gelungen sind. Einige fand ich wirklich klasse (die mit den Friedensverhandlungen zum Beispiel), aber andere waren schon ziemlich schlecht. So die eine in seinen Kinderjahren mit seiner Mutter, die sich in diesen Italiener verliebt, und natürlich die Draculafolge, die wohl mit Abstand die schlechteste ist. Nicht nur, da sie generell schlecht ist, sondern weil sie auch völlig aus dem Konzept der Serie (im Gegensatz zu den Filmen), nichts Übernatürliches zu zeigen, herausfällt.

    Harrison Fords Cameo ist übrigens leider ziemlich peinlich, obwohl es sehr cool ist, dass er einen Vollbart und etwas längere Haare hat und zum Schluss die “richtige” Indy-Melodie gespielt wird. Aber der Rest ist… sagen wir mal, eher dürftig.

    Alles in allem muss ich sagen, dass ich das Grundgerüst der Serie super finde und sie gerne nochmal geguckt habe (obwohl zwischendrin dann doch immer wieder so einige Längen mit schlechten Folgen dabei waren) und vor allem begeistert war von der Mühe, reale Orte aus der ganzen Welt aufzusuchen und andere sehr liebevoll nachzustellen. Einige Szenarien waren wirklich sehr cool inszeniert (Zeppelinangriff auf die Stadt z.B.).

    Leider hätte man noch viel mehr aus der Serie machen können. Ein wenig Zusammenhang und geschichtliche/kulturelle Elemente mehr, gerne auch in Abwechslung zu einigen typischen Indy-Momenten mit Abenteuer und Schatzsuche, hätten der Serie gut getan. Denn über Indy als Person lernt man nicht so viel, seine Mutter bleibt z.B. unfassbar blass. Seinen Vater finde ich allerdings sehr gut besetzt, finde auch, dass des Schauspielers Mimik und Gestik der von Connery ähnlich ist. Ein paar Anspielungen gibt es immerhin (Schlangen, Hut).

    Die Kindheitsfolgen fand ich nicht so gut, obwohl da die Orte sehr cool und beieindruckend waren und ich den Vater mag, der ja sonst kaum vorkommt.
    Die Folgen im Krieg sind dann schon ein wenig erwachsener und oft sehr gut und auch abwechslungsreich (wenn auch da immer wieder ein paar Flops dabei sind).
    Mit den letzten Folgen in den USA konnte ich nicht mehr so viel anfangen (Jazz, Blues, Musical, Hollywood); die hatten für mich dann irgendwie doch so absolut gar nichts mehr mit Indy und Abenteuer zu tun…

    Jeder Indy- oder Geschichtsfan oder jemand, der die Zeit um 1910 bis 1920 interessant findet und sich über die bildlich für die Serienentstehungszeit extrem aufwändig und gut dargestellten Orte (oder eben auf sogar die Originalorte) freuen kann, sollte der Serie aber mal eine Chance geben und versuchen, über die ganzen Fehler hinwegzusehen und das Gute daraus zu genießen.

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