„Rom“ – Die erste Staffel der HBO-Kurzserie

nur miesschlechtfast mittelmäßigmittelmäßigfast gutgutfast sehr gutsehr gutfast einzigartigfast einzigartig   8,40 (5 Stimmen)
Loading...

Die erste Staffel der HBO-Kurzserie „Rom“ hat mit enormem Aufwand versucht, die römische Antike neuartig und modern auferstehen zu lassen. Zeitgeschichtlicher Rahmen ist dabei der Aufstieg und Fall von Julius Cäsar. Und auch wenn (oder gerade weil) sicherlich einiges ungewohnt und provokant dargestellt wird, ist die Serie dennoch sehenswert.

Inhaltlich geht es um die Zeitspanne von der Rückkehr Julius Cäsars aus Gallien bis zu seinem Tod, also prinzipiell um den Untergang der Römischen Republik und die Entstehung des Kaiserreiches. Dennoch ist in erster Linie nicht Cäsar oder einer der zahlreichen Personen um ihn und seine Feinde Hauptperson, sondern zwei fiktive Charaktere: Neben historischen Größen wie Kleopatra, Pompeius oder dem noch jungen Octavian sind es Lucius Vorenus und Titus Pullo, zu Beginn der Serie in der 13. römischen Legion kämpfend, die den Zuschauer durch die Serie führen und stets an Ort und Stelle des jeweiligen Geschehens sind.

Die erste Staffel wurde Ende 2005 erstmals ausgestrahlt, die Fernsehversion ist allerdings um Gewalt, nackte Haut und Kraftausdrücke beschnitten (die DVD-Version erhielt eine FSK-18-Freigabe). Es handelt sich hierbei um die teuerste Serie aller Zeiten, alleine für die Produktion hat man über 100 Millionen Dollar ausgegeben. So hat man enormen Aufwand betrieben und dafür gesorgt, dass die Stadt Rom möglichst naturgetreu in all seinen Facetten dargestellt wird. Gleich der Vorspann macht deutlich, dass es hier mehr um das Leben in Rom geht als um pompöse Glorie.

Alleine das gigantische Set des Forum Romanum begeistert. Ausstattung und große Detailgenauigkeit überzeugen sofort und stellen das alltägliche Leben in Rom glaubhaft dar, mit Zeitmessung, Marktschreiern und Schmierereien an den Wänden. Die Straßen sind dreckig und voller Leben, Mark Anton flucht pausenlos, Kleopatra ist eine zugedröhnte Göre und Atia, Cäsars intrigante Nichte, macht für jeden die Beine breit, um ihre Ziele durchzusetzen. Auch die religiösen Bräuche, die Lebensweise der Plebejer und Patrizier oder das Sklaventum werden gut dargestellt. Im Gegensatz zu neueren Sandalenfilmen wurde diese Serie von Historikern abgesegnet.

Doch obwohl sichtbar viel Geld in diese Serie geflossen ist und die Ausstattung der eines „Alexander“ würdig ist, gibt es natürlich dennoch teilweise ein Unterschied zu Kinoproduktionen zu sehen, was sich insbesondere bei fehlenden Massenszenen oder Schlachten zeigt. Der Fokus der Serie liegt eindeutig nicht auf monumentaler Glorifizierung Roms, sondern Glaubhaftigkeit; herausgekommen ist also eher ein realistisch wirkender Epochenauszug. Auch wenn es teilweise viel Blut zu sehen gibt, ist die Serie weniger auf Action aus, sondern ein Mix aus Thriller (bei dem man das Ende schon kennt), Drama und antiker Soap. Fiktive und teils sehr moderne Handlungsbögen werden mit geschichtlichen Bezugspunkten gepaart.

Doch obwohl man bei diesem neuen Anlauf, die altbekannte Geschichte um Cäsar und das antike Rom aufzugreifen, sich einerseits sehr viel Mühe mit historischer Authentizität gegeben hat, wurde auch versucht, das Szenario modern aufzupeppen: mit Blut, einer Menge vulgärer Ausrufe und sehr viel nackter Haut beiderlei Geschlechts über- und unterhalb der Gürtellinie. Einerseits gehören Orgien, Inzest und derbe Aussprüche zu einer realistischen Darstellung Roms dazu, dennoch ist man hier fast ein wenig zu weit gegangen: Man wird das Gefühl nicht los, dass die vielen freizügigen Szenen eher höhere Publikumszahlen erreichen sollen. Es gibt einfach viel zu viele Sexszenen, jeder flucht sich die Seele aus dem Leib; ein bisschen weniger davon hätte es auch getan, ohne die Wirkung zu schmälern.

Interessant sind auch die Charaktere, durchweg gut mit eher unbekannten Schauspielern besetzt. Sie überzeugen insofern, dass alle ihre Stärken und Schwächen haben und man es als Zuschauer schwer hat, sich vollends mit jemandem zu identifizieren. Cäsar ist nicht nur Sympathieträger, Pompeius nicht nur der böse Gegenspieler, selbst der sympathische Octavian hat einige Leichen im Keller. Von den beiden Protagonisten ganz zu schweigen. Auch hat man sich nicht auf ein paar wenige Figuren beschränkt, sondern sämtliche Figuren im Adel, aber auch fiktive des Volkes, eingebracht. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die Story um Vorenus und Pullo nicht ganz so viel Raum bekommt, auch wird ihr Glück wirklich schon sehr strapaziert. Bei der Fülle an Charakteren kommen so die historisch belegten teilweise ein wenig zu kurz, nur damit z.B. die Ehekrise von Vorenus bis ins kleinste Detail ergründet wird. Die Leinwandzeit der jeweiligen Personen hätte man also eventuell ein wenig verschieben können.

Alles in allem ist die Serie auf jeden Fall sehenswert, wenn man an römischer Geschichte interessiert ist, sogar ein Muss. Man sollte dabei allerdings keine großen Schlachten erwarten, sondern eher ein aufwendiges Zeitbild. Und auch wenn Vorenus und Pullo viel Spielzeit bekommen und Fortuna ihnen ein wenig zu gutgesinnt ist, die vielen Nacktszenen dann irgendwann doch ein wenig stören und man vergeblich auf große Schlachten oder Panoramaaufnahmen wartet, ist die Serie eine interessante und vielschichtige Darstellung der damaligen Zeit. Eine Semi-Dokuserie, die gekonnt Spannung und fiktive Geschichten mit historischen Fakten koppelt.

Verwandte Artikel

2 Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.