„Sieben Leben“ – Fabel über Reue und Sühne

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Will Smith war eigentlich für mich schon seit jeher ein Schauspieler, dessen Filme ich mied. Seine Werke waren immer die Inkarnation von Hollywoodstreifen und seine Rolle darin war immer sehr glatt und oberflächlich. Er war für mich halt immer der „Sunnyboy“, der den Coolen gespielt hat, die Welt rettete und dabei immer einen passenden Spruch brachte. In „Das Streben nach Glück“ bewies er aber schon, dass er auch anders kann und auch in „I Am Legend“ konnte er zeigen, dass er ein Charakterdarsteller ist. Mit „Sieben Leben“ geht er einen Schritt weiter und spielt in einem Film mit, der recht untypisch für Hollywood ist und der ohne Will Smith nirgends in die Kinocharts gekommen wäre.

Es ist schwer eine Inhaltsangabe über einen Film zu machen, dessen Auflösung am Ende auch gleichzeitig erklärt, worum es eigentlich in den letzten 123 Minuten ging. Nur soviel: Ben Thomas ist Schuldenberater vom Staat und kümmert sich um die finanziellen Probleme einiger Leute, doch es scheint, als würde er nicht zufällig zu manchen Menschen gehen. All jene, zu denen er geht, sind auserwählt und bekommen eine zweite Chance. Doch Ben Thomas Plan beinhaltet Schlimmes.

Regie führte wie bei „Das Streben nach Glück“ auch diesmal Gabriele Muccino, der die Zusammenarbeit mit Will Smith dementsprechend schon kannte. Dabei gelingt Muccinos Arbeit. Er schaffte es einen gefühlvollen Film zu machen, der funktioniert und zum Nachdenken anregen soll. Dabei soll man gewisse moralische Ansichten natürlich nicht zu Ernst nehmen, insgesamt ist es aber gelungen, einen Film zu machen, nach dessen Ende man ein flaues Gefühl im Bauch hat und über das Gesehene nachdenkt.

In „Sieben Leben“ geht es um den Wert eines Menschen. Eine Thematik, die sehr schwer umzusetzen ist, und hier werden sich sicherlich die Geister scheiden. Die zweite Herausforderung war Smiths Rolle als Ben Thomas, der von verzerrten moralischen Ansichten besessen ist und sühnen will. Die Herausforderung, solch einen Charakter zu spielen, gelang Will Smith dabei wieder auf ganzer Linie. Er besitzt viele Momente, wo er in der Rolle wahrlich aufblühen darf. Neben Smith spielen auch Rosario Dawson und Woody Harrelson mit, insbesondere Harrelson überrascht mit einer zwar unspektakulären, aber für ihn ungewöhnlichen Rolle. Man muss den Schauspielern, gerade Will Smith, hoch anrechnen, dass sie bei diesem Film mitgewirkt haben, denn ohne diese bekannten Namen und der PR wäre kaum jemand in den Film gegangen. „Sieben Leben“ ist ein Drama durch und durch. Sehr ruhig, sehr viel Dialog und sehr melancholisch und düster, aber auch mit Botschaften.

Wie eine Fabel zielt der Film auf eine Schlusspointe hin, die mit einer moralischen Belehrung verbunden ist. Dabei steht diese überraschenderweise für mich auf eher zweifelhaftem Status, denn die Frage, die sich jeder stellen sollte, ist, ob Ben Thomas das um den Nutzen/ den Sinn der Sache an sich macht oder lediglich von seinen eigenen Geistern gequält wird und dabei anmaßend wird.

Eigentlich ein rundum gelungener Film, leider haben Filme, die am Ende einen großen Twist haben, durch den der Film lebt, ein großes Problem. Wenn es ein Geheimnis für den Zuschauer gibt, welches erst am Ende gelüftet wird und auf dem der Film basiert, dann werden die Zuschauer den Streifen extrem uninteressant und langweilig finden, die vor der Auflösung schon „drauf“ gekommen sind. Dieses Problem hatte auch z.B. „The Prestige“. Bei mir war das diesmal zum Glück nicht der Fall.

Fans von Dramen sollten „Sieben Leben“ nicht verpassen. Für mich ein kleines Highlight 2009!

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3 Kommentare

  1. Sehr bewegender Film, der mich mit seiner Auflösung wirklich umgehauen hat, damit hatte ich nicht gerechnet. Super gespielt, gerade Will Smith ist hier so weit weg von seinem Sunnyboy-Image, einfach klasse. Wer ruhige Dramen mag, sollte sich den Film auf jeden Fall ansehen, für Fans von Popcornkino ist er aber sicher nichts.

  2. Ich schließe mich an: Ein wirklich sehr guter Film. Und jeder, der noch ncihts über den Film gehört hat, sollte auch dringlichst vermeiden, etwas darüber vor dem Sehen in Erfahrung zu bringen. Was dem Film aber sehr gut tut ist die kontinuierliche Spannung, das Ungeklärte, was im Raum steht. Das erwarte ich von „Das Streben nach Glück“ zum beispiel überhaupt nicht, ein Film, auf den ich bis heute auch so überhaupt gar keine Lust habe (nicht nur durch seinen fürchterlichen Sohn). Aber auch das Cover von „Seven Pounds“ („Sieben Leben“, schon klar) hat mich erstmal abgeschreckt.

    [spoiler] Mich hat das Ende auch überrascht; ich hatte auch nicht ausgeschlossen, dass der Film übernatürliche Elemente besitzt und Smith nach seinem Tod eine Aufgabe bekommen hat oder Ähnliches. Und schwer zu beurteilen, ob er nun gut gehandelt hat oder nicht… Die Frage ist, inwiefern insbesondere Rosario Dawsons Charakter nun fortan mit einer großen Schuld leben muss. [/spoiler]

  3. @Threep. Streben nach Glück gefiel mir deutlich besser als dieser Film. Dieser hier war ganz nett, teilweise sehr langatmig und das Ende fand ich nett, aber mehr auch nicht.

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