„Rom“ – Auch Staffel 2 überzeugt

nur miesschlechtfast mittelmäßigmittelmäßigfast gutgutfast sehr gutsehr gutfast einzigartigfast einzigartig   8,40 (5 Stimmen)
Loading...

Die zweite Staffel der HBO-Kurzserie „Rom“ macht dort weiter, wo die erste Staffel aufgehört hat, behandelt also die Zeit nach Cäsars Tod und geht in erster Linie um den Aufstieg von Augustus. Wer die erste Staffel mochte, den wird auch die Folgestaffel nicht enttäuschen.

Inhaltlich knüpft die Serie unmittelbar nach Cäsars Tod an. Viele der Charaktere, die schon in der ersten Staffel vorkamen, sind auch hier wieder die zentralen Personen. Neben den weiterhin durch die Geschichte führenden ehemaligen Kämpfern der dreizehnten Legion Lucius Vorenus und Titus Pullo, sind es diesmal Mark Anton und der nun mit Augustus betitelte Octavian, deren Machtrangelei das zentrale Thema dieser Staffel ist. Aber auch die altbekannten Charaktere Cicero, Brutus, Atia und Kleopatra, sowie Agrippa oder Posca sind von Bedeutung.

Auch die zweite Staffel kann in Sachen Aufwand wieder überzeugen, fast noch ein wenig mehr als die erste Staffel. Denn während in der ersten Staffel Massenszenen, Animationen und Panoramaaufnahmen höchstens am Ende einer Folge vorkamen, wirken diese Dinge hier besser in die Folgen eingebaut und man kann sogar auch einmal einer größeren Schlacht beiwohnen, was man in der ersten Staffel vermisst hat.

Neben den altbekannten grandiosen Sets wie dem Forum Romanum kann man auch zahlreiche neue bestaunen; der zweiten Staffel gelingt es, neue Lebensbereiche und Themen im antiken Rom aufzugreifen als in der ersten Staffel. So erlebt man beispielsweise den Machtkampf auf dem Aventin und auch die Judenthematik inklusive Herodes kommt zum Tragen.

Ebenfalls wieder gut gelöst ist die differenzierte Darstellung der Charaktere, keine Person wird vollends negativ oder vollends positiv dargestellt. Verflucht man beispielsweise die gesamte erste Staffel lang Atia, ertappt man sich in der zweiten Staffel teilweise dabei, Mitleid mit ihr zu haben. Und der prinzipiell sympathische Octivian alias Augustus verliert im Zuge der zweiten Staffel auch einiges an Sympathie, sodass man nicht einmal genau sagen kann, ob man eigentlich für Augustus’ oder Mark Antons Triumph sein soll.

Wie in der vorherigen Staffel ist auch hier wieder der Focus auf dem Leben in Rom, schön recherchiert und detailliert dargestellt, und weniger auf Glorie und Action ausgelegt. Dennoch sind auch wieder eine Menge blutiger Szenen vorhanden, die nichts für zarte Gemüter sind. Und auch, wenn man zumindest am Anfang der Staffel den Eindruck gehabt hat, dass die Macher sich mit Nacktszenen ein wenig zurückgenommen hätten, so kann man dieses nach der gesamten Staffel definitiv nicht behaupten; eine Menge Sexszenen und viel nackte Haut sind erneut an der römischen Tagesordnung.

Obwohl die zweite Staffel nicht weniger interessant als die erste ist und gerade durch die Verschiebung der Hauptpersonen und des Weiterschreitens in der Geschichte an Reiz gewinnt, würde ich mich, sollte ich eine Staffel als die bessere bezeichnen, vermutlich auf die erste besinnen, die insgesamt ein wenig runder wirkte. Dennoch bilden beide Staffeln eine harmonierende Einheit und beweisen, dass in der Historie fast noch die interessantesten Geschichten zu finden sind.

Interessant zu erwähnen ist auch, dass die Produzenten der Serie sehr bereuen, diese abgesetzt zu haben, da sie mit einem so großen Erfolg insbesondere der zweiten Staffel nicht gerechnet haben. Ursprünglich hat man über fünf Staffeln nachgedacht: Die zweite sollte mit Brutus’ Tod enden, Staffel 3 und 4 größtenteils in Ägypten angesiedelt sein und die fünfte einen jüdischen Zimmermann auftreten lassen, der zum Messias erklärt wird. Allerdings wurden inzwischen durch einen Brand fast alle Kulissen der Serie zerstört; eine Fortsetzung ist also fraglich und hinsichtlich des wirklichen Geschichtsverlaufs auch eher weniger spannend. Dennoch hat Ende 2008 ein Produzent bekanntgegeben, dass man über einen „Rom“-Kinofilm nachdenkt.

Insgesamt kann man also sagen, dass „Rom“ eine Semi-Dokuserie ist, die zwar auch ihre Schwächen hat, alles in allem aber gelungen und empfehlenswert ist – für Freunde von Sandalenfilmen und der Antike sowieso. Auf interessante Art und Weise werden hier fiktive Handlungsstränge und geschichtlich überlieferte Bezugspunkte kombiniert, die detaillierte Ausstattung und vielschichtige Darstellung des Lebens in Rom überzeugt ebenfalls. Die zweite Staffel steht dabei nicht im Schatten der ersten, sondern ist hinsichtlich der Figurenkonstellation nicht weniger spannend.

Verwandte Artikel

3 Kommentare

  1. Hm, mit welcher Story? Prinzipiell freue ich mich, obwohl die Serie im Serienformat besser aufgehoben ist als in einem Kinofilm, denke ich. Man wird abwarten müssen.

  2. Ja, mit welcher Story, gute Frage. Nach Marcus Antonius‘ Selbstmord (Ende der zweiten Staffel) regiert Augustus ca. 40 Jahre lang in Rom, und das ohne viele kriegerische Handlungen. Sein Hauptaugenmerk gilt dem Neuaufbau des Römischen Reiches, der Sicherung des Reiches nach innen und außen und die Regelung seiner Nachfolge. In dieser Zeit finden „leider“ keine großen und brisanten Kriege statt, einzig die Varusschlacht könnte für einen Film interessant werden. Aber verglichen mit dem geschichtlichen Stoff, der in der Serie verarbeitet wurde, ist das ja eher lächerlich.
    Sollte sich trotzdem eine nicht allzu platte Story finden lassen, würde ich mich jedenfalls drüber freuen.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.