„Der Vorleser“ – Altes Thema, neuer Ansatz

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Ich will auf keinen Fall das grauenhafte Thema des Holocausts herunterspielen, aber mir persönlich gibt es davon inzwischen zu viele Verfilmungen und jede wird gleich für einen Oscar nominiert, so dass man auch hier mal etwas kritischer an die Filme an sich abseits des Themas gehen sollte. „Der Vorleser“ bietet da einen neuen Ansatz, hier wird der Schrecken in den Lagern nicht gezeigt, sondern nur auf Basis eines Gerichtsprozesses aufgegriffen. Die Handlung um die ehemalige Aufseherin Hannah Smitz, die eine Affäre mit einem 15-Jährigen beginnt, der sie dann während seines Jura-Studiums vor Gericht wiedersieht, ist sehr interessant und großartig gespielt.

Der 15-jährige Michael lernt die viele Jahre ältere Hannah zufällig kennen und beginnt mit ihr eine leidenschaftliche Affäre. Doch neben ihren sexuellen Erfahrungen will Hannah immer, dass Michael ihr Geschichten vorliest. Doch die Affäre hält nicht lange. Jahre später trifft Michael wieder auf Hannah. Während seines Jura-Studiums beobachtet er einen Prozess gegen Frauen, die im Zweiten Weltkrieg Aufseher in den Vernichtungslagern waren. Angeblich soll Hannah die grausamste gewesen sein. Doch Michael erkennt ein Geheimnis, das Hannah entlasten und ihr Strafmaß mindern könnte…

Schon interessant, wenn man große Hollywood-Stars wie Kate Winslet, Ralph Fiennes oder Lena Olin an deutschen Drehorten und an der Seite deutscher Stars wie Alexandra Maria Lara, Bruno Ganz, Karoline Herfurth oder dem aufstrebenden David Kross sieht. Und ich finde es immer interessant, menschliche Hintergründe abseits der Grausamkeiten des Zweiten Weltkriegs zu durchleuten anstatt banal etwas auf Gut und Böse zu münzen. Und Hannah Schmitz‘ Charakter ist da sehr interessant, man kann sich nicht richtig mit ihr identifizieren, schon am Anfang bei ihrer seltsamen Affäre zum minderjährigen Michael und natürlich noch weniger nach der Aufdeckung ihrer Vergangenheit, aber kombiniert mit ihrem Analphabetismus, ihrer fehlenden Intelligenz, die sogar von den Mitaufseherinnen ausgenutzt wird, und der Zuneigung von Michael fängt man an sich für den Charakter zu öffnen.

Und doch finde ich nicht, dass es sich hier um einen „Muss man gesehen haben“-Film handelt und trotz ihrer großartigen Leistung frage ich mich, ob der Oscar für Kate Winslet denn wirklich gerechtfertigt war. Wie gesagt, der neue Ansatz ist interessant, die Schauspieler spielen gut und doch bringt mich der Film nicht wirklich weiter. Wenn man sich für das Thema interessiert, wird man an dem Film sicher nicht vorbei kommen, aber ansonsten gibt es bessere Filme zu dem Thema.

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6 Kommentare

  1. Naja so etwas grauenhaft zu thematiksieren ist wichtig sonst vergessen es die Menschen was zur der Zeit geschah man kann nicht genug davon ,natürlich wird es nicht mehr so arg, aber unserer Zeit wo der Rechte abschaum sich wieder starker wird ist es wichtig so was zu zeigeni nsbesondere wegen NDP und co. Auch wenn es ein ziemlich ernstes Thema ist und eher aufklären soll und nicht wirklich der unterhaltung dient sondern der als warnung.

  2. Das ist ein gut gemachter Film mit hervorragenden Schauspielern. Die Thematik KZ und Vernuichtung wird tatsächlich einmal von einer anderen Seite angegangen.
    Aber zum besseren Verständnis hätte m.E. gehört, wie im Buch deutlich zu machen, warum Hannah sich als KZ Aufseherin beworben hat. Das ändert nichts an ihrem verkorksten Charakter, macht ihr Problem aber noch deutlicher. Dennoch ist ihr Verhalten insgesamt schon schwer nachvollziehbar.
    Insgesamt für mich ein Film nur für diejenigen, die an dieser THematik generell interessiert sind.

  3. Ich fand den Film gut bis sehr gut. Ich würde sagen, dass die Zeitabschnitte an manchen Stellen schwer mitzubekommen waren, aber im großen und ganzen war es eine gute Besetzung, usw. . Hat sich meiner Meinung nach gelohnt. Aber die Komparsen, die in Görlitz so zahlreich gedreht haben, waren zum Großteil überhaupt nicht zu sehen. Eigentlich echt verschwendetes Geld für die Produktion, alle Komparsen zu bezahlen. Aber beim Schnitt haut man nun eben so einiges raus. Es kann ja nicht alles in den fertigen Film rein. Dazu gibt es ja dann die „Zusätzlichen Szenen“ bei den DVD Specials.

    LG Moviemaster

  4. Tja… auch in diesem Beitrag finde ich meine Meinung teilweise wieder. Denn ich kann die vielen WK2-verwandten Filme bald nicht mehr sehen. (als Nächstes wurde im Vorprogramm schon „John Rabe“ angekündigt)
    Ich war positiv überrascht, dass der Film gar nicht in dieser Zeit spielt (kenne das Buch nicht). Und die Verarbeitung als Gerichtsprozess fand ich wirklich mal erfrischend anders. Und ich denke auch, dass man den Film Leuten empfehlen kann, die nicht unbedingt solche Themen mögen, weil ich das eher als menschliches Drama sehe und weniger als Verarbeitung der Geschichte. Das Ende war ziemlich traurig.
    Kate Winslet überzeugte mich total. Sie war diese ungewöhnliche Frau mit ihren Geheimnissen und ihrem Willen. Auch Ralph Fiennes fand ich hier sehr gut. Lena Olins Beteiligung war leider sehr klein gehalten. Bin mal gespannt, was David Kross demnächst machen wird.
    Einziger Kritikpunkt… wenn schon mit so „deutscher“ Thematik behaftet, hätte Kate auch deutsch schreiben können. ;-)

  5. da hast du recht… ;) ( wg. deutsch schreiben )

    Ich habe das Buch gelesen und den Film angeschaut… finde es ist eine ziemlich gut gelungene Adaption gelungen.

    Der Film gibt die gleiche Atmospäre wieder die ich während dem Lesens erfunden habe. Somit ist in meinen Augen die Verfilmung ein Erfolg.

  6. In der Tat ziemlich unglücklich gemacht, dass Winslet nicht Deutsch, sondern Englisch gelernt hat… aber ansonsten ein grandioser Film, der in der Tat mehr menschliches Drama ist, als den Holocaust aufzuarbeiten.

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