„Rachels Hochzeit“ – Eine Momentaufnahme

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In der Lübecker Sneak Preview lief diesen Montag mit „Rachels Hochzeit“ ein Drama, welches mit dem Brechen jeglicher Hollywood-Dramaturgie und Wackelkamera ein zerstörtes Familienleben sehr authentisch darstellt. In diesem Film, der vermutlich am Besten als ein fast zwei Stunden langes Hochzeitsvideo beschrieben werden kann, darf Anne Hathaway zeigen, dass ihre Oscarnominierung für diesen Film gerechtfertigt war und sie zu mehr fähig ist, als „Plötzlich Prinzessin“ zu sein.

Inhalt

Review

Kym (Anne Hathaway) kann ihre derzeitige Entzugsklinik verlassen, um der Hochzeit ihrer Schwester Rachel (Rosemarie DeWitt) beizuwohnen. Doch nie geklärte Familienprobleme lassen die zwei Tage der Hochzeit immer wieder zu einem Höhen- und Tiefflug der Emotionen werden. Trotz Schlichtungsversuche des Vaters (Bill Irwin) liegen insbesondere zwischen den zwei Schwestern starke Schwingungen. Reue und Vergebung, Wut und Hass wechseln sich ab, und auch ein lange zurückliegender familiärer Schicksalsschlag trägt dazu bei, dass hinter der pompösen Hochzeitsfassade zahlreiche Konflikte brodeln…

Der Film ist dabei bewusst mit Handkameras gedreht worden, ist sehr langatmig und in Sachen Dramaturgie unkonventionell, um ein realistisch wirkendes Bild zu zeigen. Die Schauspieler, allen voran Anne Hathaway in einer ungewohnten Rolle, spielen ebenfalls sehr authentisch und tragen auch dazu bei, dass der Film real wirkt. Problematisch ist dies allerdings ebenfalls, denn obwohl die Schauspieler bis in Nebenrollen hervorragende Arbeit leisten und der Film tatsächlich wie eine Momentaufnahme ohne Spannungsbogen wirkt, wünscht man sich als Zuschauer irgendwann doch ein wenig Abwechslung. Zahlreise Hochzeitsreden ohne Storysinn tragen natürlich zur realen Atmosphäre bei, ermüden aber dann doch ein wenig.

Emotional berührt dieser Film allerdings, die Familienstreitigkeiten und Thematiken wie die der Reue- und Vergebungsfähigkeit werden teilweise fast schmerzlich authentisch inszeniert. Auch Mimik und Gestik der Darsteller während der nebensächlich erscheinenden Hochzeitsfeierlichkeiten zeigen in unwahrscheinlich glaubhaften Facetten das Szenario von Vortäuschung von Harmonie und innerer Zerrissenheit.

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir persönlich der Film gefallen hat und ich aufgrund der guten schauspielerischen Leistung und der sehr realistisch wirkenden Machart drei Sterne (eher mit Tendenz zu vier als zu zwei) vergeben habe, dieser Film aber selbst für Drama-Freunde ein harter Brocken sein wird, passiert in ihm doch herzlich wenig. Ein wenig mehr Spannung oder Abwechslung hätte dem sehr langwierigen Film zweifelsfrei gut getan.

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4 Kommentare

  1. Der Film war einfach nur langweilig. Die Thematik hätte man in 15 min Kurzfilm thematisiert bekommen, da brauch man nicht 113 min für.
    Familienfeiern sind in Realitas schon schwere Kost, dann noch mindestens die Hälfte des Films mit einer fremden, perfekt ablaufenden Hochzeitsfeier den Zuschauer zu quälen ist einfach nur sardistisch. So muss sich wohl ein Hochzeitscrasher auf einer Feier fühlen, bei der es nix zu holen gibt. Eine unkreative Rede folgt der Nächsten. Und dann finden die Gäste das alles auch noch urkomisch. Naja… muss man wohl dabei gewesen sein. Und dann will der Film einfach nicht enden. Es ist alles gesagt, Abspann bitte! Aber nein! Noch ein Song, noch ein Tanz.
    Den Rest des Films, der nur davon handelt, dass die Hauptdarstellerin die ganze Zeit rumquängelt, dass doch jemand mit ihr streiten soll, baut ebenfalls keinerlei Spannung auf und plätschert nur fad dahin. Lediglich das Vorausahnen von Schockmomenten, die man erwartet, da man als Sneak-Gänger nicht das genaue Genre des Films kennt, halten noch den Puls oben: [Spoiler]Fällt der Vater oder Verlobte kopfüber in den Besteckkasten der Spülmaschine? Tötet Kym jetzt ihre Mutter? Ist der Psycho-Kerl im Haarsalon auf Gewalt aus?[/Spoiler]
    Alle diese Fragen sind mit „NEIN“ zu beantworten. Es passiert rein gar nichts. Da passiert in diversen Dokus aus’m TV echt mehr, da muss man sich nicht sowas aus den Fingern saugen und auch noch als Spielfilm verpacken.
    Ich frage mich wirklich, welche Zielgruppe dieser Film anpeilt. Verlobte Paare? Rentner? Spanner? Ich weiß es nicht. Man könnte sich den Film wohl wirklich nur wegen der schauspielerischen Leistungen ansehen. Aber, was bringt das schon, wenn bei der Story nichts bei rum kommt.
    Also wenn der Film will, dass man nur gequält den Kopf schütteln möchte, dann hat er das mit Bravour geschafft. Ansonsten einfach unglaublich.
    Unglaublich schlecht.

  2. „Rachels Hochzeit“ war ein unglaublich intensiver Film, wenn man sich auf ihn einlässt. Gerade Freunde von z.B. „The Wrestler“ werden sich auch auf diesen Film freuen können, da er von der Machart, inhaltlich und technisch, ähnlich funktioniert.

    Neben der Thematik, Vergebung in der Familie, finden sich aber noch viele andere Themen im Film wieder, die aber alle mit dem schrecklichen Ereignis im Leben der Hauptperson zu tun haben. Sei es der Umgang mit dem Tod oder auch Vertrauen innerhalb der Familie. Gerade wer eine Familie hat, die nicht immer ganz leicht ist, wird nur all zu leicht erschreckende Verhaltensparallelen auffinden können.

    „Es ist hier so schön bei euch. Es ist wie ein Vorgeschmack auf den Himmel.“ Dieses hoffentlich ansatzweise korrekte Zitat fängt die Stimmung des Films gut ein. Geschickt wurde mit der Problematik der Ausgestossenen innerhalb einer scheinbar glücklichen Familie umgegangen. Als man nur den Satz hörte und die ersten Bilder der Hochzeit sah, nahm man die Botschaft dieser Einstellung ganz anders auf, als wenn man Sekunden später Anne Hathways beeindruckendes Schauspiel sah, welches mit Schweigen im Hintergrund so viel mehr aussagte und diese Szene dabei traurig kommentierte. So ist generell der ganze Film veranlagt. Erst im späteren Verlauf erblickt man die Abgründe einer Familie, die vieles noch nicht verkraftet hat in einer scheinbar so schönen Welt. So erlebt man am Ort der Hochzeit ständig musizierende Menschen, bis man den Zusammenhang von Musik und Kims Vater verstehen kann, der diese Musik innerlich immer noch nicht hören will/kann, weil er so viel noch nicht überwunden hat.

    Das Schauspiel von Anna Hathaway hat mich wirklich beeindruckt. Generell ist es sehr gut, von der Oscarnom. wusste ich bis eben gar nichts, aber vollkommen zu Recht, aber gerade in Anbetracht der Tatsache, dass das die oberflächliche Schauspielerin in Person nach Kate Hudson ist, macht es umso bewundernswerter. Gerade hier sieht man, dass das Schauspielern für Anne Hathaway wirklich ein gelernter Beruf ist, den sie auch beherrscht.

    Ich persönlich mochte den Film sehr. Nach dem etwas mehr Zeit vergangen war, sogar noch mehr als vorher. Ich bin aber auch generell jemand, der Wackelkamera und ein Drehbuch, welches nicht die Regeln der Spannung a lá Hollywood beinhaltet, generell interessant findet. Von mir daher vollkommen zu Recht vier Sterne.

    Trotzdem ein Film, wo man ohne weiteres verstehen kann, wenn jemand den Film nicht leiden kann. Ein Film solcher Machart ist zu speziell und macht sich mit den meisten Faktoren seiner Essenz nicht viele Fans.

  3. Uiuiui, das war harte Kost. Ich hab noch versucht, den Saal zu verlassen, aber meine Begleiterin war schneller und hat mich reingeschubst…

    Für dir Kameraführung hätte man einen Hochzeitsfilmer sofort gefeuert, Schadensersatzforderungen inclusive. Ob sich Frau Haddaway damit wirklich einen Gefallen getan hat… dann doch lieber wieder eine Prinzessin.

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