„Che, Teil 1: Revolución“ – Zu glorifizierend geraten

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Che Guevara ist bis heute ein Symbol für die Revolution, ein Freiheitskämpfer, für viele ein Idol. Und doch weiß man heute, dass auch dieser Mann seine Schattenseiten hatte. Guevara ist eine sehr interessante Persönlichkeit und eine Verfilmung seines Lebens sicher eine interessante Sache, aber auch Regisseur Steven Soderbergh will nicht am Heiligenstatus des Helden kratzen und zeigt Che Guevara wieder als gerechten, intelligenten Kämpfer ohne wirkliche Ecken und Kanten. Der zweite Teil seiner Verfilmung mit dem Titel „Che: Guerrilla“ kommt am 23. Juli 2009 ins Kino.

Im Juli 1955 lernt der Argentiner Ernesto Guevara den Exil-Kubaner Fidel Castro kennen und schließt sich seinem Vorhaben an, das Regime auf Kuba zu stürzen. Er wird zu einem wichtigen Strategen und Kämpfer in der Revolution auf Kuba von 1957 bis 1958, zudem ist er als Arzt tätig. Zu dem ursprünglichen Kampftrupp gesellen sich immer mehr Kubaner, nachdem das Volk ihnen zuerst nicht durchweg wohlgesonnen gegenüber steht. Guevara, inzwischen eher unter seinem Spitznamen „Che“ bekannt, ist auch maßgeblich an ihrem Training beteiligt. Immer weiter kämpft sich die Revolutionstruppe durch Kuba, um die Armee zurück zu drängen und das Regime zu stürzen.

Der Film ist großartig gedreht und bietet optisch eine Menge, und doch verkneift es sich Soderbergh, auch nur ansatzweise am Image des großen Che zu kratzen. Man weiß heute, dass gefoltert und exekutiert wurde, im Film wird das auch durch eine Rede von Guevara vor der UN zugegeben, aber gleich darauf zeigt man die Exekution eines Revolutionärs, der sich von der Truppe entfernt und Zivilisten ausgeraubt, vergewaltigt und getötet hat, damit Che Guevara selbst beim Exekutieren noch als ein guter Mensch erscheint. Ich will ja gar nicht darauf hinaus, dass man ihn als bösen Menschen hätte zeigen sollen, aber wenn man nur eine so einseitige Sicht der Dinge bekommt, glaubt man dem Rest eben auch nicht wirklich, obwohl der Film ansonsten eine sehr gute Darstellung der kubanischen Revolution bietet.

Zudem erscheint Hauptdarsteller Benecio Del Toro trotz seiner ausdrucksstarken Rolle ungewöhnlich blass, er selber hatte Che Guevara sogar mit Jesus Christus verglichen, vielleicht fühlte er sich bei den Dreharbeiten zu unwürdig, um die Rolle spielen zu dürfen, auf jeden Fall spielt er zwar gut, aber eben nicht so, wie man es von ihm erwartet hätte.

Ein weiterer Nachteil ist die lückenhafte Erzählung. Klar kann man bei einer so umfangreichen Lebensgeschichte nicht alles zeigen, aber wenn am Anfang drei Minuten Zeit für eine Kubakarte ist, auf der der Reihe nach alle wichtigen Bereiche und Städte gezeigt werden, wäre ein wenig über Guevaras Vergangenheit und seine Beweggründe für die Teilnahme an der kubanische Revolution vielleicht nicht schlecht gewesen.

Abseits dieser Kritikpunkte kann sich der Film aber sehen lassen, Schnitt, Kamera und Regie bieten wenig Anlass für Kritik und auch die Schauspieler wirken sehr überzeugend. Ich bin auf jeden Fall auf den zweiten Teil gespannt.

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Ein Kommentar

  1. Ein gut gemachter Film, bei dem einige geschichtliche Vorkenntnisse sicher nicht schaden. Der Filmbeschreibung ist nichts hinzuzufügen; sie gibt Inhalt und Umsetzung inklusive Schauspieler präzise wieder.

    Es ist allerdings wirklich schade, dass ganz offensichtlich ein Denkmal geschaffen werden sollte bzw. wurde. So wirkt der Film bisweilen fast wie ein „Propagandafilm“, der die negativen und brutalen Seiten des Che und seiner Genossen einfach weglässt.
    Aber trotzdem: wie gesagt ein guter Film.

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