„Inglourious Basterds“ – Tarantino lässt Nazis killen!

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Oha, diese Kritik wird nicht leicht, was schreibt man, wenn man einen guten Film gesehen hat, aber doch enttäuscht war, weil man etwas anderes erwartet hatte. Vermutlich lässt es sich am besten mit „Jackie Brown“ vergleichen, da freute man sich auch auf einen neuen Tarantino und bekam dann doch etwas ganz anderes als „Reservoir Dogs“ oder „Pulp Fiction“. Nach „Death Proof“ und den Trailern zu „Inglourious Basterds“ hatte ich eine trashige Nazi-Abschlacht-Orgie erwartet, mit viel Gewalt, viel Coolness und viel schwarzem Humor. Aber der Film war dann ganz anders…

Shosanna konnte 1941 fliehen, als der „Judenjäger“ Hans Landa ihre Familie ermordete. Ein paar Jahre später bekommt sie die Chance zur Rache, als in ihrem Pariser Kino die Führungsriege der Nazis ihren neuen Propagandafilm aufführen will. Doch auch ein Trupp amerikanischer Söldner macht den Nazis das Leben schwer und mordet sich durch die deutschen Reihen. Auch sie erfahren von der Kinopremiere und wittern ihre Chance, die wichtigsten deutschen Nazis umbringen zu können.

Der Film besteht fast nur aus Dialogen, die zwar klasse sind, aber nicht unbedingt in Tarantinos typischem Stil. Man kann schon erkennen, welcher Regisseur dafür verantwortlich ist, und doch hat Tarantino viel Neues ausprobiert und seinen Film mit viel mehr Ernst ausgestattet, als man es erwartet hätte. Eigentlich besteht „Inglourious Basterds“ trotz seiner Lauflänge nur aus unter zehn einzelnen Szenen, hier und da gibt es ein paar „Rückblenden“, die schon mehr an „Kill Bill“ erinnern, aber ansonsten verfolgt der Film seinen eigenen Stil.

Als Schauspieler hat sich Quentin Tarantino fast nur in Deutschland bedient, auch wurde der Film fast komplett hier gedreht, daher ist er auch fast komplett deutsch und französisch, nur wenige Parts sind englisch, was gerade in Amerika nicht unbedingt das Kinopublikum erfreuen dürfte. Der bei uns gar nicht so bekannte Christoph Waltz schafft das Kunststück, alle anderen an die Wand zu spielen, hier hat der Regisseur mal wieder den richtigen Riecher bewiesen, Waltz spielt großartig, seine ganze Art, Mimik, Stimme, hier passt einfach alles. Auch die zahlreichen anderen deutschen Schauspieler wie Til Schweiger, Daniel Brühl oder Christian Berkel machen ihre Sache gut, wirklich einmalig neben Waltz spielt aber nur noch August Diehl. Brad Pitt und Eli Roth machen ihre Sache ebenfalls gut und doch vermisst man ein wenig die schauspielerischen Glanzleistungen, wie man sie aus anderen Filmen von Tarantino kennt. Warum er allerdings eine Schauspielniete wie Diane Krüger besetzen konnte, bleibt mir schleierhaft, die ruiniert mit ihrer miesen Darbietung echt fast den Film.

Insgesamt hat Tarantino Neuland betreten und ist doch seinem Stil treu geblieben, der Film ist gut, aber eben nicht rundum gelungen, eine Stunde weniger, einige Kürzungen bei den sehr langen Dialogszenen und etwas mehr Tarantino-Coolness hätten dem ganzen gut getan. Trotzdem hat er wieder einen besonderen Film geschaffen, einen Film, der sich von der Masse abhebt und zeigt, dass Tarantino immer noch wandlungsfähig ist. „Inglourious Basterds“ ist leider kein neues Meisterwerk, aber auf jeden Fall den Besuch im Kino wert.

Interessant finde ich übrigens, wie positiv der Film in Deutschland trotz seiner geschichtlich nicht ganz authentischen Story aufgenommen wird, nach Filmen wie „Der Untergang“ war die Zeit wohl reif für eine andere Umgangsweise mit der düsteren Vergangenheit. Trotzdem bin ich gespannt, wie das Publikum reagieren wird, „Inglourious Basterds“ ist eben kein typischer Tarantino, Humor und Gewalt kommen fast gar nicht vor, aber wenn, dann haben es die Gewaltszenen auch in sich.

Vermutlich muss ich den Film beizeiten noch ein zweites Mal sehen, um mir ein endgültiges Urteil unabhängig von meinen Erwartungen machen zu können, aber man kann trotzdem sagen, dass Tarantino noch lange nicht am Ende seiner Möglichkeiten ist. Ich freue mich schon auf seinen nächsten Film.

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12 Kommentare

  1. wie pau schon erwähnt hat, find ich es ebenfalls verblüffend, dass die art, wie der film mit dem geschichtlichen umgeht, plötzlich so hoch gelobt wird. da erinnere ich mich noch an diverse entsetzensrufe, als „mein führer“ in die kinos kam.

    naja. also ich fand den film gut, bis sogar sehr gut. es war eben mal wieder was anderes was tarantino da abgegeben hat. ich persönlich hatte eher eine blutige version von „ein käfig voller helden erwartet“, in der dann alle deutschen soldaten außer die in schwarz als völlig inkompetent dargestellt werden.
    noch dazu hatte man wohl erwartet, dass die handlung mehr den basterds folgt, die eigentlich kaum screentime hatten. Ein film nur aus deren sicht hätte mir noch ein stück besser gefallen. vllt gibt’s ja noch nen zweiten teil. schließlich ist ja zwischen 1941 und 1944 noch etwas zeit vergangen. im prinzip handelte der film primär von der kinobesitzerin und die basterds waren nur unerwartete nebenfiguren in ihrem plan.
    der film, wie er jetzt ist, ist eher mit „ein ‚gewöhnlichener‘ verschwörungs-anschlags-film mit tarantino-elementen“ zu beschreiben. mich haben die langen dialoge eigentlich an keiner stelle des films wirklich gestört (ok wenn krüger angefangen hat zu sprechen, wollte man dass sie schleunigst wieder aufhört, aber das war die ausnahme). insgesamt fand ich sogar, dass die 153 minuten doch recht schnell vergangen sind. ich hatte nie das gefühl, dass der film stellenweise langweilig wurde.

    mein fazit daher noch 4 sterne. mein einziger wirklicher kritikpunkt ist, dass der film insgesamt wieder zu ernst war. ich hätte eigentlich gedacht, dass tarantino es wagt, mit der thematik lockerer umzugehen.

  2. Der Film hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck.
    Ja, es ist klasse, dass Tarantino sich weiterentwickelt hat, allerdings haben die „verrückten“ Elemente mehr Spaß gemacht. Bei einem „lustigen“ Film ist es halt okay, wenn er Ecken und Kanten hat, bei einem spannenden Film, der einem in seinen Bann ziehen sollte, nicht, weil er dann an Glaubwürdigkeit verliert. Daher habe ich zwei Probleme, die das Drehbuch betreffen:

    SPOILER!!!!!

    1)Zum einen erkennt ein Nazi-General anhand Stieglitz (Til Schweiger) Gesicht, wer er ist, die Figur von August Diehl erkennt ihn allerdings nicht.

    2) Wenn ein Auftrag missglückt und mehrere Leute der eigenen Truppe getötet bzw. verletzt werden, dann sorgt man dafür, dass deren Sachen am Tatort verschwinden. Daher ist es recht lächerlich, wenn man die Schuhe und ein Zettel mit der Unterschrift einer Frau aus den eigenen Reihen unabsichtig hinterlässt.

    SPOILER ENDE!!!!

    Ansonsten ist der Film generell recht schwierig. Die Inzenierung ist überwiegend echt großartig. Es gibt, wenn auch vereinzelt, sehr schöne Bilder/Kameraeinstellungen wie auch gelungene Musik, auch wenn diese selten so gut passt, wie man es sonst von Tarantino gewohnt war. Schauspielerisch war Waltz der Hammer und Heath Ledger war der letzte, der mich so begeistern konnte. Auch August Diehl, Eli Roth oder Brad Pitt, wobei seine originale Stimme mehr rockt, Diane Krüger war leider nicht überzeugend.

    Das größte Problem des Films war die Langatmigkeit. Die Szenen sind zu lang und werden zum Glück von gelungenen Gags im Gang gehalten. Die Dialoge waren einfach wie bei Death Proof viel zu lange. Allerdings mochte ich die Idee, dass überwiegend englische Figuren von englischsprachigen Schauspielern bzw. deutsche Figuren von deutschen Darstellern verkörpert wurden, genauso wie die Sätze selber, die dementsprechend auch in diese Sprache gesprochen wurde.

    Insgesamt experimentierte der Film sehr gelungen mit dem Aufbau des Films. Er switchte hin und her und hatte die Bastarde nur sekundär im Mittelpunkt. Generell war die zweitgleisige Geschichte interessant und die Charaktere interessant aufgearbeitet. Man muss natürlich die Verrohung bzw. Verwilderung der historischen Fakten abkönnen, wenn wichtige Figuren der Geschichte auf harte Weise sterben oder derbe Gags doch ab und an gerissen werden.

    Aufgrund der zahlreichen Ecken und Kanten sind bei mir gemischte Gefühle. Er ist ein Film, den ich nicht so oft sehen werde wie die anderen Filme von ihm, abgesehen von „Jackie Brown“, weil er einfach viele Fehler hatte und man ihn hätte runder machen können. Trotzdem ist das Experiment „Basterds“ interessant und schon beachtlich, was für deutsche Schauspieler Tarantino zusammen gebracht hat. Allerdings in der originalen Sprache sicherlich noch einmal interessant.

  3. Auch ich habe mir am Wochenende diesen Film gegönnt.
    Ich war zwar gespannt auf den Film, war aber mit den Erwartungen um einiges herunter gegangen.
    Daher konnte mal wieder einen tollen film genießen.

    Die Dialoge fand ich nicht zu langatmig, da ich zu sehr in der Story drin und gespannt war, wer nun was wußte.

    Der Witz war nicht zu überladen, sondern genau richtig.
    Die Schauspielerische Leistung wirklich faszinierend.

    Es ist kein typischer Tarantino, er ist ernster, kaum Trashelemete (kann mich jedenfalls nicht an welche erinnern).
    Viel mehr wird anhand der Charaktere beeindruckend gut dargestellt,
    wie unterschiedlich der Krieg aufgenommen wurde. Aus Sicht der Soldaten, der Führer, der Opfer, der Überlebenden.

    Der Tiefgang -obwohl ich da vielleicht frauenmäßig auch zuviel hineininterpretiere- war dafür neu, gute Story, weil sie auch historisch nicht so ganz bei der Wahrheit bleibt, nicht vorhersehbar.

    Mein Fazit richtig gut und man sollte auch nicht auf die DVD warten sondern ab ins Kino!

  4. Ich weiß auch nicht genau, wie ich den Film nun finden soll. Er hatte gute Momente und aus meiner Sicht unnötige Gewaltdarstellungen.
    Die Schauspieler waren überwiegend gut, aber auch nicht alle (wie schon mehrmals erwähnt ^^ )
    Die Geschichte und die Lacher sind schon kinowürdig, aber so richtig begeistert war ich hinterher nicht.

    Na ja… der Kult um Tarantino wird mir weiterhin fremd bleiben.
    Aber ich werde versuchen, bei Gelegenheit mal „Jackie Brown“ zu gucken, da er vielerseits lobend hervorgehoben wurde. ^^

  5. Mir hat der Film sehr gut gefallen. Alerdings verstehe ich nicht warum sie hier im Fernsehn mit scenen werben die im Film garnicht enthalten sind.

  6. Also mir hat gut gefallen der Dialog hat mich überrascht da ich mir sowas nazis makers pur eingestellt war, Tarantino hat anscheinend weiter entwickelt. Was nur einbisschen störte das nicht geschichts nahe war ,aber es nicht unbedingt geschichts nahe und gut.
    Ein ganz unterhaltsamer Film wirklich.

  7. Zum ersten angesprochen „Fehler“

    Zitat: „1) Zum einen erkennt ein Nazi-General anhand Stieglitz (Til Schweiger) Gesicht, wer er ist, die Figur von August Diehl erkennt ihn allerdings nicht.“

    Es liegen 3 Jahre zwischen den Szenen, in der Zeit ist Stieglitz schon kalter Kaffee …

  8. Wenn für den einen oder anderen vielleicht etwas unerwartet: aber ich muss schon sagen, dass der Film mir gut gefallen hat. Vielleicht liegts auch daran, dass ich im Vorwege ja schon einiges mitbekommen habe.
    Also, mir hat’s gut gefallen; auch die Tatsache, dass doch relativ viele Deutsche mitgespielt haben (das befördert zwar so manches Vorurteil über die Deutschen, zeigt aber auch, dass sie schauspielern können …)

  9. Dieser Film ist ein Geschenk Tarantinos an die Deutschen (laut stern!) und als sozusagen „Was wäre, wenn…!“ Beitrag gedacht. Tarantino wusste um den Hass der Deutschen auf Adolf Hitler und suchte sich deswegen auch deutsche Schaspieler aus (Til Schweiger wird es ihm danken!)
    Rabenschwarzer Humor vom Feinsten, natürlich auch Blut und jede menge unnötiges Geplänkel… aber das kennt man ja von Tarantino!
    Hoch die Daumen!

    „Das ist ein …Bingo!!“ :D, :D,:D

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