„2012“ – Weltuntergang à la Emmerich

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Roland Emmerich inszeniert erneut eine Zerstörungsorgie. Ob in „Independence Day“, „Godzilla“ oder „The Day after Tomorrow“, Emmerich liebt pompöses Hollywood-Spektakel und nach dem in jeder Hinsicht versagenden „10.000 B.C.“ hat er nun anscheinend beschlossen, ein Katastrophen-Best-Of seiner Filme zu inszenieren. Mit allen Schwächen, die er seit jeher hat und die eher schlimmer als besser werden; allem voran ein schlechtes Drehbuch mit Kitsch und dürftigen Dialogen. Wer einzig und alleine Weltuntergangsaction sehen will und die Gedanken an Logik verdrängen kann, wird optisch allerdings gut bedient.

Inhalt

Im Jahr 2012 tritt der mit dem Ende des Mayakalenders prophezeihte Weltuntergang in Form einer Erdkrustenverschiebung und den daraus resultierenden Phänomenen ein. Die amerikanische Regierung hat das schon länger verheimlicht, doch Wissenschaftler Adrian Helmsley (Chiwetel Ejiofor) und der US-Präsident (Danny Glover) kämpfen weiterhin für die richtige Sache. Auch die entzweite Familie um Jackson Curtis (John Cusack) muss die Zerstörung der Welt mitansehen, aber Jackson hat durch Zufall von dem verrückten Verschwörungstheoretiker Charlie Frost (Woody Harrelson) gehört, dass die Regierung an einem fernen Ort heimlich Raumschiffe baue, um die Menschheit zu erhalten. Er macht sich mit seiner Familie auf den Weg, wobei er an Land, in der Luft und auf dem Wasser Erdbeben, Vulkanausbrüche und Flutwellen überstehen muss…

Kritik

Roland Emmerich ist sicherlich nicht der Originellste und seine Filme laufen meist nach ähnlichem Schema ab. Doch auch, wenn man die Hoffnung, dass er aus seinen Fehlern gelernt haben könnte, nie ganz aufgeben mag, sollte man es einfach tun und hinnehmen, dass man bei seinen Filmen einfach nicht mehr als bombastische CGI-Action bekommen wird.

Sämtliche Schwächen, die seine Filme seit jeher gehabt haben, treten auch bei „2012“ wieder auf. Allen voran ein unlogisches, nicht stimmiges Drehbuch, was an krassen Zufällen, deus ex maschinae, unglaubwürdigen Aktionen und stereotypischen Charakteren nur so wimmelt. Letztere sind so eindimensional, wie man es sich nur vorstellen kann und bekommen Dialoge und Oneliner in den Mund gelegt, dass man sich manchmal wirklich fremdschämen muss. Dazu die übliche Menge an US-Patriotismus, politischer Korrektheit und sehr viel Kitsch. Emmerich fokussiert sich dabei wieder erneut nicht auf eine Hauptperson, sondern wechselt zwischen mehreren.

In diesem Film hat er erneut einige wirklich gute Schauspieler engagieren können, die leider einfach nur unfassbar unterfordert bleiben und ihr Können nicht zeigen dürfen, allen voran John Cusack. Woody Harrelson „overactet“ so sehr, dass man seine humoristische Rolle irgendwie auch nicht wirklich mag, dafür ist sie einfach auch – wie eigentlich alle anderen – zu sehr stereotypisch und altbekannt. Mitfühlen oder mitfiebern fällt einem somit schwer. Mit 158 Minuten ist „2012“ generell schon unnötig lang, was aber gerade angesichts der dürftigen Charakterzeichnungen besonders negativ auffällt und sich der Schluss stark zieht und es auch dauert, bis der Film in Schwung kommt.

Generell bleibt Emmrich wieder sehr familienfreundlich und wer glaubt, bei dem Weltuntergang Blut zu sehen oder darauf hofft, dass die Hauptperson auch nur eine kleine Schramme abbekommt, wird nicht bedient werden.

Der Film bietet eigentlich nichts Neues. Es kommt einem alles irgendwo bekannt vor. Sowohl die Katastrophenszenarien, die Schauplätze oder die Handlungsmuster wie z.B. die kaputte Familie, die angesichts der Katastrophe wieder zusammenfindet. In vielerlei Dingen erinnert der Film (natürlich neben den anderen Emmerich-Filmen) besonders an „Krieg der Welten“ (dem man dann doch anerkennen muss, einen anderen Weg zu gehen, sich auf eine Familie fokussiert hat und auf die Sicht der Regierung und des Militärs und die Zerstörung von Sehenswürdigkeiten weitestgehend verzichtet hat). Nahezu alles, was man an „Krieg der Welten“ kritisieren konnte, tritt hier in zehnfacher Potenzierung auf. Hat man sich da über Unlogik und Unglaubhaftigkeit geärgert, sollte man „2012“ nicht sehen. Auch das Szenario, dass ein einzelner unter Tausenden immer überlebt und direkt hinter ihm alles zusammenbricht, wird meiner Meinung nach in „2012“ auf ein nie dagewesenes Rekordniveau befördert. Auch hat man teilweise das Gefühl, innerhalb des Films die gleichen Szenen immer wieder zu sehen, z.B. die beiden Flugzeugstarts, während die Landebahn auseinanderfällt.

Aber was hat man erwartet? Dass diese ganzen Emmerich-Elemente vorkommen würden, hat wohl niemanden verblüfft. Ausgefeiltheit oder Tiefgründigkeit sollte man einfach nicht suchen, dafür ist der Film an Bombast kaum zu überbieten. Dass der Film sich auch wieder sehr ernst nimmt und extrem pathetisch daherkommt, war auch zu erwarten.

Trotz allem hat der Film optisch eine Menge zu bieten; die Zerstörungsorgien sehen fast durchgehend sehr gut animiert aus und Freunde von Popcorn-Action oder Katastrophenfilmen werden vollstens auf ihre Kosten kommen. Von mir persönlich bekommt der Film zwei Sterne, da meine Erwartungshaltung nicht mehr als ein paar nette Bilder erwartet hat.

Fazit

Emmerich bleibt Emmerich. Wer auf seine Art, Katastrophenfilme zu inszenieren, steht und dabei über die ganzen Schwächen hinwegsehen kann, der wird angesichts des gigantischen Ausmaßes der Zerstörung bei „2012“ nicht enttäuscht werden. Denn optisch kann sich der Film (wenn auch extrem CGI-lastig) sehen lassen. Wen Unlogik, Kitsch, schlechte Oneliner und Dialoge, stereotype Figuren und Handlungsmuster oder eine unnötige Laufzeit von zweieinhalb Stunden abschrecken, sollte lieber zuhause bleiben. Der Film verschenkt von Emmerich gewohnt viel Potential, will einfach nur bombastisch und laut sein. Wem dies reicht und wer weiß, worauf er sich bei Emmerich einlässt, der wird mit „2012“ gut unterhalten werden. Und das sind anscheinend eine Menge angesicht der hohen Einspielergebnisse.

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18 Kommentare

  1. Nun, ich kann mich eigentlich fast in allen Dingen anschließen. Wirklich seichte Handlung mit so einigen Unstimmigkeiten. Allerdings keine schlechte Bestzung der Darsteller. Natürlich gibt der Film aufgrund der vielen ANimationen viel her, was ich allerdings nie bezweifelt hätte.

    FAZIT:

    Meine Erwartungen wurden definitiv nicht enttäuscht und es war eine ziemlich gute Unterhaltung für Freitag Abend.
    Ein „Emmerich“ eben… Demzufolge von mir 4 Sterne ;)

    LG Moviemaster

  2. Ich kann mich eigentlich auch nur den Dingen anschließen. Leuten mit hohen ansprüchen sollten von diesem Film fern bleiben.

  3. Ich habe mir den Film in unserem größten Kino angesehen und war von den Effekten beeindruckt.

    Doch bereits in der Pause hat man gemerkt, dass der Film einen nicht wirklich fordert. Man hatte nichts, worüber man hätte sprechen können, außer: Schon viel Weltuntergang, oder?? ;O)

    Zum Inhalt, kann man nicht viel sagen, weil es einfach recht wenig Inhalt gab. Die schon erwähnten Szenen, in denen der Hauptdarsteller natürlich noch grad eben ÜBERALL rauskommt, waren schon nervig – aber man hat ja noch nicht mal mehr den Anspruch an Roland.

    Logikfehler fallen mir im nachhinein nicht wirklich viele ein, ausser…

    Spoiler

    [spoiler] die Russenfreundin in der Kammer, die zwischen den anderen beiden Kammern ertrinkt, wobei die anderen Kammern nicht überlaufen. Da habe ich mich schon gefragt, wo denn das ganze Wasser herkam… obwohl der Tod der jungen Dame, auch gar nicht mehr erwähnt wurde.

    Was mich aber noch viel mehr geärgert hat, dass man es den ganzen Film unterschwellig kritisiert, dass man die Menschen weder über die kommenden Ereignisse informiert, noch die Möglichkeit bietet, sich die Tickets für die Archen leisten zu können.
    Daraufhin zeigt sich ja der US-Präsident ja so heldenhaft dar, dass er das alles ausplaudert und ja auch noch zurückbleibt und den Heldentot stirbt.
    Aber als die eine Arche nicht fertig gestellt werden kann oder defekt war, und die Bonzen eben doch sterben dürfen, wird auf einmal geswitcht Da sind es keine Bonzen mehr. Die Thematik, dass die nicht so liquiden Menschen sterben müssen, und die Reichen nicht, muss ja noch geklärt werden. Also sind die Bonzen auf einmal die Armen. Also trifft man die Enscheidung, dass die doch noch mitgenommen dürfen. Feritg Problem gelöst! – HÄ?!

    Da frage ich mich nur, ob der „Witz“ am Ende des Films, dass wahrscheinlich nur Afrika nicht überflutet und völlig zerstört wurde und die Bonzen sich nun dort zurecht finden müssen und mit dem Fußvolk abgeben müssen, auch so gewollt war. [/spoiler]

    Alles im Allem ein Emmerich. Nicht mehr erwartet, heute schon fast wieder alles vergessen.
    Kann man anschauen, muss man aber nicht.

  4. Also ich finde den Film echt genial und halte ihn sogar für einen der besten Filme, die jemals gedreht wurden. Nicht unbedingt von der Story her – nicht verwechseln, da gibts echt bessere. Aber die Umsetzung, die Effekte… wow.. find den Film echt klasse.

  5. es is‘ halt n‘ emmerich.
    ich weiß emmerichs filme schon sehr zu schätzen, da ich eine besondere taktik entwickelt habe, mir mir seine filme anzusehen:
    ich schalt mein hirn aus und schau die schönen bilder von zerberstenden flugzeuglandebahnen und bekifften hippies, die sich den ausbruch des yellow stone nationalparks ansehen, an, und denke mir: vielleicht sollt ich mir doch ein schlauchboot kaufen. nur zur vorsicht ;))))

    freundlichst,
    Dr. V. Raptor

    P.S.: lernt schwimmen, leute :)

  6. Puh, kaum Zeit zum Atmen, kaum Zeit zum Nachdenken… aber nur soviel: Der Film schraubt sich langsam hoch, dreht dann richtig auf und überrascht mit einigen guten Stellen, die wirklich Erstaunen und sogar ein Lächeln auf das Gesicht zaubern:
    1.) in der vollbesetzten Limo raus aus San Franciso, rübergejampt über aufgeplatzte Straßen,…ups, ne aufgerissene Abwasserleitung, die das Auto voll mit unapettlichen Mist vollspritzt (!) … kurzer Lacher… dann 2 alte Tanten, die sich in höchster gefahr an die Geschwindigkeitsbegrenzung halten wollen und natürlich den Helden eine sichere Flucht fast unmöglich machen (!)… der wagen rast durch einstürzende Hochhäuser (sehr effektvoll), entkommt nur knapp der Todesbrunst… und schlittert schrottreif auf den Flugplatz…
    2.) natürlich sterben Menschen… und zwar recht viele und so detailliert, dass man schon meinen könnte in jedem einzlenen Gesicht (und es sind viele!) Panik und Angst zu erkennen! Ob FSk ab zwölf so klug war?…Woody Harelson stirbt einen packenden, ergreifenden Tod („…vergesst nicht, dass ich es war, der euch als Erster davor gewarnt hat!“), den Obama (!) in nichts nachsteht („Ich komme jetzt zu dir, Schatz!“).
    3.) trotz der … und da gebe ich meinen Vorredner recht… etwas stressigen Hatz… hat der Film seine lustigen Momente, wenn z.B. der russische, egoistische Milliardär trockene Sprüche ablässt, die jeden Besucher kurz auflachen lassen: „Wirrr nähmen den Bentley!“, „Spracherkennung! Hat auch misch überzeugt!“… naja, muß man wahrscheinlich dabei gewesen sein…
    4.)Angela Merkel…öh, wieso sieht die im Film besser aus als… naja, egal… anderes Thema.

    Sieht man über Logikfehler hinweg („Afrika ist der einzige Kontinent der von den Tsunamis nicht überrolt wurde, weil er sich mehrere Hundert Meter nach oben geschoben hat!“ …(???)) ist es ein gutes Filmchen, das unterhält. Es soll nicht belehren – dafür sind die Sprüche der ernsthaften Charaktere zu polemisch und etwas schwulstig- aber es wird den Kinobesuch unvergesslich machen.

    In diesem Sinne: Hirn aus – Film an!

  7. Jo, nichts Neues von mir, tolle Bilder, großartige Action, aber ansonsten alles voller Logiklöcher, stereotyper Charaktere und schlechter Dialoge. Emmerich kann mit bombastischen (und sehr gut gemachten) Bildern erneut überzeugen, aber ansonsten bietet der Film nicht wirklich viel.

    Aber wie gesagt, niemand hat mehr erwartet, keiner dürfte enttäuscht aus dem Kino gekommen sein und nach „10.000 B.C.“ wieder einen Actionfilm geliefert, der mit ausgeschaltetem Gehirn wirklich gut unterhalten kann.

  8. Der Film ist sicherlich nicht die Innovation schlechthin, aber die Effekte sind einfach der Wahnsinn… alleine deswegen lohnt es sich schon, den anzuschauen, und wenn ihr mich fragt schaut ihn euch im Kino an und nicht im TV oder auf dem PC Monitor, im Kino ist es nochmal geiler.

  9. Avatar ist glaube ich nicht besser als 2012. Leute, die den Film gesehen haben, sagen, er wäre nicht besonders. Da ist 2012 sicherlich besser

  10. Oh doch! Meiner Meinug nach hat Avatar sowohl in Sachen Handlung als auch in Sachen Effekte mehr zu bieten ! Aber warten wir doch lieber erstmal auf die Flimmer Kritik ;), bevor das eigentliche Thema bei diesem Post verdrängt wird :D

    LG

  11. die Wertung von 3.22 passt ganz gut denke ich. MAn kann eben mit Effekten alleine keinen guten Film machen, das müssen die Produzenten einfach merken

  12. ich hab jetz endlich gecheckt wie die freundin vom russn in dieser kammer ertrinken konnte: das wasser kam oben durch das gitter, wo sie sich dann zum schluss dagegen drückt rein!
    und wieder wurde ein wichtiges filmtechnisches rätsel gelöst ;D

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