„Zweiohrküken“ – Peinlich und enttäuschend!

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Ich werde das Phänomen Til Schweiger wohl nie begreifen können, da ist er zu großartigen Filmen wie „Barfuss“ oder tollen Komödien wie „Keinohrhasen“ fähig und dann dreht er Rohrkrepierer wie „1 1/2 Ritter„. Als Fan von „Keinohrhasen“ wusste ich lange nicht, was ich von dieser Fortsetzung halten sollte, aber nach dem Trailer hatte ich wieder Hoffnung, dass hier vielleicht doch der Humor und die Klasse des ersten Teils erneut getroffen werden könnte. Wie schlimm es dann werden würde, hatte ich echt nicht gedacht, aber die Fortsetzung bestand jetzt nur noch aus Beziehungs-Klischees und absolut peinlichen, niveaulosen Witzen. Von der Originalität von „Keinohrhasen“ war wirklich nichts mehr zu spüren, selbst Nora Tschirner wirkte seltsam blass und gelangweilt.

Ludo und Anna sind seit einiger Zeit zusammen und stellen fest, dass der Alltag dann doch komplizierter sein kann als die Liebe, die mal am Anfang einer Beziehung stand. Als dann auch noch Ex-Beziehungen wieder auftauchen, müssen Ludo und Anna schauen, wie stark ihre Liebe wirklich ist.

"Keinohrhasen" hatte eine tolle Mischung, die ihn von der Komödienmasse abheben konnte, die Gegensätze von Ludo und Anna und der Welt, in der sie lebten und arbeiteten, machten hier die witzige Story aus. Auch die Nebencharaktere passten perfekt in die Story, die zudem recht originell und abwechslungsreich daher kam. Bei "Zweiohrküken" ist davon nichts mehr zu spüren, die neuen Nebencharaktere wirken blass, klischeehaft und werden nicht richtig ausgebaut, der von Matthias Schweighöfer gespielte Moritz ist plötzlich ein peinlicher, sexgeiler Trottel, der zu blöd ist, eine Frau ins Bett zu bekommen. Und Ludo und Anna sind weit weg von den Gegensätzen, die sie im ersten Teil noch so ausgezeichnet hatten. Ludo kommt viel zu brav daher und Anna wirkt wie die normale Tusse von nebenan, nichts mehr von diesem besonderen Auftreten, was sie im ersten Teil ja noch von anderen Frauen abgehoben hat.

Aber viel schlimmer ist es, dass Til Schweiger bei seiner Fortsetzung nicht nur alle Fortsetzungsfehler bedient, sondern auch noch jede Menge neue erfindet. Viel vom ersten Teil wird nicht übernommen, und die wenigen Elemente wollen irgendwie absolut nicht zum Vorgänger passen. Der Kindergarten kommt nur noch am Rand für ein paar "Ach, was hat der Schweiger für niedliche Kinder"-Szenen vor, für die Handlung ist er ansonsten komplett unwichtig, naja, eine Handlung in dem Sinne gibt es ja gar nicht. Generell macht Schweiger es sich einfach und bedient das anspruchslose Publikum mit allem, was immer greift, nimmt die klischeehaftesten Situation von Männern und Frauen, mit denen schon Mario Barth ständig die Welt beleidigt, verpasst Nora Tschirner in einer Traumsequenz riesige Brüste, lässt ihren Ex-Freund mit überdimensionalem Genital aus dem Bademantel ragend durch die Wohnung laufen und drückt Matthias Schweighöfer eine schreckliche "Oh, mein Gott, was kann ich Peinliches mit meiner Kacke machen, die ich nicht runterspülen kann"-Szene aufs Auge. All diese Sachen hatte "Keinohrhasen" nicht nötig, warum hätte man nicht einfach in diesem Stil weitermachen können?

Neben diesen ganzen Peinlichkeiten läuft der Film recht unspektakulär durch und kann hier und da dann doch die ein oder andere lustige Idee und manchmal aus Versehen sogar einen lustigen Gag bieten, der Flirtkurs mit Uwe Ochsenknecht gehört dann doch zu den Highlights des Films. Schade, dass Nora Tschirner dieses Mal nicht wirklich positiv auffällt, da hatte ich eigentlich gedacht, dass sie den Film mit ihrer natürlich Art immer retten könnte, aber wenn man ihr im Drehbuch jegliche Originalität aus der Rolle schreibt, kann das natürlich nichts werden.

Ich glaube, am schlimmsten fand ich wieder einmal, wie glücklich man ein Kinopublikum mit derart schlechten Witzen machen kann, ich war im Kino eigentlich wieder der einzige, der nicht über große Geschlechtsmerkmale und fliegende Exkremente lachen konnte. So gesehen wird auch dieser Film sicher wieder großartig beim Publikum ankommen, die Masse steht ja schließlich auch auf Mario Barth (Karten für seine neue Comedy Show, online schon zu bestellen). Für mich kommt der Film leider wieder in die Schublade vergeigter Fortsetzungen, die nicht nur nichts aus ihren Möglichkeiten gemacht haben, sondern auch noch die Vorlage brutal mit Füßen treten. Schade, Til, das war es dann wohl, „1 1/2 Ritter“, „Far Cry“ und „Zweiohrküken“ sind wohl deine neue Welt, einen neuen „Barfuss“ kann man wohl leider nicht mehr erwarten…

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7 Kommentare

  1. Nun, es stand irgendwie zu erwarten, in welche Richtung das driften würde. Wenn man ehrlich ist, dann war auch „Keinohrhasen“ nicht unbedingt der Superüberflieger sondern über weite Stellen eher mässig und nicht annähernd in der Lage mit „Barfuss“ mitzuhalten.
    Nichts desto trotz mag ich den Til und bin weit davon ab ihn zu abzuschreiben. Ich erwarte auch in Zukunft noch einiges von ihm.
    In der Zwischenzeit mecker nicht immer nur rum, Pau, sondern schau Dir „Phantomschmerz“ an. Da gibts den anderen Til – den guten.

  2. Sehr treffend dieser Bericht :)
    Ich war ein großer Fan von KeinOhrHasen, weil ich wirklich lachen konnte und vorallem Matthias Schweighöfer super fand :)
    Aber ZweiOhrKüken hat mich richtig enttäuscht.
    Schweiger is total unten durch, er is einfach nur geschmacklos und Nora Tschirner sollte in Zukunft nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten, die finde ich sonst super :)
    Zum Glück war da noch Matthias Schweighöfer, mein einziger Lichtblick in diesem misslungenen Film.

  3. Ich habe mir den Film „ZweiOhrKüken“ angeschaut. Ich muss sagen ich fand den Film echt super. Ich kann mir gar nicht erklären woher die ganzen schlechten negativen Kommentare her kommen. Es waren sehr viele Stellen im Film wo man richtig lachen konnte. Aber ich glaube es ist halt wie mit allem im Leben, reine Geschmacksache. Ich würde mir den Film jederzeit wieder anschauen. Für mich ganz klar, Daumen nach oben!

  4. So, habe jetzt alles aufmerksam durchgelesen (+Interview mit Till Schweiger, etc.)

    Kinofilme sind eben genauso wie Musik reine Geschmackssache. Ich bin ein Typ Mensch der sehr viele anschaut, meistens geht mein Filmgeschmack in eine ganz andere Richtung: Sehr gute Filme waren für mich u.a. Das Leben ist schön, Before Sunrise, Der Pianist. Nur um einen Einblick zu erhalten auf welche Filme ich normalerweise stehe!

    Ich habe mir damals schon Keinohrhasen im Kino angesehen und fand den Film total klasse. So gut dass ich ihn mir sogar auf DVD gekauft habe, was ich eigentlich nur bei absolut genialen Filmen mache (siehe oben).

    Jetzt die Fortsetzung: Zweiohrküken! Hatte schon von Freunde teilweise eine negative Kritik gehört und war deswegen schon total gespannt. Aber nichts desto trotz: Der Film hat mich umgehauen. Ich saß lachend im Kino und konnte mich kaum halten. Gut, es fehlten teilweise diese super Dialoge, aber rein Unterhaltungsmäßig hat es an nichts gefehlt: Dieses Gefühl des „Fremdschämens“ was ich sehr oft im Film empfunden habe, fand ich extrem gut.

    Leute wollen in der heutigen Zeit nach nem langen Arbeitstag nicht noch durch steiffe Filme unterhalten werden, es muss etwas dabei sein, dass einen abschalten lässt und lachen lässt. Das hat der Film genau getroffen!

    Zum Interview: Was ist in dem Interview gegen Till Schweiger einzuwenden?
    Ich selbst bin ein begnadeter Spiegel TV Zuschauer, aber das Interview war ein offener Schlagabtausch, jeder konnte seine Meinung äußern, aber deswegen ist mein Bild von ihm nicht „ruiniert“. Jeder darf schließlich seine Meinung haben und diese äußern und so hat er es gemacht. Ich finde sogar dass das Interview ihn sympathisch gemacht hat. Ein Mensch der nicht gleich einknickt.
    Und ganz ehrlich, ich würde jemanden von dem ich eh eine schlechte Kritik erwarte auch meinem Film nicht umsonst zeigen, was habe ich denn davon?

    Naja, am Ende wird eh wieder das Wort „Geschmackssache“ diese Diskussion hier beenden.

    Mein Fazit: Super Film!

  5. Danke, ist mir aus der Seele geschrieben! Rege mich gerade über „What a Man auf“ und wollte mal schauen, ob die alten Matthias Schweighöfer-enthaltenden Filme auch so unkritisch betrachtet wurden. Gott sei Dank nicht!

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