„Prince of Persia: Der Sand der Zeit“ – Wie erwartet mäßig

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Mit „Prince of Persia“ versuchen Disney und Bruckheimer ziemlich offensichtlich, ihr erfolgreiches „Fluch der Karibik“-Konzept in einem neuen Franchise zu imitieren. Nur mit Sand statt Wasser. Abenteuer, Exotik, Witz, Action und Fantasy – man wusste eigentlich ziemlich genau, was einen erwartet. „Prince of Persia“ schafft es aber leider nicht recht, diese (eigentlich ja nicht wirklich hohen) Erwartungen zu erfüllen. Letztlich ist er zwar kurzweilig und hat einige Schauwerte zu bieten, entbehrt aber wirklich interessanten Charakteren oder einer spannenden Story. Der Film ist (für Pessimisten) wie erwartet – oder (für Realisten) vielleicht eher wie befürchtet. Denn trotz netter Ideen bleibt der Film sehr oberflächlich und ist recht billig inszeniert, und nimmt sich (im Gegensatz zum Piraten-Pendant) auch noch verhältnismäßig ernst.

Inhalt

Im Persien des sechsten Jahrhunderts wird ein Waisenjunge von der Adelsfamilie adoptiert. Dieser Prinz Dastan (Jake Gyllenhaal) führt später die persische Armee an und sorgt für die Eroberung der heiligen Stadt Alamut. Dort stößt er nicht nur auf Prinzessin Tamina (Gemma Arterton), sondern ihm fällt ein geheimnisvoller Dolch in die Hände, der die Zeit zurückdrehen kann. Doch König Sharaman, Dastans Vater und Bruder von Nizam (Ben Kingsley), wird ermordet und der Prinz der Tat beschuldigt. Er flieht mit der Prinzessin, um die Rätsel aufzuklären, die letztlich sogar das Ende der Welt bedeuten könnten…

Kritik

Tolle Orte, gute bis mäßige Animationen, großartige Stunts und fähige Schauspieler machen leider noch keinen guten Film. Es wird wohl niemand bezweifeln, dass einige Actionszenen nett sind und der Film optisch sehr ansprechend ist, doch Spannung, Einfallsreichtum oder einen Hauch von Tiefe vermisst man, auch ist die Hauptgeschichte merkwürdig holprig. So kommt Spannung niemals wirklich auf, außer für kurze Momente; aber der Film fiebert keinem Ende wirklich entgegen. Die sich wiederholenden Sequenzen tragen leider auch zu keinem Spannungsaufbau bei (ähnliches Problem bei „Harry Potter 3“). Der Film wirkt somit ziemlich lieblos gemacht; denn man erkennt doch genug gute Ansätze und Ideen (z.B. das Straußenrennen), aus welchen ein stimmiger Film hätte werden können.

Durch das Setting erinnert der Film gleich an „Die Mumie“, aber er kommt weder an dessen Ironie oder Leichtigkeit heran, noch an seine Spannungsmomente. Eher ist der Film wie „Tomb Raider“ und ihm mangelt es nicht an Optik und Abenteuerfeeling, sondern er scheitert beim mittelmäßigen Drehbuch mit oberflächlichen Personen und schlechten Dialogen: Eine Abenteuer-Videospielumsetzung, bei der man viel Wert auf Optik und akrobatische Leistungen gemäßig der Spielfigur gesetzt hat, dem Charakter und der Story aber weder Komplexität noch Einfallsreichtum zugestanden hat, und der ein wenig billig wirkt. Aber immerhin hat sich „Tomb Raider“ weniger ernst genommen.

Gute Filme sind meist spannend, weil die Charaktere es sind. Der persische Prinz allerdings besitzt viele Standardtugenden und ist durch und durch naiv-gut, hat kaum Kanten und kann körperlich quasi alles, und dies mit links und ohne Anstrengung. Somit ist der Charakter recht langweilig und dient nur dazu, von naiven Mädchen angeschmachtet und Jungs bewundert zu werden. Denn leider zeigt sich der Prinz zu allem Überfluss auch noch oft in pathetischen Zeitlupen, die jeglicher Ironie eines überzeichneten Jack Sparrows beispielsweise entbehrt. Anfangs kann man sich mit dem Prinz, der arrogant-unreflektiert (nicht verwegen oder sich dessen bewusst) erstmal eine Stadt zu Grunde richtet, wenig identifizieren, später ist er nur noch langweilig idealistisch. Zudem nimmt der Film seine (oberflächliche) Titelfigur ein wenig zu ernst (im Vergleich zur „Mumie“ oder eben „Fluch der Karibik“) und das ständige pathetische Posen in Zeitlupe lässt einen eher Schmunzeln anstatt gefesselt zu werden.

Da wäre viel mehr drin gewesen, denn ein genialer Charakterdarsteller wie Jake Gyllenhaal, der im Popcorn-Kino eher auf neuem Terrain ist, hätte dem Prinzen mehr als nur Charme, den er zweifelsohne besitzt, verleihen können. So bleibt Gyllenhaal leider oft nicht viel mehr übrig, als seinen Hundeblick und den erschreckend aufgepumpten Körper (was jedem Gyllenhaal-Fan wohl in der Seele wehtut) zu präsentieren und viel Roof-Jumping zu betreiben. Auch Alfred Molina und Ben Kingsley sind ähnlich gefangen in ihren strikt ausgelegten Rollen; auch sicherlich beides hervorragende Schauspieler, die bemüht wirken, aber sich nicht wirklich austoben können. Bondgirl Gemma Arterton (dort hat sie mir gut gefallen) hingegen zeigt meines Erachtens leider erneut nach „Kampf der Titanen“, dass sie eine optische Delikatesse ist, aber viel mehr als eine dekorative Funktion leider nicht zu bieten hat.

Auf die üblichen Disney-Bruckheimer-One-Liner (à la „Du stehst auf Schmerzen – probier’s mal mit einem Korsett“) konnte man natürlich nicht verzichten, ebensowenig auf Schmalz, Kitsch und Ultra-Happy-End. Die Romanze ist nicht nur unglaubwürdig im Sinne von Realismus, sondern selbst für Blockbusterfilme ziemlich platt und auch die genretypischen Stichelleien zwischen den zwei Hauptpersonen wirken zu oft aufgesetzt und wollen meist nicht wirklich zünden.

Große Tiefgründigkeit hat man nicht erwartet, aber weder der Film noch die Personen sind rund. Während das Piraten-Pendant, sicherlich auch kein tiefsinniges Kino, durch nette Details, Hauptfiguren mit Ausstrahlung und sympatische Nebenfiguren oder die geniale Musik besticht, fehlt sowas hier weitestgehend. Und wo man beim (ersten) „Fluch der Karibik“ gerade durch die abwechslungsreichen, umwerfenden Landschaften überzeugt hat, sind hier oft leider nur Computereffekte zu sehen (die Eroberung einer ostländischen Stadt hat man in „Königreich der Himmel“ schonmal deutlich besser und weniger künstlich aussehend zu Gesicht bekommen).

Auch die Action kann trauriger Weise nicht hundertprozentig überzeugen: Die akrobatischen Einlagen, die die Spieleserie wohl dominieren, wurden sehr in den Filmmittelpunkt gerückt. Sie waren auch wirklich gut choreografiert, Respekt vor den Stuntmen und den Schauspielern, aber leider oftmals nicht besonders gut inszeniert: Mike Newell („Harry Potter 4“) setzt in diesem Film unglaublich viele Zeitlupen und -raffer ein; oft auch noch in derselben Einstellung – was ziemlich billig wirkt und die Acionszenen und Stunts ein wenig schlecht macht. Die Animationen wechseln von gut bis mäßig; aber die unschöne Tendenz, immer mehr zu animieren und weniger auf Sets zu setzen, ist hier bemerkbar wie selten. Sehr schade. Die realen Orte und Kulissen sind allerdings sehr schön und positiv ist auch, dass die Stunts echt gewesen sind und nicht animiert.

Da ich keines der zahlreichen Videospiele des persischen Prinzen kenne, kann ich zur Spiele-Umsetzung nichts sagen; weder hinsichtlich der „The Sands of Time“-Geschichte, die anscheinend von der Spielestory sehr frei interpretiert worden ist, oder zu grundsätzlicher Charakterauslegung aus dem Spieleuniversum.

Fazit

„Prince of Persia“ liefert pompöse Unterhaltung: Wüstenbilder, Standardgags und eine Pseudo-Handlung als Gerüst für zahlreiche Effekte und gewaltige Bilder. Im Vergleich zum ersten „Fluch der Karibik“ (der sich einem förmlich aufzwängt) kann der Film leider in keinem Fall mithalten. Gyllenhaal macht seine Sache souverän, aber dem Film mangelt es an Atmosphäre, einer raffinierten Geschichte oder interessanten Figuren. Ein Dastan ist leider kein Sparrow. Ähnlich wie „Kampf der Titanen“ bietet der Film ein ziemlich künstlich-animiertes Effektgewitter, das stellenweise Spaß macht, aber mehr auch nicht. Mit fähigen Schauspielern wie Gyllenhaal, Molina oder Kingsley hätte man sicherlich viel mehr aus dem Setting des persischen Prinzen herausholen können. So ist seichte Unterhaltung draus geworden, die einen zwar nicht wirklich enttäuscht, aber ebenso wenig überzeugt. Mit gutem Willen gebe ich noch drei Sterne.

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Ein Kommentar

  1. Der Film hatte einen gewissen Unterhaltungswert, aber unter den Highlights dieses Kinojahres wird er sich wohl nicht wiederfinden. Schade, dass man da nicht mehr rausholen konnte.

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